21. Juli 2013

Rennbericht: Megavalanche Alpe d'Huez 2013

Zum vierten Mal startete ich am grössten Freeriderennen der Welt, dem legendären Megavalanche in Alpe d'Huez. Nachdem ich mich bei meinen letzten drei Teilnahmen kontinuierlich verbesserte und 2010 mit einem 94. Rang die angestrebten Top 100 schaffte, war danach ein bisschen die Luft draussen. Dieses Jahr hat mich aber das Rennfieber wieder gepackt und zusammen mit drei Kollegen ging es abermals in die schönen französischen Alpen.

Wir reisten am Mittwoch Abend an, damit wir genug Zeit hatten, um die Qualifikations- und Rennstrecke mehrmals zu befahren. Dazwischen waren wir aber auch auf den vielen anderen Trails unterwegs, welche die grosse Region zu bieten hat. Wir erwischten perfektes Wetter, jeden Tag schien die Sonne und es war angenehm warm. Vom Dreck wurden wir allerdings nicht ganz verschont, da ab 2500 M.ü.M immer noch viel Schnee lag, waren die Trails zum Teil sehr nass.


Es waren dieses Jahr ca. 1600 Teilnehmer aus der ganzen Welt am Start. Leider kämpft auch dieser Anlass mit der Konkurrenz der boomenden Enduro- und Freeriderennen. Vor einigen Jahren waren noch über 2000 Fahrer auf dem Berg. Der Stellenwert ist aber immer noch hoch und so waren alle bekannten Namen der Enduroszene vor Ort und zeigten spannenden Bikesport. Für mich hiess es wie üblich, die Qualifikation für das Hauptrennen am Sonntag zu schaffen. Der Spass und eine unfallfreie Fahrt hatten oberste Priorität. Dennoch setzte ich mir die Top 100 wieder als Ziel, als Wettkampftyp brauche ich einen gewissen Druck, um schneller fahren zu können.


Die Qualifikation


Am Freitag war die Qualifikation, bei der sich jeweils die ersten 23 Fahrer von jedem Block für das Hauptrennen am Sonntag qualifizierten. Die Streckenführung wurde letztes Jahr geändert und ein Teil des Rennens führte nun direkt durch das Dorfzentrum. So wurden viele Zuschauer angelockt und es herrschte gute Stimmung. Meine beiden Kollegen Markus Baumann und Sylvain Flouck waren im gleichen Startblock wie ich eingeteilt. Das war nicht optimal, da wir uns so gegenseitig die Startplätze streitig machten.

Wir konnten aus der zweiten Reihe losfahren, eine gute Ausgangslange, um nicht am Anfang schon in einen Massensturz zu geraten. Ich wählte die gleiche Taktik wie letztes Mal, das hiess rechts einstehen, die erste Linkskurve aussen fahren und bei der nächsten Rechtskurve dann ganz innen sein. Was 2010 wunderbar klappte, ging dieses Mal in die Hose... Ich wurde gleich zu Beginn weit nach aussen gedrängt, bis mir der Platz ausging und ich den ganzen Schwung verlor. Auf den ersten Metern ging es sehr hektisch zu und her, die geplanten Linien konnten alle nicht gefahren werden und auf dem losen Schotter musste man höllisch aufpassen, um nicht wegzurutschen. Gleich mehrere Fahrer gingen vor mir zu Boden und ich konnte mit viel Glück allen ausweichen und so einige Plätze gutmachen. Dann folgten noch kurze Schneefelder und Steinabsätze, die ich laufend durchqueren musste, da zu viel Chaos herrschte, um auf dem Bike zu bleiben. Hier halfen mir meine Giro Bikeschuhe mit der griffigen Vibramsohle, die auf den den Felsen guten Halt boten. Danach beruhigte sich das Rennen und die Positionen waren langsam bezogen. Schön aufgereiht heizten wir durch die Trails und immer wieder mal hatte ein Fahrer einen Sturz oder einen platten Reifen, sodass ich weiter nach vorne rücken konnte. Dennoch wäre es möglich gewesen noch schneller zu fahren, aber irgendwie herrschte einfach zu viel Verkehr um einen herum. In den Tretpassagen nutzte ich meine gute Kondition und starken Beine und überholte viele Gegner. Da ich keine Ahnung hatte, wo ich ungefähr positioniert war, drückte ich auf das Tempo und konnte sogar auf der Zielgeraden noch einen Konkurrenten abfangen. Ich qualifizierte mich auf dem 13. Rang!


 

Kurz nach mir kam dann schon Markus und holte sich den 16. Rang! Sylvain hatte leider Pech, er hatte einen platten Reifen und musste das Rennen aufgeben... Der dritte Kollege, Georg Gautschi, startete drei Blöcke vor uns und schaffte als 18. ebenfalls die Qualifikation. Somit waren drei von uns vier am Hauptrennen vom Sonntag dabei!

