14. März 2018

Fahrbericht: Mondraker e-Crafty R+ 2018

Seit Anfang 2018 bin ich Schweizer Markenbotschafter für Mondraker E-Bikes. Mein neues Arbeitsgerät und Spielzeug ist ein e-Crafty R+ mit Bosch Antrieb.

Der spanische Hersteller Mondraker wurde in den letzten Jahren vor allem bekannt, weil sie die bisherigen Mountainbike-Geometrien radikal veränderten. Das Oberrohr und der Radstand sind extrem lang, der Vorbau ist extrem kurz und der Lenkwinkel ist sehr flach (die sogenannte Forward Geometry). Was zu Beginn noch für Stirnrunzeln sorgte, ist mittlerweile zum Standard bei allen Bikemarken geworden. Flach, lang und tief ist die neue Formel für schnelle und spassige Bikes. Ebenfalls wegweisend ist das "Zero Suspension System", ein Hinterbau mit schwimmend gelagertem Dämpfer. Dass dieses Konzept funktioniert, hat Mondraker an der Downhill-Weltmeisterschaft 2016 bewiesen, als die Teamfahrer souverän die Plätze 1-3 belegten!

test mondraker e-crafty r+ 2018
Das Mondraker e-Crafty R+ 2018 in der Fit for Trails Ausführung.

Ausstattung


Wie bei meinen Bikes üblich, entspricht mein Modell nicht mehr ganz dem Original. Ich muss jeweils auf meine Sponsoren und persönlichen Vorlieben achten.

Was gleich auffällt, dieses Bike wurde von einem Produktmanager entwickelt, der weiss, was ein E-MTB aushalten muss. Leider gibt es immer noch sehr viele Hersteller, die ihre Bikes mit unterdimensionierten Teilen ausstatten, wie dünne Federgabel, schmale Reifen, kleine Bremsscheiben, usw. Beim Mondraker e-Crafty R+ ist das zum Glück nicht der Fall, das Bike sieht nahezu unzerstörbar aus.

Das e-Crafty R+ hat einen wuchtigen Aluminiumrahmen und ist in zwei Farben erhältlich. Das hier abgebildete anthrazit/schwarz und ein keckes hellblau/rot, welches aber leider beim Jahreswechsel schon ausverkauft war. Der Rahmen ist schön verarbeitet, die dicken Schweissraupen sind sehr gleichmässig und sorgen für Vertrauen in die Haltbarkeit. Das Unterrohr ist ausgehölt, dort liegt gut versteckt der Bosch Akku drin. Unter dem Oberrohr und unter dem Unterrohr können bei Bedarf Flaschenhalter montiert werden. Der massive Hinterbau mit Boost Standard bietet 140 mm Federweg, welche von einem Rock Shox Superdeluxe R Luftdämpfer kontrolliert werden.

An der Front arbeitet eine steife Rock Shox Yari RC Federgabel mit 160 mm Federweg und Boost Standard. Diese entspricht den teureren Lyrik und Pike Modellen, hat einfach ein günstigeres Innenleben. Nebst dem Luftdruck und der Zugstufe zum Einstellen, können auch die bekannten Token eingebaut werden, um die Progressivität zu ändern.

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Der massive und schön verarbeitete Aluminum-Rahmen.

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Das Zero Suspension System mit dem Rock Shox Superdeluxe Dämpfer.

Die Motorpower kommt von Bosch. Es ist der neue Performance Line CX mit 250 Watt und 75 Nm Drehmoment, kombiniert mit dem integrierten PowerTube Akku mit 500 Wh und dem kleinen Purion Display. Der Akku ist elegant im Unterrohr eingebettet und sorgt für eine aufgeräumte Optik. Im Unterrohr gibt es eine Ladebuchse, der Akku kann aber auch ganz aus dem Rahmen genommen werden. Das Purion Display ist spartanisch, man kann nur die Motorstufe wählen und es gibt eine Geschwindigkeits- und Batterieanzeige. Wenn man mehr Funktionen will, dann muss man ein zusätzliches GPS-Gerät mitnehmen.

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Der starke Bosch Performance Line CX Motor und die kurze 165 mm Race Face Kurbel.

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Der im Unterrohr integrierte Bosch PowerTube 500 Akku.

Das Bike steht auf 27.5" Laufrädern mit Plus-Felgen und Plus-Bereifung. Die Felgen mit 35 mm Innenweite und die Boost Naben sind mit "MDK" gelabelt, was eine Mondraker Eigenmarke ist. Wie sie sich diese Teile auf die Dauer bewähren, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Original sind griffige und stabile Maxxis Reifen aufgezogen, vorne ein Minion DHF 27.5"x2.80" und hinten ein High Roller II 27.5"x2.80". Diese Reifenwahl ist genau richtig für so ein Bike. Ich habe aus sponsortechnischen Gründen die Maxxis gegen Onza Canis Skinwall 27.5"x2.85" ausgetauscht. Die Weisswand-Reifen geben dem Bike einen coolen Look. Zusätzlich habe ich auf Tubeless umgerüstet.

