SUCHEN:

27 Juli 2020

Testbericht: Pirelli Scorpion MTB-Reifen

Von meinem Partner und Schweizer Pirelli Vertrieb CHRIS sports habe ich die neuen Pirelli Scorpion MTB-Reifen zum Testen erhalten.

Die Marke Pirelli kennt wohl jeder. Die italienische Firma wurde bereits 1872 gegründet und gehört zu den grössten Reifenproduzenten weltweit. Schon 1894 wurden die ersten Fahrradreifen hergestellt. Später konzentrierte man sich auf Auto- und Motorradreifen und es wurde auch viel in den Rennsport investiert. Pirelli ist aktueller Ausrüster der Formel 1 und gewann über 460 Meistertitel im Automobil- und Motorradsport. Und dann gibt es da noch den berühmten Kalender, mit welchem man sich auch einen Namen in der Glamourwelt machte.

2017 präsentierte Pirelli neue Rennradreifen und sie waren wieder zurück im Geschäft. Kurze Zeit später folgten weitere Gummis für MTB, Gravel und Urban. Das zeigt, dass selbst für grosse Konzerne das Fahrrad an Bedeutung gewinnt. Eine erfreuliche Entwicklung!

testbericht_pirelli_scorpion
Der Pirelli Scorpion Enduro S 29x2.60" an meinem Mondraker Chaser 29.



Die Palette der MTB-Reifen reicht von Cross-Country bis Enduro. Es wird grundsätzlich in vier Kategorien unterteilt: XC, Trail, Enduro und E-MTB. Die Reifen werden in verschiedenen Grössen und Breiten und mit unterschiedlichen Profilen und Karkassen angeboten. Die Auswahl ist so umfangreich, dass man fast ein bisschen den Überblick verliert...

Die Modelle heissen alle Scorpion, werden aber mit zusätzlichen Buchstaben versehen für die verschiedenen Untergründe:
  • "RC" für Racing (Renneinsatz)
  • "H" für Hard (harter Untergrund)
  • "M" für Mixed (wechselnder Untergrund)
  • "S" für Soft (loser und weicher Untergrund)
  • "R" für Rear (ein Profil speziell für das Hinterrad)
Dabei ist zu beachten, dass z.B. mit Soft nicht eine softe Gummimischung gemeint ist, sondern ein softer Boden. Die Gummimischung ist immer der SmartGRIP Compound, welcher bei trockenen und nassen Bedingungen die optimale Traktion bieten soll. Das Profil ist aber je nach Untergrund verschieden.

Bevor man sich für Pirelli MTB-Reifen entscheidet, sollte man also ungefähr festlegen, auf welchem Boden man hauptsächlich unterwegs ist.

testbericht_pirelli_scorpion
Welcher Scorpion darf es sein? Die Auswahl ist gross und es fehlen hier noch die E-MTB Modelle.



In diesem Test nehme ich die Modelle Scorpion Enduro S und Scorpion Enduro R in 27.5"x2.40" und Scorpion Enduro S in 29"x2.60" unter die Lupe. Ich fahre sie tubeless auf einer Felge mit 30 mm Innenbreite an meinem Rocky Mountain Thunderbolt und Mondraker Chaser 29 E-MTB.

Zugegeben, als ich die Reifen das erste Mal in der Hand hielt, war ich skeptisch. Vor allem der Scorpion S erinnert mit dem sehr groben und pfeilförmigen Profil an die Klassiker der 90er Jahre (Panaracer Smoke Dart, Tioga Psycho, IRC Mythos, usw.). Was aber vor 30 Jahren gut war, das hat auch heute noch Berechtigung, dazu später mehr.

Die Montage ging problemlos, trotz der stabilen Seitenwände konnte ich die Reifen mit blossen Händen auf die Felgen ziehen. Beim Aufpumpen brauchte es allerdings einige Versuche, bis die Reifen richtig im Felgenbett sassen. Dann blieben sie aber dicht, selbst ohne Milch ging die Luft über Nacht nicht raus. Ich befüllte sie nachträglich mit 80 ml Flüssigkeit.

In der Grösse 27.5"x2.40" bringen der Scorpion Enduro S 1150 g und der Enduro R 1090 g auf die Waage. Der Scorpion Enduro S in 29"x2.60" wiegt stolze 1250 g (alle Reifen nachgewogen). Das sind keine Leichtgewichte, aber wie erwähnt, gibt es diese Reifen auch noch in leichteren Versionen. Da ich keine Rennen mehr fahre, ist für mich das Gewicht sowieso zweitrangig. Viel wichtiger sind mir die Traktion und die Zuverlässigkeit.

