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09/03/2021

Neu ist immer besser - Gilt auch für Mountainbikes

Früher war alles besser. Ja, ausser die Mountainbikes.

Kürzlich bin ich im deutschen Bike Magazin (Ausgabe 01/21) auf einen Artikel gestossen, wo es darum ging, einem alten Mountainbike wieder neues Leben einzuhauchen. Gut gemeinte Tipps, welchen ich aber nur bedingt zustimmen kann. Ein altes Bike bleibt alt, denn nicht die Hülle ist entscheidend, sondern der Kern. Will heissen: Rahmen und Geometrie sind wichtiger, als Anbauteile. Ich spreche hier vor allem von 26" Bikes oder solchen, die bereits mehr als 10 Jahre auf dem Buckel haben.

Die Anschaffung von einem neuen Mountainbike kostet viel Geld, keine Frage. Aber der Mensch reist einmal im Jahr weit weg in den Urlaub, kauft sich alle zwei Jahre ein neues Telefon und leistet sich alle 5-7 Jahre ein neues Auto im Durchschnitt. Und da reden wir von Beträgen, die im Vergleich zu einem Mountainbike wesentlich höher sind. Geld kann also eigentlich nicht der Grund sein, dass man sich nicht regelmässig ein neues Bike anschafft.

Es ist eher die Philosophie "das war mal teuer und es fährt ja noch gut" und darum kurven viele Mountainbiker mit altem Material durch die Gegend. Das ist nicht grundsätzlich falsch und jeder darf selber entscheiden, wie lange er sein Bike fahren will (mein Rennrad ist auch schon 12-jährig, aber dort sind die technischen Veränderungen weniger massgebend). Wenn man aber damit beginnt, vierstellige Beträge in das alte Geländer zu investieren und verbissen behauptet, es sei immer noch super, dann macht man sich etwas vor. Der Rahmen bleibt antik und gerade hier haben in den letzten Jahren die grössten und sinnvollsten Veränderungen stattgefunden. Ich liebe alte, klassische Bikes, sie gehören aber in eine Ausstellung, wo man sich an deren Geschichte erfreuen kann.

Ich gönne mir den Luxus und kaufe mir seit einigen Jahren jede Saison ein neues Bike (den Vorgänger kann ich jeweils für gutes Geld wiederverkaufen). Ich verzichte dafür auf viele andere Dinge, wohne in einer kleinen Wohnung, fahre einen günstigen Gebrauchtwagen und lebe grundsätzlich sehr sparsam. Aber dieser schöne Sport ist schon immer meine grosse Leidenschaft und dafür bin ich bereit, mein hart verdientes Geld zu opfern.

Gute Nachrichten für E-Mountainbiker: Ihr seid von dieser Thematik (noch) nicht betroffen, eure Bikes sind technologisch auf dem neuesten Stand. Ihr dürft aber trotzdem gerne weiterlesen.

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2010 vs 2020. Optisch ähnlich, auf dem Trail ein riesiger Unterschied. Neu ist besser!


Neue Mountainbikes sind besser

Neu ist immer besser! Nicht nur Barney Stinson von der Sitcom How I Met Your Mother lebt nach diesem Grundsatz. ;-) Dank mehr Fachwissen, neuen Technologien und Materialien werden Autos, Motorräder, Elektronik, Häuser und natürlich Mountainbikes immer ausgereifter.

Ich betreibe den Sport schon seit über 30 Jahren und besass in dieser langen Zeit unzählige Fahrräder. Das neue Mountainbike fuhr sich immer besser, als das alte. Dabei habe ich sämtliche Entwicklungsstufen durchgemacht: Von keiner Federung auf Vollfederung, von Cantileverbremsen auf Scheibenbremsen, von 26" Räder auf 29" Räder, von Stahl auf Carbon, von schmalen Lenkern und langen Vorbauten auf breite Lenker und kurze Vorbauten, von drei Kettenblättern auf ein Kettenblatt, usw.

Wobei zu Beginn neu nicht immer besser war... Meine erste Federgabel leckte ständig Öl, die Scheibenbremse zog regelmässig Luft, das Tubeless-System war unbrauchbar und 29" Bikes fuhren sich wie ein LKW mit Anhänger. Aber man erkannte früh das Potenzial dieser Produkte und es war nur eine Frage der Zeit, bis sämtliche Kinderkrankheiten aus der Welt geschafft wurden. Und jetzt im Jahr 2021 sind Mountainbikes nahezu an der Perfektion angelangt.

Ich staune selber, wie es die Hersteller immer wieder schaffen, die Bikes noch haltbarer, sicherer und spassiger zu machen. Mittlerweile finden die technischen Fortschritte allerdings nur noch in kleinen Schritten statt. Die Laufradgrössen 27.5" und vor allem 29", der Einfach-Antrieb und Carbon haben sich definitiv durchgesetzt. Aber Experimente bei der Geometrie, feinfühligere Federelemente und die Integration von Elektronik werden dafür sorgen, dass auch die zukünftigen Bikes noch besser werden, als die heutigen.

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Ganz neu! Rocky Mountain Instinct Carbon 2021.


Neue Mountainbikes geben Sicherheit

Eines der wichtigsten Argumente für ein neues Mountainbike ist die Sicherheit. Ein modernes Bike verzeiht Fehler und kann Stürze verhindern. Das ist nicht nur für Beginner, sondern auch für erfahrene Sportler hilfreich. Dank langen, flachen und tiefen Geometrien, grossen Rädern, breiten Reifen, absenkbaren Sattelstützen und viel Federweg kann man auch mal ins Schilf raus oder einen Sprung vergeigen, ohne dass man gleich mit einem Spitalaufenthalt rechnen muss.