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Mondraker Boost Laufräder mit Plus-Bereifung.

Die Schalt-und Bremskomponenten stammen von Sram. Die Scheibenbremse ist eine Level T mit 200 mm Bremsscheiben. Hier machte ich ebenfalls einen Wechsel, ich verbaute eine Shimano XT Bremse, da ich auf allen meinen Bikes Shimano Bremsen montiert habe. Das macht den Service einfacher. Die Bremsscheiben sind von meinem Sponsor SwissStop, die neuen Catalyst Scheiben sind perfekt, um ein schweres E-MTB sicher zu stoppen. Geschaltet wird mit Sram GX mit 10-Gängen und einer SunRace 11-42 Kassette. Die Kurbel ist eine Race Face Aeffect mit 16er Ritzel. Die Kurbellänge ist 165 mm (!), damit man Bodenaufsetzer vermeiden kann.

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Der 10-fach Antrieb mit Sram GX Schaltwerk und SunRace 11-42 Kassette.

Die Anbauteile haben alle den Namen "Onoff", auch das ist eine Mondraker Eigenmarke. Der gekröpfte Lenker ist 780 mm breit und der Vorbau ist 30 mm kurz. Die Teleskop-Sattelstütze hat einen Seilzug und bietet 125 mm Hub. Auch hier bin ich gespannt, wie sich die Sattelstütze im Langzeittest schlägt. Den Sattel, den Lenker und die Lenkergriffe habe ich ebenfalls gewechselt. Der Sattel ist wie immer ein fi'zi:k Tundra und der Lenker und die Griffe stammen von Race Face.

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Ein sehr kurzer 30 mm Vorbau hält die Steuerzentrale.

Das Gewicht vom Bike ist in Grösse Medium komplett fahrfertig 24,2 kg. Das ist nicht gerade leicht, spielt aber bei einem E-MTB eine untergeordnete Rolle. Dennoch bedeutet weniger Gewicht ein agileres Handling und wenn man das Bike mal tragen muss, dann ist man ebenfalls dankbar. Und weniger Gewicht heisst auch weniger Stromverbrauch. Hier gibt es noch Luft für Verbesserung.

Für das e-Crafty R+ in der Originalausstattung bezahlt man CHF 6'499.00. Ein hoher Preis, aber wenn man die hochwertige Qualität vom Rahmen und den verbauten Komponenten anschaut, dann sollten sich dafür die Reparaturkosten tief halten und man erhält ein faires Preis-/Leistungsverhältnis.

Wer noch mehr Geld loswerden will, es sind auch noch die teureren Modelle e-Crafty XR+ und e-Crusher Carbon erhältlich.


Fahrbericht auf dem Trail


Besonders gespannt war ich natürlich auf den Praxistest im Gelände. Da ich unmotorisiert nach wie vor mit Rocky Mountain Bikes unterwegs bin, war das ein interessanter Vergleich. Ein Rocky Mountain ist eher verspielt und gutmütig, das Mondraker schreit dagegen nach Geschwindigkeit.

Eines vorweg: Ein Mondraker braucht eine gewisse Eingewöhnungszeit, bis man mit der speziellen Geometrie vertraut ist. Es ist für sportliche Biker gemacht, die sich den heutigen modernen Fahrstil angeeignet haben, das heisst zentral im Bike stehen und viel Gewicht auf das Vorderrad geben. Wenn man passiv und konservativ (einfach hinter den Sattel hängen) unterwegs ist, dann kann man das grosse Potenzial von diesem Bike wahrscheinlich nicht ausreizen.

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Auf schönen Singletrails fühlt sich das Mondraker e-Crafty R+ am wohlsten.

Zuerst ging es den Berg hoch, um mal dem Bosch Motor auf den Zahn zu fühlen. Es ist die neueste Software installiert, bei welcher der eMTB-Modus interessant ist. Nebst den üblichen Stufen Eco, Tour und Turbo, ist eMTB sozusagen der Automat. Je nach Druck auf dem Pedal regelt der Motor selbst die Unterstützungsstufe. Diese reicht dann vom Tour bis zum Turbo Modus. In der Praxis funktioniert das ganz gut und es ist sicher für viele E-Biker eine Vereinfachung, dass sie nicht mehr manuell die Stufe wählen müssen. Die Kehrseite ist allerdings, dass man so immer wieder mal unwissentlich in den Turbo Modus kommt und viel Strom verbraucht wird. Tourenfahrer sollten also eher den herkömmlichen Eco und Tour Modus wählen, damit sie eine Tagestour ohne Stromausfall überstehen.

Der neue Bosch Motor verrichtet seine Arbeit unauffällig und arbeitet feinfühlig. Das Ruckeln bei kleinen Kurbelbewegungen, welches man vom Vorgänger noch kannte, ist verschwunden. Der Lärmpegel ist tief, man hört nur ein leises Summen, das einem bewusst macht, dass man auf einem E-MTB sitzt. Was mehr Lärm macht ist die SunRace Kassette, welche bei einem Schaltvorgang unter Last ziemlich laut knarzt und knirscht. In Sachen Kassetten und Schaltpräzision bleibt Shimano einfach das Mass aller Dinge.

