14. September 2017

Mehr Progression für Fox Float Dämpfer

Fährst du einen Fox Float Dämpfer an deinem Mountainbike, der zu linear abgestimmt ist? Kein Problem, mit einem Fox Tuning Kit verhilfst du deiner Federung kinderleicht zu mehr Progression.

Die heutigen Bikes mit viel Federweg werden normalerweise ziemlich hart und aggressiv gefahren. Da ist es sinnvoll, wenn der Dämpfer progressiv abgestimmt ist, damit man nicht zu fest durch den Federweg sackt. Bei meinem neuen Rocky Mountain Altitude Carbon 70 (Fahrbericht siehe hier) war der vom Werk gelieferte Dämpfer zu linear, darum musste eine Lösung her.

Zum Glück gibt es hier Abhilfe seitens Fox, mit dem Float Air Spring Volume Tuning Kit (Part-no. 803-00-612) kannst du deinen Dämpfer im Handumdrehen tunen. Mit ein bisschen technischem Verständnis kann man die Arbeit selber ausführen und sonst kann der Fachhändler sicher helfen. Die ganze Arbeit dauert nur ca. 15 Minuten.

Hier die Schritt für Schritt Anleitung:

Dämpfer ausbauen, vorsichtig im Schraubstock einspannen und die Luft komplett ablassen.

Der Fox Float Air Spring Volume Tuning Kit mit verschiedenen Spacern und Schmieröl (Part-no. 803-00-612).

Dämpfer aufschrauben, gewünschte Spacer-Grösse einsetzen, Schmieröl einfüllen und wieder zuschrauben.

Welche Spacer-Grösse du wählst, musst du selber entscheiden. Im meinem Fall habe ich einen doppelt so dicken Spacer genommen, wie original drin war und den gleichen Luftdruck gepumpt. Die erhöhte Progressivität war sofort spürbar. Eine ausgiebige Testfahrt wird zeigen, ob das Setup so in Ordnung ist, oder ob sogar ein noch grösserer Spacer verwendet werden muss.

Viel Spass beim Tuning und gute Fahrt!

28. August 2017

Fahrbericht: Rocky Mountain Altitude Carbon 70

"Das Leben ist zu kurz, um schlechte und hässliche Bikes zu fahren".
Das haben sich wohl die Leute von Rocky Mountain gedacht, als sie das neue Altitude konstruierten und designten.

Auf das neue Altitude habe ich mich schon lange gefreut, denn es ist keine Überarbeitung des bestehenden Modells, sondern es wurde ein komplett neuer Rahmen entworfen. Seit 2013 bin ich auf verschiedenen Altitudes unterwegs, nebst meinem Rocky Mountain Thunderbolt BC Edition.

Rocky Mountain steckt das Altitude in die Kategorie "Aggressive Trail". Für mich ist es einfach ein Mountainbike, das sehr vielseitig einsetzbar ist und extrem viel Spass bietet. Ich bin kein Freund der Schubladisierung von Biketypen, den es nimmt einem die Freiheit und Entscheidung oft vorweg, mal ein anderes Bike zu probieren. Ich nenne mich Tourenbiker, auch wenn ich jetzt ein Bike fahre, mit dem man problemlos Enduro-Rennen gewinnen kann. Testet daher unbedingt auch mal Bikes, die vielleicht nicht eurem Fahrstil und Einsatzgebiet entsprechen, ich bin mir sicher, ihr werdet trotzdem begeistert sein.

Seit einigen Wochen sind die 2018 Altitude Modelle in der Schweiz lieferbar. Die Palette reicht vom günstigen Einsteigerbike Alloy 30 bis zum Luxushobel Carbon 90. Man kommt also mit jedem Budget in den Genuss der Altitude Qualitäten.

Ich habe mich für das Carbon 70 entschieden, welches in zwei Farben (ein wunderschönes türkis/weinrot und ein etwas biederes grau/schwarz/rot) und zwei Ausstattungen (komplett Shimano XT und Shimano XT Bremsen/Sram Eagle GX Schaltung) lieferbar ist. Mein Altitude entspricht nicht mehr genau der Originalkonfiguration, dazu später mehr.

Rocky Mountain Altitude Carbon 70 in der Originalkonfiguration (ausser den Onza Reifen).

Zum Vergleich und zur Erinnerung: So hat das alte Altitude ausgesehen.


Die Ausstattung


Das Herzstück ist der Rahmen, welcher 150 mm Federweg bietet und auf 27.5" Laufrädern fährt. Die Geometrie wurde den neuen Trends angepasst, das heisst, das Oberrohr/der Reach wurden länger, der Lenkwinkel wurde flacher, das Tretlager wurde tiefer und die Kettenstreben wurden kürzer. Die Verarbeitung ist wunderschön, nebst der auffälligen Farbe gibt es jede Menge Detaillösungen, mit welchen man sich von den Mitbewerbern abhebt. Die Schwingenlager an der Kettenstrebe sind von aussen nicht sichtbar. Die Bremsaufnahme ist auf 180 mm ausgelegt, es braucht keinen zusätzlichen Bremsadapter. Die Brems- und Schaltkabel sind komplett innenverlegt und dank grossen Öffnungen sind diese gut zugänglich. Eine kleine Kettenführung (nur 25 g inkl. Schrauben) hält die Kette immer auf dem Blatt. Im Unterrohr kann eine Shimano Di2 Schaltung versorgt werden und sogar für Fox Live (elektronisches Fahrwerk) sind schon Öffnungen und Löcher vorgesehen. Der Rahmen ist mit sämtlichen aktuellen Standards ausgestattet und für die nähere Zukunft ausgelegt. Auch die bekannte Geometrieverstellung Ride-9 ist wieder an Bord, mit welcher man Lenkwinkel, Tretlagerhöhe und Federkennlinie einstellen kann.

Die kleine und leichte Kettenführung hält die Kette sicher auf dem Blatt.

Die Scheibenbremsaufnahme für 180 mm Scheiben und die versteckten Schwingenlagerdrehpunkte.

Die Ride-9 Geometrienverstellung. Hier eingestellt für den flachsten Steuerwinkel und ein tiefes Tretlager.

Vier Hebel, vier Kabel. So muss ein aufgeräumtes Cockpit aussehen!


Die übrige Ausstattung ist, wie bei Rocky Mountain üblich, grundsolide und für einen möglichst unbeschwerten Trailgenuss vorgesehen. Es werden nur Komponenten verbaut, welche sich schon tausendfach bewährt haben und einem im Normalfall nie im Stich lassen.

Die Federgabel ist eine Fox 36 Float EVOL FIT4 Performance Elite mit 160 mm Federweg. Der Dämpfer kommt ebenfalls von Fox, ein Float DPS EVOL Performance Elite, welcher 150 mm Federweg am Heck bietet. Die Laufräder bestehen aus 27.5" NoTubes Flow Felgen mit einer DT Swiss 370 Hinterradnabe und einer Rocky Mountain Vorderradnabe, beides mit Boost-Standard. Maxxis Minion Reifen sorgen für guten Grip. Die Bremsen liefert Shimano, mit der Deore XT und 180 mm Bremsscheiben kann man seine Geschwindigkeit jederzeit zuverlässig kontrollieren. Für knackige Schaltvorgänge ist die neue Sram Eagle GX zuständig, welche mit 12 Gängen immer die richtige Übersetzung bereithält. Die Vario-Sattelstütze ist eine Fox Transfer mit 150 mm Hub. Der Lenker kommt von Race Face mit einer Breite von 780 mm und der Vorbau ist von Rocky Mountain mit einer Länge von 50 mm. Der Steuersatz ist von FSA, die Lenkergriffe von Rocky Mountain und der Sattel von WTB.

