3. Februar 2019

Mountainbiking in Südafrika

2019 feiere ich mein 30-jähriges Jubiläum als Mountainbiker. In diesem Jahr gönne ich mir darum die eine oder andere Kleinigkeit, die schon länger auf meiner Bike-Pendenzenliste steht. Los ging es mit einer Reise nach Südafrika. Mein Kollege Roland hat in Stellenbosch eine Wohnung und verbringt schon seit vielen Jahren einen Teil der Winterzeit auf der warmen Südhalbkugel.

So flog ich Mitte Januar nach Kapstadt, um für knapp zwei Wochen dem kalten Schweizer Winter zu entfliehen und eine neue Bikeregion kennenzulernen. Kaum war ich angekommen, ging es schon auf die erste Biketour. Nebst Roland waren auch noch einige seiner Kollegen und Einheimnische dabei. Jeden Tag bestand unsere Gruppe aus anderen Leuten, so wurde es nie langweilig.

mountainbiking_suedafrika2019
Erster Tag, erste Tour. So kann es weitergehen!

mountainbiking_suedafrika2019
Der einheimnische Rennfahrer Sipho Madolo zeigte uns seine Hometrails.

mountainbiking_suedafrika2019
MTB water und Isostar sorgten dafür, dass man nicht verdurstet...

mountainbiking_suedafrika2019
Panorama gibt es reichlich in Südafrika.


Was mich natürlich besonders freute, waren die warmen Temperaturen und trockenen Trails. Tage zuvor fuhr ich noch dick eingepackt über verschneite und verschlammte Wege und fror mir die Finger und Füsse ab. Und jetzt kurze Kleider, viel Staub und ein Temperaturunterschied von 30 Grad. Für Leute, die den Winterblues haben oder sich schon früh eine gute Form antrainieren wollen, ist Südafrika wohl die optimale Destination.

mountainbiking_suedafrika2019
Was für ein Wetter!

mountainbiking_suedafrika2019
Die Trails sind grosszügig in die weitläufige Landschaft eingebettet.

mountainbiking_suedafrika2019
Die Umgebung wechselt im Minutentakt.

mountainbiking_suedafrika2019
Ab durch die Schlucht!  


Stellenbosch ist so etwas wie das Disneyland von Südafrika. Es ist eine relativ saubere und sichere Studentenstadt und es geht sportlich und hip zu und her. Der Biketourismus wird aktiv gefördert und darum verbringen auch viele Spitzenathleten ihre Tage hier für den gezielten Formaufbau. Kaum ist man raus aus dem Zentrum kann man sich in einem der vielen Parks auf den Trails vergnügen.

mountainbiking_suedafrika2019
Achtung Linksverkehr! Die Fahrt raus aus Stellenbosch verlangte immer grösste Vorsicht...

mountainbiking_suedafrika2019
Die UCI Worldcup Rennstrecke wurde auch unter die Räder genommen!


Wir fuhren jeden Tag in eine andere Richtung weg und erlebten die ganze Bandbreite an Landschaft, Topographie und Trails. Biken in Südafrika zu dieser Jahreszeit ist nichts für Langschläfer und Hitzeempfindliche. Wir starteten jeweils schon zwischen 7.00 und 9.00 Uhr, um bei einigermassen erträglichen Temperaturen unterwegs zu sein. Das Thermometer kletterte schon am Mittag auf bis zu 35 Grad… Das Frühstück bzw. den Lunch nahmen wir während oder nach der Tour ein. Am Nachmittag blieb so noch genügend Freizeit, um sich den vielen anderen Sehenswürdigkeiten zu widmen, die dieses schöne Land bietet.

mountainbiking_suedafrika2019
Die tägliche Stärkung vor der Biketour.

mountainbiking_suedafrika2019
Keine Wolke am Himmel und keine schattenspendenden Bäume. Es wird heiss!

mountainbiking_suedafrika2019
Nach der Biketour blieb Zeit für die sinnvollen Dinge im Leben...

mountainbiking_suedafrika2019
Wenn man schon mal in der Gegend ist... Ausflug nach Kapstadt.

mountainbiking_suedafrika2019
Table Mountain und Lion's Head.

mountainbiking_suedafrika2019
30 Minuten am Beach reichten, dann wurde es langweilig...

mountainbiking_suedafrika2019
Massage für alle in der Wohnung von Nino Schurter. Man beachte die Oberarme vom Masseur...


