23.11.2017

Fahre im Regen und werde ein besserer Mountainbiker

Ich bin ein Schönwetter-Biker. Am liebsten heize ich über trockene und griffige Trails und geniesse die wärmenden Sonnenstrahlen.

Aber warum beherrsche ich mein Mountainbike in jeder Situation sicher, stürze sehr selten und fahre auf konstant hohem Niveau? Weil ich in meiner langen Laufbahn als Biker und Rennfahrer Tausende von Kilometern im Regen und auf nassen und schlammigen Trails zurückgelegt habe.

Darum gilt: Ein richtig guter Mountainbiker wird nur, wer immer wieder mal freiwillig im Regen fährt!

Bei Rennen kann man sich das Wetter nicht aussuchen... Aber dank guter Fahrtechnik kein Problem!

Man kann sich das Wetter nicht aussuchen und es kann durchaus sein, dass man während einer Biketour oder an einem Rennen von einem Unwetter überrascht wird. Wenn das der Fall ist, dann zeigt sich, wer sein Sportgerät wirklich im Griff hat und wer nicht. Da hilft nur Training!

Zugegeben, es braucht Überwindung, sich in die Bikekleider zu werfen und raus in den Regen zu gehen. Aber wenn man mal unterwegs ist und den ersten Trail unter den Rädern hat, dann ist alles vergessen. Und das „Dräckle“ macht super viel Spass! Man surft durch Pfützen, pflügt durch den Dreck und hat den Adrenalinkick auf nassen Wurzeln und Steinen.

Es braucht Überwindung... Aber sobald man auf dem Trail ist, dann ist Spass angesagt!

Und jetzt kommt der wichtigste Punkt: So ganz nebenbei kann man hervorragend seine Fahrtechnik verbessern! Das Fahren im Schlamm und auf nassen Trails bringt dir:

- mehr Selbstvertrauen auf rutschigem Boden
- mehr Gefühl für das Bike
- mehr Gefühl für die Bedienung der Bremsen
- mehr Gefühl für die Traktion der Reifen
- mehr Gefühl für das Gleichgewicht
- mehr Spass auf den Trails

Tönt gut, oder? Das Fahren bei Nässe erfordert mehr Feingefühl, was Körperhaltung, Bremsen und Treten betrifft. Aber du wirst sehen, wenn du das regelmässig trainierst, dann bist du schon bald sehr souverän im Schlamm unterwegs. Auch nasse Wurzeln und Steine solltest du genauso fahren, wie wenn es trocken ist. Du musst allerdings ein bisschen Druck von den Rädern nehmen und geschmeidig wie eine Katze über die Hindernisse rollen. Die Geschwindigkeit darf hoch bleiben, der Dreck bremst meistens sowieso automatisch.

Beim Bike-Setup muss man eigentlich nichts ändern. Man kann mit dem Reifendruck experimentieren, ein bisschen weniger Luftdruck bringt mehr Grip. Wenn man regelmässig bei schlammigen Bedingungen fährt, dann sollte man sich allerdings einen Reifen zulegen, der ein hohes und offenes Profil hat und den Dreck nicht zu fest sammelt.

Zwei Dinge gibt es zu beachten, wenn man seine Schlammkarriere starten will:

Man wird unweigerlich dreckig. Je nach Boden so richtig dreckig. Das heisst, dass nach der Ausfahrt das Bike und die Kleidung gewaschen werden müssen. Am besten geht das, wenn der Dreck noch feucht ist. Die Kleider sollte man vorher noch mit dem Gartenschlauch abspritzen, damit später nicht die Waschmaschine verstopft.

Bei der Auswahl der Tour sollte man schauen, dass man Trails fährt, die einen festen Untergrund haben. Je weicher der Boden, desto tiefer werden die Spuren, die man hinterlässt. Gerade bei künstlich gebauten Strecken ist das oft ein Problem, dass der Trail nach einer längeren Regenperiode und vielen Fahrten stark leidet. Hier ist Vernunft angesagt, schliesslich will ja jeder Mountainbiker gut gepflegte Trails fahren.

Lieber eine andere Strecke wählen! Solche Trails sollte man meiden, damit sie nicht zu fest zerstört werden.

Also, statt beim nächsten Regen faul auf dem Sofa rumliegen, Mountainbike schnappen und raus auf die Trails! Viel Spass und Erfolg im Dreck!!



Hier noch zwei Videos, die eindrücklich zeigen, wie schnell man im Regen fahren kann...



