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09/03/2021

Neu ist immer besser - Gilt auch für Mountainbikes

Früher war alles besser. Ja, ausser die Mountainbikes.

Kürzlich bin ich im deutschen Bike Magazin (Ausgabe 01/21) auf einen Artikel gestossen, wo es darum ging, einem alten Mountainbike wieder neues Leben einzuhauchen. Gut gemeinte Tipps, welchen ich aber nur bedingt zustimmen kann. Ein altes Bike bleibt alt, denn nicht die Hülle ist entscheidend, sondern der Kern. Will heissen: Rahmen und Geometrie sind wichtiger, als Anbauteile. Ich spreche hier vor allem von 26" Bikes oder solchen, die bereits mehr als 10 Jahre auf dem Buckel haben.

Die Anschaffung von einem neuen Mountainbike kostet viel Geld, keine Frage. Aber der Mensch reist einmal im Jahr weit weg in den Urlaub, kauft sich alle zwei Jahre ein neues Telefon und leistet sich alle 5-7 Jahre ein neues Auto im Durchschnitt. Und da reden wir von Beträgen, die im Vergleich zu einem Mountainbike wesentlich höher sind. Geld kann also eigentlich nicht der Grund sein, dass man sich nicht regelmässig ein neues Bike anschafft.

Es ist eher die Philosophie "das war mal teuer und es fährt ja noch gut" und darum kurven viele Mountainbiker mit altem Material durch die Gegend. Das ist nicht grundsätzlich falsch und jeder darf selber entscheiden, wie lange er sein Bike fahren will (mein Rennrad ist auch schon 12-jährig, aber dort sind die technischen Veränderungen weniger massgebend). Wenn man aber damit beginnt, vierstellige Beträge in das alte Geländer zu investieren und verbissen behauptet, es sei immer noch super, dann macht man sich etwas vor. Der Rahmen bleibt antik und gerade hier haben in den letzten Jahren die grössten und sinnvollsten Veränderungen stattgefunden. Ich liebe alte, klassische Bikes, sie gehören aber in eine Ausstellung, wo man sich an deren Geschichte erfreuen kann.

Ich gönne mir den Luxus und kaufe mir seit einigen Jahren jede Saison ein neues Bike (den Vorgänger kann ich jeweils für gutes Geld wiederverkaufen). Ich verzichte dafür auf viele andere Dinge, wohne in einer kleinen Wohnung, fahre einen günstigen Gebrauchtwagen und lebe grundsätzlich sehr sparsam. Aber dieser schöne Sport ist schon immer meine grosse Leidenschaft und dafür bin ich bereit, mein hart verdientes Geld zu opfern.

Gute Nachrichten für E-Mountainbiker: Ihr seid von dieser Thematik (noch) nicht betroffen, eure Bikes sind technologisch auf dem neuesten Stand. Ihr dürft aber trotzdem gerne weiterlesen.

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2010 vs 2020. Optisch ähnlich, auf dem Trail ein riesiger Unterschied. Neu ist besser!


Neue Mountainbikes sind besser

Neu ist immer besser! Nicht nur Barney Stinson von der Sitcom How I Met Your Mother lebt nach diesem Grundsatz. ;-) Dank mehr Fachwissen, neuen Technologien und Materialien werden Autos, Motorräder, Elektronik, Häuser und natürlich Mountainbikes immer ausgereifter.

Ich betreibe den Sport schon seit über 30 Jahren und besass in dieser langen Zeit unzählige Fahrräder. Das neue Mountainbike fuhr sich immer besser, als das alte. Dabei habe ich sämtliche Entwicklungsstufen durchgemacht: Von keiner Federung auf Vollfederung, von Cantileverbremsen auf Scheibenbremsen, von 26" Räder auf 29" Räder, von Stahl auf Carbon, von schmalen Lenkern und langen Vorbauten auf breite Lenker und kurze Vorbauten, von drei Kettenblättern auf ein Kettenblatt, usw.

Wobei zu Beginn neu nicht immer besser war... Meine erste Federgabel leckte ständig Öl, die Scheibenbremse zog regelmässig Luft, das Tubeless-System war unbrauchbar und 29" Bikes fuhren sich wie ein LKW mit Anhänger. Aber man erkannte früh das Potenzial dieser Produkte und es war nur eine Frage der Zeit, bis sämtliche Kinderkrankheiten aus der Welt geschafft wurden. Und jetzt im Jahr 2021 sind Mountainbikes nahezu an der Perfektion angelangt.

Ich staune selber, wie es die Hersteller immer wieder schaffen, die Bikes noch haltbarer, sicherer und spassiger zu machen. Mittlerweile finden die technischen Fortschritte allerdings nur noch in kleinen Schritten statt. Die Laufradgrössen 27.5" und vor allem 29", der Einfach-Antrieb und Carbon haben sich definitiv durchgesetzt. Aber Experimente bei der Geometrie, feinfühligere Federelemente und die Integration von Elektronik werden dafür sorgen, dass auch die zukünftigen Bikes noch besser werden, als die heutigen.

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Ganz neu! Rocky Mountain Instinct Carbon 2021.


Neue Mountainbikes geben Sicherheit

Eines der wichtigsten Argumente für ein neues Mountainbike ist die Sicherheit. Ein modernes Bike verzeiht Fehler und kann Stürze verhindern. Das ist nicht nur für Beginner, sondern auch für erfahrene Sportler hilfreich. Dank langen, flachen und tiefen Geometrien, grossen Rädern, breiten Reifen, absenkbaren Sattelstützen und viel Federweg kann man auch mal ins Schilf raus oder einen Sprung vergeigen, ohne dass man gleich mit einem Spitalaufenthalt rechnen muss.