Und nun kommen wir zu meiner speziellen Ausstattung. Ich habe an meinem Bike einige Teile gewechselt, damit es meine persönlichen Vorlieben erfüllt. Ich bin in diesem Punkt ein wenig konservativ... Nicht, dass ich auf altes Zeugs stehe, ganz im Gegenteil. Aber ich habe in meinen fast 30 Bikerjahren schon zu viel erlebt und darum verbaue ich nur noch Material, vom dem ich weiss, dass es perfekt für mich passt.

Die Fox 36 habe ich gegen eine Rock Shox Pike ausgetauscht. Leider hatte ich mit Fox Gabeln in den letzten Jahren schlechte Erfahrungen gemacht und als ich zum ersten Mal vor 3 Jahren eine Pike fuhr, da war klar, wie eine Federgabel funktionieren muss. Darum habe ich die neue Pike 2018 mit ebenfalls 160 mm Federweg eingebaut. Diese ist auch noch gut 150 g leichter, ein angenehmer Nebeneffekt.

Die Sram Eagle GX Gruppe habe ich ebenfalls abgeschraubt und eine klassische Sram X01 mit 11 Gängen und 10-42 Kassette montiert. Ich sehe momentan noch keinen Grund, um 12 Gänge und 500% Bandbreite zu fahren. Die Sram X01 hat mich schon in den letzten Jahren immer treu begleitet und ich kam dank starker Beine auch die steilsten Anstiege hoch. Ich fahre ein 30er Kettenblatt (notfalls auch 28 Zähne) vorne und so bietet sich eine optimale Abstufung.

Die Laufräder habe ich auch gewechselt. Bei den Laufrädern habe ich in den letzten Jahren wohl so ziemlich jedes Fabrikat gefahren, alle hatten früher oder später starkes Lagerspiel oder der Freilauf versagte seinen Dienst. Seit einiger Zeit fahre ich an meinen anderen Bikes Laufräder von Syntace und mit diesen hatte ich auch nach tausenden von Kilometern keine Probleme. Also war klar, dass auch mein neues Altitude wieder damit bestückt wird. Ich wählte die Syntace W35 MX, welche breiter und leichter sind, als die originalen NoTubes Flow.

Stichwort Laufräder bzw. Rahmen/Gabel, hier gibt es einen ersten Kritikpunkt, was die Spezifizierung betrifft. Am Bike gibt es nur geschraubte Radachsen vorne und hinten. Das heisst, zum Rad ein- und ausbauen muss jedes Mal ein 6 mm Inbusschlüssel in die Hand genommen werden. Für mich als Bikeguide, der das Bike jeden Tag mehrmals ins Auto lädt oder auch mal in der Tasche im Zug transportiert, ist das äusserst mühsam. Hier wollte man am falschen Ort ein paar Gramm sparen... Zum Glück konnte ich dieses Problem mit dem Wechsel der Federgabel gleich lösen, die Rock Shox Pike hat einen herkömmlichen Schnellspanner.

Ansonsten wechselte ich wegen meinen Sponsoren noch Reifen und Bremsbeläge/Scheiben. Bei den Reifen vertraue ich schon seit Jahren auf die Schweizer Gummis von Onza, der Ibex 27.5x2.4 ist ein super Allroundreifen, welcher immer genügend Grip bietet. Die Bremsbeläge und Bremsscheiben sind von SwissStop, die neuen Catalyst Scheiben mit 200 mm vorne und 180 mm hinten und die EXOTherm Beläge bieten brachiale Verzögerung.

Den Vorbau habe ich um 10 mm verlängert, ich fahre nun ein Race Face Turbine mit 60 mm. Obwohl das Bike insgesamt länger wurde, war es mir mit dem 50 mm Vorbau zu kurz, vor allem beim Berg hochfahren stimmte die Position nicht richtig.

Platz nehme ich auf einem alten fi'zi:k Tundra, welcher mich schon jahrelang begleitet. Mein Hintern und der Sattel haben sich schon so fest aneinander gewöhnt, ich kann wohl nie mehr ein anderes Modell fahren.

Das Gewicht vom Bike liegt übrigens komplett fahrfertig bei 13,1 kg in Grösse Medium in der Originalkonfiguration. Mein Altitude konnte ich um 400 g abspecken und bin so bei guten 12,7 kg gelandet.

So sieht meine abgeänderte Version vom Altitude Carbon 70 aus. Wunderschön, oder?

Das Bike punktet mit einem steifen Rahmen, moderner Geometrie und bewährten Komponenten.


Der Fahrbericht


Als alter Altitude Fahrer war ich natürlich besonders auf die erste Ausfahrt gespannt. Konnte das Bike wirklich noch besser werden? Ja, es kann und wie!

Zuerst zum meinem Setup: Bei 1.77 cm und 69 kg fahre ich die Rock Shox Pike mit 55 PSI und 1 Token drin. Den Fox Dämpfer habe ich auf 165 PSI gepumpt. Das Ride-9 fahre ich in der flachsten und tiefsten Einstellung.

Meine ersten Testfahrten fanden gleich bei schwierigen Bedingungen statt. Mein Haustrail war nass und schlammig vom Regen am Vorabend. Aber kein Problem, das Altitude lässt sich auch bei schmierigen Verhältnissen sicher steuern. Zwei Tage später ging es dann nach Crans-Montana, wo wir unser Enduro-Bikeweekend durchführten. Während drei Tagen wurden 3000 Höhenmeter aufwärts und 9000 Höhenmeter runter absolviert. Der Härtetest war erfolgreich!

Schon beim ersten Antritt merkt man die Steifigkeit des Rahmens. Dank kurzer Umlenkhebel und einer kompakten Bauweise geht das Bike richtig gut vorwärts. Trotz 160/150 mm Federweg klettert das Bike wie eine Gemse den Berg hoch. Das Vorderrad liegt gut am Boden, mit zusätzlichem Druck auf den Lenker kann man selbst steilste Anstiege problemlos meistern.

Beim Downhill spielt das Altitude dann seine komplette Stärke aus. Wie schnell das Bike wirklich ist, hat kürzlich auch der Rocky Mountain Teamfahrer Jesse Melamed bewiesen, der souverän das Enduro World Series Rennen in Whistler gewonnen hat.

Es ist eine Freude, wie unbeschwert sich das Altitude durch schwieriges Gelände schlängelt. Man steht schön zentral im Bike drin und hat so immer die volle Kontrolle. Dank kurzer Kettenstreben sind Bunny Hop und Manual spielend leicht machbar. Schnelle Richtungswechsel gehen ebenfalls locker von der Hand, ja man kann das Bike so richtig aggressiv in die Kurve schmeissen. Auch bei hohen Geschwindigkeiten und Sprüngen hält das Altitude sicher die Spur, der lange Radstand gibt einem ein vertrautes Gefühl.

Ein kleiner Kritikpunkt gibt es zur Abstimmung vom Fox Dämpfer. Der Dämpfer federt zu linear. Trotz viel Luftdruck und wenig Sag, ab Mitte des Federwegs fällt der Dämpfer durch und man braucht bei grösseren Schlägen gleich den gesamten Federweg. Das lässt sich aber beheben, der Fox-Service bietet dickere Shims, damit man die Luftkammer verkleinern kann und der Dämpfer progressiver wird.

Überzeugt hat dafür die Fox Transfer Sattelstütze. Der Seilzug läuft sehr geschmeidig, der Sattel fährt schnell hoch und runter. Mit einem lauten "Klack" weiss man auch immer, dass der Sattel wieder in der höchsten Position ist. Im Vergleich zu Rock Shox Reverb, KS Lev oder Race Face Turbine setzt die Fox Transfer hier neue Massstäbe.

Die restlichen Komponenten erledigen ihren Job unauffällig und zur vollsten Zufriedenheit.

Flowige Trails machen mit dem Altitude genau so viel Spass, wie... 

... verblockte, steile und steinige Downhills, 

Drops schluckt das Fahrwerk locker weg. 

