7. Februar 2015

Erste Erfahrungen mit einem Fatbike

Sie werden geliebt und sie werden gehasst - die Fatbikes.

Wieder einmal hat es ein US-Trend nach Europa geschafft, und seit gut einem Jahr sieht man in jedem Katalog und in jedem Bikeshop mindestens ein Modell mit den riesigen dicken Reifen.

Eines vorweg, Fatbikes machen Spass und haben ihre Daseinsberechtigung! Denn beim Fatbike handelt es sich um eine neue Kategorie von Mountainbikes und jeder kann selber entscheiden, ob er sich eines kaufen will oder nicht. Es ist also anders als bei den "normalen" Mountainbikes, wo uns die Industrie jedes Jahr neue Standards aufzwingt und wir als Konsumenten einfach mitmachen müssen, ob es uns jetzt passt oder nicht...

Als seriöser und neugieriger Bikeguide ist es meine Pflicht, dass ich mich mit allen Neuheiten auseinandersetze, diese teste und mir so eine eigene Meinung bilden kann. Denn meine Kundschaft fragt mich früher oder später sicher, was ich von Fatbikes halte. Ich selbst besitze keines, aber ich durfte schon mehrmals mit dem Rocky Mountain Blizzard meine Runden drehen.

Das erste Mal konnte im September 2014, während der Veranstaltung TestRide in der Lenzerheide, ein Fatbike ausgiebig auf Singletrails ausprobieren. Zuvor sass ich schon auf verschiedenen Fatbikes, aber nur mit einer Runde auf dem Parkplatz kann man noch keine Aussage machen. In der Lenzerheide hatte ich dann anspruchsvolles, alpines Gelände und konnte das Blizzard so richtig rannehmen.

Unterwegs in der Lenzerheide.

Das Rocky Mountain Blizzard ist ein Hardtail mit Rock Shox Federgabel, welches mit 4.7" Reifen bestückt ist. Die Reifen werden mit einem Luftdruck knapp unter einem Bar gefahren und bieten so zusätzlichen Federweg. Allerdings walken die Reifen recht stark und so ergibt sich ein schwammiges Verhalten. Eine Federgabel hilft hier, dass man mehr Grip und ein definierteres Fahrgefühl erhält. Ich gehe sogar so weit und behaupte, dass auch ein Fatbike vollgefedert sein sollte, wenn man es auf steinigem Untergrund fährt. Beim Schnee spielt die Federung weniger eine Rolle, aber dazu später mehr. Trotz der breiten Walzen rollt das Bike erstaunlich gut und auch steile Anstiege lassen sich problemlos bewältigen. In den Abfahrten ist es sehr agil und ich konnte genau die gleichen Linien über Felsen und Wurzeln fahren wie mit einem herkömmlichen Bike. Nur in schnellen Kurven neigt es zum Untersteuern und man braucht den Mut, das Bike richtig runterzulegen. Geil!


Vollgas auf dem Trail!

Mitte Januar 2015 fand das Snow Epic in Engelberg statt, das erste Mehretappenrennen mit Fatbikes. Dort sah man, dass sich schon eine grosse Fangemeinde gebildet hat, über 120 Fahrer aus 20 Nationen standen an der Startlinie. Die ersten drei Tage hatte es fast ein bisschen wenig Schnee, am vierten Tag kam dann aber so viel Neuschnee vom Himmel, dass auch die Fatbikes an ihre Grenzen stiessen. Ich war als Helfer vor Ort für den Schweizer Rocky Mountain Vertrieb und kam dann am Samstag Morgen überraschend zu einem Einsatz für die Rennleitung. Wegen der starken Schneefälle wurde ich als Erster auf den Berg geschickt und musste testen, ob die schwierigen Bedingungen ein reguläres Rennen zulassen.


Hardcore Bedingungen am Snow Epic in Engelberg...

Es herrschte richtiges Hudelwetter und es lagen ca. 30 cm feinster Pulverschnee auf der Strecke. Nach den ersten Metern bemerkte ich gleich, dass bei so viel Schnee auch die breitesten Reifen nicht helfen. Das Bike versank tief im Boden und es liess sich nicht führen. Nur bergab und mit viel Schwung war es möglich, das Bike auf der Linie zu halten. Ich bekam sogar noch den Extraservice und konnte direkt hinter dem Pistenfahrzeug fahren. Aber selbst bei perfekter Präparierung war der Untergrund zu weich, um den Reifen genügend Auftrieb zu geben. Es war ein Kraftakt...  Jedoch bemerkte ich, wie wichtig, dass der richtige Reifendruck ist. Von den ursprünglichen 0,8 bar ging ich runter, bis ich fast auf der Felge fuhr und je weniger Luftdruck, desto besser war der Vortrieb. In diesem Fall ist eine Federung zweitrangig, hingegen wirkt wenig Luft wahre Wunder. Damit das Fatbike im Schnee richtig funktioniert braucht es also harten, festgepressten Untergrund und den optimalen Luftdruck.


Bei so viel Neuschnee helfen auch die dicksten Reifen nicht...

Fazit: Wie zu Beginn erwähnt, werden Fatbikes die Bikefreunde in zwei Lager spalten. Ich persönlich finde sie cool, man hat die neugierigen Blicke auf sicher und sie sind sehr vielseitig einsetzbar!

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