11. Mai 2017

Fahrbericht: Moots Compact SL Titanium Rennrad

Was nun folgt ist eigentlich kein Fahrbericht, sondern eine Liebeserklärung. Seit 2010 Jahren bin ich Besitzer von einem Moots Titanium Rennrad und es ist mit Abstand das beste und schönste Velo, dass ich jemals gekauft habe (und das waren doch schon 31 Stück in den letzten 28 Jahren). Ich muss zugeben, ich führe da eine zweite Beziehung und spreche jeweils liebevoll von Frau Moots (meine Freundin hat zum Glück Verständnis dafür… ;-)).

Mit dem Moots habe ich mir einen Bubentraum erfüllt. Schon als Teenager stand ich zu Beginn der 90er Jahre in den Bikeshops rum und habe die die Titanbikes der Luxusmarken Merlin, Litespeed, Serotta, Funk, Moots, usw. angehimmelt. Ich wusste immer, dass auch ich eines Tages ein Rad aus diesem sündhaft teuren Material besitzen werde. 2010 habe ich mir dann diesen Wunsch erfüllt und mir einen Moots Compact SL Rennradrahmen gekauft. Ich habe mich bewusst für ein Rennrad und nicht für ein Mountainbike entschieden. Auch wenn ein Titanrahmen ein Leben lang hält, ist der Verschleiss und die Abnützung beim Biken doch relativ gross und es war mich einfach zu schade, die schöne „Titanfarbe“ mit Dreck zu verdecken. Zudem gibt es bei Rennrädern nicht diese alljährlichen Innovationen und neuen Standards, und so ist mein Moots auch heute noch ziemlich aktuell.

Mein wunderschönes Moots Compact SL! Hier die Version 2017.


Warum ein Moots?


Vor dem Kauf habe ich mich lange damit auseinander gesetzt, welcher Produzent von Titanrahmen für mich in Frage kommt. Schliesslich war das eine Investition, die gut überlegt sein sollte, man baut sich ja nicht alle Tage ein Rennrad auf, das so viel wie ein Kleinwagen kostet. Ich wollte eine klassische Rahmenform und die typisch matte Titanoberfläche und es sollte zudem eine Traditionsfirma aus den USA sein. So fiel die Wahl auf Moots, diese bauen schon seit 35 Jahren ausschliesslich Titanrahmen ohne Schnörkeleien. Beim Modell habe ich mich für das Compact SL entschieden, ein zeitloser Rahmen mit einem runtergezogenem Oberrohr. Das Compact wird mittlerweile nicht mehr produziert, es wurde durch das Vamoots RSL abgelöst.

Die Ausstattung


Wenn man schon ein kleines Vermögen für einen Titanrahmen ausgibt, dann ist es klar, dass auch für alle Anbauteile nur die besten und teuersten Marken in Frage kommen. Im Laufe der Zeit habe ich auch Sicherheitsgründen verschiedene Teile (Gabel, Laufräder, Vorbau, Lenker) ausgetauscht und darum gehe ich nur auf die aktuelle Konfiguration ein. Bei der Ausstattung wurden nur bewährte und lang haltbare Teile verbaut. Es wurde bewusst auf extremen Leichtbau verzichtet. Dafür ist mein Moots super solide und zuverlässig, mittlerweile habe ich ca. 30‘000 Kilometer abgespult und hatte noch keinen einzigen Defekt zu verzeichnen. Hier die detailierte Ausstattung:

Rahmen: Moots Compact SL Titanium
Gabel: Enve RD 2.0 Carbon 45 Rake
Steuersatz: Chris King NoThreadSet
Lenker: Zipp Service Cours SL-70 42 cm
Lenkerband: fi'zi:k Superlight Classic
Vorbau: Zipp Service Course SL 110 mm
Sattelstütze: Ritchey Superlogic Carbon 27,2 mm
Sattel: fi'zi:k K1 Carbon
Laufräder: Zipp 202 Firecrest Carbon Clincher (Ersatz: Reynolds Solitude/DT 240/DT Aerolight)
Schnellspanner: Zipp
Reifen: Michelin Pro4 Service Course 700x25C
Schläuche: Continental Race 28
Schalthebel: Shimano Dura-Ace 7900
Schaltwerk: Shimano Dura-Ace 7900
Umwerfer: Shimano Dura-Ace 7900
Bremshebel: Shimano Dura-Ace 7900
Bremsen: Fouriers BR-DX001
Bremsbeläge: Zipp Carbon
Schalt-/Bremskabel: Shimano Dura-Ace SP41
Kurbel: Shimano Dura-Ace 7900 175 mm Compact 36/50
Tretlager: Chris King ThreadFit 24
Kassette: Shimano Dura-Ace 7900 11-27 10-fach
Kette: Shimano Ultegra 6600 10-fach
Pedale: Look Kéo Carbon Ti
Flaschenhalter: Blackburn Swerve Titanium

Das Gesamtgewicht komplett fahrfertig beträgt genau 7,0 kg. Das ist jetzt vielleicht nicht besonders leicht, im Vergleich zu einem aktuellen Carbon Rennrad. Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist Titan kein leichtes Material. Nur bei kleinen Teilen (Schrauben, Flaschenhalter, Schnellspanner, Sattelgestelle, usw.) hat man einen Gewichtsvorteil. Wenn es um einen ganzen Rahmen geht, dann kommt da doch einiges an Material zusammen. So wiegt der Compact SL Rahmen in Grösse 55 cm stolze 1400 Gramm.