Ich spreche aus eigener Erfahrung, ich stürzte früher viel häufiger, als heute. Nicht weil ich schlecht fuhr, sondern weil das Material schlicht die Manöver nicht mitmachte, die ich plante. Und ich sehe das auch jetzt bei den Teilnehmern an meinen Bikekursen. Leute, die mit alten Bikes kommen, bewegen sich auf den Trails immer näher am Limit und haben weniger Reserven, wenn mal etwas schief geht.

Oft sind Neueinsteiger unsicher, ob ihnen der Sport überhaupt gefällt und sie kaufen sich deshalb lieber ein sehr günstiges Bike oder eine alte Occasion. Aber genau in der ersten Lernphase kann das Material entscheidend sein, ob man Freude am Biken bekommt und sicher durch die Gegend fährt. Wer nicht bereit ist eine grosse Summe auszugeben, der sollte sich ein aktuelles Mountainbike für einige Wochen mieten. Wenn die Liebe entflammt ist, dann kann man sich sein Wunschrad kaufen und glücklich werden.

Nicht zu vergessen, beim Thema Sicherheit geht es auch um die Haltbarkeit. Es gibt an einem Mountainbike verschiedene Teile, die ermüden und nicht ewig halten. Ich hatte in der Vergangenheit zwei Rahmenbrüche, einen Gabelbruch, einen Tretlagerbruch und mehrere durchrutschende Freiläufe. Alle diese kaputten Teile sorgten leider für Stürze, welche glücklicherweise immer einigermassen glimpflich ausgingen. Glaubt mir, wenn die Gabel während der Fahrt abbricht, dann ist das alles andere als lustig... Nur schon deshalb wechsle ich regelmässig meine Bikes, damit ich ein Materialversagen verhindern kann. Wann hast du an deinem alten Mountainbike das letzte Mal den Lenker ausgetauscht?

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Im schwierigen Gelände gibt mir ein modernes Bike zusätzliche Sicherheit.


Ein neues Mountainbike muss nicht teuer sein

Wie eingangs erwähnt, ein hochwertiges Mountainbike hat seinen Preis. Dieser ist aber stark abhängig von Ausstattung, Material und vom Schriftzug auf dem Rahmen.

Ein neues Mountainbike muss nicht die Welt kosten. Es braucht nicht unbedingt einen Carbon-Rahmen und Topkomponenten. Ein Modell mit Aluminium-Rahmen ist wesentlich günstiger, als das aus Carbon. Bei Schaltung und Bremsen kann man mit gutem Gewissen eine Einsteiger-Gruppe wählen. Die aktuellen Shimano Deore oder Sram NX funktionieren mittlerweile genau so zuverlässig, wie die jeweiligen High-End Teile. Lediglich beim Gewicht spürt man einen markanten Unterschied.

Spätestens beim Unterhalt zeigt sich das auch im Portemonnaie. Es gibt die Faustregel, dass ein grosser Service 10% vom Neupreis des Bikes ausmacht. Je teurer dein Sportgerät, desto höher fallen die Wartungskosten aus. Wer schon mal einen kompletten Shimano XTR oder Sram XX1 Antrieb wechseln musste, der weiss, von was ich rede...

Auch ich habe aufgehört, sündhaft teure Teile ans Bike zu schrauben, obwohl es hier um mein täglich eingesetztes Arbeitsgerät geht. Mein letztjähriges Mountainbike war mit Shimano SLX Komponenten bestückt, die haben tadellos ihren Dienst erfüllt. Einzig bei den Laufrädern gönne ich mir jeweils ein Upgrade. Dort wird bei den Herstellern meistens gespart, aber genau bei den Rädern merkt man den Unterschied zu qualitativ hochwertigen Produkten. Eine lohnende Investition, da sich die Einbaubreiten mittlerweile standardisiert haben, kann ich die Laufräder auch für kommende Bikes wiederverwenden.

Bei einem Neukauf sollte man sich gut überlegen, wofür das Mountainbike in Zukunft gebraucht wird. Denk daran, dass du immer besser fahren und dich dadurch auch in anspruchsvolleres Gelände wagen wirst. Wenn du jetzt mit einem Hardtail liebäugelst, dann wird das bald nicht mehr ausreichen und du musst dir früher als gedacht ein vollgefedertes Bike kaufen. Was die grundsätzliche Ausstattung betrifft, diese ist abhängig vom Budget. Bei der Laufradgrösse sollten grossgewachsene Personen auf 29" und kleingewachsene Personen auf 27.5" gehen. Falls du unsicher bist, unbedingt beide Grössen probefahren, nicht alle Biker kommen mit 29" Laufrädern klar. Beim Federweg kommt es auf den Einsatzzweck an. Je radikaler du fährst, desto mehr Federweg wirst du brauchen und umgekehrt. Unbedingt empfehle ich eine absenkbare Sattelstütze, diese sorgt für mehr Sicherheit und Spass auf dem Trail.

Wer sich statt einem Neukauf für eine Occasion entscheidet, dem sei geraten, ein möglichst aktuelles Modell zu wählen. Älter als drei Jahre sollte es nicht sein, sonst ist es technologisch bereits wieder überholt und der erste teure Service wird auch nicht lange auf sich warten lassen. Auch hier gilt: Je neuer, desto besser!

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Es muss nicht immer Shimano XTR sein... SLX funktioniert einwandfrei und ist günstig.

03/02/2021

Bunny Hop Tutorial

Wer Fit for Trails kennt oder folgt, der weiss, dass es hier immer wieder mal ums Thema Bunny Hop geht. Das ist mein Lieblingstrick und mit einer persönlichen Rekordhöhe von über 70 cm weiss ich ziemlich gut, wie ein Bunny Hop funktioniert.

Der Bunny Hop gehört zu den wichtigsten Manövern mit dem Bike und er sollte von jedem ambitionierten Mountainbiker richtig beherrscht werden. Mit dem Bunny Hop kann man Hindernisse locker überspringen und es ist der Schlüssel, um erfolgreich Jumps zu meistern.

In diesem Video findest du ein hilfreiches Tutorial. Noch besser ist es natürlich, wenn du einen Fit for Trails Fahrtechnikkurs besuchst, dort wird dir unter professioneller Anleitung der richtige und saubere Bunny Hop gezeigt und gelehrt.

Ich empfehle unbedingt, den Bunny Hop mit Flat Pedals zu lernen. Nur so kannst einen falschen und passiven Bewegungsablauf vermeiden, der bei Klickpedal-Fahrern häufig zu sehen ist. Wenn du die korrekte Technik beherrscht, dann geht es selbstverständlich auch mit Klickpedalen.


Die Anfahrt

Die Anfahrt sollte mit einer mittleren Geschwindigkeit erfolgen. Zu schnell ist nicht optimal, dann ist es schwierig, die Distanz zum Hindernis richtig einzuschätzen. Und zu langsam ist auch nicht gut, dänn fällt das Hinterrad zu früh runter.

Übrigens, eine höhere Geschwindigkeit sorgt nicht für höhere Bunny Hops. Geschwindigkeit brauchst du nur, wenn du eine gewisse Distanz überwinden musst. Du kannst es also eher gemütlich angehen.

Wichtig ist, dass du deinen Körper brauchst, um eine Spannung aufzubauen. Die Arme und Beine sind angewinkelt und du musst versuchen, möglichst viel Energie aufzubauen, die du beim Absprung dann freilassen kannst.

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Anfahren mit mittlerer Geschwindigkeit und Körperspannung aufbauen.


Der Absprung

Für einen möglichst hohen Absprung gehst du kurz mit dem Gesäss nach hinten, um die Front zu entlasten. Dann ziehst du explosiv am Lenker und versuchst, das Vorderrad möglichst weit in die Höhe zu bringen (hier ist Vorderrad auf ca. 80 cm). Je höher das Vorderrad, desto höher werden deine Bunny Hops. Ganz einfach.

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Körperschwerpunkt hinten und am Lenker ziehen.


Die Flugphase

Jetzt kommt der entscheidende Moment für einen wirklich hohen Bunny Hop. Sobald das Vorderrad den höchsten Punkt erreicht hast, verlagerst du den Körperschwerpunkt nach vorne zum Lenker. Du stehst für einen Moment fast senkrecht im Bike drin. Damit kannst du das Hinterrad entlasten, damit dieses auch zu steigen beginnt.

Die Füsse bzw. die Pedalen zeigen nach unten, damit du den Grip mit den Schuhen nicht verlierst.

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Sobald das Vorderrad die Höhe hat, wandert der Körper zum Lenker. Das Hinterrad steigt jetzt auch.


Die Landung

Wenn auch das Hinterrad den höchsten Punkt erreicht hat, dann kannst du die Landung einleiten. Du drückst bewusst das Vorderrad nach unten, damit du einen Knick in der Flugbahn hast. Damit kannst du dem Bike eine Vorwärtsbewegung geben, damit es länger in der Luft bleibt.

Der Körperschwerpunkt wandert hierbei wieder zurück hinter den Sattel. Das Gesäss ist tief über dem Rad. Sobald die Räder den Boden wieder berühren, federst du den Schlag mit Armen und Beinen ab.

Die Landung mit dem Vorderrad zuerst ist bewusst gewollt. Diese runde Flugbahn entspricht auch der Flugbahn, wenn du über einem Jump fliegst.

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Das Vorderrad zum Boden drücken, damit das Hinterrad den höchsten Punkt erreicht.

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Landung abfedern. Und jetzt Freude haben!

19/01/2021

Fahrbericht: Rocky Mountain Solo 50 2021

Seit einigen Wochen bin ich Besitzer von einem Rocky Mountain Solo 50 Gravel Bike. Diese Art von Fahrrad hat in den letzten Jahren in meinem Fuhrpark gefehlt. Früher jagte ich regelmässig mit Cyclocross Bikes durch die Wälder und habe Hobbyrennen damit bestritten. Als dann der Wechsel von Cantileverbremsen auf Scheibenbremsen erfolgte, hatte ich mein Velo verkauft. Eigentlich wollte ich mir gleich wieder eines zulegen, aber damals konnten sich die Hersteller nicht auf einen einheitlichen Achs- und Bremsstandard einigen. Da ich nicht die Katze im Sack kaufen wollte, wartete ich erstmal ab, bis da Klarheit herrschte. Als das geregelt war, konnte ich mich aber nicht für ein Modell entscheiden und schob einen Kauf vor mir her. Die Zeit verging, bis diesen Herbst meine Hausmarke Rocky Mountain das neue Solo 50 in meinen Lieblingsfarben schwarz und blau präsentierte. Da musste ich zugreifen!

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Mein Rocky Mountain Solo 50 custom build.


Die Ausstattung

Das Solo 50 ist solide ausgestattet für den Preis von CHF 2'299.00. Da Rocky Mountain sonst eher im höheren Preissegment angesiedelt ist, bekommt man hier eine ganze Menge für sein Geld. Wem das doch zu teuer ist, für den gibt es auch noch das darunter angesiedelte Solo 30 für CHF 1'899.00.

