11. März 2019

Mach dein Bike fit für den Frühling

Der Winterschlaf ist vorbei! Es geht langsam wieder richtig los mit Biken in der Wärme und auf trockenen Trails. Solltest du eine Pause eingelegt haben oder auch die ganze kalte Jahreszeit durchgefahren sein, dein Mountainbike hat jetzt einen Frühlingsputz verdient.

Am besten gehst du dafür zum Fachhändler deines Vertrauens, damit dieser einen Check und dein Bike für die bevorstehende Saison fahrbereit macht. Es lohnt sich, möglichst bald einen Shop zu besuchen, denn ab April/Mai sind schon wieder lange Wartezeiten von bis zu zwei Wochen möglich. Auf der Website findest du übrigens eine Auflistung mit Fit for Trails Partnershops.

Wenn du das nötige Fachwissen und die erforderlichen Werkzeuge hast, dann kannst du die Arbeiten selbstverständlich auch selber erledigen. Tipp: Leiste dir qualitativ hochwertiges Werkzeug! Die Anschaffung ist teuer, aber dafür hast du ein Leben lang Freude damit.


Mountainbike putzen


Nur ein sauberes Bike macht Spass. Bevor du mit der Arbeit an deinem Bike beginnen kannst, musst du dieses wieder mal richtig putzen. Nutze dafür Wasser und ein Reinigungsmittel, damit sich auch hartnäckige Verkrustungen lösen.

Verwende einen Gartenschlauch oder ein Eimer mit Wasser und Schwamm und Bürste. Beachte, dass du nicht direkt mit vollem Druck in die Lager und Dichtungen oder in Motor und Akku spritzt. Auch wenn alles abgedichtet ist kann trotzdem Wasser eindringen und die Bauteile zerstören.

Nach der Dusche musst du das Bike mit einem Stofflappen abtrocknen und die wichtigsten Teile ölen. Sonst kommt der Flugrost...

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Wasser marsch! Ein sauberes Mountainbike sieht einfach besser aus.


Mountainbike komplett überprüfen


Wenn das Bike schön sauber vor dir steht, kannst du einen ersten optischen Check durchführen. Kontrolliere den Rahmen und den Hinterbau auf mögliche Beschädigungen und Abnützungen. Auch wenn Rahmenbrüche heute äusserst selten sind, kann es trotzdem mal zu Rissen kommen.

Danach solltest du alle Lager und Drehpunkte prüfen. Drehe den Lenker hin und her, drehe die Kurbeln, drehe die Laufräder, federe das Bike voll durch. Wenn es irgendwo knarzt oder harzt, dann könnten die Lager verschlissen sein. Diese sollten dann fachmännisch gewechselt werden.

Als nächstes ist der Schraubencheck an der Reihe. Am besten gehst du von vorne nach hinten dein Bike durch und überprüfst alle Verbindungen. Verwende hierfür einen Drehmomentschlüssel und beachte die angegebenen Nm-Angaben. Wenn du einfach jede Schraube volle Pulle anziehst, riskierst du einen Materialdefekt oder drehst die Schrauben rund.

Ambitionierte Hobbymechaniker können das Bike auch komplett zerlegen, alles schön putzen und fetten und wieder zusammenbauen.

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Kontrolliere ob der Steuersatz Spiel hat.

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Sind alle Schrauben richtig angezogen?


Bremsen kontrollieren


Die Bremsen sind sicherheitsrelevant und müssen in einwandfreiem Zustand sein. Die aktuellen Scheibenbremsen sind wartungsarm, aber mindestens ein- bis zweimal im Jahr solltest du sie genauer unter die Lupe nehmen.

Entferne die Bremsbeläge und kontrolliere den Verschleiss. Ist der Belag über die Hälfte abgeraffelt, dann investiere in ein neues Paar. Beim Einbau unbedingt die Kolben zurückdrücken und danach die Bremse neu ausrichten. Es darf nirgendwo Schleifen.