Rangliste Qualifikation

Den restlichen Freitag und den ganzen Samstag nutzten wir zum Freeriden, wir machten einige coole Fotos und schauten uns nochmals die wichtigsten Passagen der Rennstrecke an. Das macht den Megavalanche so einzigartig, es geht nicht nur um das Rennen, sondern es ist Biken mit guten Freunden in einer schönen Gegend!





Das Hauptrennen

 

Am Sonntag war dann der grosse Tag! Um 5.30 Uhr mussten wir aus den Federn, um pünktlich auf den Berg zu kommen. Zusammen mit 350 anderen Fahrern ging es auf den 3330 m hohen Pic Blanc. Der Start war wie immer auf dem Gletscher und wegen des strengen Winters war das Schneefeld dieses Jahr besonders lang. Im Gegensatz zum letzten Mal war der Schnee aber hart und sehr gut fahrbar. So hart, dass man schon fast Angst bekam wegen der hohen Geschwindigkeiten... Leider war mein Quali-Lauf nicht so schnell und darum war ich nur im Block G, das hiess 7. Startreihe.


Der Startschuss war um 9.00 Uhr und die wilde Horde stürzte sich den Gletscher hinab. Lange dauerte es natürlich nicht, bis sich wieder die Ersten gegenseitig abschossen und auf dem Rücken den Schnee runterrutschten. Ich versuchte eine freie Linie zu finden und irgendwie auf dem Bike zu bleiben. Obwohl der Untergrund hart war, fehlte doch der Grip in den Kurven und beim Bremsen. So war ich immer mit einem Fuss ausgeklickt und driftete mehr oder weniger kontrolliert den Hang runter. Einzige Lösung ist wohl Eier zu zeigen und ungebremst zu fahren. Einige machten das erfolgreich, andere hatten spektakuläre Stürze und eliminierten sich gleich selber...

Wie immer war ich froh, als ich endlich in den ersten Singletrail einbiegen konnte und steinigen Boden unter den Rädern hatte. Der Traileingang ist zugleich ein Nadelöhr, bis sich alle Biker eingereiht hatten dauert es eine kleine Ewigkeit und man war mehr zu Fuss als auf dem Bike unterwegs. Wenn man hier nicht vorne dabei ist und freie Fahrt hat, dann verliert man sehr viel Zeit und kann eine gute Platzierung gleich vergessen. Ich war mitten im Chaos gefangen und wusste, dass das heute wohl nichts mit einem erfolgreichen Resultat wird. Irgendwann rollte das ganze Feld dann flüssig durchs Gelände und es fing an richtig Spass zu machen. Rad an Rad über die Trails heizen ist einfach geil! Im längsten Anstieg auf der Höhe des Dorfes kam dann wieder meine Rennradpower zum Zug und ich konnte viele Fahrer überholen. Die Zuschauer standen auf beiden Seiten des Weges und machten viel Lärm und sorgten für gute Stimmung. Für eine kurze Zeit fühlte man sich wie ein Tour de France Profi!



Nun kam der beste Teil der gesamten Strecke, eine highspeed Wiesenpassage mit sehr flüssigen Kurven. Das ist Freeriden pur! Nach der Wiese führte die Strecke in den Wald, wo der Trail mit vielen Wurzeln und Schlaglöchern versehen ist. Auch dieser Teil ist super geil zu fahren, vorausgesetzt man hat noch genügend Kraft, um den Lenker zu halten. In diesem Stück fuhr ich auf einen langsamen Fahrer auf, der mir leider keinen Platz machen wollte. Ich versuchte ihn mit einer direkten Linienwahl immer wieder zu überholen, aber es fehlte jeweils eine halbe Bikelänge, um an ihm vorbeizukommen. Ich fuhr so nahe an seinem Hinterrad, dass ich dafür büssen musste... In einer schwierigen Passage konnte der Typ seine Linie nicht halten und verlor an Geschwindigkeit. Ich konnte nicht mehr ausweichen, berührte sein Hinterrad und machte einen Abflug kopfüber in die Bäume. Dabei verdrehte sich mein Lenker um 90 Grad und ich musste ihn zuerst richten. Als ich das Vorderrad zwischen die Beine klemmte, holte ich mir zuerst ein schönes Branding an der Wade von der heissen Bremsscheibe...  Ein paar Meter später musste ich nochmals anhalten, der Lenker zeigte immer noch in die falsche Richtung. Die ganze Aktion kostete mich ungefähr 2 Minuten und einige Positionen. Ich habe ein paar Mal richtig geflucht und sofort wieder die Verfolgung aufgenommen!