Trotz viel Federweg sind auch steile Anstiege problemlos machbar. Das Altitude klettert wie eine Gemse!



Fazit


Mit dem neuen Altitude ist Rocky Mountain der ganz grosse Wurf gelungen! Es ist ein "eines für alles" Bike, mit dem man schnell die Hausrunde fahren, aber auch Alpenüberquerungen und einen Abstecher in den Bikepark vornehmen kann.

Punkten kann das Bike mit einem hervorragenden Fahrwerk, mit einer guten Ausstattung und mit einem wunderschönen Design. Mit einem Preis von CHF 6'299.00 ist man zudem voll konkurrenzfähig mit anderen grossen Herstellern.

Für alle Biker, die immer noch das Gefühl haben, sie brauchen möglichst wenig Federweg: Diese Meinung muss man überdenken! Auch ich musste das tun. Das neue Altitude (und auch Bikes anderer Hersteller) zeigt, wo der Weg hinführt. Viel Federweg bedeutet heute nicht mehr lästig, träge und schwer, sondern puren Fahrspass, egal ob rauf oder runter. Und man kann sich auch mal einen Fahrfehler erlauben, bevor man in die Büsche fliegt, bringt einem das Bike wieder sicher zurück auf den Trail. Probiert es aus!

Hier ein Video, wo gut sehen sehen, was mit dem Bike alles machbar ist! Egal ob rauf oder runter, schnell oder langsam, steil oder flach, verblockt oder flowig, das Altitude gibt einem auf jedem Trail immer ein sicheres Gefühl. Love the Ride!



Positiv

+ Top Fahrwerk
+ hohe Rahmensteifigkeit
+ alle aktuellen Standards an Bord
+ solide Ausstattung
+ wunderschönes Design

Negativ

- keine Schnellspanner vorne/hinten
- Fox Dämpfer ist zu wenig progressiv abgestimmt

Preis

CHF 6'299.00 (Altitude Carbon 70 mit Sram/Shimano)

Informationen

Chris Sports
Rocky Mountain

21. Juli 2017

Wenn die Mountainbike Lenker zu breit werden

Fährst du einen 800 mm breiten Bikelenker, bist 1.95 Meter gross oder Downhillrennfahrer? Dann ist das in Ordnung und du musst nicht mehr unbedingt weiterlesen.

Für alle anderen lohnt es sich, sich mit dem Thema Lenkerbreite gründlich auseinanderzusetzen. Weisst du überhaupt, wie breit dein Lenker ist? Wahrscheinlich nicht, oder? Die Lenkerbreite und die Anordnung des Cockpits zählen zu den wichtigsten Einstellungen am Mountainbike. Je nach Körperbau, Fahrstil und Einsatzgebiet müssen daher Anpassungen vorgenommen werden.

An meinen Fahrtechnikkursen sehe ich immer öfters Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die zu breite Lenker fahren und so das Potenzial von ihrem Bike deswegen nicht ausschöpfen können. Der Lenker wird einfach so gefahren, wie er mit dem Bike geliefert wurde und man macht sich gar keine Gedanken, ob man allenfalls etwas ändern müsste. Wenn man die Leute darauf anspricht, dann geben sie allerdings zu, dass es sich schon komisch anfühlt, aber dagegen unternommen wird leider nichts. Man muss hier auch die Bikeshops in die Mangel nehmen, es wäre auch deren Aufgabe, bei einem Bikekauf den Lenker gleich noch auf die richtige Breite zu kürzen oder in seltenen Fällen ein breiteres Modell zu verbauen.


Breite Lenker sind gut - Zu breite Lenker sind problematisch


Zum Glück müssen wir nicht mehr mit diesen schmalen Zahnstochern rumfahren, wie wir es noch vor nicht allzu langer Zeit taten. Die Mountainbikes werden jedes Jahr besser und unter anderem werden auch die Lenker immer breiter und den neuen Geometrien angepasst. Ein breiter Lenker bringt dem Fahrer mehr Kontrolle, Stabilität und Kurvendruck. Aktuelle Lenker bewegen sich zwischen 720 mm bis 800 mm, je nach dem, ob es sich um ein Cross Country Feile oder um einen Downhill Hobel handelt.

Das Problem dabei ist, dass die Hersteller nicht unterscheiden, wer am Schluss auf dem Bike sitzt. Egal ob Frau oder Mann, gemütlicher oder aggressiver Fahrer, klein oder gross - der Lenker ist ein Standardteil, das immer in der gleichen Breite verbaut wird (irgendwie verständlich, bei Tausenden von Stückzahlen spart man als Hersteller viel Geld, wenn man nur einen Lenker pro Bikemodell einkaufen muss).

Das Resultat ist, dass man jetzt immer mehr Bikerinnen und Biker sieht, die wie die Schimpansen auf ihren Mountainbikes hängen...

Vollgas und volle Kontrolle dank der optimalen Lenkerbreite!


Was ist den nun die richtige Lenkerbreite?


Die Frage nach der richtigen Lenkerbreite ist nicht ganz einfach zu beantworten. Eine allgemeine Angabe in Zentimetern ist auch nicht möglich. Die persönlichen Vorlieben, Fahrtechnik und Einsatzgebiet spielen eine wichtige Rolle. Generell kann gesagt werden, Downhiller und Enduropiloten gehen eher breiter, Cross Country und Tourenfahrer eher schmaler. Ebenso gilt es den Körperbau zu berücksichtigen, breite Schultern gleich breiter Lenker, schmale Schultern gleich schmaler Lenker. Wobei heutzutage nicht mehr weniger als 700 mm Lenkerbreite gefahren werden sollte.

Zusätzlich gilt wie immer, sobald man sich nicht richtig wohl fühlt, dann sollte man handeln. Meistens fahren die Leute zu breite Lenker, bemerkbar macht sich das zum Beispiel:

- beim Runterfahren hält man den Lenker nicht ganz aussen, und am Lenkerende stehen jeweils 1-2 cm Griff hervor.

- beim Hochfahren hat man die Arme so weit auseinander gestreckt, dass einem das Atmen schwer fällt.

- beim Kurvenfahren hat man das Gefühl, dass das Vorderrad wegrutscht, und dass man nicht genügend Druck auf den Lenker bringt.

Ich persönlich fahre auf meinem Tourenbike, bei 1.77 Meter Grösse und schmalem Körperbau, eine Lenkerbreite von 740 mm. Zuerst hatte ich 780 mm, was gar nicht ging, 760 mm fühlten sich schon besser an und mit 740 mm habe ich die für mich perfekte Breite gefunden. Kommt noch hinzu, dass ich mich so auf meinen Heimtrails in der Toscana ohne Probleme durch die engen Bäume schlängeln kann.

Wie immer gibt es auch Ausnahmen: Olympiasieger Nino Schurter hatte bei seiner Gold-Fahrt in Rio einen 680 mm Lenker montiert. Und Weltklasse Downhiller Troy Brosnan fährt mit lediglich 740 mm Worldcupsiege ein. Wohlgemerkt, beides sind keine grossgewachsenen Athleten. Aber dennoch fahren sie verhältnismässig sehr schmal und sind trotzdem sauschnell!

Macht Freude! 740 mm breit und ein schön aufgeräumtes Cockpit.


Den Lenker auf die richtige Breite kürzen


Einen Lenker kürzen ist keine grosse Sache und in wenigen Minuten erledigt. Entweder geht man zum Fachmann, oder mit handwerklichem Geschick und dem richtigen Werkzeug kann man es auch selber zu Hause machen.

Altes Handwerker Sprichwort: "Zweimal gekürzt und immer noch zu kurz..." Unbedingt mit kleinen Schritten beginnen und mal für mal nur 1 cm auf beiden Seiten abnehmen. Nach jedem Kürzen sollte man wieder auf eine ausgiebige Probefahrt gehen und schauen, ob es jetzt schon passt.