12.11.2017

Testbericht: Giro DND MTB-Handschuhe

Den richtigen Handschuh zum Biken zu finden, das kann durchaus zu einer Lebensaufgabe werden. Einerseits gibt es geschätzte 1000 verschiedene Modelle, andererseits muss man immer wieder mal wechseln, weil der Lieblingshandschuh nicht mehr produziert wird. Ich habe meinen favorisierten Handschuh vor etwa fünf Jahren gefunden: Der Giro DND.

Für jeden Arbeitstag eine andere Farbe! Meine aktuelle Giro DND Sammlung.

Beim Kauf von einem Bike-Handschuh sollte man sich Zeit nehmen und verschiedene Modelle einem Grifftest unterziehen. Schliesslich ist das der erste Kontaktpunkt zum Lenker und diesen muss man immer und den ganzen Tag fest im Griff haben.

Ich mag Handschuhe ohne Schnickschnack. Ich brauche keine Gelpolster, diese verfälschen nur das Griffgefühl. Ich brauche keine Klettverschlüsse, diese halten sowieso nie. Ich brauche keine zusätzlichen Verstärkungen auf dem Handrücken und an den Fingern, man fällt sowieso meistens auf die Handflächen.

Der Giro DND erfüllt genau meine Erwartungen. Er fühlt sich an wie eine zweite Haut, man spürt ihn fast nicht beim Tragen. Er ist bequem, leicht, dünn, griffig, luftig und aufs Minimum reduziert. Am Bremsfinger und am Daumen hat er kleine Silikonstreifen für besseren Grip am Brems- und Schalthebel. Ein Frotteeeinsatz am Daumen hilft, um sich den Schweiss aus dem Gesicht zu wischen. Mehr braucht es nicht für den perfekten Handschuh. Erhältlich ist der DND in vielen verschiedenen Farben und Grössen von XS bis XXL.

Einen kleinen Kritikpunkt gibt es allerdings, die Verarbeitungsqualität ist sehr unterschiedlich. Je nach dem wer an der Nähmaschine sitzt, kann man Glück oder Pech haben. Mein ältestes Modell ist schon seit über drei Jahren im Einsatz und hält immer noch, ein anderes hatte schon nach zwei Wochen defekte Nähte. Ärgerlich, aber normalerweise ein Garantiefall.

Der Giro DND erhält ganz klar eine Kaufempfehlung. Es ist ein griffiger, bequemer und leichter Handschuh, der genau den wichtigsten Zweck erfüllt: Mit ihm hält man den Lenker bombenfest!

Positiv:
+ bequem, leicht, dünn, griffig
+ minimalistisches Design
+ gutes Preis-/Leistungsverhältnis

Negativ:
- schwankende Verarbeitungsqualität

Preis:
CHF 39.00

Informationen:
Giro
CHRIS sports

Mein bestes Souvenir aus Utah! Der Giro DND im Moab/Poison Spider Bikeshop Design.

Investiere in deine Fahrtechnik, nicht nur in dein Bike

Viele Biker investieren regelmässig Geld und Zeit in ihr Mountainbike und ihre Ausrüstung, damit alles immer auf dem neuesten Stand ist. Wann aber hast du das letzte Mal in deine Fahrtechnik investiert?

Gut möglich, dass das schon sehr lange her ist... Das zeigen auch meine eigenen Erfahrungen, wenn ich fremde, aber auch befreundete Biker unterwegs auf den Trails sehe. Viele fahren so, wie sie schon immer fahren und man sieht überhaupt keine Fortschritte im Laufe der Zeit. Irgendwie schade, wenn man auch nach Jahren immer noch zwei Finger am Bremshebel hat, die Kurven falsch anfährt und keinen sauberen Bunny Hop springen kann.

Hast du auch 2017 immer noch zwei Finger am Bremshebel? Das ist falsch und nicht mehr nötig. Sofort ändern!

Kommt hinzu, dass sich auch die Geometrien der Mountainbikes in den letzten 2-3 Jahren stark geändert haben und daher auch der Fahrstil angepasst werden muss. Wenn du mit einem aktuellen Bike immer noch passiv fährst und bei jeder Abfahrt einfach hinter den Sattel hängst, dann funktioniert das Teil schlicht nicht richtig.

Die Rahmen werden immer länger, tiefer und flacher, die Vorbauten immer kürzer und die Lenker immer breiter. Daher müssen die heutigen Bikes aktiv, zentral (und aggressiv) gefahren werden, nur so bringst du genügend Traktion auf die Laufräder, insbesondere auf das Vorderrad. Das gilt übrigens berghoch und bergrunter.

Zentrale Position und Körpergewicht über dem Lenker. So geht das mit neuen Bikes!

Das Mountainbike kann noch so gut und die Tour noch so schön sein, ohne ausreichende Bikebeherrschung macht alles nur halb so viel Spass. Eine solide Fahrtechnik und ein richtig eingestelltes Bike helfen Stürze und Unfälle zu vermeiden, geben mehr Sicherheit und Selbstvertrauen und man ist mit mehr Freude auf den Trails unterwegs.

Bei einem Bikekurs von Fit for Trails werden dir alle diese Punkte vermittelt, damit du immer viel Spass hast und das Optimum aus deinem deinem Sportgerät herausholen kannst. Investiere darum unbedingt in deine Fahrtechnik und werde jetzt ein besserer Mountainbiker!

Wer möchte nicht auch einen sauberen Bunny Hop beherrschen? Bei Fit for Trails lernst du es!

23.10.2017

Bikeferien in Utah und Colorado 2017

Als professioneller Bikeguide bin ich in der glücklichen Lage, dass ich fast jeden Tag an den besten Orten biken kann. Es gibt aber immer noch viele Reiseziele auf dieser Welt, die auf meiner Wunschliste stehen. Als ich 1989 mit dem Mountainbiken anfing, da sah ich schon bald Fotos und Videos von irgendwelchen Typen, die irgendwo in der Wüste auf farbigen Felsen herumfuhren. Schon damals wusste ich, dass ich das auch mal erleben will. Nun, es hat volle 28 Jahre gedauert, bis ich mir diesen Bubentraum endlich erfüllen konnte! Welcome to Utah!

Ich kannte solche Bilder nur aus den Medien... Nun ging dieser Traum für mich endlich in Erfüllung!

Organisiert hat die Reise mein Kollege Roger Manser vom Move On Bikeshop in Adliswil. Er war schon mehrmals dort und ich wusste, dass er sicher ein tolles Programm zusammenstellt. Vor Ort wurden wir dann von Rim Tours aus Moab betreut, welche das Guiding und den Transport der Leute und Bikes übernahmen.

Begonnen hat unser Abenteuer in der bunten Spielerstadt Las Vegas. Dort war Treffpunkt unserer 12-köpfigen Gruppe, so konnten alle individuell anreisen. Die ersten zwei Tage haben wir uns akklimatisiert und den Jetlag verdaut und natürlich haben wir die Möglichkeit genutzt, um am Roulette-Tisch unser Reisebudget aufzustocken. Nicht alle gingen allerdings als Gewinner aus dem Casino...

Am Roulette-Tisch wurde die Ferienkasse aufgebessert! Oder auch nicht...

Am Mittwoch, 27.09.2017 haben uns die beiden Guides Matt (the Boss himself) und Reid pünktlich vor dem Hotel in Las Vegas abgeholt. Der grosse Van mit Anhänger und einer riesigen Flotte Santa Cruz Bikes auf dem Dach, sollte unser zweites Zuhause sein für die nächsten acht Tage. Wir verliessen den Bundesstaat Nevada und rollten quer durch die Wüste Richtung Utah.

Unser Taxi für die nächsten 8 Tage...

Der erste Stop war Gooseberry. Mitten im nirgendwo gibt es dort ein schönes Netzwerk an unterschiedlichen Trails. Diese Tour war vor allem zum Aufwärmen gedacht, damit wir uns an die Bikes und den steinigen und sandigen Untergrund gewöhnen konnten. Ich hatte schon nach den ersten Metern ein Grinsen im Gesicht, welches ich die während den ganzen Ferien nicht mehr wegbrachte! Einfach nur geil! Die Trails sind perfekt in die abwechslungsreiche Landschaft eingebettet. Ein erster Unterschied zu den Strecken bei uns in den Alpen ist, dass man nur mit wenig Geschwindigkeit unterwegs ist. Dafür macht man viel mit dem Momentum (das hörten wir von unseren Guides jeden Tag "it's all about the momentum!"). Will heissen, dass man immer den Schwung halten muss und viel mit dem Körperschwerpunkt und der richtigen Gangwahl arbeitet. Das ist genau die Art von Biken, die mir immer mehr gefällt. Sehr technisches Fahren, wo man viel mit dem Bike am Spielen ist. Was noch zu schaffen machte war die dünne Luft. Man war zwar in der Wüste, aber das GPS zeigte schwarz auf weiss, dass wir uns permanent auf über 1500 Metern bewegten. Das sollte sich bei allen bevorstehenden Touren auch nicht ändern, wir gingen sogar noch viel höher hinaus.

Nebst den coolen Singletracks hat vor allem die gewaltige Kulisse begeistert. Diese unglaubliche Weite, wo man den Horizont fast nicht sieht und die vielen verschiedenen Farben haben uns alle von Beginn weg in den Bann gezogen. Es ist eine komplett andere Szenerie, als wir sie von unseren Hügeln und Bergen in der Schweiz kennen. Amazing!

Die Bikes sind bereit für das grosse Abenteuer.

Ein erstes Herantasten an einen neuen und unbekannten Untergrund...

Slickrocks sind super!

Diese unglaubliche Natur und Weite. Nur schwer in Worte zu fassen.

Die erste Tour ging erfolgreich über die Bühne und wir shuttelten weiter nach Springdale, wo wir übernachteten. Am nächsten Tag folgte gleich das nächste Highlight, die Trails von Thunder Mountain am Eingang des Red Canyon. Diese Gegend kam uns allen bekannt vor, denn ganz in der Nähe findet jeweils das legendäre Rampage statt. Dort wo sich die Freeride-Profis über 10 Meter hohe Klippen stürzen, da waren wir ein bisschen gemächlicher unterwegs. Erneut ein gewaltiges Naturerlebnis mit knalligen Farben und skurillen Felsformationen. Nach der Tour machten Matt und Reid einen Lunch für uns und wir konnten uns mit selber gefüllten Fajitas den Bauch vollschlagen. Jetzt folgte der längste Transfer, eine gut 5-stündige Fahrt nach Moab. Die Autofahrt war aber sehr kurzweilig, wir klebten alle mit der Nase an der Scheibe und staunten über die kargen Steppen, welche sich mit tiefen Canyons abwechselten und dazwischen immer wieder meilenweiter Blick ins Nichts.

Thunder Mountain. Nur unweit entfernt, wo jeweils das berühmte Rampage stattfindet.

Trails, eingebettet in einer völlig surrealen Landschaft.

Ungewohnter Gegenverkehr...

Moab-Move On Einheitskleidung für den heutigen Tag.

Die Konzentration gilt dem Trail. Zum Glück gibt es Fotos, wo diese Szenerie einfangen.

Ohne Worte........

Wir sind am späten Abend in Moab angekommen und konnten uns im Hotel bequem einrichten. Hier waren wir für die nächsten fünf Tage stationiert und somit war der Stress, um mit dem gesamten Gepäck zu reisen, vorläufig vorbei. Moab ist eine kleine, malerische Stadt, eingebettet zwischen zwei hohen Felsmassiven. Der ganze Ort ist voll auf abenteuersüchtige Leute ausgerichtet. Nebst Mountainbiken kann man Klettern, Kajak fahren, Motocrossen, Buggy fahren und vieles mehr... Wir haben uns vor allem an den Bikeshops erfreut, total vier Läden sind an der langen Hauptstrasse zu finden. Ein Shoppingparadies, auch für Männer!

Gute Bikeshops gibt es in Moab jede Menge!

Am dritten Tag stand die erste Tagestour auf dem Programm. Und es sollte mein persönlicher Höhepunkt werden, das schon mal vorab. Wir fuhren wieder mit dem Shuttle in die Wüste raus, wo der nächste Trailhead auf uns wartete. Der Magnificent 7 lockte mit verschiedenen Trailabschnitten und wir wählten die längste und spektakulärste Variante aus. Da wir mit dem Auto schon viel an Höhe gewonnen hatten, begannen wir gleich mit einer superflowigen Abfahrt. Griffiger, sandiger Boden wechselte sich mit Steinen und Felsplatten ab. Von einer Kurve schossen wir in die nächste und es galt wieder, das Momentum möglichst gut zu halten. Grosses Kino! Nach gut der Hälfte der Tour und einigen Snackpausen teilten wir die Gruppe auf. Der grosse Teil entschied sich für die einfachere und direkte Rückfahrt. Ich hatte noch nicht genug und wollte natürlich die lange Runde fahren. Als Guide Reid von einem "illegal trail" und vom "most beautiful climb" zu erzählen begann, da war ich noch mehr Feuer und Flamme. Zwei Kollegen schlossen sich uns an und so machten wir uns zu Viert in Richtung höchster Punkt der Tour. Der Aufstieg war tatsächlich speziell schön! 300 Höhenmeter mussten wir zurücklegen und es ging die ganze Zeit nur über Felsplatten nach oben. Mit beinahe 100% Traktion konnten wir so richtig in die Pedalen treten und viele Passagen liessen sich nur im Wiegetritt meistern. Ein komplett anderes Fahren, als wir es uns gewohnt sind. Oben angekommen haute uns die Aussicht schlichtweg um! Wir waren auf einem dieser berühmten Rims und fuhren messerscharf der Kante entlang. Unter uns brach die Felswand senkrecht nach unten, nichts für schwache Nerven. Bei einigen Stellen stiegen wir aber vernünftigerweise auch ab und schoben die Bikes. Gemäss Guide sind schon einige übermütige Draufgänger nie mehr von dieser Tour zurückgekehrt... Einige Actionfotos mussten wir aber dennoch schiessen, diese atemberaubende Kulisse liessen wir uns nicht entgehen. Nach einer weiteren Snackpause (solches Biken braucht ganz schön Körner) nahmen wir die Abfahrt in Angriff. Es ging über den berühmten Portal, einer der bekanntesten und berüchtigsten Trails. Super technisches Gelände, über hohe Absätze und steile Felsen rauf und runter, viele Spitzkehren zum Hinterrad versetzen, ein Spielplatz mit unbegrenzten Möglichkeiten! Ich war froh um meine sehr gute Fahrtechnik, so konnte ich fast alle Stellen fahren und viele kleine Erfolgserlebnisse feiern. Die eine oder andere Mutprobe war auch dabei, Guide Reid zeigte jeweils, dass es machbar ist und so konnte ich mir keine Blösse geben. Der absolute Killer, eine der besten Touren, die ich je in meinem Bikerleben je gefahren bin!!

Zuerst das Essen, dann das Vergnügen!

Die Guides kümmerten sich um die Bikes und wir schmierten unsere Sandwiches...

Neue Region und neue Landschaft. So vielfältig ist Utah!

Einmal mehr, zum Glück gibt es Fotos, die zeigen, was hinter dem Rücken alles so abläuft!

Dieser Teil heisst Gemini Bridges. Die Natur hat "Zwillingsbrücken" in den Fels gefräst.

Momentum heisst das Zauberwort. Schwung, Gangwahl und Körperhaltung sind der Schlüssel zum Erfolg!

Der lange Aufstieg zum Portal. 100% Fels, 100% Traktion!

Wie im Western Film, einfach mit einem zweirädrigen Pferd.

Da weiss man wieder, wofür man eigentlich lebt!

Ein bisschen schwindelfrei sollte man sein, wenn man in Moab biken geht...

Laufen ist keine Option... Also muss man springen!

Wer Drops liebt, der kommt hier voll auf seine Kosten!

Felsig, steil und anspruchsvoll. Genau so muss es sein!

Am Abend liessen wir dann in der Moab Brewery bei Burger, Steaks und Bier den Tag nochmals Revue passieren. Alle waren sich einig, das war ein unvergleichliches Erlebnis. Die Speicher waren danach wieder gefüllt und wir waren bereit für die nächsten grossen Taten.

Gleicher Ablauf wie jeden Tag, der Shuttle holte uns vor dem Hotel ab und fuhr uns wieder in die Wüste raus. Heute waren die Horsethief Trails an der Reihe. Wir starteten erneut höher als das Ziel war, das konnte wieder nur lustig werden! Was weniger lustig war, war der Himmel, der immer schwärzer wurde. In der Ferne hörten wir bereits das Donnergrollen und sahen Blitze und Regenschleier. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis uns das Unwetter einholen würde... Unsere Guides entschieden sich dennoch für die Durchführung der Tour. Also los! Keine 10 Minuten später war es soweit, der Regen prasselte auf uns nieder. Wir waren glücklicherweise ganz in der Nähe von einem Campingplatz und konnten dort Unterschlupf finden (es passen übrigens 14 Leute in ein WC-Häuschen!). Nach wenigen Minuten war der Spuck vorbei und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Wer jetzt denkt, der Regen hätte uns die Tour versaut, der irrt. Es war sogar ein Glücksfall für uns, wie uns die Guides später erzählten. Niederschläge in der Wüste sind ganz selten und wenn es doch mal passiert, dann spielt sich ein ganz spezielles Phänomen ab. Das Wasser sammelt sich in all den Rinnen und wir zu einem Bach zusammengeführt, welcher dann über die Felsplatten runter läuft. Wasserfälle mitten in der Wüste! Das erlebt man angeblich nur 1-2 Mal im Jahr und wir waren mittendrin. Die Fotokameras glühten, wir alle wollten dieses Spektaktel festhalten. Mit einiger Verzögerung ging es weiter. Der leicht aufgeweichte Boden bot perfekten Grip und sogar die Steinplatten waren nicht sehr rutschig. Wieder ein völlig anderes Fahrgefühl, als bei uns zu Hause. Kaum waren unsere Kleider wieder trocken, fielen die nächsten Regentropfen auf uns runter. Es ging wieder von vorne los, das nächste Gewitter hatte uns eingeholt! Wir suchten Schutz und fanden diesen unter Felsvorsprüngen. Die Guides Matt und Reid entschieden sich unter die Bäume zu stehen, bei Blitz und Donner konnten wir darüber nur den Kopf schütteln. Andere Länder, andere Entscheidungen... Auch dieses Donnerwetter ging glimpflich vorüber und auf einmal zeigte sich die Sonne und die Wolken machten dem blauen Himmel Platz. Der letzte Teil der Tour war dann wieder traumhaft schön, die farbigen Felsen und die grünen Büsche gaben einen starken Kontrast. Wir tobten uns auf den riesigen Slickrocks aus und fuhren rundenlang im Kreis, geile Sache! Wiederum ein super Tag, den wir erleben durften und der wohl ewig in Erinnerung bleiben wird.

Hmmm.... Ob das gut kommt?!

Kaum gestartet gab Petrus eine erste Kostprobe...

Unterschlupf für 14 Personen. WC-Häuschen in der Wüste sind super!

Wenn sich die Wüste in eine grosse Pfütze verwandelt...

Wasserfälle! Einige Leute warten ihr ganzes Leben auf diesen Moment... Wir waren mittendrin!

Nach dem Regen ist vor dem Regen...

Gibt es kein WC-Häuschen, bietet auch ein Felsvorsprung Schutz...

Das wars. Regenkleidung wieder einpacken und Sonne geniessen!

Und wieder ein Stück atemberaubende Natur!

Ein riesiger Spielplatz!

Natürliche Wallrides sind das Beste!

Am nächsten Morgen stand der nächste Höhepunkt auf dem Programm (man merkt es, wir gingen von einem Highlight zum nächsten!). Der weltberühmte The Whole Enchilada Trail wartete auf uns. Das ist das Aushängeschild von Moab, unterteilt in verschiedene Trailabschnitte wie Hazard, Kokopelli, UPS, LPS, Porcupine, usw. Leider konnten wir nicht von ganz oben starten, der gestrige Regen hatte auch Schnee gebracht. Wir verpassten so ca. 300 Höhenmeter, aber kein Problem, es gab auch so noch jede Menge Trailkilometer. Die Landschaft war nun wieder komplett anders, sagen wir mal ziemlich europäisch. Wir starteten auf 2900 Metern oben und standen mitten in riesigen Laubwäldern. Der Boden war erdig und griffig, genauso, wie wir es kennen. Die sehr dünne Luft war nun wieder der grösste Gegner, wir pfiffen beim ersten Aufstieg aus allen Löchern. Zum Glück ging es bald in die erste Abfahrt. Optisch ein Leckerbissen, wir hatten den perfekten Indian Summer, welcher für Bilderbuchfotos sorgte. Nach dem ersten Waldabschnitt ging es ins offene Gelände, wo sich der Trail schön den Hang hinunterschlängelte. Das erste Mal waren wir richtig schnell unterwegs, dazu kamen noch viele spitzige Steine, die dem ganzen noch mehr Würze verliehen. Aber immer noch sehr ähnlich zu fahren, wie bei uns in den Alpen. Nach diesem Abschnitt war wieder Snackpause angesagt (die Amis lieben Snääääcks!). Und gleichzeitig änderte sich auch die Optik und das Gelände wieder. Wir waren zurück auf dem bekannten rötlichen Boden und der Trail war gewohnt langsam und sehr technisch. Erneut führte der Weg an einer Felskante entlang, man war hin und her gerissen mit der Konzentration auf den Trail und dem Ausblick auf die fantastische Landschaft. Eine Kulisse wie aus einem Westernfilm, so musste also John Wayne unterwegs gewesen sein, nur hatte der sein Pferd und wir unsere Mountainbikes. Nachdem wir diesen Teil hinter uns hatten, ging es auf einem breiteren Weg weiter. Dieser war aber keineswegs einfacher zu fahren, immer wieder brach dieser auf einmal unter den Rädern weg und man war wieder einen halben Meter hoch in der Luft. Ich möchte gar nicht wissen, wie hier Leute unterwegs sind, die keine gute Bikebeherrschung besitzen (und davon gab es einige...). Mir machte es jedenfalls Spass, mit einer aktiven Fahrweise reihte sich so Sprung an Sprung und das Momentum war wie immer auch gefragt. Der Schlussteil war wieder etwas für das Auge, auf einmal fuhren wir in ein Tal hinein und unter uns floss der mächtige Colorado River. Diesem folgten wir bis zum Ende der Tour, der Trail schlängelte sich schön oberhalb entlang, bis wir auf Flusshöhe rauskamen. Abermals top!

Der weltberühmte The Whole Enchilada. Total 45 Kilometer Trailgenuss!

Viel grün und dichte Laubwälder. Und das auf über 2900 Metern wohlgemerkt.

Indian Summer at its best!

Offenes Gelände und Highspeed im oberen Teil des Trails!

Und hier ist sie wieder, diese unglaubliche Weite!

Auch Kultur und Geschichte wurde uns vermittelt. Hier ein alter Indianer Schlafplatz mit Wandinschriften.

Heute schon gedropt?!

Huck to flat... Federweg ist zum Gebrauchen da!

Die Natur schafft es immer wieder selbst sich zu überbieten!

Oberhalb vom mächtigen Colorado River.

Eisgekühlte Getränke am Schluss der Tour. Und nicht vergessen: Ride a fucking Bike!

Das Nachtessen hatten wir uns mehr als verdient, dies war die längste Tour der ganzen Woche. Müde und glücklich sprangen wir ins Bett und freuten uns bereits auf das nächste Highlight. Als der Wecker klingelte kam kurz darauf der Frust. Es regnete in Strömen und die Temperatur war im Keller... Das kann doch nicht sein dachte ich mir, es regnet nur ganz selten in Moab und genau in meinen Ferien spielt das Wetter nicht mit (nun weiss ich allerdings, wie sich jeweils unsere Gäste in der Toscana fühlen, wenn wir mal einen Regentag einziehen. Wenn man wegen dem Biken irgendwo hinreist, dann hat schlechtes Wetter einfach keinen Platz...). Wie auch immer, man kann es nicht ändern und nach einer Gruppenbesprechung wurde einheitlich entschieden, dass wir die Bikes heute stehen lassen. Mir war es auch recht, denn als selbständiger Bikeguide habe ich auch in meinen Ferien keine Ruhe und es hatte sich einiges an Büroarbeit angestaut (an dieser Stelle ein grosses Dankeschön an alle Interessenten, die auch im Herbst immer noch Bikekurse buchen möchten!). So gab es einen Büro- und Shoppingtag für mich. Am späteren Nachmittag haben sich dann drei Jungs doch noch auf die Räder geschwungen und eigenhändig die legendären Slickrock Trails abgefahren. Auf diesen farbigen Felsformationen hat das Biken in Moab begonnen, bereits in den frühen Achtzigerjahren haben sich dort die Urväter von unserem Sport ausgetobt.

Schlechtwetterprogramm... Bikehelme haben wir schon, also probieren wir Comboyhüte!

Unsere drei Jungs auf den legendären Slickrock Trails!

Im Wiegetritt steil berghoch? Kein Problem auf den Slickrocks!

Und immer schön den Markierungen am Boden entlang fahren! Sonst droht Absturzgefahr...

Neuer Tag, neues Glück! Und siehe da, als ob nichts gewesen wäre hatten wir wieder super Wetter und angenehme Temperaturen. Die Guides fuhren uns erneut zu den Horsethief Trails, dieses Mal aber auf der anderen Seite des Gebiets. Es war zugleich unsere letzte Tour und so hiess es nochmals Vollgas zu geben. Es gab wieder ein Trailfeuerwerk mit ganz viel Abwechslung. Leider viel zu kurz, niemand wollte, dass es wirklich schon zu Ende ist... Abklatschen und Koffer packen! Zum Abschluss gab es nochmals einen Snack auf dem Firmengelände von Rim Tours, wo wir uns gleichzeitig noch mit Goodies und Souvenirs eindecken konnten.

Der letzte Tag in Moab begrüsste uns mit perfektem Wetter!

Eine Traverse im Felsen und fahrbar wie auf Schienen. Cool!

Noch ein letztes Mal auf den Slickrocks rumspielen!

Der Reifen ist am Ende, Zeit für die Heimreise....

Vielen Dank Rim Tours!!

Matt hat uns danach alle nach Grand Junction gefahren, wo wir das letzte Mal gemeinsam ein feines Nachtessen genossen haben. Am nächsten Morgen trennten sich unsere Wege und es hiess Abschied nehmen. Die einen gingen weiter nach Boulder, die anderen nach New York und ich hatte auch noch etwas spezielles geplant.

Mit dieser Reise konnte ich mir nämlich gleich zwei Träume erfüllen! Der eine war das Biken in Utah. Der andere war der Besuch von Moots Cycles in Steamboat Springs in Colorado. Die, die mich gut kennen wissen, dass ich bereits seit acht Jahren mit einem exklusiven Titanium-Rennrad von Moots meine Kilometer auf den Strassen abspuhle. Der Zeit- und Routenplan ging perfekt auf, so dass ich Moots einen Besuch abstatten konnte. Was ich dort alles erlebt habe, das kannst du in diesem Blog nachlesen. Es war noch das i-Tüpfelchen, nun waren meine Ferien perfekt!

Zum Abschluss meiner USA-Reise besuchte ich Moots Cycles in Steamboat Springs. Der krönende Abschluss!

Einblick in die Rahmenproduktion...

... und gemeinsame Ausfahrt mit den Moots Mitarbeitern!

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei Sheriff/King Roger für die Organisation der Reise bedanken. Und bei Rim Tours für das Guiding und die Betreuung unterwegs. Und natürlich bei allen meinen Bikefreunden, mit denen ich eine supertolle Zeit verbringen durfte.

Man hat es wahrscheinlich in diesem Blog gemerkt, die ganze Reise war sehr emotional für mich und ich war einfach unendlich glücklich und dankbar, dass ich das erleben durfte. Zugegeben, es kullerte auch die eine oder andere Freudenträne über meine Wangen. So lange hatte ich mich auf diesen Moment gefreut, der nun endlich wahr wurde! Es wurde mir einmal mehr klar, wie viel mir der Bikesport bedeutet. Er ist nicht nur mein Beruf, er ist mein Leben!

Danke Utah! Ich komme wieder!!

Zum Schluss noch ein paar Tipps für alle, die auch mal das Abenteuer Utah und Moab erleben möchten:
  • Es lohnt sich, die Biketouren mit den Guides vor Ort zu machen. Die Trails sind zwar alle gut ausgeschildert und es gibt auch überall Bikekarten zu kaufen. Ich sage das jetzt nicht, weil ich selber Bikeguide bin, aber die Vorteile einer geführten Biketour überwiegen einfach. Wenn jemand voraus fährt, der das Gelände genau kennt, kann viel flüssiger gefahren werden und die bösen Überraschungen bleiben auch aus. Kommt hinzu, dass die Guides immer wieder "bonus lines" einbauten, oft gab es einige Meter neben dem offiziellen Trail noch weitere Linien mit Sprüngen und Drops. Das hätte man selber nie gesehen und wäre einfach daran vorbeigefahren. Zudem haben uns die Guides super verpflegt, jeden Tag wurde eine Sandwich Station aufgebaut, wo wir uns bedienen konnten und für unterwegs konnten wir Energieriegel einpacken. Und natürlich war auch der Shuttledienst ein dankbarer Pluspunkt, sonst wären wir nie alle gleichzeitig zu den Trails gekommen.
  • Fahrtechnisch sollte man sein Bike sicher beherrschen. Das Gelände ist nicht vergleichbar mit europäischen Verhältnissen. Obwohl alle Trails künstlich angelegt wurden, sind sie sehr natürlich geblieben. Es ist steinig, sandig, steil, verblockt und der Boden besteht aus den unterschiedlichsten Materialien. Zudem sollte man Kondition und Kraft für mehrstündige Ausfahrten mitbringen. Kilometer- und Höhenmetermässig sind die Touren eher kurz (zwischen 20-45 km und 200-800 hm pro Tag), aber die steilen und abwechslungsreichen Trails verlangen immer volle Konzentration und viel Körpereinsatz.
  • Die beste Reisezeit ist der Spätsommer und Herbst. Wettermässig kann theoretisch das ganze Jahr gefahren werden, es gibt nur wenig Niederschlag und Schnee ist nur in hohen Lagen zu erwarten. Im Winter sind die Temperaturen allerdings tief und im Sommer dafür sehr heiss. Der Monat September ist wohl ideal.
  • Man sollte sich mindestens zwei Wochen für den ganzen Trip einplanen. Zum Biken gibt es unzählige Möglichkeiten, wir haben auch noch lange nicht alles gesehen. Moab ist sicher die Hauptattraktion, aber im Umkreis von 100 Meilen sind noch ganz viele andere gute Spots zu finden.
  • Das eigene Mountainbike kann man mit gutem Gewissen zu Hause lassen. Einerseits ist die Reiserei mit dem Bike immer sehr mühsam und kostspielig, andererseits ist das steinige und sandige Gelände ziemlich materialmordend. Alle Bikeshops und Tourenanbieter vermieten hochwertige Bikes, die keine Wünsche offen lassen. Rim Tours hat eine grosse Santa Cruz Flotte und alle Bikes wurden im Vorfeld schon auf uns eingestellt. Ein sehr vorbildlicher Service.

Infos:
Rim Tours
Utah Mountainbiking
Move On Bikeshop