16/12/2020

Fit for Trails Jahresrückblick 2020

Das Jahr 2020 begann für mich ganz entspannt in der Toscana. Ich gönnte mir einige freie Wochen in unserer Wohnung in Caldana, genoss das schöne Wetter und das feine Essen und brachte mich mit täglichen Mountainbike- und Rennradtouren in Form.

In den Nachrichten wurde von einem neuen Virus in China berichtet, welches den gleichen Namen wie eine bekannte Biermarke trägt.

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Schwungvoll ins 2020! Und völlig unwissend, was dieses Jahr noch bringen würde...


Die Zeit vor Corona-Lockdown

Im Februar war ich zurück in der Schweiz und nahm meine Arbeit wieder auf. Die ersten Mountainbiker wollten ihre Fahrtechnik früh in der Saison verbessern und buchten Privatkurse. Mit den Gruppenkursen ging es dann im März richtig los.

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Die ersten Bikekurse starteten im Februar, hier am Üetliberg in Zürich.

In den Medien wurde nun täglich über dieses Coronavirus (oder Covid-19) berichtet und man merkte langsam, dass das wohl eine ernstere Sache werden wird. Das Virus wütete nicht nur in China, sondern breitete sich ziemlich schnell auch in den anderen Teilen dieser Welt aus.

Meine Kurssaison lief jetzt bereits auf Hochtouren, es kamen täglich Anmeldungen rein und alle bevorstehenden Kurse waren ausgebucht.

Das Coronavirus war mittlerweile in der Schweiz angekommen und es brach eine regelrechte Panik aus... Nachdem unsere Nachbarländer bereits einen Lockdown ausgesprochen hatten, zog jetzt auch die Schweizer Regierung nach und ab dem 16. März 2020 stand unser Land still.

Ich konnte am 15. März gerade noch den letzten Gruppenkurs durchführen, danach musste ich meine Arbeit einstellen. Super, ich durfte bereits wieder in die "Ferien"... Der Lockdown wurde vorerst auf vier Wochen festgesetzt.

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Herrliches Wetter am 15.03.2020. Der letzte Kurs vor dem Lockdown...


Die Zeit während Corona-Lockdown

Nun wurde es stressig für mich, ich hatte zu diesem Zeitpunkt 130 pendente Buchungen für Fahrtechnikkurse, welche ich jetzt verschieben musste. Also schrieb ich E-Mails, Newsletter und Social Media Einträge, bis meine Tastatur glühte. Ich musste meinen Kalender nun sicher bis in den Sommer komplett überarbeiten, damit ich alle meine Kunden bedienen konnte. Da ich an einen längeren Lockdown als vier Wochen glaubte, setzte ich die ersten neuen Termine auf Anfang Mai. Zum Glück waren alle Kunden sehr tolerant und verständnisvoll und die Umbuchung der Kurse lief nahezu reibungslos ab. In diesen Tagen schrieb ich über 300 E-Mails hin und her, bis alle ihren passenden Termin gefunden hatten.

Als alles soweit geregelt war, erfreute ich mich an meinen Zwangsferien. Wir durften weiterhin das Haus verlassen und Sport treiben. Das Wetter war im März und April perfekt und ich war jeden Tag draussen in der Natur unterwegs. Nach drei Wochen fiel mir aber trotz allem langsam die Decke auf den Kopf und ich musste wieder produktiv werden...

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Die Zwangspause wurde genutzt, um coole Fotos zu schiessen... (Foto: spitznagel.ch)

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...und um alle meine Velos wieder auf Vordermann zu bringen.