Ein Grossteil der Bikestrecken führt durch private Weingüter, wo zwischen den Reben ein gepflegtes Netz an Trails angeboten wird. Für die Benutzung muss man ein Ticket lösen, welches umgerechnet ca. CHF 4.00 kostet. Somit leistet man einen wertvollen Beitrag zum Trailunterhalt und zur Förderung von Arbeitsstellen.

mountainbiking_suedafrika2019
Hübsche Zufahrt zum Weingut und zu den Biketrails.

mountainbiking_suedafrika2019
Die Lizenz zum Spass haben!

mountainbiking_suedafrika2019
Kreuz und quer durch die Weinreben...

mountainbiking_suedafrika2019
Race mode is on!

mountainbiking_suedafrika2019
Das Auge kann sich nicht satt sehen an so vielen Eindrücken.

mountainbiking_suedafrika2019
Für natürliche Erfrischung und Verpflegung auf der Strecke ist gesorgt.


Die Trails sind meistens künstlich angelegt und sehr grosszügig in die Landschaft eingebettet. Von einfach, flowig bis sehr anspruchsvoll ist alles zu finden. So kommen Beginner und auch Profis sicher auf ihre Kosten. Die Aufstiege muss man alle aus eigener Kraft hochfahren, einen Shuttledienst sucht man vergebens. Und es geht durchaus knackig zur Sache, wir machten jeden Tag zwischen 1000 und 1400 Höhenmeter und legten 40 bis 60 Kilometer zurück. Es ist weitgehend klassisches Cross-Country und Marathon Terrain. Fitte Tourenfahrer werden sich freuen, liftverwöhnte Endurobiker werden wohl nicht ganz glücklich werden…

mountainbiking_suedafrika2019
Yeah!!

mountainbiking_suedafrika2019
Die Transfers vom einen zum nächsten Trail gehen wie immer durch die Weinreben.

mountainbiking_suedafrika2019
Die Speicherseen sorgen für zusätzliche Optik.


Interessant ist die Wahl der Bikes und Ausrüstung. Es werden ausnahmslos 29er Race-Fullies mit wenig Federweg gefahren. Die Bekleidung ist ebenfalls konservativ, enge Lycrahosen und Shirts sind an der Tagesordnung. Und es stecken zwei Trinkflaschen im Rahmen und eine Satteltasche unter dem Sattel. Ich war mit meinem Rocky Mountain Thunderbolt mit 150/140 mm Federweg und 27.5 Laufrädern und mit Shorts und Rucksack ein richtiger Exot… Ab und zu war ich froh um mein potentes Trailbike, aber meistens hätte tatsächlich eine leichte Rennfeile gereicht.

mountainbiking_suedafrika2019
Das Schweizer Bike-Urgestein Andi Seeli im Windschatten von Roland.

mountainbiking_suedafrika2019
Das coupierte Gelände verlangt ein gut rollendes Bike.


Wenn wir gerade beim Thema Racing sind, hier findet man eine aktive und motivierte Rennszene. An jedem Wochenende kann man irgendwo ein ein- oder mehrtägiges Rennen fahren. Logisch, dass auch wir uns das nicht entgehen lassen durften. Gruppendruck sei Dank, musste ich auch wieder einmal eine Startnummer an den Lenker montieren. Wir fuhren die Porcupine Ridge MTB Challenge, ein Marathonrennen über 56 km und 900 Höhenmeter. Mit meiner bescheidenen Winterform und einem nur bedingt geeigneten Bike würde das sicher ein Abenteuer werden. Es lief mir dann aber erstaunlich gut und ich belegte den 29. Rang von 122 Teilnehmern. Sicher gewonnen habe ich die Kategorien "meister Federweg" und "kleinste Laufräder/breiteste Reifen"! ;-)

mountainbiking_suedafrika2019
Race day! Morgens um 06.30 Uhr und das geile Wetter motiviert zusätzlich.

mountainbiking_suedafrika2019
400 Teilnehmer nahmen an der Porcupine Ridge MTB Challenge statt.