Die Bremsscheiben musst du ebenfalls überprüfen. Die Materialdicke darf, je nach Hersteller, 1,7-1,5 mm nicht unterschreiten. Es hilft auch, mit dem Fingernagel über den Rand der Bremsfläche zu gleiten. Wenn du eine markante Kerbe spürst, dann ist die Scheibe durchgebremst.

Wenn du gerade an der Bremse arbeitest, dann reinige alle Komponenten mit einem speziellen Disc Brake Cleaner. Auf dem Bremskörper verteilt sich der Bremsstaub und auf der Bremsscheibe bleiben oft Rückstände von Fett und Öl zurück. Wenn alles sauber ist, dann hast du auch wieder die volle Bremsleistung.

Die Bremsflüssigkeit sollte auch einmal im Jahr gewechselt werden. Es handelt sich zwar um ein geschlossenes System, dennoch zieht die Bremse Dreck und Feuchtigkeit an.

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Die Bremsbeläge sollten regelmässig kontrolliert werden.

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Auch eine vermeintlich saubere Bremsscheibe hat immer Rückstände drauf.


Reifen und Laufräder kontrollieren


Mountainbiker brauchen Grip! Die Reifen sind der erste Kontaktpunkt zum Boden und sie entscheiden, ob du wie auf Schienen über die Trails jagst oder nur unkontrolliert durch die Gegend eierst.

Prüfe zuerst die Reifen optisch. Wenn das Profil runtergebremst ist oder überall Schnitte drin sind, dann weg damit. Wenn ein Reifenwechsel ansteht, dann kauf dir hochwertige Reifen, die deinem Einsatzbereich entsprechen. Auf neuen Bikes werden oft billige und unpassende Gummis verbaut. Ersetze die Reifen nicht einfach mit dem gleichen Typ, sondern wechsle die Marke, das Profil oder die Breite. Dein Bike wird gleich viel besser rollen!

Tubeless-Fahrer müssen sicher die Milch in den Reifen erneuern. Nach einigen Monaten trocknet diese aus oder verklumpt und sie hat somit keine Funktion mehr. Der Reifen sollte vorher innen gereinigt und die alten Latexspuren entfernt werden. Das ist eine mühselige Arbeit, ist aber nötig, damit sich die Milch wieder schön verteilt und du nicht den alten Ballast mitschleppst. Gleichzeitig sollten auch noch die Tubeless-Ventile geprüft werden. Diese verkleben oft und machen das Aufpumpen zur Geduldsprobe. Der Ventilkopf kann einzeln im Fachhandel gekauft werden, es muss nicht das komplette Ventil ausgetauscht werden.

Wenn du die Reifen von den Felgen nimmst, dann kannst du die Laufräder auch gleich kontrollieren. Sind die Speichen alle gleichmässig gespannt und läuft das Rad gerade? Ist das Felgenband unbeschädigt und sitzt es richtig im Felgenbett? Hat es Dellen oder sogar Risse in der Felge? Laufen die Radlager geschmeidig?

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Dieser Reifen ist über dem Zenit und muss gewechselt werden.

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Verdorbene Milch ist nie gut... Gut möglich, dass es in deinen Reifen auch so ausschaut.


Antrieb und Schaltung kontrollieren


Der Antrieb und die Schaltung müssen richtig und verzögerungsfrei funktionieren. Bei einem Mountainbike, das ständig von Dreck und Staub unter Beschuss ist, sind der Verschleiss und die schlechter werdende Performance schleichend. Erst wenn man wieder mal auf ein neues oder anderes Bike sitzt, merkt man, wie leichtgängig dort der Schalthebel läuft und wie leise der Antrieb schnurrt.

Darum kann man den Verschleiss auch nicht auf eine gewisse Kilometeranzahl oder Zeitdauer festlegen. Vielfahrer, die oft im schlechtem Wetter unterwegs sind, müssen unter Umständen die Schaltkabel und die Kette gleich mehrmals im Jahr wechseln.