Per Zufall erhielt ich dann eine Anfrage von einem Kunden, der von mir wissen wollte, wie man mit dem Mountainbike auf dem Hinterrad hüpft. Da ich nicht wusste, wie ich ihm das per E-Mail erklären sollte, kam mir die Idee, ein kurzes Video darüber zu machen. Er hatte Freude daran und ich hatte meinen Spass bei der Videoproduktion. Also beschloss ich, dieses Thema professioneller anzugehen. Ich wurde spontan zum Online-Fahrtechnik-Trainer und hatte jeden dritten Tag ein Video mit einem Manöver gedreht und dieses ins Internet gestellt. Der Erfolg war riesig, ich bekam jede Menge positive Rückmeldungen und hatte zusätzlich einen wertvollen Werbeeffekt. Blogbeitrag Fahrtechnik-Videos.

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Meine Fahrtechnik-Videos aus der Tiefgarage.

Ängste und Sorgen hatte ich während dieser Zwangspause übrigens keine. Ich habe meine kleine Firma in den letzten neun Jahren behutsam und solide aufgebaut und war bereit, um auch eine längere Krise zu überstehen. Mühsam war mehr die Ungewissheit, da niemand sagen konnte, wie lange dieser Lockdown andauern würde und wie es danach weitergehen soll. Und das durchgehend schöne Wetter beunruhigte mich, ich wusste, dass es irgendwann noch nass werden wird. Ich sollte recht behalten, der Regen kam. Viel Regen.

Unsere Regierung hat sich zwischenzeitlich auch wieder zu Wort gemeldet und den Lockdown für sportliche Aktivitäten und Gruppenkurse bis zum 11. Mai 2020 verlängert. Das hiess für mich, dass ich nochmals ein paar dutzend E-Mails schreiben und bereits gebuchte Kurse nochmals nach hinten verschieben musste.


Die Zeit nach Corona-Lockdown

Ab dem 11. Mai 2020 galt dann wieder grünes Licht und ich durfte meine Arbeit wieder offiziell aufnehmen. Allerdings gab es noch Einschränkungen, die maximale Gruppengrösse wurde auf fünf Personen festgelegt. Das hiess pro Kurs nur vier Teilnehmer plus ich. Es war also genau die Hälfte von dem, was ich sonst für meine Kurse zulasse. Diese Regelung dauerte bis am 8. Juni 2020.

Jetzt wurde es abermals stressig für mich. Damit ich alle meine Kunden möglichst schnell bedienen konnte, führte ich zwei Gruppenkurse pro Tag durch. Eine Gruppe kam am Morgen bis Nachmittag und die andere von Nachmittag bis Abend: 12 Stunden Fahrtechnik unterrichten am Stück! Privatkurse hatte ich zum Teil sogar drei am Tag. Dazu kamen Hin- und Rückfahrt zu den Kursorten und am Abend noch die Büroarbeit erledigen. Das ergab Einsätze von bis zu 16 Stunden pro Tag...

Ich fühlte mich wie ein Roboter, kam nur nach Hause, um ein paar wenige Stunden zu schlafen und das nötigste zu erledigen und dann war ich wieder on the road. Aber es war alles absehbar, ich wusste, dass es sicher wieder ruhiger werden wird. Schlussendlich arbeitete ich zwischen Mai und Juni 42 Tage am Stück durch!

Zurückkommend auf das Wetter, wie befürchtet kam der Regen genau dann, als ich wieder mit den Bikekursen starten durfte. Als Bikeguide ist man ja auch ein bisschen Meteorologe und man entwickelt ein Gespür für das Wetter. Wie schon in den letzten Jahren gab es kein klassisches Aprilwetter mehr, das findet jetzt jeweils im Mai und Juni statt. Und so kam es, dass in diesen zwei Monaten sehr viele Kurse ins Wasser fielen...

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Dunkler Himmel und Regenjacke waren die ständigen Begleiter im Mai und Juni.

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Land unter... Da half nur noch die Flucht ins trockene Auto.


