30. Juni 2015

Fahrbericht: Rocky Mountain Thunderbolt BC Edition 2015

Wer kennt das nicht? Jedes Mal, wenn du dir ein neues Bike zulegst denkst du: Wow, das ist das beste Bike, das ich je hatte!

So erging es mir nach den ersten Ausfahrten mit meinem neuesten Arbeitsgerät, dem Rocky Mountain Thunderbolt BC Edition. Nachdem ich die letzten zwei Jahre auf dem Rocky Mountain Altitude (übrigens bis anhin das beste Bike, das ich je hatte und ich hatte schon sehr viele in meinen 25 Bikejahren! ;-)) unterwegs war, habe ich mich für diese Saison für ein bisschen weniger Federweg entschieden. Das Thunderbolt BC Edition bietet vorne 130 mm und hinten 120 mm Federweg und gehört somit in die Kategorie der Trail Bikes. Obwohl der allgemeine Trend in Richtung mehr Federweg geht, habe ich mich bewusst dafür entschieden, wieder ein Bike mit wenig Hub zu fahren. Ich liebe direkte Bikes und mit meiner guten und sauberen Fahrtechnik kann ich gerne auf ein paar Zentimeter Federweg verzichten.

Das ist es, das wundervolle Rocky Mountain Thunderbolt BC Edition.

So ein unauffälliges und zeitloses Design braucht Farbe...


Ausstattung:


Das Thunderbolt 790 MSL BC Edition ist eine Sonderedition der Thunderbolt Reihe (es sind insgesamt 7 verschiedene Modelle in allen Preisklassen erhältlich) und dementsprechend speziell designed und ausgestattet. Das Bike ist grundsolide konfiguriert und gemacht für den harten Einsatz auf dem Trail. Es werden nur tausendfach bewährte Komponenten verbaut und auf so überflüssige Dinge wie Remotehebel für die Federelemente wird zum Glück verzichtet.

Der Vollcarbon-Rahmen kommt in einer schlichten dunkelblau-schwarzen Lackierung und macht eher auf Understatement. Man muss zweimal hinschauen, damit man den Rocky Mountain Schriftzug lesen kann. Der Rahmen ist sehr hochwertig verarbeitet und für die Zukunft gerüstet. Im Unterrohr befindet sich eine Abdeckung, unter der sich die Batterie für die elektronische Schaltung Shimano XTR Di2 verstauen lässt. Die Gleitlager verfügen über Schmiernippel, diese können mit Fett versorgt werden und man kann das berühmt berüchtigte "Rocky knarzen" erfolgreich verhindern (funktioniert übrigens tadellos). Weiter ist der Rahmen mit dem bewährten Ride-9 System ausgestattet, mit welchem man den Steuerwinkel, die Tretlagerhöhe und die Dämpferprogression auf einfache Weise verstellen kann.

Das Bike ist mit einem Rock Shox Monarch RT3 Dämpfer einer Rock Shox Pike RCT3 Federgabel bestückt. Der Entscheid, das Bike mit Rock Shox Elementen zu spezifizieren ist sehr erfreulich, denn leider hat Mitbewerber Fox in den letzten zwei Jahren qualitativ schwache Produkte auf den Markt gebracht, die oft für Ärger sorgten. Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es leider beim Rahmen mit Rock Shox Dämpfer. Der Dämpfer hat ein sehr kurzes Ventil und je nach Einstellung des Ride-9 Systems, steht die Dämpferpumpe am Rahmen an und man kommt nicht ans Ventil ran. Das heisst also jeweils die obere Schraube zu entfernen, um dem Dämpfer pumpen zu können...

Die Komponenten bestehen aus einer Sram X01 Schaltung mit 1x11 Antrieb und das 32er Kettenblatt ist an einer Race Face Turbine Kurbel montiert. Gestoppt wird mit Shimano Deore XT Bremsen, welche an einem Race Face Next Carbonlenker hängen. Der Vorbau kommt ebenfalls von Race Face, ein 60 mm langer Turbine mit der neuen 35 mm Klemmung. Die Sattelstütze ist eine Rock Shox Reverb Stealth mit innenverlegtem Kabel. Die 27.5" Laufräder kommen von Stan's mit Stan's Naben, Stan's ZTR Flow Felgen und Sapim Speichen. Zwei Änderungen habe ich gleich zu Beginn vorgenommen, die Maxxis Reifen habe ich gegen Onza Reifen ersetzt und der WTB Sattel musste meinem Lieblingssattel fi'zi:k Tundra2 weichen.

Wie erwähnt, die Konfiguration ist gemacht für die Ewigkeit und funktioniert absolut zuverlässig. Allerdings wäre bei einem Verkaufpreis von CHF 7'990.00 ein bisschen eine hochwertigere Ausstattung wünschenswert gewesen. Zum Beispiel XX1 Komponenten, oder Shimano XTR Bremsen, oder eine Race Face Next Kurbel, oder einfach ein Sattel mit Carbongestell. Aber Rocky Mountain war schon immer eine exklusive Marke und man ist es sich daher gewohnt, ein bisschen mehr für sein Lieblingssportgerät auszugeben. Spätestens, wenn man auf dem Bike sitzt, ist das alles vergessen!

Das Gesamtgewicht ist komplett fahrfertig in Grösse Medium 12,4 kg.

Ein aufgeräumtes Cockpit ohne überflüssige Hebel und Kabel, perfekt!