Herzstück des Solo ist ein 6061 Aluminium-Rahmen, welcher liebevoll verarbeitet ist. Die matte schwarz/blaue Lackierung zieht sich stimmig durch. Asymmetrische Kettenstreben sorgen für mehr Steifigkeit am Hinterbau und sie bieten Platz für bis zu 55 mm breite Reifen. Auch die massive Vollcarbon-Gabel nimmt 55 mm breite Reifen auf und wird von einem integrierten FSA Steuersatz geführt. Für Fans von kleinen Rädern, auch ein 650b x 2.2" Reifen passt rein. Die Achsaufnahmen sind für Naben mit 15x100 mm vorne und 12x142 mm hinten gedacht. Wie für Gravel Bikes typisch, gibt es ein Dutzend Ösen, Bohrungen und Löcher, um Gepäckaufnahmen, Schutzbleche, eine versenkbare Sattelstütze und bis zu 5 (!) Flaschenhalter zu montieren.

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Der Rahmen ist liebevoll verarbeitet und schön lackiert.

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Ich fahre 33 mm breite Reifen. Platz hat es aber bis 55 mm.

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Die Vollcarbon-Gabel hat Gewinde und Löcher für Schutzblech, Gepäck- und Flaschenhalter.

Schaltung und Bremsen bestehen aus einem Mix von Shimano GRX RX400, RX600 und RX800. Es ist ein 1x11 Antrieb verbaut mit einem 40er Kettenblatt und einer 11-42 SLX Kassette. Flatmount-Bremskörper und 160 mm Bremsscheiben sorgen für eine zuverlässige Verzögerung.

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Die Shimano GRX 1x11 Schaltung und meine 11-40 XT Kassette.

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Der GRX Bremshebel hat eine angenehme Ergonomie.

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Der GRX Flatmount-Bremskörper gepaart mit einer 160 mm Bremsscheibe.

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Mein Cockpit mit Zipp Lenker und Vorbau.


Lenker, Vorbau und Sattelstütze sind Rocky Mountain Eigenmarke. Der Sattel ist von WTB. Die Laufräder bestehen aus 21 mm breiten WTB Felgen, Rocky Mountain Naben und rostfreien Stahlspeichen. Auch die Reifen sind von WTB, der Venture ist ein Semislick mit braunen Seitenwänden in Grösse 700x40C.

Das Gewicht vom Solo 50 in Grösse Medium beträgt aus der Schachtel 10,4 kg. Kein Leichtgewicht, aber der Hauptsünder dafür ist schnell gefunden: Der Laufradsatz ist mit 2'200 Gramm bleischwer... Wer noch ein bisschen Budget übrig hat, kann mit einem hochwertigeren Radsatz locker 500 Gramm einsparen.

Ich habe, wie immer, das Bike mit anderen Teilen modifiziert, um meine Sponsoren und eigenen Vorlieben zu berücksichtigen. Vor allem wollte ich aus dem Gravel Bike ein schnelles Cyclocross Bike formen. Da ich kein grosser Campingfan bin, werde ich wahrscheinlich auch nie Bikepacking betreiben. Darum habe ich alle Schrauben für die Gepäckaufnahmen entfernt und durch Gummiplugs ersetzt. Das ist leichter und sieht optisch schöner aus. Den speziellen Gravellenker und den kurzen Vorbau habe ich ausgetauscht. Ich habe einen klassischen Rennradlenker und einen längeren Vorbau von Zipp verbaut. Die Kassette habe ich ebenfalls gewechselt auf eine leichtere und kleinere 11-40 XT. Bremsscheiben und Bremsbeläge kommen von SwissStop. Der Sattel ist ein fi'zi:k Tundra, diesen haben ich auf allen meinen Bikes montiert. Bei den Laufrädern sollte man nie sparen, deshalb habe ich mich für einen Easton EA 70 SL entschieden. Mittelpreisige Alu-Räder, die aber mit 1750 Gramm fast ein halbes Kilo leichter sind als die Originalen. Bei den Reifen wollte ich mehr Grip und habe den Pirelli Cinturato Cross in 33 mm Breite gewählt. Zusätzlich habe ich die Räder auf Tubeless umgerüstet.

Mit diesen Massnahmen wiegt mein Solo 50 komplett fahrfertig mit Pedalen 9,5 kg.

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Meine schnelle und leichte Cyclocross-Version vom Solo 50.


Im Gelände

Gespannt war ich auf die erste Ausfahrt mit meinem neuen Sportgerät. Kaum sass ich darauf hatte ich ein Grinsen im Gesicht. Es fühlte sich gut an und das typische Fahrverhalten von früher war auch sofort wieder präsent. Es macht einfach Spass, wenn man mit Vollgas über die Schotterwege heizt, durch tiefen Boden pflügt und genügend Grip hat, um auch einfache Singletrails zu fahren.

Seit ich das Solo besitze, herrscht in der Schweiz ein strenger Winter... Bei authentischen Cyclocross Verhältnissen habe ich meine ersten knapp 1'000 Kilometer nur im Dreck, Schlamm und Schnee zurückgelegt. Das ist zwar lustig, trotzdem freue ich mich bereits, das Velo auch bei trockenen und warmen Bedingungen ausfahren zu können.

Der Aluminium-Rahmen ist gewohnt hart und gibt die Schläge ungefiltert an den Fahrer weiter. Aber genau das macht den Reiz aus, jede Lenkbewegung und jeder Antritt wird direkt umgesetzt. Die Geometrie ist ausgewogen, der flache Steuerwinkel und der lange Radstand sorgen für Laufruhe bei hohen Geschwindigkeiten. Die Sitzposition ist trotz meinem 100 mm Vorbau immer noch angenehm, auch längere Touren sind ohne Genickstarre möglich.

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Auch ohne Federung geht es locker über Stufen und Wurzeln.