In den Sommermonaten Juli und August war die Nachfrage nach Bikekursen konstant hoch. Da die Leute nicht gross verreisen durften, blieben sie in der Schweiz. Das Mountainbike und das Velo allgemein boomten, wie noch nie zuvor. Das kam mir zugute, ich konnte in den Sommerferien fast täglich Privatkurse und Gruppenkurse durchführen. Mein geschäftlicher Spürsinn half mir zufälligerweise auch noch. Schon vor längerer Zeit entschied ich, dass ich keine Bikeweekends und Bikeferien im Ausland mehr anbiete, sondern mich zu 100% auf die Fahrtechnikkurse in der Schweiz konzentriere. Volltreffer!

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Volle Teilnehmerfelder im Juli und trockene Bedingungen.

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Viel Action an den beliebten Bunny Hop Kursen.

Ende Juli schaufelte ich mir noch eine Woche frei und reiste heimlich und alleine für eine Woche in die Toscana. Nach so viel Arbeit brauchte ich eine kurze Auszeit. Ich genoss einige Tage in der heissen Maremma und tankte wieder neue Energie für die zweite Saisonhälfte.

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Kurzer Abstecher in die Toscana im Juli. Training bei 38 Grad!

Der September war eine wunderbare Sommerverlängerung, alle Kurse konnten bei besten Bedingungen durchgeführt werden. Der Wechsel vom Spätsommer in den Herbst kam allerdings ziemlich abrupt.

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Super Verhältnisse bei den Kursen und auf den Trails im September.

Mein Lieblingsmonat Oktober stand vor der Türe, es wurde aber nichts mit einem goldenen Herbst. Wie schon im Juni nahm der Regen Überhand und fast alle Bikekurse wurden bei nassem und kaltem Wetter durchgeführt. Zum Glück nahmen es meine Kunden erstaunlich gelassen und sie standen immer pünktlich und motiviert auf dem Platz. Aber wie ich immer zu sagen pflege: Die guten Mountainbiker werden im Regen gemacht!

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Hallo Regen! Wir hatten dich vermisst...

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Wie der Juni, so der Oktober...

Der November machte wieder gut, was der Oktober verkackt hatte. Trockene Verhältnisse und Temperaturen im zweistelligen Bereich sorgten für ein gelungenes Saisonende. Bis zum Schluss durfte ich mich über volle Teilnehmerfelder freuen. Übrigens, dieses Jahr haben bis jetzt 502 Bikerinnen und Biker an einem meiner Kurse teilgenommen. Trotz verkürzter Saison ein neuer Rekord in der 9-jährigen Geschichte von Fit for Trails!

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Der perfekte November. Kurze Hosen im Spätherbst!

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Der Indian Summer hat voll erfüllt.

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Über 500 Personen haben in diesem Jahr einen Fit for Trails Bikekurs besucht. Vielen Dank!


Fazit

Das Jahr 2020 war für mich speziell, ereignisreich, stressig, schön, herausfordernd, regnerisch, aber auch sehr erfolgreich. Unter dem Strich war es vor allem ein Jahr der Rekorde: Die meisten Kursteilnehmer, die meisten Kurse im Regen, die meisten Arbeitstage am Stück und die meisten geschriebenen E-Mails.

Ich möchte mich bei allen Kunden ganz herzlich für das Vertrauen und das Interesse bedanken! Es war keine Selbstverständlichkeit in dieser Situation an Gruppenkursen mit fremden Leuten teilzunehmen. Es zeigte aber auch, dass die Hoffnung nicht verloren ging und sich alle nach einem Ausgleich sehnten. Unser schöner Sport bot die perfekte Abwechslung zum Alltag, brachte uns auf andere Gedanken, liess uns die Natur geniessen und sorgte immer wieder für ein Lächeln im Gesicht.

Ein grosses Dankeschön geht auch an alle Partner, Bikeshops und Freunde, die mich unterstützt und meine Dienstleistungen weiterempfohlen haben!

Ich freue mich, wenn ich euch im 2021 wieder an einem meiner Fahrtechnikkurse begrüssen darf. Alles Gute und bleibt gesund!

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Ich kann lachen, 2020 meinte es trotz allem gut mit mir! (Foto: spitznagel.ch)

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