Alu-Lenker können entweder mit einem Rohrschneider oder einer Eisensäge abgeschnitten werden. Die meisten Lenker haben extra Markierungen, damit man ohne Nachmessen sofort weiss, wieviel man wegnimmt. Falls man den Lenker in einen Schraubstock einspannt, die Stelle klemmen, die man absägt. Dann natürlich gerade sägen und am Schluss mit einer Feile alles sauber entgraten.

Bei Carbon-Lenkern ist Vorsicht geboten! Einige Lenker dürfen gar nicht gekürzt werden, da sie sonst nicht mehr stabil sind oder die Klemmungen von Brems- und Schalthebeln am falschen Ort sind (unbedingt die Herstelleranweisungen befolgen). Für Carbon gibt es spezielle Sägeblätter, die ein Ausfranzen verhindern. Auch hier gilt, den Lenker nicht zu fest im Schraubstock einspannen und nur die Stelle klemmen, die man absägt. Je nach Carbonfasern kann ein bisschen Sekundenkleber auf die Schnittstelle aufgetragen werden, um das ganze zu versiegeln.

Zum Schluss alle Hebel und Schalter in die neue Position bringen (normalerweise so viel cm reinschieben, wie man cm abgeschnitten hat) und Lenkergriffe wieder montieren. Fertig!

Alles was man braucht: Eisensäge für Alu, spezielles Sägeblatt für Carbonlenker oder Rohrschneider.

Sauber gekürzt und entgratet. Man sieht auch die Markierungen, damit man nicht mehr messen muss.


26. Juni 2017

Die Bikekette richtig schmieren

Der Kettenantrieb ist das meistbeanspruchte Teil am Mountainbike und benötigt daher regelmässige Pflege. Die Kette richtig schmieren ist schnell und einfach erledigt, dennoch gibt es einige Punkte zu beachten.

Kette zuerst reinigen, dann schmieren


Bevor die Kette geölt wird, muss der Antrieb sauber sein (auch Kassette und Kettenblätter müssen gereinigt werden). Am besten mit Wasser die grössten Dreckrückstände abwaschen und mit einem Lappen abwischen. Bei sehr starker Verschmutzung kann zusätzlich ein spezieller Ketten- oder Bremsscheibenreiniger verwendet werden. Vor aggressiven Entfettern wird abgeraten, diese trocknen die Kette komplett aus. Wenn die Kette sauber ist, dann kann das neue Öl aufgetragen werden.

Wenn es so aussieht, dann muss gehandelt werden!


Öl von innen auf die Kette auftragen


Beim Kette ölen gilt "weniger ist mehr". Wenn zuviel Öl verwendet wird, dann bleibt der ganze Schmutz kleben und die Kette wird schnell schwarz. Lieber nur ein paar Tropfen drauf und diesen Vorgang vor jeder längeren Ausfahrt wiederholen.

Beim Schmieren ist es wichtig, dass das Öl auf die Innenseite der Kette aufgetragen wird. Durch die Drehbewegung wird das Öl automatisch nach aussen gedrückt und alle Glieder sind gut geschmiert. Einige Kurbelumdrehungen und Schaltvorgänge vornehmen, kurz einwirken lassen und am Schluss das überschüssige Öl mit einem Lappen abwischen.

Es empfiehlt sich ein Fläschchen zu kaufen und keine Spraydose. Das Fläschchen lässt sich tropfenweise dosieren, mit der Spraydose hingegen zerstäubt das Öl auf alle Seiten (im schlimmsten Fall auch auf die Bremsscheibe...).

Das Kettenöl von innen auf die gereinigte Kette auftragen.

Welches Öl soll ich nehmen?


Die Auswahl an Kettenölen ist riesig und man verliert schnell den Überblick, wenn man sich ein bisschen genauer damit befasst. Nasse Verhältnissse, trockene Verhältnisse, Teflon, Ceramic, Wachs, Flasche, Spraydose, usw.

Beim Schmierstoff unbedingt auf ein hochwertiges Produkt achten, welches extra für die Schmierung von Fahrradketten entwickelt wurde (die klassische WD-40 Spraydose ist dafür nicht geeignet).

Die besten Erfahrungen für das wechselnde Wetter in der Schweiz habe ich mit einem Wet Lube gemacht (z. B. Finish Line Wet Lube). Dieses bildet einen stabilen Schmierfilm, hält die Kette lange sauber und wird nicht schwarz.

Am besten probiert man selber einige Öle bei unterschiedlichen Bedingungen aus, irgendwann hat man dann seinen persönlichen Favoriten gefunden.

Denk daran: Richtig geschmiert, ist halb gefahren!

Welches Kettenöl darf es sein? (Foto: bike-magazin.de)

11. Mai 2017

Testbericht: SwissStop Catalyst Bremsscheibe und EXOTherm Bremsbelag

Seit gut 10 Monaten bin ich mit den neuen SwissStop Catalyst Bremsscheiben und den EXOTherm Bremsbelägen an meinen Rocky Mountain Bikes unterwegs. Ich freute mich sehr, als ich im Juli 2016 von SwissStop angefragt wurde, ob ich für sie als Testfahrer unterwegs sein möchte. Ich sagte selbstverständlich zu, denn als Bikeguide, der über 6'000 Bikekilometer im Jahr zurücklegt, bin ich sicher die ideale Person, um ein Produkt ehrlich und seriös zu bewerten.

Die Schweizer sind schon seit vielen Jahren ein führender Produzent von Bremsbelägen für Mountainbikes und Rennräder. Viele bekannte Erstausrüster im Bremsen- und Laufradbereich setzen auf die hochwertigen Produkte aus dem Kanton Tessin. Gut möglich, dass auch du schon SwissStop Produkte fährst, auch wenn diese mit einem anderen Label versehen sind.

Catalyst Bremsscheibe


Im letzten Jahr kam SwissStop mit einer eigenen Bremsscheibe, der Catalyst, auf den Markt. Sicher ein sinnvoller Schritt, denn jetzt kann der eigene Bremsbelag perfekt auf die eigene Scheibe abgestimmt werden, was für eine zuverlässige Bremsleistung sorgen soll. Die Bremsscheibe wurde bewusst für höchste Haltbarkeit und Hitzeableitung konstruiert. So hat sie mehr Material dran und ist darum auch ein bisschen schwerer, als das jeweilige Original. Die Catalyst Bremsscheibe ist in den üblichen Durchmessern 140 mm, 160 mm, 180 mm und 203 mm erhältlich. Aufnahme ist der internationale Standard mit 6 Schrauben (kein Center-Lock!).

SwissStop Catalyst Bremsscheibe (Foto: SwissStop Website)


EXOTherm Bremsbelag


Daneben wurde auch noch der EXOTherm Bremsbelag entwickelt, welcher auf einer Aluplatte mit Kühlrippen angebracht ist, damit die Hitze an der Bremse gut abgeleitet wird. Auch der Belag wurde darauf ausgelegt, dass er möglichst lange haltbar ist und kein Fading (Wandern des Bremshebels bei grosser Hitze) entsteht. Erhältlich sind die Beläge für alle aktuellen Bremskörper der gängigen Bremshersteller.

SwissStop EXOTherm Bremsbelag (Foto: SwissStop Website)


Testfahrt


Die Montage der Scheibe und Beläge ist wie üblich und geht sehr schnell. Wichtig ist, dass die Bremsbeläge zuerst sorgfältig eingefahren werden, bevor sie für den Ernstfall gebraucht werden. Eine genaue Anleitung dafür ist auf der SwissStop Website zu finden.

Mit meiner neuen Bremsanlage fuhr ich Mitte Juli 2016 nach Davos, da ich noch Vorbereitungen für ein Bikeweekend treffen musste. Dabei erlebte ich gleich die übelsten Verhältnisse, es war kurzfristig der Winter zurückgekehrt und meine ersten Fahrten fanden bei Schneefall, Regen und Schlamm statt...

