2. März 2019

Die Wahl der richtigen Bikeschule

"Jeder Velofahrer hat heute das Gefühl, er könne Bikekurse anbieten." Dies sagte kürzlich ein Kursteilnehmer nach dem Fahrtechniktraining zu mir. Ich reagierte verdutzt und fragte mich schon, was ich wohl falsch gemacht habe. Er ergänzte aber gleich: "Zum Glück habe ich dich gefunden, du bist ein wahrer Fachmann auf deinem Gebiet." Ich bedankte mich für das Kompliment und war gleichzeitig stolz, dass die Kunden meine Arbeit und meine Professionalität zu schätzen wissen.

Diese kritische Aussage bestätigt aber eine Entwicklung, dich auch ich beobachte. Es gibt im Bereich Fahrtechnikkurse und Tourenleitung immer mehr selbsternannte "Profis" und "Experten", die sich auch noch eine Scheibe vom Kuchen abschneiden wollen. Für die meisten ist es ein Hobby, mit welchen sie sich einen kleinen Zustupf verdienen möchten. Dass da nicht alle eine gleich hohe Qualität und Kompetenz bieten können ist verständlich. Das ist ja in anderen Berufszweigen auch festzustellen.

Hier darum ein Leitfaden, auf was du bei der Wahl einer Bikeschule oder eines Tourenanbieters achten solltest. Wenn du deinen Bikekurs bei Fit for Trails buchst, dann bedanke ich mich jetzt schon im Voraus!


Bikekurse müssen auf rutschigem Untergrund stattfinden


Eine weitere Anekdote von einem Teilnehmer, der mir nach dem Bikekurs mitteilte: "Ich habe schon einen anderen Kurs vor deinem besucht, aber bei dir habe ich viel mehr gelernt. Vor allem haben beim anderen Kursanbieter die einzelnen Übungen auf einem Parkplatz stattgefunden. Ich habe mich noch gefragt, was das bringt, denn das hat ja nichts mit Biken im Gelände zu tun."

In diesem Punkt verstehe ich viele meiner Kolleginnen und Kollegen nicht. Warum macht ihr Bikekurse auf asphaltierten Parkplätzen oder harten Sportplätzen? Wir fahren nicht Rennrad, wir fahren Mountainbike! Und das findet auf Dreck, Staub, Schotter, Steinen, Wurzeln und Schlamm statt. Wir sind normalerweise auf Untergründen unterwegs, dir nur sehr wenig Traktion bieten.

Bikekurse auf einem festen Boden vermitteln ein völlig falsches Bild von Sicherheit und Kontrolle. Wenn man mit der gleichen Geschwindigkeit eine Kurve fährt oder mit der gleichen Kraft bremst wie auf Asphalt, dann ist ein Sturz auf Schotter sicher. Ein Feingefühl für das Mountainbike und für den Untergrund erhält man nur, wenn man möglichst viel auf rutschigem Boden fährt.

Ich kann mir schon vorstellen, warum einige Kursanbieter auf den nächsten Parkplatz ausweichen. Sie gehen den einfachsten Weg, weil es ihnen zu mühsam ist, viel Zeit für die Platzsuche zu investieren. Es ist heute schwierig geworden, einen grossen Kiesplatz oder einen passenden Schotterweg zu finden. Vor allem in unbekannten und dichtbesiedelten Regionen verbringe ich im Vorfeld viel Zeit damit, um eine geeignete Infrastruktur bieten zu können. Wenn man aber qualitativ hochwertige Bikekurse anbieten will, dann muss man diesen Aufwand in Kauf nehmen. Die Kunden werden sich dafür bedanken.

Es gibt nur zwei Gründe, um auf einen harten Platz auszuweichen:

Kinderkurse - Die Kids kommen mit ihren teils kleinen Rädern im Schotter oft nicht richtig vorwärts oder haben noch gar nicht das Können, um auf rutschigem Untergrund zu fahren.

Hinterrad versetzen - Obwohl das Hinterrad versetzen schlussendlich auch im anspruchsvollen Gelände angewendet wird, hilft es, die Technik auf einem griffigen Untergrund zu trainieren. So können gezielt die Bremsdosierung und der Bewegungsablauf richtig geübt werden.

Tipp: Es lohnt sich, im Vorfeld einen Blick auf die Website vom Kursanbieter zu werfen. Siehst du dort Leute, die auf einem asphaltierten Parkplatz oder einem Sportplatz rumkurven, dann suche besser eine andere Bikeschule.