Fahrbericht:


Das Bike liess lange auf sich warten und wurde erst Anfang März geliefert. Genau eine Woche vorher, bevor ich die Schweiz in Richtung Colle Cavalieri della Toscana verliess, um dort 3 Monate als Bikguide zu arbeiten. So konnte ich das Bike nur kurz auf Schweizer Boden fahren, aber das genügte, um schon einen sehr positiven Eindruck davon zu bekommen. Wie erhofft fährt sich das Teil extrem knackig und agil. Jede Lenkbewegung und jede Kurbelumdrehung wird direkt umgesetzt und das Bike hat einen ständigen Vorwärtsdrang. Dank dem kurzen Oberrohr und den kurzen Kettenstreben hat das Bike extrem viel Pop, das heisst wenn man am Lenker zieht und zum Sprung oder zum Manual ansetzt, dann geht es richtig ab. Wow, das beste Bike, das ich je hatte!

Das Thunderbolt verleitet zum Vollgas geben...


In der Toscana konnte ich dann das Thunderbolt auf den schönsten und besten Singletrails jeden Tag quälen und bis ins kleinste Detail prüfen. In den letzten 15 Jahren war ich schon mit allerlei Bikes im schönen Süden unterwegs und ich kenne die Region wie meine Hosentasche. Darum konnte ich gleich auf allen Strecken Vollgas und dem Thunderbolt die Sporen geben. Ich war erneut begeistert, wie leicht und locker mich das Bike über die Trails fliegen lässt. Die 130/120 mm Federweg fühlen sich nach mehr an, auch bei weiten Sprüngen und grösseren Absätzen kam das Bike nicht ans Limit. Das ist sicher auch den Rock Shox Federelementen zu verdanken, diese sprechen sehr feinfühlig an und lassen sich perfekt abstimmen.

... und quer durch die Kurven zu fliegen!


Die kompakte und kurze Geometrie verhilft zu einer neutralen und bequemen Sitzposition, mit der man auch problemlos steile Anstiege meistern kann. Das Bike klettert sehr gut, das relativ geringe Gewicht und die 27.5" Laufräder helfen dabei, dass man auch technische Passagen mit viel Zug durchfahren kann.

Mittlerweile habe ich fast 3000 Kilometer absolviert und ich liebe das Bike wie am ersten Tag. Alles funktioniert noch einwandfrei, nur die Gleitlager musste ich ab und zu fetten und die Stan's Hinterradnabe musste gewartet werden. Top!


Fazit:


Love the ride! Das Rocky Moutain Thunderbolt ist das perfekte Bike für anspruchsvolle Tourenbiker, die es gerne mal krachen lassen. Es ist sehr vielseitig einsetzbar und es fühlt sich in jedem Gelände zu Hause. Das vielleicht beste Trailbike, das zur Zeit erhältlich ist!


Positiv:
- kurze, kompakte Geometrie
- Ride-9 System
- sehr solide Ausstattung
- schöner Look

Negativ:
- hoher Preis

Preis:
- CHF 7'990.00

Infos:
- Rocky Mountain Bicycles



Kommentare:

  1. Vielen Dank für den tollen Beitrag.
    Ich überlege mir auch gerade eben meinen HT ein Fully zuzulegen. Ich habe bei einem Händler ein Rocky Mountain Altitude 750 gesehen und es hat mir bis auf die Ausstattung sehr gut gefallen. Alternative wäre noch ein Canyon Spectral, welches die viel bessere Ausstattung hat und noch einiges billiger ist.
    Zahlt sich deiner Meinung der Mehrpreis aus und wo liegt der große Unterschied zum Thunderbolt?

    Vielen Dank für deine Antwort
    mfg
    Gunter

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  2. Hallo Gunter

    Danke für deine Nachricht. Rocky Mountain fährt man aus Leidenschaft und man besitzt ein Bike, das man nicht an jeder Ecke sieht. Diese Exklusivität hat halt ihren Preis!

    Der Unterschied vom Altitude zum Thunderbolt liegt in erster Linie beim Federweg. Das Thunderbolt bietet 120 mm und das Altitude hat 150 mm. Somit ist es eher für den abfahrtsorientierten Biker gemacht, der gerne in anspruchsvollem Gelände unterwegs ist.

    Gruss
    Uwe

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  3. Hallo,
    Kann deine Begeisterung nur teilen, Mega gutes Trailbike!
    Habe jedoch ein Problem:
    Schönheitsfehler Dämpfer - kurzes Ventil - je nach Stellung Ride-9 Systems - Dämpferpumpe am Rahmen an :
    obere Schraube entfernen, um dem Dämpfer pumpen zu können

    a) Welche Schraube muss man entfernen?
    b) Bei welcher Ride-9 Stellung ist das Entfernen nicht nötig
    Vielen Dank
    Jean-Marc

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    1. Hallo Jean-Marc

      Danke für deine Nachricht. Wie im Text beschrieben, muss man die obere Schraube entfernen und den Dämpfer nach unten klappen. Je weiter unten der Dämpfer angelenkt ist, desto besser sollte man mit der Pumpe dazukommen.

      Aber ich würde deswegen nicht die Einstellung davon abhängig machen... Wähle einen flachen Winkel und ein tiefes Tretlager (Schraube oben/vorne), das Bike fährt sich so am besten!

      Gruss
      Uwe

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