Härteste Testbedingungen gleich bei der ersten Ausfahrt in Davos im Juli 2016...

Was mir gleich auffiel war, dass meine Shimano XT M785 Bremse trotz Kälte und Nässe deutlich stärker zupackte, als mit dem alten Setup. Shimano ist bekannt für ihre zuverlässigen, aber eher gutmütigen Bremsen. Mit den SwissStop Scheiben und Belägen wird die Bremse tatsächlich aggressiver und bissiger. Dennoch bleibt sie gut dosierbar und macht unauffällig ihren Job.

Die Hitzeableitung ist sehr gut, selbst bei langen Abfahrten von über 1'000 Höhenmetern am Stück gibt es kein lästiges Fading, der Druckpunkt bleibt immer gleich. Ein wenig Kritik gibt es, bei Nässe und Kälte beginnt die Bremse zu quietschen. Das habe ich aber mit anderen Herstellern und Belägen auch schon oft erlebt, damit muss man wohl einfach leben. Im Trockenen funktioniert alles leise und geräuschlos.

Übrigens, nach einigen Kilometern verfärbt sich die Scheibe leicht und es macht den Anschein, als ob der Belag nicht auf der ganzen Scheibe aufliegt. Der Grund dafür ist, dass die SwissStop Catalyst Scheibe ca. 3 mm höher ist, als z.B. eine Original Shimano Bremsscheibe. Da SwissStop für alle Bremshersteller nur eine Scheibe anbietet, müssen die verschiedenen Höhen der Bremsbeläge der Hersteller berücksichtigt werden (z.B. hat Magura höhere Beläge als Shimano). Das ist also alles gewollt und ganz normal.

Hier gut zu sehen ist der unbenutzte Teil der Scheibe, wo konstruktionsbedingt kein Bremsbelag aufliegt.


Fazit


Wie eingangs erwähnt, hatte ich schon vor dem offiziellen Verkaufsstart die Beläge und Scheiben für meine beiden Rocky Mountain Bikes erhalten. Mittlerweile habe ich total ca. 3'000 km bei allen möglichen Bedingungen zurückgelegt und bin sehr zufrieden damit. Es ist bis jetzt noch kein Schleifen aufgetreten und ich musste die Bremse noch nie neu ausrichten.

Die Haltbarkeit der Beläge ist ebenfalls sehr gut, mit einem Paar habe ich schon weit über 1'500 km gefahren und es hat immer noch Material dran. Ich mag mich nicht erinnern, dass ich mit anderen Bremsbelägen jemals eine solch hohe Kilometerleistung erreicht habe.

Vor allem für Shimano Fahrer ist das ein lohnenswertes Upgrade. Die Shimano Ice-Tech Bremsscheiben sind leider für ihre sehr kurze Lebensdauer bekannt, da lohnt sich besonders die Investition in die Catalyst Bremsscheiben. Und zusammen mit den EXOTherm Bremsbelägen erhält man eine Kombo, die erst noch viel mehr Bremskraft liefert. Top!

Positiv:
+ mehr Bremskraft
+ sehr lange Haltbarkeit der Beläge
+ kein Brems-Fading
+ kein Schleifen der Scheibe

Negativ:
- Quietschen bei Nässe und Kälte (vernachlässigbar, da kein Einfluss auf Bremsleistung)

Preise:
Catalyst Bremsscheibe ab CHF 69.00
EXOTherm Bremsbeläge CHF 39.90

Informationen:
SwissStop Website

5 Tipps um ein besserer Mountainbiker zu werden

Eine neue Bikesaison steht vor der Türe! Du hast dir hoffentlich wieder Ziele gesetzt, die du dieses Jahr erleben oder erreichen möchtest. Wo auch immer dich das Mountainbike hinführt, schaue, dass du dein Sportgerät möglichst gut beherrschst. Nachfolgend 5 Tipps, damit du rasch Fortschritte bei deiner Fahrtechnik und Kondition machen kannst.

1. Finde die perfekte Einstellung für dein Bike


Ein Mountainbike ist wie ein Kleidungsstück – es sollte perfekt passen! Wenn die Grösse nicht stimmt, wenn es irgendwo zwickt und du dich nicht wohl fühlst, dann sind das schon mal schlechte Voraussetzungen.

Die wichtigsten Einstellungen können relativ schnell und einfach vorgenommen werden: Reifendruck prüfen, Einstellung der Federelemente und Anpassungen am Cockpit (Vorbaulänge, Lenkerbreite, Sattelhöhe) genügen, damit du schon sicherer und komfortabler unterwegs bist. Tipps dazu findest du auf meiner Website. Im Zweifelsfall den Fachhändler aufsuchen und dich dort beraten lassen.

Sollte dein Bike schon älter als 5 Jahre sein, dann überlege dir einen Neukauf. Die heutigen Mountainbikes sind besser als je zuvor und sie helfen dir, damit du automatisch kontrollierter über die Trails fährst und mehr Freude am Bikesport hast.

Die richtigen Einstellungen am Cockpit helfen, damit du dich auf dem Bike wohl fühlst.

2. Fahren, fahren, fahren


Wenn du Zuhause faul auf dem Sofa rumliegst, dann wirst du keine Fortschritte beim Biken erzielen. Darum heisst es fahren, fahren und nochmals fahren! Je mehr du dich auf den Trails aufhältst, desto besser wird deine Kondition und deine Fahrtechnik. Beides wichtige Punkte, damit du Erschöpfung und Stürze vermeiden kannst.

Plane deine Termine so, damit du sicher 2-3 Mal in der Woche genügend Zeit findest, um längere Ausfahrten zu unternehmen. Du kannst entweder alleine gehen, so kannst du dein eigenes Tempo fahren oder dich einer Gruppe anschliessen, dann ist der Spassfaktor noch grösser. Wichtig ist, dass du gehst!

Du wirst selber sehen, wenn deine Kondition und Muskulatur stärker werden, dann läuft auf einmal alles wie geschmiert. Du ermüdest weniger schnell, du hast keine Krämpfe, du hast mehr Kraft und du bist länger konzentriert. Tönt gut, oder?

Regelmässiges Fahren in der Gruppe oder alleine stärkt deine Kondition und Fahrtechnik.

3. Fahrtechnik laufend schulen


Ganz nach dem Fit for Trails Motto "man hat nie ausgelernt" solltest du regelmässig an deiner Fahrtechnik arbeiten. Du brauchst das nicht? Komm schon! Selbst die Weltmeister feilen an ihrer Biketechnik, damit sie noch souveräner unterwegs sind. Was für den Profi gilt, das sollte für den Hobbybiker erst recht gelten.

Helfen kann dir selbstverständlich einer unserer zahlreichen Bikekurse. Dort lernst du unter fachkundiger Aufsicht die verschiedenen Techniken und vermeidest, dass du dir Fehler aneignest.

Oder warst du schon mal auf einer BMX-Bahn oder einem Pumptrack unterwegs? Auch wenn das jetzt vielleicht mit dem klassischen Touren fahren nichts gemeinsam hat, diese künstlichen Hindernisse sind das perfekte Ausgleichstraining. Dort lernt man mit dem Bike und Körper zu arbeiten und wie man geschmeidig, sauber und kontrolliert Kurven, Wellen und kleine Sprünge meistert. Versuchs mal, das macht ganz viel Spass!

Die BMX-Bahn - Ein Spielplatz und perfektes Gelände für die Verbesserung der Bikebeherrschung.

4. Motivation aufbauen und Erfolge feiern


"Das Ziel ist der Weg". Bewusst wird der bekannte Spruch umgedreht. Du sollst dir Wege bzw. Trails suchen, die du irgendwann fahren willst und dir somit eigene Ziele setzen. Nur wenn du über dich hinauswächst, dann kannst du "Mutproben" bewältigen und persönliche Erfolge feiern.

Mountainbiken hat viel mit Selbstvertrauen und Motivation zu tun. Abgesehen von einer guten Grundtechnik findet vieles im Kopf statt. Glaube an dich selbst und überwinde auch mal eine innere Blockade. Und du wirst sehen, mit dem Mountainbike ist viel mehr möglich, als du dir jemals vorstellen konntest.

Vielleicht brauchst du auch mehrere Anläufe, bis etwas so gelingt, wie du es dir wünscht. Auch ich fahre ab und zu Trails und Passagen, vor denen ich beim ersten Hinsehen Angst habe. Ich gebe mir dann jeweils 3 Versuche, um die Stelle zu fahren. Entweder es geht oder ich lasse es vorerst bleiben und versuche es das nächste Mal wieder. Oberste Priorität hat das Vermeiden von Stürzen, also nichts erzwingen, wenn du dir bei der Sache nicht ganz sicher bist.

Sieht krass aus? Kein Problem! Mit der richtigen Einstellung im Kopf gelingt das nach einigen Versuchen.

5. Bikevideos schauen und lernen


Kommen wir zum Schluss zum angenehmen Teil: Bikevideos schauen! Gut produzierte Filme fassen alle vorherigen Punkte zusammen. Du siehst dort Profis, die dank perfekt eingestelltem Bike und sehr guter Fahrtechnik über sich hinauswachsen können und anspruchsvolle Trails und Sprünge fahren, von denen du nur träumen kannst. Aber sind das nicht auch nur Menschen?

Das sollte für dich Motivation genug sein, um gewisse Dinge, die du in diesen Videos siehst auch zu probieren. Okay, du musst nicht dein Leben riskieren, wie die Rampage Fahrer… Es reicht schon, wenn du genau zuschaust, wie sich diese Biker auf dem Mountainbike bewegen und was für Linien sie auf dem Trail wählen.

Ich mache das übrigens ebenfalls, denn auch ich versuche mich immer weiter zu verbessern und meine persönlichen Grenzen zu verschieben. Ab und zu drücke ich die Pause-Taste und analysiere die jeweilige Situation und mache mir Gedanken, wie ich wohl jetzt aussehen würde. Und die besten Filme sind die, wo du vor lauter Freude und Motivation gleich rausrennen und auf dein eigenes Bike steigen willst. Das hilft wirklich, probier es aus!

Eine gute Quelle sind die Videos des Global Mountain Bike Network und natürlich alle Rennen des UCI World Cup.

Bike-Setup, Fahrtechnik und Selbstvertrauen. Dann kannst auch du so über die Trails fliegen!

Singletrails der Superlative im Mendrisiotto

Schon seit vielen Jahren zieht es mich und meine Kollegen regelmässig ins schöne Tessin, in den Süden der Schweiz. Warum? Dafür gibt es gleich mehrere Gründe:
  • Das Tessin ist die Sonnenstube der Schweiz und einer der Vorteile ist das milde Wetter, selbst im Winter. So lässt es sich auch zwischen November und Februar meistens auf trockenen Trails biken. Schnee gibt es normalerweise erst ab 1'600 m.ü.M.
  • Die Trails im Tessin sind naturbelassen, wild, einsam, steil und anspruchsvoll. Hier kann man noch auf natürlichen Wanderwegen und Trampelpfaden fahren, welche gespickt sind mit vielen Wurzeln und grossen Steinen. Es bietet alles, was der ambitionierte Biker liebt! Und es ist vor allem ein schöner Gegensatz zu den vielen künstlichen (und langweiligen) Flowtrails, die man in immer mehr Bikedestinationen findet. Im Tessin ist eine gute Fahrtechnik gefragt und dann macht es extrem viel Spass!
  • Vor allem das Mendrisiotto, der südlichste Zipfel des Tessins hat es uns angetan. Der Hausberg Monte Generoso ist die perfekte Ausgangslage für Biketouren in verschiedene Richtungen. Man kann auf der Schweizer oder auf der Italienischen Seite fahren und erlebt so die unterschiedlichen Charaktere der Trails, der Dörfer und der Einwohner.
  • Und noch ein angenehmer Nebeneffekt, es gibt sehr wenig Wanderer und Fussgänger auf den Wegen. Selbst an einem schönen Wochenende hat man immer freie Fahrt!

Einsame Trails und offene Laubwälder sind typisch für das Mendrisiotto.

Darum ist für mich das Tessin die beste Region der Schweiz, wenn es um anspruchsvolle Biketouren geht. Oder eben, man findet Singletrails der Superlative!

Kürzlich waren wir wieder dort, um uns für unser Bikeweekend im Mendrisiotto am 22.-24.09.2017 vorzubereiten. Obwohl wir die Gegend schon sehr gut kennen, haben wir wieder neue Trails entdeckt und wir waren einmal mehr beeindruckt von dieser wunderschönen und verlassenen Gegend.

Seit diesem April fährt die Monte Generoso Bahn wieder, was den langen Anstieg ein bisschen angenehmer macht. Von Mendrisio bis auf den Gipfel sind es stolze 1'400 Höhenmeter am Stück. Für sportliche Fahrer ist es ein gutes Training, vor allem der erste Teil führt über eine gleichmässig ansteigende Strasse bis nach Bellavista. Aber auch die Bahnfahrer werden nicht ganz geschont, denn bei der Mittelstation Bellavista heisst es für Biker aussteigen und selber weitertreten. Es sind dann noch knapp 500 Höhenmeter, die auf einem steilen Schotterweg entlang dem Bahngleis führen.

Dieses Mal fuhren wir zweimal hoch, einmal bis zum Top und einmal bis nach Bellavista. Die erste Tour von ganz oben führte uns auf die westliche Seite des Berges, wo es zuerst durch offenes Gelände und später durch dichten Laubwald ging. Eine insgesamt steile und anspruchsvolle Abfahrt, die uns bis ins Dorf Melano führte, wo es zurück zur Talstation ging.

Bei der zweiten Tour folgte ein erstes Highlight gleich am Anfang, die Abfahrt ins Valle di Muggio ist ein langer und sehr schneller Singletrail, der einem nur durch einige Spitzkehren zum Bremsen zwingt. Im Talboden angekommen begann der anstrengende Teil, ein knackiger Anstieg brachte uns wieder auf die Anhöhe des Dorfes Muggio. Von dort ging es gleich weiter, via Cabbio hoch zur Alpe Loasa. Der ganze Weg ist technisch anspruchsvoll und verbraucht einige Körner. Aber die Schinderei lohnte sich, oben wurden wir mit einem tollen Panorama belohnt und vor allem wartete der nächste lange Downhill auf uns. Der Trail führte durch viele Steinfelder und man musste immer konzentriert bleiben und gleichzeitig die beste Linie wählen. Auf der ganzen Abfahrt vernichteten wir fast 1'000 Höhenmeter am Stück, bis wir im Dorf Vacallo ausgespuckt wurden.

Vorher noch ganz alleine im dichten Wald und nun zurück in der Zivilisation, mit viel Verkehr rund um den Zoll von Chiasso. Was für ein Kontrast...

Die neue, imposante Bergstation von Mario Botta auf dem Monte Generoso.

Schöner und flüssiger Singletrail vom Gipfel des Monte Generoso.

Willkommene Pause...

Unterwegs ins Valle di Muggio.

Vor der letzten Abfahrt noch kurz den Sonnenuntergang geniessen...

Wie man eine Kurve mit dem Bike flüssig fährt

Ich erlaube mir hier, zwei meiner Kunden beim Kurvenfahren zu zeigen. Oder konkreter ausgedrückt geht es darum, wie man eine Kurve richtig oder eben falsch fährt. Der Ausschnitt zeigt einen Singletrail in der Toscana, wo eine langgezogene Rechtskurve mit hoher Geschwindigkeit durchfahren werden konnte. Damit das auch erfolgreich gelingt, ist die richtige Position, Gewichtsverlagerung und Blickrichtung auf dem Mountainbike entscheidend.

Der Fahrer auf dem ersten Bild zeigt eine perfekt ausgeführte Drücktechnik. Dabei wird das Bike mit den Armen in die Kurve gedrückt, der Körperschwerpunkt und die Hüfte bewegen sich hingegen nach aussen - so kann viel Druck auf den Rädern aufgebaut werden und die Traktion wird erhöht. Der Blick zeigt zum Kurvenausgang, man schaut dorthin, wo man hinfahren will. Genau so lässt sich eine offene Kurve flüssig, sicher und mit Style durchfahren!

Flüssig, sicher und fokussiert. So sieht eine saubere Kurventechnik aus!

Der Fahrer auf dem zweiten Bild ist so unterwegs, wie man es leider meistens bei den Hobbybikern sieht... Der Körper lehnt nach innen und das Knie wird zusätzlich nach innen gestellt (wird sind keine Motorradrennfahrer). Dadurch ist das ganze Gewicht auf der Kurveninnenseite und man verliert so den Druck auf den Rädern. Zudem sind die Arme zu fest gestreckt, was ein Hinunterdrücken des Bikes verunmöglicht. Der Blick geht geradeaus in Richtung Hindernis (in diesem Fall der Fotograf), aber genau dorthin möchte man ja eigentlich nicht fahren. Fährt man die Kurve so, dann verliert man an Geschwindigkeit, das Bike beginnt früh zu rutschen und es fehlt vor allem an Flow.

Und so sollte es nicht aussehen.... Falsche Körperhaltung und falsche Blickrichtung.

Du möchtest diese Kurventechnik und viele weitere Tipps und Tricks zur Fahrtechnik erhalten? Dann besuche am besten einen Bikekurs von Fit for Trails, dort lernst du alles, um ein besserer Biker zu werden!

Was alles in einen Bikerucksack gehört

Ein Rucksack gehört heute zur Standardausrüstung von jedem Mountainbiker. Vor allem bei Tagestouren in den Bergen ist es hilfreich, wenn man alle seine sieben Sachen dabei hat, und nicht auf einmal bei Wetterumschwung, Defekt oder Hungerrast in grosse Schwierigkeiten gerät.

Untenstehend einige Tipps und Vorschläge, was sicher in einen Rucksack gepackt werden muss, damit du jederzeit vor Überraschungen gefeit bist. Aber Achtung, nicht den gesamten Hausrat auf den Rücken schnallen, sondern das Gepäck so klein und leicht wie möglich halten. Auch wenn die heutigen Rucksäcke sehr bequem zu tragen sind, macht sich ein hohes Gewicht im Laufe des Tages doch bemerkbar.

Ich als Bikeguide habe sicher noch ein paar Dinge mehr dabei, die du nicht unbedingt brauchst. Da meine Kundschaft aus verschiedensten Bikern und Mountainbikes besteht (danke Bikeindustrie für die tausend verschiedenen Standards...), muss ich für alle möglichen Notfälle gewappnet sein und immer aushelfen können. So bin ich auch ein Lastesel und mein prallgefüllter Rucksack wiegt über 7 kg…

In der Trinkblase habe ich nur reines Wasser drin. So kann auch mal eine Wunde ausgewaschen werden oder das Wasser an einen verdursteten Kollegen weitergegeben werden. Zusätzlich habe ich noch eine Trinkflasche mit isotonischem Getränk im Flaschenhalter. Es ist wichtig, dass man dem Körper die herausgeschwitzten Mineralien regelmässig wieder zuführt, da reicht Wasser alleine nicht.

Übrigens, ein schwerer Rucksack zählt zum Körpergewicht dazu. Wenn du also mit viel Gepäck fährst, dann solltest du auch Federgabel und Dämpfer dementsprechend abstimmen. 10-20 PSI mehr Luftdruck sind sicher empfehlenswert, sonst hängst du zu tief in der Federung drin.

Hier also die Packliste vom Fit for Trails Guide (persönliche Lieblingsgegenstände können natürlich gerne ergänzt werden):

  • Ersatzschlauch in der richtigen Grösse und mit dem richtigen Ventil
  • Schlauchflicke selbstklebend
  • Reifenheber
  • Pumpe
  • Tubeless-Ventil
  • "Salami" um Löcher im Reifen zu stopfen
  • Multitool
  • Zange
  • Messer
  • Speichenzentrierschlüssel
  • Kabelbinder
  • Klebeband
  • Kettennieter
  • Kettenniete oder Kettenschloss in der richtigen Grösse
  • Schaltzüge
  • Wechselauge für den aktuellen Rahmen
  • Bremsbeläge inkl. Feder
  • Klemmbride für Variosattelstütze (falls die Stütze auf einmal absackt)
  • Speichenmagnet für E-Mountainbiker (bei Verlust vom Magnet heisst es Schieben…)
  • Notizblock und Schreibzeugs
  • Wanderkarte der jeweiligen Gegend
  • Fotoapparat
  • Handy
  • Portemonnaie mit Geld und Ausweisen
  • Haus- und Autoschlüssel
  • Regen- oder Windjacke
  • Kappe für unter den Helm (auch im Sommer kann man sich die Ohren abfrieren)
  • Energieriegel und Gel
  • Sonnencrème
  • Trinkblase nur mit Wasser (isotonisches Getränk verklebt den Beutel und Schlauch)
  • Erste-Hilfe Set (Verband, Pflaster, Steri-Strips, Desinfektionsmittel, Kopfwehtablette, Schmerztablette, Schere, Pinzette, Dreiecktuch, Rettungsfolie, Insektengift, Handschuhe, usw.)

Die ganze Ausrüstung vom Fit for Trails Guide. Unglaublich, was alles in so einen kleinen Rucksack passt...

Fahrbericht: Moots Compact SL Titanium Rennrad

Was nun folgt ist eigentlich kein Fahrbericht, sondern eine Liebeserklärung. Seit 2010 Jahren bin ich Besitzer von einem Moots Titanium Rennrad und es ist mit Abstand das beste und schönste Velo, dass ich jemals gekauft habe (und das waren doch schon 31 Stück in den letzten 28 Jahren). Ich muss zugeben, ich führe da eine zweite Beziehung und spreche jeweils liebevoll von Frau Moots (meine Freundin hat zum Glück Verständnis dafür… ;-)).

Mit dem Moots habe ich mir einen Bubentraum erfüllt. Schon als Teenager stand ich zu Beginn der 90er Jahre in den Bikeshops rum und habe die die Titanbikes der Luxusmarken Merlin, Litespeed, Serotta, Funk, Moots, usw. angehimmelt. Ich wusste immer, dass auch ich eines Tages ein Rad aus diesem sündhaft teuren Material besitzen werde. 2010 habe ich mir dann diesen Wunsch erfüllt und mir einen Moots Compact SL Rennradrahmen gekauft. Ich habe mich bewusst für ein Rennrad und nicht für ein Mountainbike entschieden. Auch wenn ein Titanrahmen ein Leben lang hält, ist der Verschleiss und die Abnützung beim Biken doch relativ gross und es war mich einfach zu schade, die schöne „Titanfarbe“ mit Dreck zu verdecken. Zudem gibt es bei Rennrädern nicht diese alljährlichen Innovationen und neuen Standards, und so ist mein Moots auch heute noch ziemlich aktuell.

Mein wunderschönes Moots Compact SL! Hier die Version 2017.


Warum ein Moots?