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Nur auf Schotter erhält man ein Gefühl für die Bremsen und für das Verhalten es Bikes.


Ein Bikeguide muss ein guter Biker sein


Wenn ich einen Bikekurs oder eine geführte Biketour buche, dann erwarte ich, dass der Guide sein Arbeitsgerät sehr gut beherrscht. Das ist leider nicht immer der Fall, das musste ich auch schon selber miterleben.

Als Bikeguide ist man Tourenführer, Erlebnisverkäufer, Geschichtenerzähler, Mechaniker, Sanitäter und in meinem Fall Fahrtechniktrainer. Vor allem muss man aber sein Mountainbike auf einem hohen Niveau beherrschen. In dieser Vorbildfunktion muss man glaubwürdig wirken, denn im Normalfall möchten die Kunden ja etwas lernen, wenn sie einen Bikeguide buchen. Ich gehe sogar soweit und behaupte, dass der Guide mindestens so gut fahren muss, wie sein stärkster Kunde (Ausnahmen gibt es nur, wenn Nino Schurter, Aaron Gwin, Jolanda Neff und andere solche Kaliber in der Gruppe mitfahren ;-)).

Wenn man es als Guide nicht bringt, dann sollte man auch dazu stehen, sonst leidet nur die Kurs- oder Tourenqualität darunter. Ich habe darum mittlerweile mit Downhillkursen aufgehört. Obwohl ich ursprünglich vom Downhillsport komme und diesen immer noch liebe, merke ich, dass ich im Bikepark nicht mehr Zuhause bin. Bei Anfragen verweise ich daher an meine Kollegen, die jeden Tag im Park unterwegs sind und das nötige Können und die Kompetenz mitbringen.

Tipp: Auch hier lohnt sich ein Blick auf die Website vom Anbieter. Wenn der Guide zwei Finger am Bremshebel hat, "Klickpedal Bunny Hops" macht oder mit angewinkelten Armen Wheelies fährt, dann solltest du nach einem anderen Bikeguide Ausschau halten.

Ich investiere viel Zeit, um meine Fahrtechnik immer auf einem hohen Level halten zu können. Profitieren können davon vor allem auch die Kunden.




Können kommt durch Erfahrung


"Ausbildung muss sein, aber Erfahrung kann man nur in der Praxis sammeln" (Zitat aus einem James Bond Film).

Mountainbiking und Guiding gehören zu den Tätigkeiten, wo die Theorie und Praxis weit auseinander liegen. Wenn man viel über den Bikesport weiss und lernt, heisst das noch lange nicht, dass sich das auch in der Realität umsetzen lässt. Kommt hinzu, dass der Lernprozess beim Biken oft schmerzhaft ist.

Deshalb kann man MTB-Erfahrung nicht kaufen oder lernen, zumindest nicht auf die Schnelle. Erfahrung und das daraus resultierende Können brauchen viel Zeit, Training und Disziplin. Beim Mountainbiken ist das insbesondere bei der Fahrtechnik der Fall. Von heute auf morgen wird man nicht besser, aber wenn man sich immer wieder bemüht und sich selber antreibt, dann kommt der Erfolg und das Können.

Es ist gut, dass es Dachverbände gibt, die sich um die Ausbildung von Mountainbike-Guides kümmern. So können eine gewisse Qualität, Professionalität und Preisstruktur gewährleistet werden, wenn der Bikekurs oder die Biketour bei einem zertifizierten Guide gebucht wird.

Allerdings gibt es innerhalb der Bikeguides riesige Unterschiede was Erfahrung und Können betrifft. Ein neuer Trend ist, dass einige Anbieter den Verband umgehen und ihre Guides selber ausbilden. So fehlt natürlich die Kontrolle von aussen, ob da auch wichtige Richtlinien eingehalten werden. Ob solche Guides dann die nötige Qualität liefern können ist fraglich.

Ich selbst bin schon seit 30 Jahren Mountainbiker und habe wohl mehr erlebt und gelernt in all dieser Zeit, als die meisten anderen Bikeguides da draussen. Dennoch bin ich weiterhin bestrebt, um meine eigene Fahrtechnik und mein Fachwissen täglich zu schulen, damit ich immer kompetent bleibe.

