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12. Dezember 2019

Fahrbericht: Mondraker Chaser 29 mit Bosch CX 2020

Nach zwei Saisons mit einem Mondraker e-Crafty R+ E-MTB (Testbericht hier), geht es in eine neue Mondraker Ära. Neu einerseits, weil die Spanier die gesamte E-Bike Palette überarbeitet haben und andererseits, weil der neue Bosch CX Antrieb auf den Markt gekommen ist.

Dieses Mal habe ich mich für das Chaser 29 entschieden. Das Chaser ist das Einstiegsmodell der Fullsuspension-Linie. Das Bike ist mit 29" oder 27.5" Plus Laufrädern erhältlich. Da ich kein Freund von Plus-Reifen bin, habe ich die grossen Räder gewählt.

In diesem Test wird eine spezielle "Swiss-Edition" vorgestellt, welche leicht von der Mondraker Originalkonfiguration abweicht. Für den Schweizer Vertrieb CHRIS sports war die spezifizierte RockShox Recon Federgabel nicht stabil genug für den Alpeneinsatz, darum wurde eine RockShox 35 Gold verbaut. Die Rahmenfarbe wurde schwarz, statt orange gewählt. Und ich habe das Bike noch mit einigen Teilen von meinen persönlichen Sponsoren veredelt.

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Mein Mondraker Chaser 29 in der "Swiss Edition/Fit for Trails" Version.



Die Ausstattung


Wie bereits erwähnt, hat Mondraker auf das Modelljahr 2020 ihre Rahmen komplett neu konstruiert. Das ist den kleineren Motoren zu verdanken, welche nun mehr Spielraum für Geometrie- und Designideen erlauben. Das sieht man, wenn man die Geometrietabelle 2019/2020 vergleicht, die Bikes haben jetzt kürzere Kettenstreben, kürzeren Reach und kürzeren Radstand. Das hilft für eine gutmütigere Position auf dem Bike und für ein agileres Handling. Der berühmten Forward Geometry ist Mondraker treu geblieben, man findet immer noch ein langes Oberrohr und einen sehr kurzen Vorbau.

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Das Chaser mit der berühmten Forward Geometry und einer schönen Linienführung.


Der Chaser Rahmen ist aus 6061 Aluminium, welcher schön geschweisst und verarbeitet ist. Der Federweg beträgt 150 mm. Unter dem Oberrohr kann ein Flaschenhalter montiert werden. Hauptrahmen und Hinterbau sind mit dem Zero Suspension System verbunden, welches von einem RockShox Deluxe Select R Dämpfer kontrolliert wird. Die schwimmend gelagerte Anlenkung verspricht ein sensibles Ansprechverhalten und einen antriebsneutralen Vortrieb.

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Die Zero Suspension System Anlenkung mit dem RockShox Deluxe Select Dämpfer.


An der Front arbeitet eine RockShox 35 Gold mit 160 mm Federweg. Diese basiert, wie die teuren Lyrik und Pike, auf 35 mm Standrohren, hat aber ein einfacheres Innenleben. Nebst Rebound und Compression, kann man noch mit Tokens das Luftvolumen verändern und die Gabel auf die persönlichen Vorlieben einstellen.

Die Schaltung kommt von Sram, die 12-fach SX Eagle ist für die Gangwechsel verantwortlich. Die Bremsen sind Shimano MT501, welche leider nur zwei Kolben haben und an einem modernen E-MTB nicht mehr zeitgemäss sind. Ich habe diese gegen Shimano XT 4-Kolben gewechselt, kombiniert mit SwissStop Bremsscheiben und Bremsbelägen. Die Race Face Aeffect Kurbeln sind mit 165 mm kurz genug, damit man Bodenaufsetzer vermeiden kann.

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Der Sram SX Eagle 12-fach Antrieb.


