28. Oktober 2013

Rennradtour Monte Amiata/Toscana

Die letzten 3 Wochen verbrachte ich wieder in der Toscana als Bikeguide bei der Colle Cavalieri Bikestation. Wie immer hatte ich auch mein Moots Rennrad im Gepäck, um an einem freien Tag die schönen Strassen der Maremma zu erkunden.

Was ich schon länger auf meiner Wunschliste hatte, war die Erklimmung des Monte Amiata, der höchste Berg in der Südtoscana mit 1734 m. Wie es der Zufall so will, war mit André ein Gast vor Ort, der genau die gleiche Idee hatte. Die Route war schnell geplant und schon bald machten wir uns auf den Weg in Richtung Osten.

Am frühen Morgen und bei bestem Wetter verliessen wir Ravi und fuhren zuerst an der Autobahn entlang nach Braccagni. Schon bald war klar, wer heute unser grösster Gegner sein würde, der Wind... Wie so oft, kam er von der Seite und natürlich auch leicht von vorne, um uns die Fahrt noch zusätzlich zu erschweren. Aber zum Glück waren wir zu Zweit unterwegs und konnten so kraftsparende Ablösungen fahren.

Mit dem "Schweizermeister" unterwegs.

Nach Braccagni ging es dann weg von den grossen Strassen in Richtung Hinterland. Wie schon in meinem Maremma Blog im Frühling beschrieben, waren hier wieder diese leeren und schönen Strassen zu finden. Kein Auto weit und breit, man konnte problemlos nebeneinander fahren und ohne Stress die malerische Gegend geniessen. Trotz Wind kamen wir schnell voran und fuhren immer mit gut 40 km/h über die Fläche. Der Schnitt fiel allerdings mit der Dauer der Tour, denn langsam begann das Gelände hügeliger zu werden. Kurz vor Cinigiano sahen wir dann das erste Mal unser Tagesziel. Der Monte Amiata war am Ende des Horizonts sichtbar, der Berg schien in fast unendlicher Entfernung zu liegen.

Der Weg ist das Ziel... Ganz hinten im Dunst, der Monte Amiata.

Der Weg führte uns weiter auf leeren Strassen durch kleine Bergdörfer und wir machten stetig Höhenmeter. Die Anstiege sind nie steil und wir konnten einen angenehmen Rythmus fahren. Als wir dann in Arcidosso ankamen, wurden wir fast über den Haufen gefahren. Mit der idyllischen Ruhe und Einsamkeit war es auf einen Schlag vorbei. Dieser unscheinbare Ort ist ein Verkehrsknotenpunkt, wo aus allen Himmelsrichtungen Autos und Lastwagen daherrollen. Schnell raus aus dem Kaff!

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits 90 Kilometer und 1200 Höhenmeter in den Beinen. Und das war ja eigentlich erst das Warmfahren, denn mit dem Anstieg auf den Amiata hatten wir nochmals 900 Höhenmeter am Stück zu bewältigen. Kurz nach Arcidosso kam eine kurze, steile Rampe, welche uns auf den bevorstehenden Berg aufmerksam machen wollte.

Endlich geht es los! 11 km Anstieg bis zum Ziel.

Die Strasse ging links weg und die Schilder am Strassenrand zeigten, dass wir auf dem richtigen Weg sein müssen. Schneeketten- und Skiliftsymbole wiesen uns darauf hin, dass wir nun das mediterrane Gebiet verlassen und es in die Berge geht. Der Weg führt komplett im Wald hinauf zum "Gipfel". So eignet sich der Amiata auch für eine Tour im Hochsommer, denn die Bäume spenden ununterbrochen Schatten. Am Anfang ist es ein paar hundert Meter ziemlich steil, und ich hatte schon Zweifel, ob meine 36/25 Übersetzung wirklich die richtige Wahl war. Später wird die Strasse zum Glück flacher und es lässt sich einen guten Rhythmus fahren. Wie erwähnt, sieht man auf der ganzen Strecke nur Bäume, es ist also nichts mit schöner Aussicht geniessen. Dafür war jetzt der Reiz, dass sich die Strasse zwischen all diesen herbstlichen Farben nach oben schlängelt.

Vor lauter Bäumen sieht man den Wald nicht...

Nach gut 50 Minuten hatten wir unser Ziel erreicht! Wir waren auf dem Top des Monte Amiata! Oder zumindest dort, wo der Weg endet. Von hier aus hat es verschiedene kleine Skilifte, die einen noch ein bisschen weiter nach oben bringen würden. Man steht aber immer noch im Wald, daneben einige Restaurants und der obligate grosse Parkplatz. Ein schönes Panorama sieht anders aus... Aber egal, wir waren stolz auf unsere Leistung und es ist ein cooles Gefühl, wenn man von 0 Meter auf über 1700 Meter hoch fährt!

Ziel erreicht!

Danach folgte die Freude auf die lange Abfahrt. 14 Kilometer und 1000 Höhenmeter mussten vernichtet werden! Als ich die Strasse hoch fuhr, da dachte ich noch, dass sich der Belag in erstaunlich gutem Zustand befindet. Da täuschte ich mich allerdings, mit hoher Geschwindigkeit folgten die Schlaglöcher in sehr kurzem Abstand und es war nicht ganz einfach, eine geeignete Linie zu finden. Dazu kam noch, dass am Boden liegendes Laub die Sicht verdeckte und es einige Male richtig heftig rumpelte und knallte. Im unteren Teil war die Situation besser, die Strasse hatte einen feinen Belag und führte schnell und kurvig nach Castel del Piano hinunter.

1000 Höhenmeter müssen vernichtet werden!

Dort gab es dann einen verdienten Teller Pasta und das obligate Doping in Form von Coca Cola. Von Castel del Piano aus ging es mit leichtem Umweg Richtung Ravi zurück. Zuerst folgte nochmals eine schnelle und lange Abfahrt auf einer breiten Strasse hinunter in die Talebene. Da begrüsste uns dann der Gegenwind wieder... Wie befürchtet hatte der Wind keine Gnade mit uns und blies auch auf dem Heimweg von vorne. So war wie schon am Morgen wieder Windschattenfahren angesagt. Nach über 5 Stunden Fahrzeit und 150 km in den Beinen kam jetzt für mich der Moment, wo es langsam genügte. Ich wollte nur noch nach Hause und drückte deshalb richtig aufs Tempo. Nach Pagánico bogen wir dann wieder auf eine Nebenstrasse ab und fuhren Richtung Roccastrada. Wiederum ein super schöner Streckenabschnitt, welcher durch Wald und Pinienalleen führte. Fantastisch!

Wir kamen abermals nach Braccagni und fuhren dann auf direktem Weg zu unserem Haus. Mission erfüllt! In 6 Stunden und 32 Minuten legten wir die 180 km und über 2500 hm zurück!

Die Fakten.

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