Um wieder zu Kräften zu kommen, genossen wir jeden Tag kulinarische Köstlichkeiten. Auch für mich als Vegetarier und Nicht-Weintrinker gab es immer eine grosses Auswahl an vorzüglichen Speisen und Getränken. Die Südafrikaner wissen, wie gute Gastronomie auszusehen hat!

mountainbiking_suedafrika2019
Frühstück, Lunch und meistens auch Abendessen fanden unter freiem Himmel statt.

mountainbiking_suedafrika2019
So liebevoll kann ein Tomaten-Mozzarella Salat angerichtet sein.

mountainbiking_suedafrika2019
Ein kleines Kunstwerk! Sieben verschiedene Zubereitungsarten von Rande (Beetroot).

mountainbiking_suedafrika2019
Der Klassiker schmeckt auch in Südafrika.


Das Biken in Südafrika wird von einigen Tourenanbietern als technisch und physisch einfach verkauft. Ich weiss nicht, wo diese Gruppen durchfahren, aber sicher nicht dort, wo wir unterwegs waren. Ich fand die Sache durchaus anspruchsvoll, vor allem was Untergrund und Topographie betrifft. Der Boden ist sehr rutschig, oft fährt man im Sand oder im losen Geröll und man ist immer auf der Suche nach Traktion. Die Anstiege sind steil und technisch, sodass man mit viel Kraft fahren muss. Und man drückt auch mal über 500 Höhenmeter am Stück den Berg hoch. Eine solide Fahrtechnik und eine gute Kondition machen den Aufenthalt sicher angenehmer!

mountainbiking_suedafrika2019
Eine gute Fahrtechnik hilft, um auf jedem Trail Spass zu haben!

mountainbiking_suedafrika2019
Was für ein Anlieger! Davon können wir bei unseren europäischen Flowtrails nur träumen...

mountainbiking_suedafrika2019
Ein schöner natürlicher Wallride durfte auch nicht fehlen!

mountainbiking_suedafrika2019
Der G-Spot Trail oberhalb von Stellenbosch ist ein grosser Spielplatz.

mountainbiking_suedafrika2019
Die optimale Linie ist schmal...

mountainbiking_suedafrika2019
Von den coolen Anliegern kann man nicht genug bekommen!

mountainbiking_suedafrika2019
Grüne Pflanzen und blauer Himmel sorgen für schöne Fotos!

mountainbiking_suedafrika2019
Die atemberaubende Landschaft war unser täglicher Begleiter.


Als Bikeguide kann ich auch hier empfehlen, dass man organisierte Touren bucht oder sich den Locals anschliesst. Nur so kommt man in den Genuss von den schönsten Trails, fährt sinnvoll zusammenhängende Touren und stoppt bei den besten Restaurants. Kollege Roland hat das mit seiner langjährigen Erfahrung perfekt organisiert und uns jeden Tag ein grosses Erlebnis geboten.

Ich reiste ohne grosse Erwartungen nach Südafrika, kam aber mit unvergesslichen Eindrücken wieder nach Hause. Der kurze Abstecher in den Sommer tut der Seele gut und Biken auf trockenen Trails und in kurzen Kleidern ist immer schön. Den ganzen Tag mit Freunden unterwegs zu sein und gemeinsam am Esstisch zu sitzen und zu plaudern ist durch nichts zu ersetzen. Vielen Dank, ich komme wieder!

mountainbiking_suedafrika2019
Vielen Dank liebe Freunde für die super Zeit mit euch!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen