SUCHE:

21/04/2021

Mullet vs 29er Bike - Die Vor- und Nachteile

Mullet. Mixed Wheels. 297. Oder "business in the front and party in the back". Die Rede ist von zwei verschiedenen Laufradgrössen im Rahmen, vorne 29" und hinten 27.5".

Die Versuche damit gibt es schon seit über 20 Jahren, unter anderem auch von grossen Herstellern wie Specialized (Big Hit damals mit 26"/24"). Richtig durchsetzen konnte sich dieser Trend aber bislang nicht. Das könnte sich jetzt ändern, denn mit den aktuellen Laufrädern und verstellbaren Geometrien scheint die Zeit reif dafür zu sein. Dass es funktioniert und schnell ist, das haben die Downhiller bereits bewiesen, seit 2020 sind fast alle mit Mullet Bikes unterwegs und fahren Siege ein.

Auf dem Papier sind die Fakten klar: Ein grosses Hinterrad rollt besser über Hindernisse und ist demnach schneller. In der Praxis sieht das allerdings ein bisschen anders aus, hier spielen noch weitere Kriterien eine wichtige Rolle: Körpergrösse, Fahrtechnik, Einsatzzweck, steiles Gelände, enge Kurven.

Ich habe seit 2015 meistens zwei Bikes im Keller stehen, eines mit 29" und eines mit 27.5" Laufrädern. Ich gebe es zu, ich bin ein Fan von 27.5". Wenn es um den puren Fahrspass und um ein möglichst agiles Handling geht, dann liebe ich die kleinen Räder. Da ich immer offen bin für neue Technologien, habe ich das Experiment Mullet Bike selbst ausprobiert. Nur so kann ich mir eine eigene Meinung bilden, nachfolgend also meine Erfahrungen mit zwei verschieden grossen Rädern im Bike.

mulletvs29er_vorundnachteile
Mein neues Rocky Mountain Instinct Carbon steht bereit für das Mullet Experiment.



Das Testbike und der Umbau

Kürzlich habe ich mein neues Rocky Mountain Instinct Carbon 50 bekommen (Testbericht hier) und ich wusste schon im Vorfeld, dass es für ein Mullet Projekt herhalten muss. Das Instinct bietet 150/140 mm Federweg, ist mit den neuesten Komponenten bestückt und mit den Flip-Chips vom Ride-9 System lassen sich Geometrie und Federprogression in neun verschiedenen Positionen einstellen. Zusätzlich kann der Radstand um 10 mm verändert werden.

Wer mit einem Mullet Umbau liebäugelt, der benötigt unbedingt einen Rahmen, wo die Geometrie bzw. Tretlagerhöhe verstellt werden können. Mit einem kleineren Hinterrad senkt sich das Bike nach hinten ab, das Tretlager sitzt tiefer und der Lenkwinkel wird flacher. Dies muss man korrigieren können, sonst fährt man wie mit einem Chopper durch die Gegend. In meinem Fall war das Tretlager 15 mm tiefer nach dem direkten Wechsel auf das kleinere Hinterrad.

Was man sich ebenfalls bewusst sein muss, ein Mullet Umbau ist eine Kompromisssache. Ein 29" Bike wurde für den Einsatz mit einem 29" Hinterrad konstruiert, damit es perfekt funktioniert. Wenn man ein 27.5" Rad in den Hinterbau hängt, dann sollten eigentlich die Kettenstreben um ca. 10 mm kürzer sein. Dies würde dem Bike ein noch agileres Fahrverhalten bescheren. Will heissen, ein Rahmen und vor allem der Hinterbau müssten direkt für ein 27.5" Rad entwickelt werden, so wie es jetzt bei den neuesten E-Bikes gemacht wird.

Ich habe mir extra das komplette Hinterrad von meinem alten Bike aufgehoben. Der Umbau ging somit schnell, 29" raus und 27.5" Rad rein. Das Ride-9 habe ich jeweils auf Position 1, 5 und 9 eingestellt. Nach dem Radwechsel musste ich die Bremse und Schaltung noch nachjustieren.

Beide Hinterräder sind aus Aluminium mit 30 mm Breite. Ich habe den Pirelli Scorpion S 2.4" mit 1,5 bar Luftdruck und Tubeless aufgezogen. Bei der Steifigkeit bemerkte ich keine Unterschiede, das liegt aber wahrscheinlich an meinem leichten Körpergewicht und am geschmeidigen Fahrstil.

Ich bin 177 cm gross, 68 kg schwer und fahre Rahmengrösse Large. Ich bin ein kompletter Mountainbiker, ich liebe technisch anspruchsvolle Abfahrten, fahre aber auch gerne schnell den Berg hoch.

Die erste Woche bin ich ausschliesslich mit den 29" Rädern gefahren, um mich an das neue Bike zu gewöhnen. Danach hatte ich bei jeder Ausfahrt ein 27.5" Hinterrad dabei und wechselte direkt auf den Trails hin und her. Nach drei Wochen intensivem Testen, kam ich dann zu einem für mich überraschenden Ergebnis.

mulletvs29er_vorundnachteile
Die Tretlagerabsenkung mit dem 27.5" Hinterrad liegt bei 15 mm.

mulletvs29er_vorundnachteile
Mit dem Ride-9 lassen sich Geometrie und Tretlagerhöhe verstellen.



Praxistest auf und neben dem Trail

Mit vollgepacktem Rucksack fuhr ich jeweils raus ins Gelände. Ich wollte den Direktvergleich und habe an verschiedenen Stellen die Hinterräder gewechselt, die Geometrie verstellt und den Luftdruck im Dämpfer angepasst. Ab und zu lief auch die Stoppuhr mit, denn die Zeit lügt nie. Nur nach Gefühl zu fahren reichte mir nicht. Als Referenz diente auch noch mein letztjähriges Rocky Mountain Thunderbolt mit 27.5" Laufrädern vorne und hinten.

Beim Mullet mit Ride-9 in Position 9 liegt das Tretlager gleich hoch, wie beim 29er in Position 1. Allerdings war mir der Lenkwinkel in der in Position 9 zu steil. Ich wählte dann für alle weiteren Tests die neutrale Position 5. Beim 29er tüftelte ich ebenfalls mit verschiedenen Einstellungen. Hier fühlte ich mich in der flachsten Position 1 am wohlsten und das Bike lag am stabilsten am Boden. Den Radstand fuhr ich immer in der kurzen Version (438 mm lange Kettenstreben).

mulletvs29er_vorundnachteile
Nichts dem Zufall überlassen. Ich war mit Stoppuhr, Kamera und Werkzeug unterwegs.



Uphill auf Schotter und Wurzeln

Wenn es um den reinen Vortrieb geht, dann ist das grosse Hinterrad klar schneller. Sobald es rollt geht es zügig vorwärts. Ich fuhr einen 700 Meter langen Anstieg mit 60 Höhenmetern auf Schotter hoch und versuchte mit beiden Hinterrädern eine gleiche Geschwindigkeit mit gleichem Kraftaufwand zu erreichen. Mit dem 29er Rad war ich 4 Sekunden schneller oben.

Danach fuhr ich über einen steilen mit Wurzeln gespickten Anstieg hoch. Auch hier merkt man, dass das grosse Rad besser rollt. Das kleine Hinterrad bleibt immer wieder mal hängen und man muss viel aktiver mit dem Körper arbeiten. Das geht auf die Dauer an die Kraftreserven.

Vorteil 29er.

mulletvs29er_vorundnachteile
Wenn es um den reinen Vortrieb geht, dann ist das 29er unschlagbar.

mulletvs29er_vorundnachteile
Nachteil 27.5", das Hinterrad rollt schlechter über Wurzeln.



Zeitvergleich auf Downhill-Trail

Nach einem Bikekurs in Burgdorf nahm ich mir die Zeit, um den "Färnstu-Trail" mehrmals zu fahren. Der Trail ist 900 Meter lang, im oberen Teil ein Wanderweg und im unteren Teil ausgebaut mit Anliegerkurven und Sprüngen. Da es auch Fussgänger auf dem Trail gibt, habe ich nicht alles riskiert, sondern versuchte einfach flüssig durchzuziehen.

Die erste Fahrt war mit dem Mullet. Ich kam gut runter und die Zeit stoppte bei 2:33. Danach folgt der Radwechsel und es ging nochmals nach oben. Mit dem 29er fühlte sich die Fahrt schneller an und im Ziel zeigte die Stoppuhr 2:35 an. Waaaaaasss?! Ich war mit dem grossen Hinterrad 2 Sekunden langsamer... Das zeigt, wie sehr das Gefühl täuschen kann.

Lediglich knapp 2 Sekunden Differenz auf über 2 Minuten Fahrzeit. Das unterstreicht einerseits meine Fähigkeiten als Testfahrer, ich kann ein Bike auf einem konstant hohen Niveau bewegen. Andererseits ist es schwierig ein Urteil zu fällen. Der Zeitunterschied hat hier nichts mit der Radgrösse zu tun, irgendwo habe ich einfach mehr gebremst oder schneller beschleunigt.

Vorteil Mullet bzw. Unentschieden.

mulletvs29er_vorundnachteile
Die Zeit läuft, fliegend über den Färnstu-Trail in Burgdorf.

mulletvs29er_vorundnachteile
Die Stoppuhr lügt nie. Mit dem Mullet war ich im Downhill knapp 2 Sekunden schneller!


Bunny Hop

Bei meinen Lieblingstrick Bunny Hop erlebte ich die grösste Überraschung. Mit meinem Thunderbolt lag meine persönliche Rekordhöhe bei über 70 cm. Ich hätte wetten können, dass ich mit dem grösseren und längeren Instinct niemals so hoch komme.

Die ersten Versuche machte ich mit dem Mullet Setup. Ich übersprang gleich auf Anhieb 60 cm und danach auch noch 65 cm. Nun war die Latte also bereits auf 70 cm. Nach drei Anläufen hatte ich auch diese Höhe geknackt. Zur Bestätigung sprang ich mehrmals locker über die 70 cm. 

Nun folgte die selbe Übung mit dem 29" Hinterrad. Auch hier übersprang ich gleich 60 cm. Im Vergleich zum Mullet musste ich mehr am Lenker ziehen, um das Vorderrad genügend hoch zu bringen. Der längere Hebel ist spürbar, ist aber nicht besonders hinderlich. Die Latte ging höher, auch 65 cm schaffte ich problemlos. Sind tatsächlich auch 70 cm möglich? Ja, auch mit den 29" Laufrädern egalisierte ich meine bisherige Rekordhöhe!

Unentschieden.

mulletvs29er_vorundnachteile
Bunny Hop über 70 cm mit dem Mullet.

mulletvs29er_vorundnachteile
Bunny Hop über 70 cm mit dem 29er. Man beachte den geringen Gesässabstand zum Rad.


Hohe Stufen und Manuals

Immer wenn das Gesäss weit nach hinten geschoben werden muss, dann kommt der grösste Nachteil vom 29" Hinterrad. Es fehlt an Bewegungsfreiheit und man berührt unweigerlich mit dem Gesäss das Rad. Dies ist vor allem für kleinere Personen, oder solche mit kurzen Beinen ein Problem. Mit meinen 177 cm bin ich auch nicht sonderlich gross und bei hohen Stufen oder Manuals über Wellen, erlebe ich immer wieder mal die "Arschbremse". Mit dem 27.5" Hinterrad ist das nicht der Fall.

Vorteil Mullet.

mulletvs29er_vorundnachteile
Mehr Bewegungsfreiheit, bei hohen Stufen liegt der Vorteil beim Mullet.

mulletvs29er_vorundnachteile
Arschbremse... Der grösste Nachteil vom 29er ist die fehlende Bewegungsfreiheit.

mulletvs29er_vorundnachteile
Mullet for Manuals! Mit dem kleinen Hinterrad steigt das Vorderrad besser nach oben.


Kurven fahren

In den Kurven ist es schwierig, einen wirklichen Unterschied zwischen den zwei Radgrössen zu spüren. Rein theoretisch bietet ein 29er Rad wegen der grösseren Auflagefläche mehr Traktion. Der Untergrund und der Reifen selbst sind aber entscheidend, ob diese Traktion überhaupt erreicht wird.

Gefühlsmässig hatte ich mit dem Mullet eine hecklastigere Position auf dem Bike. Durch das kleinere Hinterrad hängt man automatisch ein bisschen weiter hinten drin, gleichzeitig fehlt dadurch ein wenig Grip am Vorderrad. Mit dem grossen 29er Hinterrad stehe ich zentraler zwischen den Rädern, die Gewichtsverteilung ist ausgeglichener und der Druck liegt auf beiden Rädern.

Bei schnellen Richtungswechseln ist das Mullet einen Tick wendiger. In langgezogenen Kurven bietet aber das 29er mehr Laufruhe und Traktion.

Unentschieden.

mulletvs29er_vorundnachteile
Bei schnellen Richtungswechseln ist das 27.5" Hinterrad einen Tick wendiger.

mulletvs29er_vorundnachteile
Das 29er sorgt für eine zentrale Körperposition zwischen den Rädern. (Foto: spitznagel.ch)


Spitzkehren fahren und Hinterrad versetzen

Beim Spitzkehren fahren und Hinterrad versetzen spielt die Hinterradgrösse nur eine untergeordnete Rolle. Da das Hinterrad nur dem Vorderrad folgen muss und beim Versetzen sogar in der Luft ist, hat das keinen Einfluss auf die Kurve.

Hier konnte mein altes Thunderbolt punkten. Mit den kleineren Rädern und dem kurzen Radstand ging es viel flinker um die engen Kehren.

Unentschieden.

mulletvs29er_vorundnachteile
In Spitzkehren spielt die Hinterradgrössse eine untergeordnete Rolle.

mulletvs29er_vorundnachteile
Beim Hinterrad versetzen ist das Können wichtiger als die Laufradgrösse.



Fazit

Es war ein Kopf an Kopf Rennen. Beide Hinterradgrössen bieten Vor- und Nachteile, je nach dem wo und wie man sie einsetzt.

Vor diesem Test war ich der festen Überzeugung, dass ich zukünftig ein Mullet fahren würde. Während den vielen Radwechseln merkte ich aber immer mehr, dass mit dem 29" Hinterrad alles möglich ist, was ich auch mit dem 27.5" Hinterrad mache. Das kleinere Rad konnte sich bei keiner Tour und bei keinem Manöver markant absetzen.

Der einzige wirkliche Vorteil vom 27.5" Hinterrad ist die grössere Bewegungsfreiheit. Wer eher klein ist oder wer nur steile Trails und im Bikepark fährt, für den kann ein Mullet die Lösung sein.