Die GRX-Hebel sind ergonomisch geformt und liegen in jeder Griffposition gut in der Hand. Die Gangwechsel funktionieren knackig und dank dem Einfach-Antrieb hat man immer die richtigen Gänge bereit. Die Bremsen sind genügend stark, um auch bei steilen und unruhigen Abfahrten die nötige Sicherheit zu bieten.

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Tiefflug! Die GRX Bremsen sind gut dosierbar und sorgen für Sicherheit.

Meine 1:1 Übersetzung mit der kleineren 11-40 Kassette und dem 40er Kettenblatt funktioniert mit meinen starken Beinen ganz gut. Ich habe nun schon mehrere Touren mit vielen Höhenmetern und steilen Rampen gefahren, es war alles machbar. Aber wie beim Mountainbike, ist auch hier der Einfach-Antrieb eine Kompromisssache. Auf einer abfallenden Strasse sind die Gänge zu klein, um wirklich schnell fahren zu können. Und wer gerne über Hügel und Berge fährt, der sollte sich besser die grössere 11-46 Kassette montieren.

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Kurze Rampensprints - das Gerät marschiert!

Ein Kritikpunkt gibt es für der Zugverlegung vom Lenker ins Unterrohr. Obwohl ich die Kabel auf das Minimum gekürzt habe, sind sie immer wieder im Weg, wenn man den Oberlenker greift oder im Wiegetritt fährt. Hier müsste die Rahmenbohrung an einem anderen Ort platziert werden.

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Kritikpunkt Zugverlegung: Mit Finger und Knie berührt man immer wieder die Kabel...

Die Pirelli Reifen fahre ich mit 2,0 bar und sie bieten ordentlich Grip auf rutschigem Boden. Trotz tiefem Luftdruck und viel Profil rollen sie erstaunlich leichtgängig. Damit kann man auch mal längere Abschnitte auf der Strasse fahren und kommt zügig vorwärts.

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Meine Pirelli Reifen und Easton Räder pflügen zuverlässig durch tiefen Boden.

Bei allen meinen bisherigen Ausfahrten hatte ich unglaublich viel Freude. So ein Gravel Bike ist die pure Freiheit! Es geht hier nicht um schneller, höher, weiter und radikaler. Auch Strava Bestzeiten werden damit nicht geknackt. Es ist dieses stressfreie Cruisen durch die Natur, was ja die eigentliche Schönheit vom Radsport ausmacht. Ich habe ganz viele neue Wege und Dinge rund um mein Zuhause entdeckt, welchen ich bis jetzt gar keine Beachtung schenkte. Und man erlebt keine Konfliktsituationen wie beim Mountainbike und Rennrad, da man anderen Leuten gezielt aus dem Weg gehen kann. Zudem sind Gravel Bikes sehr wartungsarm und günstig im Unterhalt. Ab und zu putzen und die Kette ölen reichen und man ist wieder bereit für das nächste Abenteuer.

Im Nachhinein betrachtet war es ein Fehler, dass ich so lange mit dem Kauf für ein neues Gravel Bike zugewartet habe. Aber jetzt bin ich ja zum Glück wieder dabei!

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Gravel heisst wortwörtlich übersetzt eigentlich Schlamm... ;-)

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Mit dem Mountainbike wäre das hier langweilig... Mit dem Gravel Bike macht es Spass!

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Wenig Schnee? Kein Problem!

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Viel Schnee? Problem...

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Das ist die pure Freiheit!


Fazit

Das Rocky Mountain Solo 50 ist ein gelungenes Gravel Bike für alle, die ein möglichst vielseitig einsetzbares Fahrrad suchen. Es ist die perfekte Ergänzung zu einem Mountainbike und/oder Rennrad, welches aber stressfreier bewegt werden kann und einfach glücklich macht. Ob es zum Bikepacking geeignet ist, das müssen die Spezialisten entscheiden. Ich habe mir mit meiner Cyclocross-Version einen schnellen Flitzer zusammengestellt, der mich hoffentlich viele Jahre zuverlässig begleiten wird. Love the ride!


Positiv:
+ schön verarbeiteter Rahmen
+ solide Ausstattung
+ viele Aufnahmen für Gepäck- und Flaschenhalter
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Negativ:
- sehr schwere Laufräder

Preis:
CHF 2'299.00

Informationen:
Rocky Mountain
CHRIS sports


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Love the ride!

02/01/2021

Top 3 Fit for Trails Bike Blogs 2020

Es ist wieder Zeit, um die Rangliste der meistgelesenen Fit for Trails Blogbeiträge zu veröffentlichen. Auch im Jahr 2020 haben wieder zahlreiche Radsportler meinen Bike Blog angeklickt, kommentiert und geteilt. Total habe ich 19 Beiträge verfasst und die Seite wurde von über 70'000 Lesern besucht. Vielen herzlichen Dank dafür!

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Fahrtechnik, Reiniger und Schuhe waren die Top 3 Themen 2020.


1. MTB-Fahrtechnik für zu Hause

Der meistgelesene Beitrag mit etwas über 2'300 Klicks ist mein Online-Fahrtechniktraining aus der Tiefgarage. Die Sache ist während dem Corona-Lockdown entstanden, als mir nach ca. 3 Wochen zu Hause rumsitzen langweilig wurde... Eigentlich hatte ich den Gedanken mit Fahrtechnik-Videos schon länger im Hinterkopf und das war nun die perfekte Gelegenheit, um die Idee endlich umzusetzen. Alle drei Tage habe ich ein Video mit einem Manöver online gestellt und den Schwierigkeitsgrad dabei immer ein bisschen höher.

Die Reaktionen waren durchwegs positiv und ich werde bis heute immer wieder von Leuten darauf angesprochen. Das motiviert und so hatte ich auch danach weitere Videos mit Fahrtechnik-Themen produziert. Das ist auch für mich Motivation und Herausforderung, einige knifflige Tricks hatte ich erst in diesem Jahr gelernt, und das obwohl ich schon seit über 30 Jahren bike. Man hat also nie ausgelernt!