Tipp: Suche dir einen ausgebildeten Bikeguide, der den Sport schon jahrelang betreibt. Er muss nicht zwingend ein dutzend Zerfifikate vorweisen können, aber er muss das Mountainbiken lieben und leben. Dann kommst du bestimmt auf deine Kosten.

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Je mehr Erfahrung und Können, desto kleiner werden die Hürden beim Biken.


Ein Bikeguide muss ein guter Mechaniker sein


Ob ein Bikeguide ein guter Mechaniker ist, erfährt man leider nicht im Voraus, sondern erst im Notfall. Wenn man Glück hat, kann man sein Bikeabenteuer nach einer Reparatur weiter geniessen. Wenn man Pech hat, heisst es Heimreise antreten...

Obwohl die Teilnehmer jeweils gebeten werden, mit einem einwandfrei funktionierenden und sauberen Mountainbike anzutreten, gibt es immer wieder Leute, die es nicht ganz so genau damit nehmen. Oder Murphy's Law schlägt genau am Tag X zu.

Ich musste an meinen Bikekursen und Biketouren schon viele Reparaturen vornehmen, die weit über den einfachen Plattfuss hinausgehen: Scheibenbremsen entlüften, Tretlager anziehen, Steuersätze justieren, elektronische Schaltungen konfigurieren, Kettenrisse flicken, abgerissene Wechsel/Schaltaugen zusammenbasteln, zerschnittene Reifen stopfen, Bremsbeläge wechseln, Federelemente richtig einstellen und noch vieles mehr.

Alle diese Defekte konnte ich, dank meiner grossen Erfahrung und meinen Fähigkeiten als passionierter Schrauber, auf dem Kursplatz oder sogar unterwegs beheben. Die Kunden waren unendlich dankbar und konnten dank der Kompetenz vom Guide weiterhin einen schönen Biketag erleben.

Erschwerend kommt hinzu, dass das Mountainbike immer komplexer wird. Fast monatlich werden neue Technologien und Standards vorgestellt. Da kommt nur mit, wer sich tagtäglich mit der Materie befasst, Produktschulungen besucht und eng mit der Branche zusammenarbeitet.

Tipp: Je erfahrener der Guide, desto grösser ist die Chance, dass er ein Bike wieder zum Laufen bringt. Als Teilnehmer solltest du selber auch immer das wichtigste Ersatzmaterial für dein Bike dabei haben, das erleichtert oft die Arbeit.

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Meine mobile Werkstatt - Werkzeug und Ersatzteile sind bei Fit for Trails immer dabei.


Ein Selfie sagt nichts über das Angebot aus


Der Selfie-Boom macht natürlich auch vor uns Bikeguides nicht halt. Allerdings sind die gezeigten Selfies oft von schlechter Qualität und manchmal auch peinlich, dann wenn die Nase vom Guide zuvorderst im Bild ist und hinten noch einige Teilnehmer verlegen in die Kamera winken. Wenn sich ein Guide vor seine Kunden ins Bild quetschen muss, hat er unter Umständen ein Ego-Problem und ein schönes Panorama macht er mit seinem Auftreten allenfalls auch noch gleich futsch.

Das Selfie ist vielleicht in der Mode- und Glamourwelt wichtig, bei einem Kursangebot hat es aber zu wenig Aussagekraft. Egal ob ich einen Kochkurs, Malkurs, Tanzkurs, Sprachkurs oder was auch immer buchen möchte, das Gesicht vom Kursleiter interessiert mich überhaupt nicht. Ich will erfahren, was mich erwartet, wie es aussieht und was gemacht wird. Anhand eines guten Fotos kann so schon viel verraten werden und man kann den Kunden zusätzlich motivieren, um an einem Angebot teilzunehmen. Der "ich will auch" oder "muss ich haben" Effekt ist bei einem schönen und informativen Foto viel grösser, als bei einem schlechten Selfie.

Darum wird man bei Fit for Trails nie Selfies sehen. Als Guide halte ich mich bewusst im Hintergrund bzw. hinter der Kamera auf. Der Kunde soll immer Vorrang haben!

Tipp: Lass dich nicht von irgendwelchen Selbstdarstellern blenden. Fotos sind wichtig und sinnvoll, aber es muss nicht unbedingt ein Selfie sein. Bilder sollen in erster Linie informieren, motivieren, zum Träumen anregen und die Schönheiten des Bikesports hervorheben.

wahlderbikeschule
Traumhaft schön! Man stelle sich vor, dass hier der Bikeguide noch seine Nase ins Bild hält...

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