Der Rest der Komponenten stammt von OnOff und MDK, den Mondraker Eigenmarken. Die Qualität ist voll in Ordnung, schon am Crafty war ich damit unterwegs. Vor allem die Variosattelstütze (ein defektanfälliges Teil) hat mich überzeugt, diese hat jetzt schon zwei Saisons auf dem Buckel und funktioniert immer noch einwandfrei. Ich habe Lenker, Lenkergriffe und Vorbau gegen Race Face ausgetauscht, um meinen Sponsor zu berücksichtigen.

Für den Grip sind Maxxis Rekon 29x2.6 montiert, ein gut rollender Reifen, welcher aber im anspruchsvollen Gelände zu wenig Traktion bietet. Ich habe deswegen Onza Aquila 29x2.4 aufgezogen.

Und zum Schluss kommen wir zum fast wichtigsten Teil am E-Bike, dem neuen Bosch Performance Line CX Antrieb. Bosch hat sich (zu) viel Zeit gelassen mit der Entwicklung und wurde die letzten zwei Jahre von der Konkurrenz regelrecht durchgereicht. Shimano, Brose, Yamaha, Rocky Mountain - alle hatten kleinere und leichtere Motoren, stärkere Akkus und mehr Konnektivität im Angebot. Es war also höchste Zeit, dass Bosch hier endlich nachlegt und im August 2019 wurde der neue Antrieb der Öffentlichkeit präsentiert. Auf dem Papier sind die Spezifikationen allerdings wenig berauschend, man hat lediglich aufgeholt, es gibt aber nichts, was die Mitbewerber nicht auch schon können.

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Der neue kleine Bosch Performance Line CX Motor.

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Neu ist ein herkömmliches 34er Kettenblatt. Die Race Face Kurbel ist 165 mm kurz.


Das Chaser hat den grossen 625 Wh PowerTube Akku verbaut, welcher elegant im Unterrohr versorgt ist. Die Alu-Abdeckung ist mit dem Akku verschraubt, welcher vollständig herausnehmbar ist.

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Der 625 Wh PowerTube Akku ist komplett im Unterrohr integriert und herausnehmbar.


Das Gewicht beträgt in Grösse Medium komplett fahrfertig 24,6 kg. Kein Spitzenwert, das vor allem wegen der stabilen und günstigen Ausstattung.



Auf dem Trail


Ich habe das Bike im Spätherbst erhalten und musste bis jetzt ausschliesslich auf nassen und verschneiten Trails fahren. Bei diesen schwierigen Bedingungen weiss das Chaser aber zu überzeugen.

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Spezielle, aber wunderschöne Bedingungen für einen Biketest. (Foto: spitznagel.ch)


Dass Mondraker hervorragende Fahrwerke baut, haben sie schon genug bewiesen. Mein Crafty war eine Wucht und das noch potentere Level, welches ich zwischendurch einige Wochen fahren durfte, war das schnellste Bike, auf dem ich jemals sass. Das Chaser folgt hier nahtlos.

Die etwas kürzeren Rahmenmasse machen das Bike verspielt und agil, vor allem im Vergleich mit der früheren sportlichen und aggressiven Geometrie. Trotz grossen 29" Laufrädern und hohem Gewicht steigt das Vorderrad zügig nach oben, wenn man am Lenker zieht. Auch Bunny Hops und Sprünge gehen locker von der Hand.

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Das Chaser geht locker aufs Hinterrad. (Foto: spitznagel.ch)

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Auch in der Luft lässt sich das Bike gut kontrollieren. (Foto: spitznagel.ch)


Die verschiedenen Komponenten funktionieren bis jetzt zuverlässig und unauffällig. Die sehr günstige Sram SX Eagle schaltet knackig und schnell, genau so wie die teureren Geschwister. Die Shimano XT 4-Kolben Bremse ist stark und gut dosierbar.