Dieser Blogbeitrag ist jetzt für meine Kunden (und Mitbewerber...) ein Nachschlagewerk, auf das ich immer wieder verweisen kann, wenn jemand Fragen zur Fahrtechnik hat. Ich freue mich, wenn ich dich aber weiterhin an meinen Fahrtechnikkursen in der freien Natur begrüssen darf. Bei einem persönlichen Kontakt ist der Lernerfolg noch viel grösser. Bis bald!

>> Blogbeitrag: MTB-Fahrtechnik für zu Hause

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Meine Online-Fahrtechnik-Videos sind der meistgelesene Blogbeitrag 2020!


2. Erfahrungsbericht: Kärcher KHB 6 Battery Mitteldruckreiniger


Produkttests- und Präsentationen sorgen immer für hohe Besucherzahlen. Der 2. Rang geht, mit etwas über 1'200 Klicks, an den Blogbeitrag, wo ich den Kärcher KHB 6 Battery Reiniger vorstellte.

Der KHB 6 ist ein praktischer Mitteldruckreiniger, welcher ohne externen Stromanschluss betrieben werden kann. Nur am Wasserschlauch anschliessen und es kann losgehen mit "kärchern". Der kompakte Reiniger hat viel Power und eignet sich perfekt für die Bikewäsche zu Hause.


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Der Kärcher KHB 6 Battery Testbericht holte sich den 2. Rang.


3. Laufschuhe sind keine Bikeschuhe


Der 3. Rang geht, mit knapp über 1'000 Klicks, an einen Beitrag über Schuhe. Dies ist auch immer ein Thema an meinen Bikekursen. Leider gibt es nach wie vor sehr viele Mountainbiker, die mit Laufschuhen, Hallenschuhen und Wanderschuhen auf die Pedalen stehen... Das funktioniert nicht! Es gibt nicht umsonst Hersteller von spezifischen Bikeschuhen, denn nur diese bieten Grip, Sicherheit und Kraftübertragung beim Biken.

Ich lege euch das wirklich ans Herz: Kauft euch richtige Bikeschuhe und ihr werdet automatisch besser fahren! Tönt gut, oder?


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Die richtigen oder falschen Schuhe zum Biken. Der 3. Rang geht an dieses Thema.


Die ewige Bestenliste


Wie immer, möchte ich auch die meistgelesenen Beiträge seit Beginn präsentieren. Es wird spannend, es gibt langsam Veränderungen auf den vordersten Rängen.

Auf Rang 1 ist mit über 30'000 Klicks seit über sechs Jahren der Beitrag "Reicht ein Kettenblatt am Mountainbike?". Da sich der Einfach-Antrieb aber jetzt definitiv durchgesetzt hat, nehmen das Interesse und die Diskussionen langsam ab. Gut so, 2- und 3-fach Antriebe sind etwas für die Steinzeit!


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Heute keine Diskussion mehr wert, es bleibt aber der meistgelesene Blogbeitrag ever.


Der 2. Rang geht an den Beitrag "Wenn die Mountainbike Lenker zu breit werden". Mit über 29'000 Klicks ist das Thema ein Dauerbrenner und ich schätze mal, dass das die neue Nummer 1 in der Rangliste wird. Wenn ihr ein neues Mountainbike kauft, dann checkt unbedingt die Lenkerbreite und kürzt den Lenker auf euren Einsatzzweck und eure Körpermasse. Ich wage zu behaupten, dass eine 1.70 m grosse Person keinen 800 mm breiten Lenker braucht. Breite Lenker sind gut, aber zu breite Lenker sind schlecht!


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Die Suche nach der richtigen Lenkerbreite beschäftigt sehr viele Mountainbiker.


Weiter auf dem Podest ist mit über 12'000 Klicks der Beitrag, der für mich bis heute die grösste Überraschung ist. Die "Mudguard Montageanleitung" wird fleissig gelesen, anscheinend ist es gar nicht so einfach, den kleinen Plastiklappen an der Gabel richtig zu befestigen. Es freut mich, dass ich mit dieser Anleitung schon ganz vielen Mountainbikern weiterhelfen konnte!


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Wie montiert man diesen kleinen Plastiklappen richtig an der Gabel?

30/12/2020

Danke für eine tolle Bikekurs-Saison 2020

Vielen herzlichen Dank an alle Fit for Trails Kunden! Dieses Jahr haben 502 Biker*innen einen Fahrtechnikkurs besucht, damit darf zum 9. Mal in Folge ein neuer Teilnehmerrekord vermeldet werden. Und dies trotz einer langen Corona-Zwangspause im Frühling. Unglaublich!

Ein grosses Dankeschön geht auch an alle Partner, Bikeshops und Freunde, die meine Kunden und mich in irgendeiner Weise unterstützt haben. Ihr seid alle ein Teil von diesem Erfolg.

Und danke auch an alle Leser von diesem Bike Blog. Wiederum haben Tausende von Radsportlern meine diesjährigen Beiträge angeklickt, kommentiert und geteilt. Das motiviert mich, um auch weiterhin interessante Themen zu Papier zu bringen.

Ich wünsche euch alles Gute für das neue Jahr und freue mich auf ein Wiedersehen im 2021!

2020 war ein Rekordjahr für Fit for Trails. Vielen Dank!

16/12/2020

Fit for Trails Jahresrückblick 2020

Das Jahr 2020 begann für mich ganz entspannt in der Toscana. Ich gönnte mir einige freie Wochen in unserer Wohnung in Caldana, genoss das schöne Wetter und das feine Essen und brachte mich mit täglichen Mountainbike- und Rennradtouren in Form.