Auf jeden Fall muss der Antrieb immer sauber sein (Wechselrädchen nicht vergessen!) und die Kette regelmässig geölt werden.

Bei der Kette kann mit einer Verschleisslehre die Länge überprüft werden. Allerdings hatte ich schon oft Ketten, die so trocken und sandig waren, dass ich sie trotz wenig Längung ersetzen musste. Ein früher Kettenwechsel lohnt sich immer, denn Kassette und Kettenblätter halten so um einiges länger und es kann viel Geld gespart werden. Stichwort Geld sparen: Eine Shimano Deore Kette verrichtet den Dienst übrigens genau so gut wie eine Shimano XTR Kette, kostet aber nur ein Drittel.

Auf die Schaltzüge und Hüllen solltest du auch einen Blick werfen. Sind diese ausgefranzt oder angerostet müssen sie ersetzt werden. Einmal im Jahr empfiehlt sich so oder so ein Wechsel der Schaltkabel.

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Gut geölt ist halb gefahren! Die Kette muss regelmässig gepflegt werden.

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Die Verschleisslehre fällt durch. Diese Kette ist hinüber und muss gewechselt werden.

Wenn die Schaltung harzt hilft oft ein kleiner Dreh an der Kabelspannung.


Dämpferelemente pflegen


Bei den Dämpferelementen verhält es sich ähnlich, wie bei der Schaltung. Du merkst erst wie gut deine Federgabel eigentlich funktioniert, wenn diese wieder mal neue Dichtungen und neues Schmieröl erhalten hat. Die Federelemente sind wartungsarm, wichtig ist, dass die Schmutzabstreifer immer sauber sind und natürlich der Luftdruck auf dich abgestimmt ist.

Es empfiehlt sich, einen Mudguard an der Gabel zu montieren. Der kleine Plastiklappen schützt nicht nur dich, sondern vor allem verhindert er, dass der ganze Dreck auf den Schmutzabstreifern landet.

Eine Funktionskontrolle solltest du trotzdem hin und wieder durchführen. Am besten die Luft ganz ablassen und schauen, ob überhaupt der volle Federweg genutzt wird. Dann wieder aufpumpen und alle Drehknöpfe und Hebel bewegen. Rebound, Compression und Lockout müssen effektiv funktionieren.

Was auch hilft ist, das Bike ab und zu auf den Kopf zu stellen, damit das Öl wieder mal die Dichtungen schmiert und diese nicht austrocknen. Eine Schmierung von aussen wird von den Herstellern nicht mehr empfohlen. Ich selbst habe aber die Erfahrung gemacht, dass ein spezieller Gabelspray durchaus hilft, dass die Federelemente schön geschmeidig laufen.

Die angegebenen Wartungsintervalle der Hersteller sind übrigens völlig übertrieben. Als Vielfahrer müsste ich meine Federelemente alle 2-4 Wochen in die Werkstatt bringen...

Einmal im Jahr solltest du aber Federgabel und Dämpfer einen professionellen Service gönnen. Wie erwähnt, neue Dichtungen und Schmieröl wirken Wunder und lassen deine Federelemente wieder butterweich arbeiten.

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Die Schmutzabstreifer von Gabel und Dämpfer müssen immer sauber sein.

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Eine Dämpferpumpe gehört in jede Bikewerkstatt. Kontrolliere den Luftdruck alle paar Monate.

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Ein Mudguard an der Federgabel schützt wirkungsvoll die Schmutzabstreifer.


Viele weitere Tipps zu den Einstellungen am Mountainbike und zur Fahrtechnik erhältst du im umfangreichen Blog "Alle Tipps und Tricks rund um den Bikesport". Viel Spass und immer gute Fahrt wünscht dir der Fit for Trails Guide!

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Mit einem richtig eingestellten und gut gewarteten Bike kann man es richtig fliegen lassen!

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