Gespannt war ich vor allem auf den neuen Bosch CX Motor. Dieser bietet nach wie vor 75 Nm maximales Drehmoment. Nebst der kleineren und leichteren Bauweise, hat er nun ein herkömmliches 34 Zähne Eagle Kettenblatt, was den Verschleiss an der Kette verringern soll. Als Display ist das kleine Purion spezifiziert, welches mich in Punkto Haptik und Optik bereits überzeugt hat. Mehr braucht es nicht, für weitere Informationen zur Biketour kann immer noch ein externes GPS-Gerät mitgenommen werden.

Ein cleveres Detail ist der Magnet, welcher mit der Bremsscheibe verschraubt ist. Der Sensor ist im hintersten Teil der Kettenstrebe platziert. Somit hat man nicht mehr das Problem, dass ein Magnet verrutscht oder sogar verloren geht (die bekannte Error 503 Fehlermeldung).

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Der geschraubte Magnet ist eine clevere Lösung.


Wer auf einen leisen Antrieb gehofft hat, wird hier leider enttäuscht. Der Motor tönt wie ein wild gewordener Mückenschwarm, je nach Unterstützung ist das Summen sehr hochtönig. Für mich sind andere Kriterien wichtiger an einem E-MTB, daher kann ich mit der Lärmentwicklung leben. Trotzdem, ein aktueller Brose läuft mittlerweile nahezu geräuschlos...

Der Motor bietet die bekannten 4 Stufen - Eco, Tour, E-MTB und Turbo. Diese wurden alle mit mehr Power versorgt, der Turbo Modus unterstützt jetzt mit 340% (vorher 300%). Generell sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Stufen besser spürbar. Die Kraftentfaltung ist gut dosierbar und der Motor harmoniert mit der eigenen Tretbewegung. Vor allem der Tour Modus ist kräftiger und für mich zum Lieblingsmodus geworden. Gepaart mit meinen starken Beinen komme ich hiermit fast überall hoch und gleichzeitig kann ich stromsparend fahren.

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Der Bosch CX bietet genügend Power für steile Anstiege. (Foto: spitznagel.ch)


Besonders erfreulich ist, dass der Motor jetzt besser entkoppelt jenseits der 25 km/h Marke. Der nervige und mühsame Widerstand der alten Version gehört nun der Vergangenheit an. Mit dem neuen CX schafft man auf der Fläche auch Geschwindigkeiten über 30 km/h aus eigener Kraft.

Alles in allem hat Bosch die Hausaufgaben gemacht und ist wieder zurück im Rennen um den besten Antrieb.

Das Chaser tänzelt leichtfüssig über die Trails und zieht souverän um die Kurven. Der üppige Federweg und die grossen Laufräder bieten viel Sicherheit und Reserven in jedem Gelände. Spass ist garantiert!

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Im Downhill zeigt das Chaser sein ganzes Potenzial. (Foto: spitznagel.ch)

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Viel Laufruhe und Sicherheit in schnellen Passagen. (Foto: spitznagel.ch)



Fazit


Das Mondraker Chaser 29 ist ein durchdachtes und schönes E-MTB, welches technologisch auf dem aktuellsten Stand ist. Die moderne Geometrie und das hervorragende Fahrwerk spielen perfekt mit dem neuen starken Bosch Antrieb zusammen. Die verbauten Komponenten funktionieren einwandfrei, für diesen Preis wäre aber eine teurere Ausstattung wünschenswert gewesen. Wer ein hochwertiges und extravagantes E-Bike sucht, der kann hier bedenkenlos zugreifen!

Positiv:
+ hervorragendes Fahrwerk
+ starker Bosch CX Motor
+ grosser 625 Wh Akku
+ hochwertige Verarbeitung
+ schönes Design

Negativ:
- günstige Ausstattung

Preis:
CHF 5'999.00

Informationen:
Mondraker
Bosch
CHRIS sports


Kommentare:

  1. Großes Lob an deine präzise Bewertung des Mondraker Bikes. Verständlich, flüssig zu lesen, relevante Details und vor allem nicht zu lang oder gar langweilig.
    Die Bilder sind mega. Lob an den Fotograph.

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