In den Nachrichten wurde von einem neuen Virus in China berichtet, welches den gleichen Namen wie eine bekannte Biermarke trägt.

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Schwungvoll ins 2020! Und völlig unwissend, was dieses Jahr noch bringen würde...


Die Zeit vor Corona-Lockdown

Im Februar war ich zurück in der Schweiz und nahm meine Arbeit wieder auf. Die ersten Mountainbiker wollten ihre Fahrtechnik früh in der Saison verbessern und buchten Privatkurse. Mit den Gruppenkursen ging es dann im März richtig los.

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Die ersten Bikekurse starteten im Februar, hier am Üetliberg in Zürich.

In den Medien wurde nun täglich über dieses Coronavirus (oder Covid-19) berichtet und man merkte langsam, dass das wohl eine ernstere Sache werden wird. Das Virus wütete nicht nur in China, sondern breitete sich ziemlich schnell auch in den anderen Teilen dieser Welt aus.

Meine Kurssaison lief jetzt bereits auf Hochtouren, es kamen täglich Anmeldungen rein und alle bevorstehenden Kurse waren ausgebucht.

Das Coronavirus war mittlerweile in der Schweiz angekommen und es brach eine regelrechte Panik aus... Nachdem unsere Nachbarländer bereits einen Lockdown ausgesprochen hatten, zog jetzt auch die Schweizer Regierung nach und ab dem 16. März 2020 stand unser Land still.

Ich konnte am 15. März gerade noch den letzten Gruppenkurs durchführen, danach musste ich meine Arbeit einstellen. Super, ich durfte bereits wieder in die "Ferien"... Der Lockdown wurde vorerst auf vier Wochen festgesetzt.

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Herrliches Wetter am 15.03.2020. Der letzte Kurs vor dem Lockdown...


Die Zeit während Corona-Lockdown

Nun wurde es stressig für mich, ich hatte zu diesem Zeitpunkt 130 pendente Buchungen für Fahrtechnikkurse, welche ich jetzt verschieben musste. Also schrieb ich E-Mails, Newsletter und Social Media Einträge, bis meine Tastatur glühte. Ich musste meinen Kalender nun sicher bis in den Sommer komplett überarbeiten, damit ich alle meine Kunden bedienen konnte. Da ich an einen längeren Lockdown als vier Wochen glaubte, setzte ich die ersten neuen Termine auf Anfang Mai. Zum Glück waren alle Kunden sehr tolerant und verständnisvoll und die Umbuchung der Kurse lief nahezu reibungslos ab. In diesen Tagen schrieb ich über 300 E-Mails hin und her, bis alle ihren passenden Termin gefunden hatten.

Als alles soweit geregelt war, erfreute ich mich an meinen Zwangsferien. Wir durften weiterhin das Haus verlassen und Sport treiben. Das Wetter war im März und April perfekt und ich war jeden Tag draussen in der Natur unterwegs. Nach drei Wochen fiel mir aber trotz allem langsam die Decke auf den Kopf und ich musste wieder produktiv werden...

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Die Zwangspause wurde genutzt, um coole Fotos zu schiessen... (Foto: spitznagel.ch)

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...und um alle meine Velos wieder auf Vordermann zu bringen.

Per Zufall erhielt ich dann eine Anfrage von einem Kunden, der von mir wissen wollte, wie man mit dem Mountainbike auf dem Hinterrad hüpft. Da ich nicht wusste, wie ich ihm das per E-Mail erklären sollte, kam mir die Idee, ein kurzes Video darüber zu machen. Er hatte Freude daran und ich hatte meinen Spass bei der Videoproduktion. Also beschloss ich, dieses Thema professioneller anzugehen. Ich wurde spontan zum Online-Fahrtechnik-Trainer und hatte jeden dritten Tag ein Video mit einem Manöver gedreht und dieses ins Internet gestellt. Der Erfolg war riesig, ich bekam jede Menge positive Rückmeldungen und hatte zusätzlich einen wertvollen Werbeeffekt. Blogbeitrag Fahrtechnik-Videos.

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Meine Fahrtechnik-Videos aus der Tiefgarage.

Ängste und Sorgen hatte ich während dieser Zwangspause übrigens keine. Ich habe meine kleine Firma in den letzten neun Jahren behutsam und solide aufgebaut und war bereit, um auch eine längere Krise zu überstehen. Mühsam war mehr die Ungewissheit, da niemand sagen konnte, wie lange dieser Lockdown andauern würde und wie es danach weitergehen soll. Und das durchgehend schöne Wetter beunruhigte mich, ich wusste, dass es irgendwann noch nass werden wird. Ich sollte recht behalten, der Regen kam. Viel Regen.

Unsere Regierung hat sich zwischenzeitlich auch wieder zu Wort gemeldet und den Lockdown für sportliche Aktivitäten und Gruppenkurse bis zum 11. Mai 2020 verlängert. Das hiess für mich, dass ich nochmals ein paar dutzend E-Mails schreiben und bereits gebuchte Kurse nochmals nach hinten verschieben musste.


Die Zeit nach Corona-Lockdown

Ab dem 11. Mai 2020 galt dann wieder grünes Licht und ich durfte meine Arbeit wieder offiziell aufnehmen. Allerdings gab es noch Einschränkungen, die maximale Gruppengrösse wurde auf fünf Personen festgelegt. Das hiess pro Kurs nur vier Teilnehmer plus ich. Es war also genau die Hälfte von dem, was ich sonst für meine Kurse zulasse. Diese Regelung dauerte bis am 8. Juni 2020.