Das Ziel kam langsam näher. Der unterste Streckenteil war sehr abwechslungsreich, steile Waldstücke wechselten sich mit flachen Tretpassagen ab. Die Gegner, die mich bei meinem Sturz überholten, konnte ich alle wieder abfangen und hinter mir lassen. Noch einmal Tempo machen und über die Ziellinie rollen. Überlebt! Die Uhr blieb bei 54:20 stehen, das hiess der 145. Schlussrang! Ein bisschen hinter den Erwartungen, mit einem besseren Start und ohne Sturz wären die Top 100 vielleicht doch möglich gewesen. Aber es zeigt einmal mehr, dass man ungefähr in der gleichen Region platziert ist, in der man gestartet war. Die ersten Rennminuten entscheiden bereits über den weiteren Rennverlauf, ein Aufholen von vielen Rängen ist fast unmöglich.

Wenige Minuten nach mir kam Markus angebraust, Rang 169 für ihn! Fehlte nur noch Georg. Auf ihn warteten wir allerdings vergeblich, er hatte sich bei einem Sturz den Mittelhandknochen gebrochen... Gute Besserung auf diesem Weg!

Auch wenn wir nicht die Schnellsten waren... Wir hatten Flow, wir hatten Style, wir hatten Spass und wir hatten eine super Zeit zusammen! Vielen Dank liebe Freunde!

Ein grosses Dankeschön geht an meine Materialsponsoren Giro, Race Face und Evoc! Super Produkte für den erfolgreichen und sicheren Freerideeinsatz!

Rangliste Megavalanche


Tipps und Tricks für eine erfolgreiche Teilnahme


Für Neulinge, die das Abenteuer Megavalanche auch mal erleben wollen, hier noch ein paar Tipps:

  • Reist früh genug an (Mittwoch oder früher) und fährt beide Rennstrecken mehrmals. Je besser man die Streckenführung kennt, desto schneller und kontrollierter ist man unterwegs. Nutzt auch den Bikepark zum Fahren, dieser macht viel Spass und ist eine willkommene Abwechslung zum Rennstress. Lasst euch Zeit, teilt die Kräfte ein und geniesst die schöne Bergwelt. Wir nahmen sogar schon die Rennräder mit und haben am Samstag Morgen den legendären Alpe d'Huez Aufstieg gemeistert!
  • Ein Bike mit 150mm oder mehr Federweg ist optimal. Es gibt zwar auch schnelle Hardtailfahrer, aber um die ruppigen Passagen sicher zu meistern, ist ein vollgefedertes Bike von Vorteil. Wichtig ist eine Teleskop-Sattelstütze, damit man in den Tretstücken den Sattel höher stellen kann. Ein Kettenblatt mit Kettenführung reicht, die Anstiege sind nicht sehr steil, da kann man auch mal einen schweren Gang durchdrücken. Das Bikegewicht wird, meiner Meinung nach, überbewertet. Meines wog über 17 kg, ich fuhr in den Anstiegen aber trotzdem allen meinen Gegnern davon!
  • Fährt Downhillreifen und dicke Schläuche! Ich fahre schon seit Jahren Maxxis Minion Front 2-ply 2.5 Reifen und Maxxis Freeride Schläuche und hatte noch nie einen Plattfuss. Leichte Reifen oder auch Tubelesskits halten den harten Belastungen nicht Stand. Die Gewichtsersparnis lohnt sich nicht, ist der Reifen platt, verliert ihr viel mehr Zeit, als wenn ihr mit schweren Reifen rumfährt.
  • Montiert Klickpedale! Flatpedals sind cool und gut für sehr steiles, technisches Gelände. Beim Megavalanche ist man aber immer am Treten und Tempo machen, daher sind Klickpedale zwingend für eine optimale Kraftübertragung.
  • Wenn ihr um den Sieg mitfahren wollt, dann trainiert viel auf dem Schnee! Die Erfahrung zeigt, dass das Rennen bereits auf dem Schneefeld entschieden wird. Seid ihr dort vorne dabei, dann ist eine Top 50 Platzierung möglich. Seid ihr, wie ich dieses Jahr, im Schnee weit hinten, dann holt ihr den Rückstand nie mehr auf. Allerdings muss das Fahren auf Schnee speziell trainiert werden, bei Geschwindigkeiten von über 100 km/h darf man sich keinen Fehler erlauben.
  • Ein Rucksack ist am Rennen nicht erforderlich. Ich fahre immer ohne Gepäck, da spare ich Gewicht am Körper und bin in der Bewegung weniger eingeschränkt. Trinken ist nicht nötig, eine knappe Rennstunde hält man auch ohne Flüssigkeit durch. Werkzeug, Pumpe und Ersatzschlauch muss man nicht mitnehmen, hat man einen Defekt, ist das Rennen sowieso verloren.
  • Trainiert viel Kondition und Technik! Die Strecke erfordert Kraft und Ausdauer und die technischen Passagen werden von Jahr zu Jahr anspruchsvoller. Nur als kompletter Rennfahrer hat man eine Chance auf eine gute Platzierung.

Mehr Fotos gibt es auf der Fit for Trails Website und Facebook Page!

Ein guter Report und schöne Fotos sind auch auf der Pinkbike Website zu sehen.


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