Ich spreche aus eigener Erfahrung, ich stürzte früher viel häufiger, als heute. Nicht weil ich schlecht fuhr, sondern weil das Material schlicht die Manöver nicht mitmachte, die ich plante. Und ich sehe das auch jetzt bei den Teilnehmern an meinen Bikekursen. Leute, die mit alten Bikes kommen, bewegen sich auf den Trails immer näher am Limit und haben weniger Reserven, wenn mal etwas schief geht.

Oft sind Neueinsteiger unsicher, ob ihnen der Sport überhaupt gefällt und sie kaufen sich deshalb lieber ein sehr günstiges Bike oder eine alte Occasion. Aber genau in der ersten Lernphase kann das Material entscheidend sein, ob man Freude am Biken bekommt und sicher durch die Gegend fährt. Wer nicht bereit ist eine grosse Summe auszugeben, der sollte sich ein aktuelles Mountainbike für einige Wochen mieten. Wenn die Liebe entflammt ist, dann kann man sich sein Wunschrad kaufen und glücklich werden.

Nicht zu vergessen, beim Thema Sicherheit geht es auch um die Haltbarkeit. Es gibt an einem Mountainbike verschiedene Teile, die ermüden und nicht ewig halten. Ich hatte in der Vergangenheit zwei Rahmenbrüche, einen Gabelbruch, einen Tretlagerbruch und mehrere durchrutschende Freiläufe. Alle diese kaputten Teile sorgten leider für Stürze, welche glücklicherweise immer einigermassen glimpflich ausgingen. Glaubt mir, wenn die Gabel während der Fahrt abbricht, dann ist das alles andere als lustig... Nur schon deshalb wechsle ich regelmässig meine Bikes, damit ich ein Materialversagen verhindern kann. Wann hast du an deinem alten Mountainbike das letzte Mal den Lenker ausgetauscht?

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Im schwierigen Gelände gibt mir ein modernes Bike zusätzliche Sicherheit.


Ein neues Mountainbike muss nicht teuer sein

Wie eingangs erwähnt, ein hochwertiges Mountainbike hat seinen Preis. Dieser ist aber stark abhängig von Ausstattung, Material und vom Schriftzug auf dem Rahmen.

Ein neues Mountainbike muss nicht die Welt kosten. Es braucht nicht unbedingt einen Carbon-Rahmen und Topkomponenten. Ein Modell mit Aluminium-Rahmen ist wesentlich günstiger, als das aus Carbon. Bei Schaltung und Bremsen kann man mit gutem Gewissen eine Einsteiger-Gruppe wählen. Die aktuellen Shimano Deore oder Sram NX funktionieren mittlerweile genau so zuverlässig, wie die jeweiligen High-End Teile. Lediglich beim Gewicht spürt man einen markanten Unterschied.

Spätestens beim Unterhalt zeigt sich das auch im Portemonnaie. Es gibt die Faustregel, dass ein grosser Service 10% vom Neupreis des Bikes ausmacht. Je teurer dein Sportgerät, desto höher fallen die Wartungskosten aus. Wer schon mal einen kompletten Shimano XTR oder Sram XX1 Antrieb wechseln musste, der weiss, von was ich rede...

Auch ich habe aufgehört, sündhaft teure Teile ans Bike zu schrauben, obwohl es hier um mein täglich eingesetztes Arbeitsgerät geht. Mein letztjähriges Mountainbike war mit Shimano SLX Komponenten bestückt, die haben tadellos ihren Dienst erfüllt. Einzig bei den Laufrädern gönne ich mir jeweils ein Upgrade. Dort wird bei den Herstellern meistens gespart, aber genau bei den Rädern merkt man den Unterschied zu qualitativ hochwertigen Produkten. Eine lohnende Investition, da sich die Einbaubreiten mittlerweile standardisiert haben, kann ich die Laufräder auch für kommende Bikes wiederverwenden.

Bei einem Neukauf sollte man sich gut überlegen, wofür das Mountainbike in Zukunft gebraucht wird. Denk daran, dass du immer besser fahren und dich dadurch auch in anspruchsvolleres Gelände wagen wirst. Wenn du jetzt mit einem Hardtail liebäugelst, dann wird das bald nicht mehr ausreichen und du musst dir früher als gedacht ein vollgefedertes Bike kaufen. Was die grundsätzliche Ausstattung betrifft, diese ist abhängig vom Budget. Bei der Laufradgrösse sollten grossgewachsene Personen auf 29" und kleingewachsene Personen auf 27.5" gehen. Falls du unsicher bist, unbedingt beide Grössen probefahren, nicht alle Biker kommen mit 29" Laufrädern klar. Beim Federweg kommt es auf den Einsatzzweck an. Je radikaler du fährst, desto mehr Federweg wirst du brauchen und umgekehrt. Unbedingt empfehle ich eine absenkbare Sattelstütze, diese sorgt für mehr Sicherheit und Spass auf dem Trail.

Wer sich statt einem Neukauf für eine Occasion entscheidet, dem sei geraten, ein möglichst aktuelles Modell zu wählen. Älter als drei Jahre sollte es nicht sein, sonst ist es technologisch bereits wieder überholt und der erste teure Service wird auch nicht lange auf sich warten lassen. Auch hier gilt: Je neuer, desto besser!

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Es muss nicht immer Shimano XTR sein... SLX funktioniert einwandfrei und ist günstig.

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