Jetzt wurde es abermals stressig für mich. Damit ich alle meine Kunden möglichst schnell bedienen konnte, führte ich zwei Gruppenkurse pro Tag durch. Eine Gruppe kam am Morgen bis Nachmittag und die andere von Nachmittag bis Abend: 12 Stunden Fahrtechnik unterrichten am Stück! Privatkurse hatte ich zum Teil sogar drei am Tag. Dazu kamen Hin- und Rückfahrt zu den Kursorten und am Abend noch die Büroarbeit erledigen. Das ergab Einsätze von bis zu 16 Stunden pro Tag...

Ich fühlte mich wie ein Roboter, kam nur nach Hause, um ein paar wenige Stunden zu schlafen und das nötigste zu erledigen und dann war ich wieder on the road. Aber es war alles absehbar, ich wusste, dass es sicher wieder ruhiger werden wird. Schlussendlich arbeitete ich zwischen Mai und Juni 42 Tage am Stück durch!

Zurückkommend auf das Wetter, wie befürchtet kam der Regen genau dann, als ich wieder mit den Bikekursen starten durfte. Als Bikeguide ist man ja auch ein bisschen Meteorologe und man entwickelt ein Gespür für das Wetter. Wie schon in den letzten Jahren gab es kein klassisches Aprilwetter mehr, das findet jetzt jeweils im Mai und Juni statt. Und so kam es, dass in diesen zwei Monaten sehr viele Kurse ins Wasser fielen...

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Dunkler Himmel und Regenjacke waren die ständigen Begleiter im Mai und Juni.

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Land unter... Da half nur noch die Flucht ins trockene Auto.


In den Sommermonaten Juli und August war die Nachfrage nach Bikekursen konstant hoch. Da die Leute nicht gross verreisen durften, blieben sie in der Schweiz. Das Mountainbike und das Velo allgemein boomten, wie noch nie zuvor. Das kam mir zugute, ich konnte in den Sommerferien fast täglich Privatkurse und Gruppenkurse durchführen. Mein geschäftlicher Spürsinn half mir zufälligerweise auch noch. Schon vor längerer Zeit entschied ich, dass ich keine Bikeweekends und Bikeferien im Ausland mehr anbiete, sondern mich zu 100% auf die Fahrtechnikkurse in der Schweiz konzentriere. Volltreffer!

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Volle Teilnehmerfelder im Juli und trockene Bedingungen.

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Viel Action an den beliebten Bunny Hop Kursen.

Ende Juli schaufelte ich mir noch eine Woche frei und reiste heimlich und alleine für eine Woche in die Toscana. Nach so viel Arbeit brauchte ich eine kurze Auszeit. Ich genoss einige Tage in der heissen Maremma und tankte wieder neue Energie für die zweite Saisonhälfte.

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Kurzer Abstecher in die Toscana im Juli. Training bei 38 Grad!

Der September war eine wunderbare Sommerverlängerung, alle Kurse konnten bei besten Bedingungen durchgeführt werden. Der Wechsel vom Spätsommer in den Herbst kam allerdings ziemlich abrupt.

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Super Verhältnisse bei den Kursen und auf den Trails im September.

Mein Lieblingsmonat Oktober stand vor der Türe, es wurde aber nichts mit einem goldenen Herbst. Wie schon im Juni nahm der Regen Überhand und fast alle Bikekurse wurden bei nassem und kaltem Wetter durchgeführt. Zum Glück nahmen es meine Kunden erstaunlich gelassen und sie standen immer pünktlich und motiviert auf dem Platz. Aber wie ich immer zu sagen pflege: Die guten Mountainbiker werden im Regen gemacht!

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Hallo Regen! Wir hatten dich vermisst...

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Wie der Juni, so der Oktober...

Der November machte wieder gut, was der Oktober verkackt hatte. Trockene Verhältnisse und Temperaturen im zweistelligen Bereich sorgten für ein gelungenes Saisonende. Bis zum Schluss durfte ich mich über volle Teilnehmerfelder freuen. Übrigens, dieses Jahr haben bis jetzt 502 Bikerinnen und Biker an einem meiner Kurse teilgenommen. Trotz verkürzter Saison ein neuer Rekord in der 9-jährigen Geschichte von Fit for Trails!

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Der perfekte November. Kurze Hosen im Spätherbst!

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Der Indian Summer hat voll erfüllt.

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Über 500 Personen haben in diesem Jahr einen Fit for Trails Bikekurs besucht. Vielen Dank!


Fazit

Das Jahr 2020 war für mich speziell, ereignisreich, stressig, schön, herausfordernd, regnerisch, aber auch sehr erfolgreich. Unter dem Strich war es vor allem ein Jahr der Rekorde: Die meisten Kursteilnehmer, die meisten Kurse im Regen, die meisten Arbeitstage am Stück und die meisten geschriebenen E-Mails.

Ich möchte mich bei allen Kunden ganz herzlich für das Vertrauen und das Interesse bedanken! Es war keine Selbstverständlichkeit in dieser Situation an Gruppenkursen mit fremden Leuten teilzunehmen. Es zeigte aber auch, dass die Hoffnung nicht verloren ging und sich alle nach einem Ausgleich sehnten. Unser schöner Sport bot die perfekte Abwechslung zum Alltag, brachte uns auf andere Gedanken, liess uns die Natur geniessen und sorgte immer wieder für ein Lächeln im Gesicht.

Ein grosses Dankeschön geht auch an alle Partner, Bikeshops und Freunde, die mich unterstützt und meine Dienstleistungen weiterempfohlen haben!

Ich freue mich, wenn ich euch im 2021 wieder an einem meiner Fahrtechnikkurse begrüssen darf. Alles Gute und bleibt gesund!

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Ich kann lachen, 2020 meinte es trotz allem gut mit mir! (Foto: spitznagel.ch)