Vor dem Kauf habe ich mich lange damit auseinander gesetzt, welcher Produzent von Titanrahmen für mich in Frage kommt. Schliesslich war das eine Investition, die gut überlegt sein sollte, man baut sich ja nicht alle Tage ein Rennrad auf, das so viel wie ein Kleinwagen kostet. Ich wollte eine klassische Rahmenform und die typisch matte Titanoberfläche und es sollte zudem eine Traditionsfirma aus den USA sein. So fiel die Wahl auf Moots, diese bauen schon seit 35 Jahren ausschliesslich Titanrahmen ohne Schnörkeleien. Beim Modell habe ich mich für das Compact SL entschieden, ein zeitloser Rahmen mit einem runtergezogenem Oberrohr. Das Compact wird mittlerweile nicht mehr produziert, es wurde durch das Vamoots RSL abgelöst.

Die Ausstattung


Wenn man schon ein kleines Vermögen für einen Titanrahmen ausgibt, dann ist es klar, dass auch für alle Anbauteile nur die besten und teuersten Marken in Frage kommen. Im Laufe der Zeit habe ich auch Sicherheitsgründen verschiedene Teile (Gabel, Laufräder, Vorbau, Lenker) ausgetauscht und darum gehe ich nur auf die aktuelle Konfiguration ein. Bei der Ausstattung wurden nur bewährte und lang haltbare Teile verbaut. Es wurde bewusst auf extremen Leichtbau verzichtet. Dafür ist mein Moots super solide und zuverlässig, mittlerweile habe ich ca. 30‘000 Kilometer abgespult und hatte noch keinen einzigen Defekt zu verzeichnen. Hier die detailierte Ausstattung:

Rahmen: Moots Compact SL Titanium
Gabel: Enve RD 2.0 Carbon 45 Rake
Steuersatz: Chris King NoThreadSet
Lenker: Zipp Service Cours SL-70 42 cm
Lenkerband: fi'zi:k Superlight Classic
Vorbau: Zipp Service Course SL 110 mm
Sattelstütze: Ritchey Superlogic Carbon 27,2 mm
Sattel: fi'zi:k K1 Carbon
Laufräder: Zipp 202 Firecrest Carbon Clincher (Ersatz: Reynolds Solitude/DT 240/DT Aerolight)
Schnellspanner: Zipp
Reifen: Michelin Pro4 Service Course 700x25C
Schläuche: Continental Race 28
Schalthebel: Shimano Dura-Ace 7900
Schaltwerk: Shimano Dura-Ace 7900
Umwerfer: Shimano Dura-Ace 7900
Bremshebel: Shimano Dura-Ace 7900
Bremsen: Fouriers BR-DX001
Bremsbeläge: Zipp Carbon
Schalt-/Bremskabel: Shimano Dura-Ace SP41
Kurbel: Shimano Dura-Ace 7900 175 mm Compact 36/50
Tretlager: Chris King ThreadFit 24
Kassette: Shimano Dura-Ace 7900 11-27 10-fach
Kette: Shimano Ultegra 6600 10-fach
Pedale: Look Kéo Carbon Ti
Flaschenhalter: Blackburn Swerve Titanium

Das Gesamtgewicht komplett fahrfertig beträgt genau 7,0 kg. Das ist jetzt vielleicht nicht besonders leicht, im Vergleich zu einem aktuellen Carbon Rennrad. Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist Titan kein leichtes Material. Nur bei kleinen Teilen (Schrauben, Flaschenhalter, Schnellspanner, Sattelgestelle, usw.) hat man einen Gewichtsvorteil. Wenn es um einen ganzen Rahmen geht, dann kommt da doch einiges an Material zusammen. So wiegt der Compact SL Rahmen in Grösse 55 cm stolze 1400 Gramm.

Dafür erhält man aber einen Rahmen, der gemacht ist für die Ewigkeit. Titanium ist ein äusserst robustes Material, das weder korrodiert, noch zerkratzt, noch altersschwach wird. So gesehen rechnet sich der hohe Einstandspreis auf die Dauer und man ist schlussendlich viel günstiger unterwegs, als wenn jemand in der gleichen Zeit fünf neue Carbonräder kauft.

Und es kommt natürlich auch noch der Effekt vom Statussymbol dazu. Mit einem Titan Rad fällt man in der Masse auf und man wird automatisch in Gespräche verwickelt. Zugegeben, es macht mich stolz, wenn mein Rennrad von fremden Leuten bewundert wird und ein gewisser Neid bemerkbar ist! Im Vergleich dazu ist ein Carbon Rahmen einfach nur ein Plastikhaufen, der über keine Seele verfügt und keine Emotionen auslöst…

So sexy können Schweissnähte sein!


Das Fahrverhalten


Titanium Rahmen sind bekannt dafür, dass sie eine gute Eigendämpfung haben und sich sehr komfortabel fahren. Diese Aussage kann ich nur bestätigen, ich kann stundenlang im Sattel sitzen, ohne dass irgendwelche körperlichen Beschwerden auftreten. Das Compact SL hat zwar einen eher dünnen Rohrsatz, aber bei den Kettenstreben wurde mehr Material verwendet und daher ist er auch im Tretlagerbereich genügend steif. Da ich selber nur knapp 70 kg auf die Waage bringe, ist die Steifigkeit für mich sowieso nie ein Thema. Das Compact SL geht beim Beschleunigen richtig gut vorwärts und fährt sich sehr agil. Der Steuerwinkel ist mit 73,5 Grad eher steil, daher braucht es in schnellen Abfahrten ein bisschen Fingerspitzengefühl, da jede Lenkbewegung sehr direkt umgesetzt wird.

Dass man damit auch wettkampfmässig erfolgreich fahren kann, habe ich 2013 beim Rennradrennen Nove Colli in Cesenatico bewiesen. In etwas über 6 Stunden und 30 Minuten habe ich die 205 Kilometer durchgebrettert und wurde 146. von ursprünglich 12'000 Startern! Einen ausführlichen Rennbericht gibt es auf in diesem Blogeintrag.

Erfolgreicher Renneinsatz am Nove Colli in Cesenatico 2013.


Fazit


Wie eingangs schon erwähnt, das Moots Compact ist das beste Fahrrad, das ich je hatte und immer noch habe. Auch wenn alle meine Mountainbikes aus Carbon sind, beim Rennrad werde ich dem Titanium treu bleiben. Auch wenn jetzt Scheibenbremsen und Steckachsen immer populärer werden, bis auf weiteres werde ich mein Rad so fahren, wie es ist. Und sollte ich doch einmal auf Scheibenbremsen umsteigen, ich werde mir bestimmt wieder ein Moots zulegen.

Mein Moots hat mir schon sehr viel schöne Erlebnisse und Erinnerungen beschert und mich mittlerweile während gut 30'000 km immer treu begleitet. Wie im richtigen Leben, sollte eine Beziehung ewig halten. Darum werde ich meine Frau Moots noch jahrelang fahren, zu fest habe ich mich in sie verliebt!

Positiv:
+ unvergleichlicher Fahrkomfort
+ schnell und agil in Beschleunigung und Richtungswechseln
+ gemacht für die Ewigkeit
+ robust und unverwüstlich
+ zeitlos schön
+ Customfertigung nach eigenen Geometrieangaben möglich

Negativ:
- sehr hohe Anschaffungskosten (relativiert sich aber mit der langen Lebensdauer)

Preis:
über Geld spricht man nicht… ;-)

Informationen:
Moots Website

Moots fahren macht glücklich!

Kein Aufstieg zu steil für ein Moots...

2014 Teilnahme an der Tortour, ein Rennradrennen rund um die Schweiz.

Auch der mystische Stelvio hat mein Moots schon von oben gesehen.

Ausflug zur Tour de France Etappe 2016 in Bern, damit mal ein schönes Rennrad am Start ist...

Dafür ist das Moots gemacht. Stundenlange Passfahrten und Höhenmeter sammeln.

Danke Frau Moots, dass ich schon so viel mit dir zusammen erleben durfte!!