30. Mai 2013

Rennbericht: Granfondo Nove Colli Cesenatico 2013

Zum dritten Mal in Folge startete ich am Granfondo Nove Colli in Cesenatico, dem grössten Volksradrennen in Italien!

Die letztjährige Teilnahme verlief nicht nach meinen Wünschen, es regnete die Hälfte der Zeit, ich hatte starke Rückenschmerzen und schlussendlich funktionierte mein Zeitmesschip nicht... Obwohl ich mit 6 h 50 min eine dennoch gute Zeit fuhr, wollte ich dieses Jahr eine persönliche Wiedergutmachung!

So stand ich also um 6.00 Uhr mit 12'000 anderen Teilnehmern an der Startlinine und war bereit für grosse Taten. Ich erhielt Nummer 482 und konnte erneut im ersten Block losfahren, dies hat vor allem den Vorteil, dass man freie Bahn hat und nur wenige langsame Fahrer überholen muss.

Seht ihr mich?

Die ersten 50 km gehen jeweils zügig vorbei und wurden dieses Mal mit einem 43er Schnitt zurückgelegt. Schön zu sehen war wieder, wie fair und kollegial es bei den Italienern zu und her geht! Man nimmt aufeinander Rücksicht, gibt Handzeichen und Signale weiter, macht den schnelleren Fahrern Platz und auch ein Smalltalk liegt mal drin! Kein Vergleich zu den Rennen in der Schweiz, bei denen viele Fahrer extrem verbissen sind, viel fluchen und auch mal die Ellbogen ausfahren (darum fahre ich keine Rennen mehr bei uns)...

Nach den ersten zwei Hügeln hatte sich das Feld in die Länge gezogen und die ersten Gruppen bildeten sich. Ich war relativ weit vorne dabei und merkte langsam, dass sich meine Form erstaunlich gut anfühlte. Bis zum Rennstart hatte ich einige Bedenken, da ich die vier Wochen zuvor wieder als Bikeguide in der Toscana arbeitete und mir fast keinen Ruhetag gönnte. Aber das Training schien sich auszuzahlen, meine Beine waren stark und ich konnte mit viel Zug die Aufstiege hinter mich bringen. Dieses Mal profitierte ich auch von der Erfahrung, denn ich wusste genau, wie die Strecke verlief und wann ich Trinken und Essen musste.

100% fokussiert!

Und weil sich alles so gut anfühlte, begann ich Tempo zu machen. Ich löste mich aus der einen Gruppe, weil es mir einfach zu wenig schnell vorwärts ging. Alleine musste ich einige Löcher zufahren und kam dann in eine nächste grössere Gruppe, in welcher es mir schon eher passte. Mit diesen Fahrern war ich schlussendlich bis ins Ziel unterwegs, aber später mehr dazu.

Beim vierten Hügel, dem berühmt berüchtigten Barbotto, wusste ich dann definitiv, dass heute mein Tag ist. Ich fuhr wie ein Moped die Steigung hoch und selbst die 18% steile Schlussrampe meisterte ich im Sitzen. Ich flog förmlich an den anderen Fahrern vorbei, welche sich zum Teil im zick-zack fahrend und röchelnd nach oben kämpften. Dies gab mir Zeit, um mich am Verpflegungsstand mit Speis und Trank einzudecken. Genau als ich fertig war, kam die Gruppe an mir vorbei und ich konnte mich wieder anschliessen. Optimales Timing!

Mit einem Lächeln im Gesicht den 18% steilen Barbotto hoch!

Diese Taktik wendete ich auch bei den weiteren Hügeln an. Ich fuhr in den Steigungen jeweils kurz vor der Höhe aus der Gruppe heraus und nahm die Abfahrten alleine in Angriff. So konnte ich meine Tempo und meine Linien fahren und gleichzeitig hatte ich Zeit, um ab und zu einen Gel oder Riegel reinzudrücken. Unten angekommen konnte ich mich dann wieder in den Leuten verstecken.

Der Gorolo, der neunte und letzte Aufstieg, war jeweils mein persönlicher Killer. Wenn man meint, man hat es langsam geschafft, dann kommt nochmals eine 17% Rampe... Aber dieses Jahr war auch das kein Problem! Mit immer noch frischen Beinen fuhr ich den Hügel hoch, als sei ich erst gerade gestartet.

Auch nach 175 km noch locker unterwegs!

Dann machte ich allerdings den einzigen Fehler im Rennen... Statt auf die grosse Gruppe zu warten, fuhr ich mit zwei anderen Fahrern alleine dem Ziel entgegen. Auf den letzten 40 Kilometern hat es nur noch ein paar kleine Wellen, sonst ist es mehrheitlich flach. Allerdings kam ein starker Wind auf, welcher uns von allen Seiten entgegen blies. Wir lösten uns immer schön ab und hielten die Geschwindigkeit hoch. Alles schien super zu laufen, bis ich 10 km vor Schluss merkte, wie mich die Kräfte ziemlich schnell verlassen. Der Hammermann stand vor der Türe! Ich versuchte mit Müh und Not meine Ablösungen zu fahren, aber 3 km vor dem Ziel hatte ich keine Kraft mehr. Ich bekam Schwindelanfälle und merkte, dass es jetzt Zeit ist, ein paar Gänge rauszunehmen. Die Führungsarbeit im Gegenwind kostete mich zu viele Körner. Ich hätte mich in der grossen Gruppe verstecken müssen und hätte so viel Energie gespart. So musste ich zusehen, wie mich noch einige Fahrer überholten, während ich im Schritttempo der Ziellinie entgegen schlich...

Aber ich war dennoch stolz auf meine Leistung! Ich holte mir den guten 146. Gesamtrang! Mein Moots und auch der Rest vom Material funktionierten hervorragend, ich hatte keine Schmerzen und war sehr konzentriert unterwegs! Ich konnte das Rennen so richtig geniessen und fuhr immer mit einem Lächeln im Gesicht!

Und was mache ich 2014? Die Vernunft sagt mir, dass es jetzt genügt, da ich das Rennen dreimal gut überstanden habe und wahrscheinlich nicht mehr schneller fahren kann als dieses Jahr. Der Rennfahrerinstinkt hingegen zwingt mich zu einer weiteren Teilnahme, vielleicht liegt ja auch eine Zeit unter 6,5 Stunden drin und vielleicht lassen sich die Top 100 knacken. Wir werden sehen...

Ein grosses Dankeschön geht an Radsport Chirivi in Bonstetten für die gute Organisation! Silvia und Filippo haben sich erneut um alles gekümmert, so dass ich mich voll und ganz auf das Rennen konzentrieren konnte.

Infos: Nove Colli

Die offizielle Rangliste ist leider nur mit einem Passwort einsehbar.

Den roten Teppich verdient!

Ein bisschen mehr als eine normale Radtour...

Rang 146 von 3746 und drittbester Schweizer!



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