NACHTRAG 05.10.2018: Nach über 7 Monaten Testphase muss ich nun sagen, der Bosch Motor überzeugt mich nicht. Sehr ärgerlich ist das extreme Abriegeln, wenn ca. 26 km/h erreicht sind. Der Motor bzw. das Getriebe bremsen so stark, dass es fast nicht möglich ist, aus eigener Muskelkraft über 30 km/h zu fahren. Dieser Punkt wird übrigens auch von allen meinen Kunden an den Bikekursen bemängelt. Hinzu kommt, dass der Motor im unteren Drehzahlbereich zu wenig unterstützt. Wenn man mit tiefer Trittfrequenz fährt, was ja beim Biken öfters mal vorkommen kann, dann bringt der Motor fast keine Leistung. Man muss also immer den Finger am Schalthebel bereit haben und sofort in einen leichteren Gang schalten, sonst bleibt man am Berg stehen. Bosch hat auf 2019 ein grosses Update versprochen, hoffen wir mal, dass diese Probleme aus der Welt geschafft werden.

Das Fahrwerk hält das Versprechen vom "Zero Suspension System". Der Hinterbau liegt extrem satt auf dem Boden, beim Treten spürt man fast kein Wippen und jede Pedalbewegung wird in Vortrieb umgesetzt. Der Rock Shox Dämpfer verfügt über kein Lockout, dieses ist aber auch gar nicht nötig. Die breiten Plus-Reifen mit 1,0 bar Luftdruck schenken zusätzlichen Komfort und bieten vor allem viel Traktion. Sehr steile Aufstiege und sogar Treppen hoch können problemlos gemeistert werden.

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Die Treppe hoch? Mit einem E-MTB kann man das machen.

Im Downhill kommt dann die wahre Stärke vom e-Crafty R+. Das E-Bike liegt wie ein Brett auf dem Trail. Hier merkt man den sehr langen Radstand, welcher für viel Laufruhe sorgt. Der Hinterbau schluckt kleine und grosse Schläge völlig unauffällig und er verleitet förmlich dazu, dass man immer noch schneller werden will. Auch die Rock Shox Yari Federgabel verrichtet ihren Job sehr zuverlässig, sie federt sehr sensibel und das Vorderrad reagiert direkt auf jede Lenkbewegung. Solange das Bike in Schwung ist, fährt es sich flüssig und geschmeidig. In langsameren Passagen merkt man allerdings die Länge und den flachen Lenkwinkel, da braucht es mehr Arbeit, um das Bike in der Spur zu halten. Und auch das Vorderrad heben oder in den Manual gehen ist eine kleine Kraftübung. Kein Wunder, die Kettenstreben sind 475 mm lang, das sind stolze 50 mm mehr als bei meinem Rocky Mountain.

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Tiefe und nach vorne gebeugte Körperposition, so funktioniert das e-Crafty R+ am besten.

Wie eingangs schon erwähnt, das Mondraker benötigt eine gewisse Zeit, bis man sich an die Geometrie gewöhnt hat. Wenn man sich aber diese Zeit nimmt, dann hat man ein Bike, welches enorm viel Potenzial aufweist. Ich behaupte sogar, das ist eines der schnellsten E-MTB, welches momentan auf dem Markt erhältlich ist.

Fazit


Das Mondraker e-Crafty R+ ist ein modernes E-MTB, welches in Sachen Geometrie und Fahrwerk Massstäbe setzt. Die extravagante Optik und die gute Verarbeitung heben sich von der Masse ab und man erhält ein Bike, welches ein Hingucker ist. Es ist für den sportlichen Biker gedacht, der eine gute Fahrtechnik besitzt und bereit ist, auf dem Trail mit dem Bike zu verschmelzen.

Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung!

Positiv


+ hervorragendes Fahrwerk
+ hohe Verarbeitungsqualität
+ bewährte Ausstattung
+ extravagante Optik
+ gutes Preis-/Leistungsverhältnis

Negativ


- hohes Gewicht

Preis


CHF 6'499.00

Informationen


CHRIS Sports
Mondraker
Bosch


Kommentare:

  1. Toller Bericht über das Mondraker e-CRAFTY.
    Haben Sie eine 4 Kolben Bremse verbaut oder eine 2 Kolben ?
    Will mein e-CRAFTY eine neue Bremse gönnen, aber da hinten nicht viel Platz ist bin ich unsicher welche Bremse mit welcher Scheibe passt.
    Gruß
    Florian

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    1. Danke für deinen Kommentar und sorry für meine späte Antwort. Ich fahre eine Shimano XT 2-Kolben Bremse. Original ist eine Sram Guide T Bremse dran, aber ich bin kein Sram Bremsen Fan... Montieren lässt sich jede Scheibenbremse, Marke egal. Gruss! Uwe

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