Dafür erhält man aber einen Rahmen, der gemacht ist für die Ewigkeit. Titanium ist ein äusserst robustes Material, das weder korrodiert, noch zerkratzt, noch altersschwach wird. So gesehen rechnet sich der hohe Einstandspreis auf die Dauer und man ist schlussendlich viel günstiger unterwegs, als wenn jemand in der gleichen Zeit fünf neue Carbonräder kauft.

Und es kommt natürlich auch noch der Effekt vom Statussymbol dazu. Mit einem Titan Rad fällt man in der Masse auf und man wird automatisch in Gespräche verwickelt. Zugegeben, es macht mich stolz, wenn mein Rennrad von fremden Leuten bewundert wird und ein gewisser Neid bemerkbar ist! Im Vergleich dazu ist ein Carbon Rahmen einfach nur ein Plastikhaufen, der über keine Seele verfügt und keine Emotionen auslöst…

So sexy können Schweissnähte sein!


Das Fahrverhalten


Titanium Rahmen sind bekannt dafür, dass sie eine gute Eigendämpfung haben und sich sehr komfortabel fahren. Diese Aussage kann ich nur bestätigen, ich kann stundenlang im Sattel sitzen, ohne dass irgendwelche körperlichen Beschwerden auftreten. Das Compact SL hat zwar einen eher dünnen Rohrsatz, aber bei den Kettenstreben wurde mehr Material verwendet und daher ist er auch im Tretlagerbereich genügend steif. Da ich selber nur knapp 70 kg auf die Waage bringe, ist die Steifigkeit für mich sowieso nie ein Thema. Das Compact SL geht beim Beschleunigen richtig gut vorwärts und fährt sich sehr agil. Der Steuerwinkel ist mit 73,5 Grad eher steil, daher braucht es in schnellen Abfahrten ein bisschen Fingerspitzengefühl, da jede Lenkbewegung sehr direkt umgesetzt wird.

Dass man damit auch wettkampfmässig erfolgreich fahren kann, habe ich 2013 beim Rennradrennen Nove Colli in Cesenatico bewiesen. In etwas über 6 Stunden und 30 Minuten habe ich die 205 Kilometer durchgebrettert und wurde 146. von ursprünglich 12'000 Startern! Einen ausführlichen Rennbericht gibt es auf in diesem Blogeintrag.

Erfolgreicher Renneinsatz am Nove Colli in Cesenatico 2013.


Fazit


Wie eingangs schon erwähnt, das Moots Compact ist das beste Fahrrad, das ich je hatte und immer noch habe. Auch wenn alle meine Mountainbikes aus Carbon sind, beim Rennrad werde ich dem Titanium treu bleiben. Auch wenn jetzt Scheibenbremsen und Steckachsen immer populärer werden, bis auf weiteres werde ich mein Rad so fahren, wie es ist. Und sollte ich doch einmal auf Scheibenbremsen umsteigen, ich werde mir bestimmt wieder ein Moots zulegen.

Mein Moots hat mir schon sehr viel schöne Erlebnisse und Erinnerungen beschert und mich mittlerweile während gut 30'000 km immer treu begleitet. Wie im richtigen Leben, sollte eine Beziehung ewig halten. Darum werde ich meine Frau Moots noch jahrelang fahren, zu fest habe ich mich in sie verliebt!

Positiv:
+ unvergleichlicher Fahrkomfort
+ schnell und agil in Beschleunigung und Richtungswechseln
+ gemacht für die Ewigkeit
+ robust und unverwüstlich
+ zeitlos schön
+ Customfertigung nach eigenen Geometrieangaben möglich

Negativ:
- sehr hohe Anschaffungskosten (relativiert sich aber mit der langen Lebensdauer)

Preis:
über Geld spricht man nicht… ;-)

Informationen:
Moots Website

Moots fahren macht glücklich!

Kein Aufstieg zu steil für ein Moots...

2014 Teilnahme an der Tortour, ein Rennradrennen rund um die Schweiz.

Auch der mystische Stelvio hat mein Moots schon von oben gesehen.

Ausflug zur Tour de France Etappe 2016 in Bern, damit mal ein schönes Rennrad am Start ist...

Dafür ist das Moots gemacht. Stundenlange Passfahrten und Höhenmeter sammeln.

Danke Frau Moots, dass ich schon so viel mit dir zusammen erleben durfte!!

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