Der Umbau ist zudem eine Kompromisssache. Ein reinrassiges Mullet müsste direkt für ein 27.5" Hinterrad konstruiert werden und kurze Kettenstreben haben, damit ein wirklich agiles und verspieltes Fahrverhalten erreicht wird.

Was man auch nicht ausser Acht lassen sollte sind die hohen Kosten für einen Umbau. Wer sich extra ein kleines Hinterrad zulegt und dies mit Reifen, Kassette und Bremsscheibe bestückt, der muss bis zu CHF 1'000.00 in die Finger nehmen. Eine teure Investition für kaum spürbare Vorteile.

Ich habe mich entschieden, ich werde weiterhin mit 29" Laufrädern unterwegs sein, vorne und hinten.

mulletvs29er_vorundnachteile
Ich hätte es nicht gedacht... Aber mein Instinct werde ich mit 29" Laufrädern fahren!

13/04/2021

Fahrbericht: Rocky Mountain Instinct Carbon 50 2021

Am 9. März 2021 präsentierte Rocky Mountain weltweit das neue Instinct. Das Trail-Bike ist schon seit vielen Jahren im Programm, nun wurde es wieder mal überarbeitet und mit den neuesten Technologien und Geometriedaten versehen. Es löst gleichzeitig auch das Modell Thunderbolt ab, je nach Rahmengrösse erhält man 27.5" oder 29" Laufräder. In diesem Testbericht geht es um mein Instinct Carbon 50, welches ich seit vier Wochen fast täglich fahre.

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Mein Rocky Mountain Instinct Carbon 50 2021 custom build.



Die Ausstattung

Das neue Instinct gibt es aus Carbon oder Aluminium und in zahlreichen Ausführungen, damit für jedes Budget etwas dabei ist. Der Rahmen kann auch einzeln als Frame-Set gekauft werden. Mein Instinct Carbon 50 entspricht, wie bei mir üblich, nicht mehr ganz dem Original. Ich habe einige hochwertige Teile von meinem alten Thunderbolt und von meinem Mondraker E-Bike genommen, um die Sponsoren und meine eigene Vorlieben zu berücksichtigen.

Das Instinct Carbon 50 geht für den Preis von CHF 5'599.00 über die Ladentheke. Dafür erhält man ein solide ausgestattetes Bike, welches mit tausendfach bewährten Komponenten bestückt ist.

Der Carbon-Rahmen ist baugleich mit dem Altitude, es wurde aber eine andere Dämpferaufnahme und weniger Federweg spezifiziert. Theoretisch könnte man, mit dem nötigen Kleingeld, aus dem Instinct ein Altitude bauen oder umgekehrt. Das Bike ist in zwei Farbkombinationen erhältlich, das abgebildete violett/beige oder türkis/schwarz. Der Rahmen ist hochwertig verarbeitet und bietet viele kleine Detaillösungen. Das bekannte Ride-9 ist auch hier zu finden, mit welchem man die Anlenkung des Dämpfers verändern und so die Geometrie und Federkennlinie beeinfluss kann. Zusätzlich kann der Radstand um 10 mm kürzer oder länger gemacht werden. Alle Kabel sind komplett innen verlegt, was für eine aufgeräumte Optik, aber aufwendige Servicearbeiten sorgt. An der Kettenstrebe sind dicke Gummischützer angebracht, damit die Kette nirgendwo anschlägt und Lärm verursacht. Über dem Schwingenlager ist eine Plastikabdeckung befestigt, damit kein Dreck dazwischen kommt.

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Die neue Dämpferanlenkung mit Ride-9 System.

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Gummi schützt! Das Unterrohr und die Kettenstrebe sind gut verpackt.

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Die Plastikabdeckung hält Dreck fern. Darunter sind die Kabel verborgen.


Die Federelemente stammen von Fox, vorne eine 36 Float EVOL GRIP Performance Gabel mit 150 mm Federweg und hinten ein Fox Float DPS Performance Dämpfer mit 140 mm Federweg. Bei der Gabel gibt es bei mir die erste Änderung, ich bin ein RockShox Fan und darum habe ich eine Pike Ultimate verbaut. Der Gabeltausch bringt auch gleich noch eine Gewichtsreduktion von 250 Gramm mit sich.

Die Bremsen und der Antrieb liefert Shimano. Die XT Bremsen mit 4-Kolben und 180 mm Bremsscheiben sorgen für die Verzögerung. Die Schaltung ist ein Mix aus XT Schaltwerk, SLX Schalthebel und SLX 10-51 Kassette. Hier habe ich leicht modifiziert, ich fahre Bremsscheiben und Beläge von SwissStop. Und die grosse, schwere 51er Kassette habe ich gegen eine leichte XTR mit 10-45 Abstufung getauscht.

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Shimano Deore XT sorgt fürs Schalten und Bremsen.


Die Kurbel ist eine Race Face Aeffect Cinch in 170 mm Länge mit einem 32er Kettenblatt. Die Kurbel habe ich ebenfalls gewechselt, meine alte Truvativ Descendant Carbon ist immer noch gut in Schuss. Ich fahre ein 30er Kettenblatt, damit ich die kleinere Kassette kompensieren kann.

Die Laufräder sind ein Mix aus WTB Felgen, Rocky Mountain Vorderradnabe/DT Swiss 370 Hinterradnabe und DT Swiss Champion Speichen. Wer meine Blogs regelmässig liest der weiss, dass bei den Laufrädern immer gespart wird und man dort mit einem Upgrade am meisten rausholen kann. Ich hatte noch einen hochwertigen Race Face Turbine R Laufradsatz von meinem E-Bike, welchen ich jetzt dem Instinct vermacht habe. Die Reifen kommen von Maxxis, Minion DHF 2.5 WT und Minion DHR II 2.4 WT sorgen für den Grip. Hier habe ich meinen Ausrüster berücksichtigt und auf Pirelli Scorpion S Trail 29x2.4 Gummis gewechselt.

Das Cockpit besteht aus Rocky Mountain Lenker in 780 mm Breite, Rocky Mountain Vorbau und Ergon GE1 Griffen. Die Sattelstütze ist ebenfalls Rocky Mountain Eigenmarke, die Toonie Drop bietet 170 mm Hub. Der Sattel ist ein WTB Volt Race. Da habe ich ebenfalls alles ausgetauscht, ich fahre einen 750 mm breiten Race Face Turbine R Lenker, einen 32 mm kurzen Race Face Turbine R Vorbau, eine Fox Transfer Sattelstütze und meinen uralten fi'zi:k Tundra Sattel.

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Kein Kabel und kein Hebel zu viel. Ein aufgeräumtes Cockpit sorgt für Freude!


Das Gewicht aus der Schachtel beträgt in Grösse Large 14,3 kg. Ich konnte mein Instinct mit den verschiedenen Änderungen massiv abspecken, nur schon bei den komplett bestückten Laufrädern konnte ich 800 g einsparen. Meine Version bringt fahrfertig 12,9 kg auf die Waage!

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Das Instinct ist von jeder Seite ein hübsches Bike!



Die Geometrie

Bei den neuesten Rocky Mountain Modellen hat sich bei der Geometrie einiges geändert. Wer schon ein Rocky fährt, der wird sich sicher auch über die gutmütige Position auf dem Bike gefreut haben. Die Rahmen waren eher kurz und kompakt, man konnte draufsitzen, losfahren und fühlte sich wohl.

Nun sind auch die Kanadier auf den Trend aufgesprungen, die Bikes immer länger und flacher zu machen. Im Vergleich zu meinem Thunderbolt oder auch zum bisherigen Instinct ist der Reach um 28 mm angewachsen und der Radstand ist sogar um 52 mm länger geworden. Die Kettenstrebenlänge ist 438 mm und kann auf Wunsch noch um 10 mm verlängert werden. Zusätzlich ist der Lenkwinkel flacher und der Sitzwinkel steiler. Über das Ride-9 System können diese Werte noch angepasst werden.

Der Rahmen und die Laufräder werden der jeweiligen Körpergrösse angepasst. Die XS und Small Rahmen haben einen leichten Knick im Oberrohr für mehr Beinfreiheit und kommen mit 27.5" Laufrädern. Ab Grösse Medium werden 29" Laufräder verbaut.

Ich bin 177 cm gross und fahre seit acht Jahren Rocky Mountain. In den ersten vier Jahren bin ich jeweils Rahmengrösse Medium und die letzten vier Jahre Large gefahren. Im grösseren Rahmen sitze und stehe ich zentraler und das Bike liegt einfach stabiler auf dem Boden.

Ich hatte die Möglichkeit schon letztes Jahr einen Blick auf die neuen Bikes zu werfen und bei den Geometrien fiel mir gleich auf, dass sie mächtig angewachsen sind. Ich überlegte lange, habe mich dann aber erneut für die Grösse Large entschieden. Um die Länge zu kompensieren habe ich einen ultrakurzen 32 mm Vorbau verbaut (Standard sind 40 mm).

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Für Vollgas! Der Radstand ist schon lang, er kann aber noch länger gemacht werden.



Auf dem Trail

Ich hatte mein Instinct bereits in der Vorwoche der offiziellen Präsentation erhalten und konnte es in aller Ruhe aufbauen. Als das Bike dann fertig vor mir stand, da konnte ich nicht widerstehen und musste eine erste Ausfahrt machen. Vor lauter Vorfreude hatte ich den Wetterbericht nicht geprüft und 45 Minuten nach Abfahrt setzte der Regen ein. Petrus und ich waren noch nie Freunde und ich verfluchte ihn wieder mal, dass er mir nicht mal eine trockene Jungfernfahrt gönnte. Zugleich konnte ich so das Bike bei schwierigen Bedingungen testen, im Trockenen fahren kann ja jeder.

Schon auf den ersten Metern merkte ich, dass das Bike passt und rollte zügig über die Schotterwege in Richtung Trails. Die grossen 29" Räder machten sich bereits das erste Mal positiv bemerkbar und ich war schnell zuoberst auf dem Hügel. Die Sitzposition ist schön zentral, auch bei steileren Anstiegen bleibt das Vorderrad stabil am Boden.

Nun folgte die Abfahrt, der Boden war nass und die Wurzeln und Steine rutschig. Als erfahrener Downhiller liess ich mich davon nicht abschrecken und fuhr überall die direkte Linie, so wie ich es auch bei trockenen Verhältnissen mache. Alles im grünen Bereich, das Instinct flog wie auf Schienen über die Hindernisse und durch die Kurven. Auffällig war hier erneut, wie gut der Pirelli Scorpion S bei diesen Bedingungen funktionierte. Obwohl die Gummimischung eher hart ist, krallt sich der Reifen regelrecht in den Boden und sorgt so für viel Traktion und Sicherheit (ausführlicher Testbericht hier).

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Die Plastikabdeckung beim Schwingenlager wurde gleich bei der ersten Ausfahrt getestet...


Als ich wieder Zuhause war machte ich nach der Bikewäsche eine erste Inspektion. Die Federelemente waren noch zu wenig progressiv. Der Pike gönnte ich einen zweiten Token und der Fox DPS bekam ebenfalls einen dickeren Volumenspacer (von 0.4 auf 0.8). Dieses Problem hatte ich bis jetzt bei jedem Rocky mit DPS Dämpfer, sie waren immer zu linear abgestimmt. Schon bei einem Bunny Hop oder einem kleinen Sprung rauscht der Hinterbau durch den ganzen Federweg. Mit dem Fox Volumenspacer Kit (Artikel-Nr. 803-01-250) kann das aber schnell in Ordnung gebracht werden.

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Ein dickerer Volumenspacer hilft für mehr Endprogression beim Fox DPS Dämpfer.


Was mir auch noch auffiel war, dass ich mit dem hinteren Schuh an der Kettenstrebe streifte. Leider war der schöne Lack schon nach der ersten Ausfahrt abgeschliffen... Irgendwie ist die Strebe anders geformt, das war mir bis jetzt noch nie passiert. Es empfiehlt sich daher, gleich zu Beginn eine Schutzfolie anzubringen.

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Tschüss Farbe... Aus unerklärlichen Gründen berührt mein hinterer Schuh die Kettenstrebe.


Das Wetter wurde wieder besser und ich konnte noch einige Touren auf trockenen Trails zurücklegen. Es waren auch gebaute Strecken dabei, welche Sprünge, Drops und Anliegerkurven beinhalteten. Bei grossen Hindernissen merkt man, dass das Instinct keine Enduro-Maschine ist, mit 150/140 mm kommt man irgendwann an die Grenzen. Im Gegenzug schätzte ich dafür, wie leichtfüssig das Bike in den Anstiegen vorwärts geht. Alles in allem ist das Fahrverhalten sehr ausgewogen, das Instinct bietet in fast jeder Situation Vertrauen und Sicherheit.

Trotz der 29" Laufräder lässt sich das Instinct spritzig und agil bewegen. Die Kettenstreben sind immer noch kurz genug, damit das Vorderrad ohne viel Kraftaufwand nach oben kommt. Wer, wie ich, gerne Manuals, Wheelies und Bunny Hops macht, der wird daran seine Freude haben.

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Bunny Hop über 70 cm! Das geht auch mit 29" Laufrädern.

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Spitzkehren fahren mit Hinterrad versetzen ist problemlos möglich.

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Das Vorderrad liegt auch bei steilen Anstiegen satt am Boden. (Foto: spitznagel.ch)

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Anlieger surfen auf gebauten Bikepark Trails. (Foto: spitznagel.ch)

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Der lange Radstand sorgt auch in der Luft für Laufruhe. (Foto: spitznagel.ch)

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Trotz grossem Hinterrad gehen auch Manuals locker. (Foto: spitznagel.ch)


Die Komponenten verrichten bislang alle zuverlässig ihren Dienst. Die Shimano 4-Kolben Bremsen packen zuverlässig zu und sie sind einfach die unproblematischsten Stopper, die es gibt. Die Schaltung wechselt, shimanotypisch, die Gänge leise, weich und leicht undefiniert. Als langjähriger SRAM Fahrer bevorzuge ich deren knackige, definierten und lauten Schaltvorgänge (und die XX1 11-fach bleibt für mich die bislang beste Schaltung). Das ganze Bike macht keinerlei Geräusche, nur das Rauschen der Reifen stört die Ruhe auf dem Trail.

Bei allen meinen Fahrten habe ich mich intensiv mit der Geometrieverstellung befasst. Den Radstand beliess auf der kurzen Einstellung, ein langer Radstand ist nur für Downhill-Bikes sinnvoll. Das Ride-9 hatte ich in verschiedenen Positionen ausprobiert, schlussendlich landete ich auf der flachsten und progressivsten Stufe 1. Auf Position 9 war mir der Lenkwinkel zu steil und in der neutralen Position 5 fühlte sich das Bike instabil an. Tiefer und flacher ist schneller!

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Ich habe viel am Ride-9 rumgeschraubt. Ich fahre mein Instinct jetzt auf Position 1.

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Das Instinct funktioniert auch im Schnee...

ERGÄNZUNG 21.04.2021: Schon bevor ich mein Instinct erhielt wusste ich, dass es für ein Mullet Experiment herhalten muss. Ich habe das Bike während drei Wochen abwechslungsweise mit einem 27.5" und 29" Hinterrad gefahren. Ob sich so ein Umbau lohnt und was die Vor- und Nachteile von kleinen und grossen Rädern sind, das erfährst du in diesem Blogbeitrag.

testbericht_rockymountain_instinctcarbon502021
Mein Instinct habe ich mit einem 27.5" und 29" Hinterrad ausprobiert.



Fazit

Mit dem neuen Instinct ist Rocky Mountain wieder ein grosser Wurf gelungen. Es ist eine coole Trail-Rakete, welche den Berg hoch und runter für viel Spass und Sicherheit sorgt. Das perfekte Bike für Tourenfahrer, die gerne Höhenmeter sammeln, aber auch anspruchsvolle Abfahrten nicht scheuen. Love the ride!


Positiv:

+ Rahmen mit vielen Verstellmöglichkeiten
+ solide Ausstattung
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
+ kommt der eierlegenden Wollmilchsau ziemlich nahe

Negativ:

- schwere Laufradkombination
- Fox DPS Dämpfer zu linear abgestimmt

Preis:

CHF 5'599.00 (Carbon 50)

Informationen:

Rocky Mountain
CHRIS sports


09/03/2021

Neu ist immer besser - Gilt auch für Mountainbikes

Früher war alles besser. Ja, ausser die Mountainbikes.

Kürzlich bin ich im deutschen Bike Magazin (Ausgabe 01/21) auf einen Artikel gestossen, wo es darum ging, einem alten Mountainbike wieder neues Leben einzuhauchen. Gut gemeinte Tipps, welchen ich aber nur bedingt zustimmen kann. Ein altes Bike bleibt alt, denn nicht die Hülle ist entscheidend, sondern der Kern. Will heissen: Rahmen und Geometrie sind wichtiger, als Anbauteile. Ich spreche hier vor allem von 26" Bikes oder solchen, die bereits mehr als 10 Jahre auf dem Buckel haben.

Die Anschaffung von einem neuen Mountainbike kostet viel Geld, keine Frage. Aber der Mensch reist einmal im Jahr weit weg in den Urlaub, kauft sich alle zwei Jahre ein neues Telefon und leistet sich alle 5-7 Jahre ein neues Auto im Durchschnitt. Und da reden wir von Beträgen, die im Vergleich zu einem Mountainbike wesentlich höher sind. Geld kann also eigentlich nicht der Grund sein, dass man sich nicht regelmässig ein neues Bike anschafft.

Es ist eher die Philosophie "das war mal teuer und es fährt ja noch gut" und darum kurven viele Mountainbiker mit altem Material durch die Gegend. Das ist nicht grundsätzlich falsch und jeder darf selber entscheiden, wie lange er sein Bike fahren will (mein Rennrad ist auch schon 12-jährig, aber dort sind die technischen Veränderungen weniger massgebend). Wenn man aber damit beginnt, vierstellige Beträge in das alte Geländer zu investieren und verbissen behauptet, es sei immer noch super, dann macht man sich etwas vor. Der Rahmen bleibt antik und gerade hier haben in den letzten Jahren die grössten und sinnvollsten Veränderungen stattgefunden. Ich liebe alte, klassische Bikes, sie gehören aber in eine Ausstellung, wo man sich an deren Geschichte erfreuen kann.

Ich gönne mir den Luxus und kaufe mir seit einigen Jahren jede Saison ein neues Bike (den Vorgänger kann ich jeweils für gutes Geld wiederverkaufen). Ich verzichte dafür auf viele andere Dinge, wohne in einer kleinen Wohnung, fahre einen günstigen Gebrauchtwagen und lebe grundsätzlich sehr sparsam. Aber dieser schöne Sport ist schon immer meine grosse Leidenschaft und dafür bin ich bereit, mein hart verdientes Geld zu opfern.

Gute Nachrichten für E-Mountainbiker: Ihr seid von dieser Thematik (noch) nicht betroffen, eure Bikes sind technologisch auf dem neuesten Stand. Ihr dürft aber trotzdem gerne weiterlesen.

neuistimmerbesser_giltauchfuermountainbikes
2010 vs 2020. Optisch ähnlich, auf dem Trail ein riesiger Unterschied. Neu ist besser!


Neue Mountainbikes sind besser

Neu ist immer besser! Nicht nur Barney Stinson von der Sitcom How I Met Your Mother lebt nach diesem Grundsatz. ;-) Dank mehr Fachwissen, neuen Technologien und Materialien werden Autos, Motorräder, Elektronik, Häuser und natürlich Mountainbikes immer ausgereifter.

Ich betreibe den Sport schon seit über 30 Jahren und besass in dieser langen Zeit unzählige Fahrräder. Das neue Mountainbike fuhr sich immer besser, als das alte. Dabei habe ich sämtliche Entwicklungsstufen durchgemacht: Von keiner Federung auf Vollfederung, von Cantileverbremsen auf Scheibenbremsen, von 26" Räder auf 29" Räder, von Stahl auf Carbon, von schmalen Lenkern und langen Vorbauten auf breite Lenker und kurze Vorbauten, von drei Kettenblättern auf ein Kettenblatt, usw.

Wobei zu Beginn neu nicht immer besser war... Meine erste Federgabel leckte ständig Öl, die Scheibenbremse zog regelmässig Luft, das Tubeless-System war unbrauchbar und 29" Bikes fuhren sich wie ein LKW mit Anhänger. Aber man erkannte früh das Potenzial dieser Produkte und es war nur eine Frage der Zeit, bis sämtliche Kinderkrankheiten aus der Welt geschafft wurden. Und jetzt im Jahr 2021 sind Mountainbikes nahezu an der Perfektion angelangt.

Ich staune selber, wie es die Hersteller immer wieder schaffen, die Bikes noch haltbarer, sicherer und spassiger zu machen. Mittlerweile finden die technischen Fortschritte allerdings nur noch in kleinen Schritten statt. Die Laufradgrössen 27.5" und vor allem 29", der Einfach-Antrieb und Carbon haben sich definitiv durchgesetzt. Aber Experimente bei der Geometrie, feinfühligere Federelemente und die Integration von Elektronik werden dafür sorgen, dass auch die zukünftigen Bikes noch besser werden, als die heutigen.

neuistimmerbesser_giltauchfuermountainbikes
Ganz neu! Rocky Mountain Instinct Carbon 2021.


Neue Mountainbikes geben Sicherheit

Eines der wichtigsten Argumente für ein neues Mountainbike ist die Sicherheit. Ein modernes Bike verzeiht Fehler und kann Stürze verhindern. Das ist nicht nur für Beginner, sondern auch für erfahrene Sportler hilfreich. Dank langen, flachen und tiefen Geometrien, grossen Rädern, breiten Reifen, absenkbaren Sattelstützen und viel Federweg kann man auch mal ins Schilf raus oder einen Sprung vergeigen, ohne dass man gleich mit einem Spitalaufenthalt rechnen muss.

Ich spreche aus eigener Erfahrung, ich stürzte früher viel häufiger, als heute. Nicht weil ich schlecht fuhr, sondern weil das Material schlicht die Manöver nicht mitmachte, die ich plante. Und ich sehe das auch jetzt bei den Teilnehmern an meinen Bikekursen. Leute, die mit alten Bikes kommen, bewegen sich auf den Trails immer näher am Limit und haben weniger Reserven, wenn mal etwas schief geht.

Oft sind Neueinsteiger unsicher, ob ihnen der Sport überhaupt gefällt und sie kaufen sich deshalb lieber ein sehr günstiges Bike oder eine alte Occasion. Aber genau in der ersten Lernphase kann das Material entscheidend sein, ob man Freude am Biken bekommt und sicher durch die Gegend fährt. Wer nicht bereit ist eine grosse Summe auszugeben, der sollte sich ein aktuelles Mountainbike für einige Wochen mieten. Wenn die Liebe entflammt ist, dann kann man sich sein Wunschrad kaufen und glücklich werden.

Nicht zu vergessen, beim Thema Sicherheit geht es auch um die Haltbarkeit. Es gibt an einem Mountainbike verschiedene Teile, die ermüden und nicht ewig halten. Ich hatte in der Vergangenheit zwei Rahmenbrüche, einen Gabelbruch, einen Tretlagerbruch und mehrere durchrutschende Freiläufe. Alle diese kaputten Teile sorgten leider für Stürze, welche glücklicherweise immer einigermassen glimpflich ausgingen. Glaubt mir, wenn die Gabel während der Fahrt abbricht, dann ist das alles andere als lustig... Nur schon deshalb wechsle ich regelmässig meine Bikes, damit ich ein Materialversagen verhindern kann. Wann hast du an deinem alten Mountainbike das letzte Mal den Lenker ausgetauscht?

neuistimmerbesser_giltauchfuermountainbikes
Im schwierigen Gelände gibt mir ein modernes Bike zusätzliche Sicherheit.


Ein neues Mountainbike muss nicht teuer sein

Wie eingangs erwähnt, ein hochwertiges Mountainbike hat seinen Preis. Dieser ist aber stark abhängig von Ausstattung, Material und vom Schriftzug auf dem Rahmen.

Ein neues Mountainbike muss nicht die Welt kosten. Es braucht nicht unbedingt einen Carbon-Rahmen und Topkomponenten. Ein Modell mit Aluminium-Rahmen ist wesentlich günstiger, als das aus Carbon. Bei Schaltung und Bremsen kann man mit gutem Gewissen eine Einsteiger-Gruppe wählen. Die aktuellen Shimano Deore oder Sram NX funktionieren mittlerweile genau so zuverlässig, wie die jeweiligen High-End Teile. Lediglich beim Gewicht spürt man einen markanten Unterschied.

Spätestens beim Unterhalt zeigt sich das auch im Portemonnaie. Es gibt die Faustregel, dass ein grosser Service 10% vom Neupreis des Bikes ausmacht. Je teurer dein Sportgerät, desto höher fallen die Wartungskosten aus. Wer schon mal einen kompletten Shimano XTR oder Sram XX1 Antrieb wechseln musste, der weiss, von was ich rede...

Auch ich habe aufgehört, sündhaft teure Teile ans Bike zu schrauben, obwohl es hier um mein täglich eingesetztes Arbeitsgerät geht. Mein letztjähriges Mountainbike war mit Shimano SLX Komponenten bestückt, die haben tadellos ihren Dienst erfüllt. Einzig bei den Laufrädern gönne ich mir jeweils ein Upgrade. Dort wird bei den Herstellern meistens gespart, aber genau bei den Rädern merkt man den Unterschied zu qualitativ hochwertigen Produkten. Eine lohnende Investition, da sich die Einbaubreiten mittlerweile standardisiert haben, kann ich die Laufräder auch für kommende Bikes wiederverwenden.

Bei einem Neukauf sollte man sich gut überlegen, wofür das Mountainbike in Zukunft gebraucht wird. Denk daran, dass du immer besser fahren und dich dadurch auch in anspruchsvolleres Gelände wagen wirst. Wenn du jetzt mit einem Hardtail liebäugelst, dann wird das bald nicht mehr ausreichen und du musst dir früher als gedacht ein vollgefedertes Bike kaufen. Was die grundsätzliche Ausstattung betrifft, diese ist abhängig vom Budget. Bei der Laufradgrösse sollten grossgewachsene Personen auf 29" und kleingewachsene Personen auf 27.5" gehen. Falls du unsicher bist, unbedingt beide Grössen probefahren, nicht alle Biker kommen mit 29" Laufrädern klar. Beim Federweg kommt es auf den Einsatzzweck an. Je radikaler du fährst, desto mehr Federweg wirst du brauchen und umgekehrt. Unbedingt empfehle ich eine absenkbare Sattelstütze, diese sorgt für mehr Sicherheit und Spass auf dem Trail.

Wer sich statt einem Neukauf für eine Occasion entscheidet, dem sei geraten, ein möglichst aktuelles Modell zu wählen. Älter als drei Jahre sollte es nicht sein, sonst ist es technologisch bereits wieder überholt und der erste teure Service wird auch nicht lange auf sich warten lassen. Auch hier gilt: Je neuer, desto besser!

neuistimmerbesser_giltauchfuermountainbikes
Es muss nicht immer Shimano XTR sein... SLX funktioniert einwandfrei und ist günstig.

03/02/2021

Bunny Hop Tutorial

Wer Fit for Trails kennt oder folgt, der weiss, dass es hier immer wieder mal ums Thema Bunny Hop geht. Das ist mein Lieblingstrick und mit einer persönlichen Rekordhöhe von über 70 cm weiss ich ziemlich gut, wie ein Bunny Hop funktioniert.

Der Bunny Hop gehört zu den wichtigsten Manövern mit dem Bike und er sollte von jedem ambitionierten Mountainbiker richtig beherrscht werden. Mit dem Bunny Hop kann man Hindernisse locker überspringen und es ist der Schlüssel, um erfolgreich Jumps zu meistern.

In diesem Video findest du ein hilfreiches Tutorial. Noch besser ist es natürlich, wenn du einen Fit for Trails Fahrtechnikkurs besuchst, dort wird dir unter professioneller Anleitung der richtige und saubere Bunny Hop gezeigt und gelehrt.

Ich empfehle unbedingt, den Bunny Hop mit Flat Pedals zu lernen. Nur so kannst einen falschen und passiven Bewegungsablauf vermeiden, der bei Klickpedal-Fahrern häufig zu sehen ist. Wenn du die korrekte Technik beherrscht, dann geht es selbstverständlich auch mit Klickpedalen.


Die Anfahrt

Die Anfahrt sollte mit einer mittleren Geschwindigkeit erfolgen. Zu schnell ist nicht optimal, dann ist es schwierig, die Distanz zum Hindernis richtig einzuschätzen. Und zu langsam ist auch nicht gut, dänn fällt das Hinterrad zu früh runter.

Übrigens, eine höhere Geschwindigkeit sorgt nicht für höhere Bunny Hops. Geschwindigkeit brauchst du nur, wenn du eine gewisse Distanz überwinden musst. Du kannst es also eher gemütlich angehen.

Wichtig ist, dass du deinen Körper brauchst, um eine Spannung aufzubauen. Die Arme und Beine sind angewinkelt und du musst versuchen, möglichst viel Energie aufzubauen, die du beim Absprung dann freilassen kannst.

bunnyhop_tutorial
Anfahren mit mittlerer Geschwindigkeit und Körperspannung aufbauen.


Der Absprung

Für einen möglichst hohen Absprung gehst du kurz mit dem Gesäss nach hinten, um die Front zu entlasten. Dann ziehst du explosiv am Lenker und versuchst, das Vorderrad möglichst weit in die Höhe zu bringen (hier ist Vorderrad auf ca. 80 cm). Je höher das Vorderrad, desto höher werden deine Bunny Hops. Ganz einfach.

bunnyhop_tutorial
Körperschwerpunkt hinten und am Lenker ziehen.


Die Flugphase

Jetzt kommt der entscheidende Moment für einen wirklich hohen Bunny Hop. Sobald das Vorderrad den höchsten Punkt erreicht hast, verlagerst du den Körperschwerpunkt nach vorne zum Lenker. Du stehst für einen Moment fast senkrecht im Bike drin. Damit kannst du das Hinterrad entlasten, damit dieses auch zu steigen beginnt.

Die Füsse bzw. die Pedalen zeigen nach unten, damit du den Grip mit den Schuhen nicht verlierst.

bunnyhop_tutorial
Sobald das Vorderrad die Höhe hat, wandert der Körper zum Lenker. Das Hinterrad steigt jetzt auch.


Die Landung

Wenn auch das Hinterrad den höchsten Punkt erreicht hat, dann kannst du die Landung einleiten. Du drückst bewusst das Vorderrad nach unten, damit du einen Knick in der Flugbahn hast. Damit kannst du dem Bike eine Vorwärtsbewegung geben, damit es länger in der Luft bleibt.

Der Körperschwerpunkt wandert hierbei wieder zurück hinter den Sattel. Das Gesäss ist tief über dem Rad. Sobald die Räder den Boden wieder berühren, federst du den Schlag mit Armen und Beinen ab.

Die Landung mit dem Vorderrad zuerst ist bewusst gewollt. Diese runde Flugbahn entspricht auch der Flugbahn, wenn du über einem Jump fliegst.

bunnyhop_tutorial
Das Vorderrad zum Boden drücken, damit das Hinterrad den höchsten Punkt erreicht.

bunnyhop_tutorial
Landung abfedern. Und jetzt Freude haben!

19/01/2021

Fahrbericht: Rocky Mountain Solo 50 2021

Seit einigen Wochen bin ich Besitzer von einem Rocky Mountain Solo 50 Gravel Bike. Diese Art von Fahrrad hat in den letzten Jahren in meinem Fuhrpark gefehlt. Früher jagte ich regelmässig mit Cyclocross Bikes durch die Wälder und habe Hobbyrennen damit bestritten. Als dann der Wechsel von Cantileverbremsen auf Scheibenbremsen erfolgte, hatte ich mein Velo verkauft. Eigentlich wollte ich mir gleich wieder eines zulegen, aber damals konnten sich die Hersteller nicht auf einen einheitlichen Achs- und Bremsstandard einigen. Da ich nicht die Katze im Sack kaufen wollte, wartete ich erstmal ab, bis da Klarheit herrschte. Als das geregelt war, konnte ich mich aber nicht für ein Modell entscheiden und schob einen Kauf vor mir her. Die Zeit verging, bis diesen Herbst meine Hausmarke Rocky Mountain das neue Solo 50 in meinen Lieblingsfarben schwarz und blau präsentierte. Da musste ich zugreifen!

testbericht_rockymountainsolo502021
Mein Rocky Mountain Solo 50 custom build.


Die Ausstattung

Das Solo 50 ist solide ausgestattet für den Preis von CHF 2'299.00. Da Rocky Mountain sonst eher im höheren Preissegment angesiedelt ist, bekommt man hier eine ganze Menge für sein Geld. Wem das doch zu teuer ist, für den gibt es auch noch das darunter angesiedelte Solo 30 für CHF 1'899.00.

Herzstück des Solo ist ein 6061 Aluminium-Rahmen, welcher liebevoll verarbeitet ist. Die matte schwarz/blaue Lackierung zieht sich stimmig durch. Asymmetrische Kettenstreben sorgen für mehr Steifigkeit am Hinterbau und sie bieten Platz für bis zu 55 mm breite Reifen. Auch die massive Vollcarbon-Gabel nimmt 55 mm breite Reifen auf und wird von einem integrierten FSA Steuersatz geführt. Für Fans von kleinen Rädern, auch ein 650b x 2.2" Reifen passt rein. Die Achsaufnahmen sind für Naben mit 15x100 mm vorne und 12x142 mm hinten gedacht. Wie für Gravel Bikes typisch, gibt es ein Dutzend Ösen, Bohrungen und Löcher, um Gepäckaufnahmen, Schutzbleche, eine versenkbare Sattelstütze und bis zu 5 (!) Flaschenhalter zu montieren.

testbericht_rockymountainsolo502021
Der Rahmen ist liebevoll verarbeitet und schön lackiert.

testbericht_rockymountainsolo502021
Ich fahre 33 mm breite Reifen. Platz hat es aber bis 55 mm.

testbericht_rockymountainsolo502021
Die Vollcarbon-Gabel hat Gewinde und Löcher für Schutzblech, Gepäck- und Flaschenhalter.

Schaltung und Bremsen bestehen aus einem Mix von Shimano GRX RX400, RX600 und RX800. Es ist ein 1x11 Antrieb verbaut mit einem 40er Kettenblatt und einer 11-42 SLX Kassette. Flatmount-Bremskörper und 160 mm Bremsscheiben sorgen für eine zuverlässige Verzögerung.

testbericht_rockymountainsolo502021
Die Shimano GRX 1x11 Schaltung und meine 11-40 XT Kassette.

testbericht_rockymountainsolo502021
Der GRX Bremshebel hat eine angenehme Ergonomie.

testbericht_rockymountainsolo502021
Der GRX Flatmount-Bremskörper gepaart mit einer 160 mm Bremsscheibe.

testbericht_rockymountainsolo502021
Mein Cockpit mit Zipp Lenker und Vorbau.


Lenker, Vorbau und Sattelstütze sind Rocky Mountain Eigenmarke. Der Sattel ist von WTB. Die Laufräder bestehen aus 21 mm breiten WTB Felgen, Rocky Mountain Naben und rostfreien Stahlspeichen. Auch die Reifen sind von WTB, der Venture ist ein Semislick mit braunen Seitenwänden in Grösse 700x40C.

Das Gewicht vom Solo 50 in Grösse Medium beträgt aus der Schachtel 10,4 kg. Kein Leichtgewicht, aber der Hauptsünder dafür ist schnell gefunden: Der Laufradsatz ist mit 2'200 Gramm bleischwer... Wer noch ein bisschen Budget übrig hat, kann mit einem hochwertigeren Radsatz locker 500 Gramm einsparen.

Ich habe, wie immer, das Bike mit anderen Teilen modifiziert, um meine Sponsoren und eigenen Vorlieben zu berücksichtigen. Vor allem wollte ich aus dem Gravel Bike ein schnelles Cyclocross Bike formen. Da ich kein grosser Campingfan bin, werde ich wahrscheinlich auch nie Bikepacking betreiben. Darum habe ich alle Schrauben für die Gepäckaufnahmen entfernt und durch Gummiplugs ersetzt. Das ist leichter und sieht optisch schöner aus. Den speziellen Gravellenker und den kurzen Vorbau habe ich ausgetauscht. Ich habe einen klassischen Rennradlenker und einen längeren Vorbau von Zipp verbaut. Die Kassette habe ich ebenfalls gewechselt auf eine leichtere und kleinere 11-40 XT. Bremsscheiben und Bremsbeläge kommen von SwissStop. Der Sattel ist ein fi'zi:k Tundra, diesen haben ich auf allen meinen Bikes montiert. Bei den Laufrädern sollte man nie sparen, deshalb habe ich mich für einen Easton EA 70 SL entschieden. Mittelpreisige Alu-Räder, die aber mit 1750 Gramm fast ein halbes Kilo leichter sind als die Originalen. Bei den Reifen wollte ich mehr Grip und habe den Pirelli Cinturato Cross in 33 mm Breite gewählt. Zusätzlich habe ich die Räder auf Tubeless umgerüstet.

Mit diesen Massnahmen wiegt mein Solo 50 komplett fahrfertig mit Pedalen 9,5 kg.

testbericht_rockymountainsolo502021
Meine schnelle und leichte Cyclocross-Version vom Solo 50.


Im Gelände

Gespannt war ich auf die erste Ausfahrt mit meinem neuen Sportgerät. Kaum sass ich darauf hatte ich ein Grinsen im Gesicht. Es fühlte sich gut an und das typische Fahrverhalten von früher war auch sofort wieder präsent. Es macht einfach Spass, wenn man mit Vollgas über die Schotterwege heizt, durch tiefen Boden pflügt und genügend Grip hat, um auch einfache Singletrails zu fahren.

Seit ich das Solo besitze, herrscht in der Schweiz ein strenger Winter... Bei authentischen Cyclocross Verhältnissen habe ich meine ersten knapp 1'000 Kilometer nur im Dreck, Schlamm und Schnee zurückgelegt. Das ist zwar lustig, trotzdem freue ich mich bereits, das Velo auch bei trockenen und warmen Bedingungen ausfahren zu können.

Der Aluminium-Rahmen ist gewohnt hart und gibt die Schläge ungefiltert an den Fahrer weiter. Aber genau das macht den Reiz aus, jede Lenkbewegung und jeder Antritt wird direkt umgesetzt. Die Geometrie ist ausgewogen, der flache Steuerwinkel und der lange Radstand sorgen für Laufruhe bei hohen Geschwindigkeiten. Die Sitzposition ist trotz meinem 100 mm Vorbau immer noch angenehm, auch längere Touren sind ohne Genickstarre möglich.

testbericht_rockymountainsolo502021
Auch ohne Federung geht es locker über Stufen und Wurzeln.

Die GRX-Hebel sind ergonomisch geformt und liegen in jeder Griffposition gut in der Hand. Die Gangwechsel funktionieren knackig und dank dem Einfach-Antrieb hat man immer die richtigen Gänge bereit. Die Bremsen sind genügend stark, um auch bei steilen und unruhigen Abfahrten die nötige Sicherheit zu bieten.

testbericht_rockymountainsolo502021
Tiefflug! Die GRX Bremsen sind gut dosierbar und sorgen für Sicherheit.

Meine 1:1 Übersetzung mit der kleineren 11-40 Kassette und dem 40er Kettenblatt funktioniert mit meinen starken Beinen ganz gut. Ich habe nun schon mehrere Touren mit vielen Höhenmetern und steilen Rampen gefahren, es war alles machbar. Aber wie beim Mountainbike, ist auch hier der Einfach-Antrieb eine Kompromisssache. Auf einer abfallenden Strasse sind die Gänge zu klein, um wirklich schnell fahren zu können. Und wer gerne über Hügel und Berge fährt, der sollte sich besser die grössere 11-46 Kassette montieren.

testbericht_rockymountainsolo502021
Kurze Rampensprints - das Gerät marschiert!

Ein Kritikpunkt gibt es für der Zugverlegung vom Lenker ins Unterrohr. Obwohl ich die Kabel auf das Minimum gekürzt habe, sind sie immer wieder im Weg, wenn man den Oberlenker greift oder im Wiegetritt fährt. Hier müsste die Rahmenbohrung an einem anderen Ort platziert werden.

testbericht_rockymountainsolo502021
Kritikpunkt Zugverlegung: Mit Finger und Knie berührt man immer wieder die Kabel...

Die Pirelli Reifen fahre ich mit 2,0 bar und sie bieten ordentlich Grip auf rutschigem Boden. Trotz tiefem Luftdruck und viel Profil rollen sie erstaunlich leichtgängig. Damit kann man auch mal längere Abschnitte auf der Strasse fahren und kommt zügig vorwärts.

testbericht_rockymountainsolo502021
Meine Pirelli Reifen und Easton Räder pflügen zuverlässig durch tiefen Boden.

Bei allen meinen bisherigen Ausfahrten hatte ich unglaublich viel Freude. So ein Gravel Bike ist die pure Freiheit! Es geht hier nicht um schneller, höher, weiter und radikaler. Auch Strava Bestzeiten werden damit nicht geknackt. Es ist dieses stressfreie Cruisen durch die Natur, was ja die eigentliche Schönheit vom Radsport ausmacht. Ich habe ganz viele neue Wege und Dinge rund um mein Zuhause entdeckt, welchen ich bis jetzt gar keine Beachtung schenkte. Und man erlebt keine Konfliktsituationen wie beim Mountainbike und Rennrad, da man anderen Leuten gezielt aus dem Weg gehen kann. Zudem sind Gravel Bikes sehr wartungsarm und günstig im Unterhalt. Ab und zu putzen und die Kette ölen reichen und man ist wieder bereit für das nächste Abenteuer.

Im Nachhinein betrachtet war es ein Fehler, dass ich so lange mit dem Kauf für ein neues Gravel Bike zugewartet habe. Aber jetzt bin ich ja zum Glück wieder dabei!

testbericht_rockymountainsolo502021
Gravel heisst wortwörtlich übersetzt eigentlich Schlamm... ;-)

testbericht_rockymountainsolo502021
Mit dem Mountainbike wäre das hier langweilig... Mit dem Gravel Bike macht es Spass!

testbericht_rockymountainsolo502021
Wenig Schnee? Kein Problem!

testbericht_rockymountainsolo502021
Viel Schnee? Problem...

testbericht_rockymountainsolo502021
Das ist die pure Freiheit!


Fazit

Das Rocky Mountain Solo 50 ist ein gelungenes Gravel Bike für alle, die ein möglichst vielseitig einsetzbares Fahrrad suchen. Es ist die perfekte Ergänzung zu einem Mountainbike und/oder Rennrad, welches aber stressfreier bewegt werden kann und einfach glücklich macht. Ob es zum Bikepacking geeignet ist, das müssen die Spezialisten entscheiden. Ich habe mir mit meiner Cyclocross-Version einen schnellen Flitzer zusammengestellt, der mich hoffentlich viele Jahre zuverlässig begleiten wird. Love the ride!


Positiv:
+ schön verarbeiteter Rahmen
+ solide Ausstattung
+ viele Aufnahmen für Gepäck- und Flaschenhalter
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Negativ:
- sehr schwere Laufräder

Preis:
CHF 2'299.00

Informationen:
Rocky Mountain
CHRIS sports


testbericht_rockymountainsolo502021
Love the ride!