Der Enduro S hat ein pfeilförmiges Profil mit hohen und weit auseinander stehenden Stollen. Damit soll bei losem, weichem und rutschigem Untergrund grösstmögliche Traktion erreicht werden. Der Enduro R ist speziell für das Hinterrad gedacht und hat die typischen Querstollen in der Mitte, welche für Grip beim Hochfahren und Bremsen sorgen sollen. Die Mittelstollen sind ein wenig tiefer als die Seitenstollen, was zusätzlich den Rollwiderstand verringert. Beide Reifen haben eine Breite von knapp 59 mm, das ist eher schmal für 2.40". Wem das zu wenig ist, der kann die Breite 2.60" wählen, welche mit 67 mm sicher genügend Auflagefläche bietet.

testbericht_pirelli_scorpion
Die Profile von Scorpion Enduro S und Scorpion Enduro R.



Ich konnte die Reifen in den letzten drei Monaten ausgiebig bei allen möglichen Bedingungen testen. Das launische Wetter im Mai und Juni sorgte für viel Regen und die Trails waren oft nass und schlammig. Besonders häufig habe ich den Scorpion S 29x2.60" am E-MTB über die Trails gejagt. Die 2.40" habe ich mit 1,6 bar und die 2.60" mit 1,2 bar Luftdruck gefahren.

Der Scorpion S überraschte mit sehr viel Grip am Vorderrad, vor allem auch bei Nässe. Der Reifen beisst sich richtiggehend in den Boden und sorgt für eine messerscharfe Kurvenführung. Damit nicht das schwere E-Bike dafür verantwortlich gemacht werden kann, hatte ich den gleichen Trail umgehend auch unmotorisiert gefahren und auch mit dem 2.40" gab es das gleiche Resultat. Der Reifen bietet selbst im Grenzbereich eine sehr hohe Traktion, was für viel Sicherheit und Vertrauen sorgt.

testbericht_pirelli_scorpion
Der Scorpion S am Vorderrad bietet hervorragenden Grip bei allen Bedingungen. (Foto: spitznagel.ch)

testbericht_pirelli_scorpion
Am E-MTB habe in den Scorpion S vorne und hinten montiert. Funktioniert super!



Der Scorpion R am Hinterrad bietet guten Grip im Uphill bei trockenen und nassen Bedingungen. Im Downhill konnte er mit dem Vorderrad aber nicht ganz mithalten, wegen dem flachen Profil kommt er schneller ins Rutschen, als der grobe Scorpion S. Die Haftgrenze ist aber durchaus definiert und man kann kontrolliert um die Kurven driften. Hier fragt es sich wieder einmal, ob es überhaupt nötig ist, einen speziellen Hinterradreifen zu entwickeln. Auf dem E-MTB habe ich den Scorpion S vorne und hinten montiert und das funktioniert super. Der Vorderreifen bietet auch am Hinterrad genügend Traktion beim Bremsen und Hochfahren.

testbericht_pirelli_scorpion
Der Scorpion R am Hinterrad pflügt sich erfolgreich durch den Schlamm.

testbericht_pirelli_scorpion
Bei hohen Geschwindigkeiten neigt das Hinterrad zum (kontrollierten) Rutschen.



Der Rollwiderstand ist, trotz des hohen Gewichts, erstaunlich gut. Man gewinnt aber mit diesen schweren Reifen keinen Bergsprint. Da diese in die Kategorie Enduro gehören, ist auch klar, dass sie vor allem in der Abfahrt punkten müssen.

Probleme gibt es bis jetzt keine, die Scorpions verrichten zuverlässig ihre Arbeit. Trotz tiefem Luftdruck sitzen sie fest in der Felge und dank den stabilen Seitenwänden gibt es kaum Durchschläge. Das Profil zeigt kleine Gebrauchsspuren, die Stollen sind aber alle noch intakt.

testbericht_pirelli_scorpion
So sehen die Scorpions übrigens von unten aus.



NACHTRAG 05.08.2020: Kürzlich habe ich das Bike meiner Partnerin auch auf Pirelli umgerüstet. Da sie eher gemächlich unterwegs ist, habe ich ihr den Scorpion XC M 29"x2.40" montiert. Ich liess es mir nicht nehmen und habe mit ihrem Bike ein paar Tage in der Toscana verbracht. Italienische Reifen auf italienischem Boden, das kann ja nur gut kommen!

Die toscanischen Trails waren sehr trocken, staubig, steinig und rutschig. Aufgrund dieser Bedingungen habe ich einen eher tiefen Luftdruck gefahren, vorne 1,4 und hinten 1,5 bar. Beim XC merkt man das geringe Gewicht, mit 830 g pro Reifen geht es zügig vorwärts. Die Beschleunigung und das Rollverhalten sind gut und der Reifen hat eine angenehme Eigendämpfung.

Der Grip ist auch bei diesem Modell wieder eine kleine Überraschung. Im Uphill und Downhill beisst sich der Gummi regelrecht in den harten Boden und sorgt für viel Traktion. Der Kurvenhalt ist hervorragend, man muss nur den Mut haben, um das Bike voll reinzulegen. Der Grenzbereich ist gut spürbar, selbst ein Drift über beide Reifen kann man gezielt kontrollieren. Top!

testbericht_pirelli_scorpion
Der Pirelli Scorpion XC M auf dem trockenen, steinigen Boden der Toscana.

testbericht_pirelli_scorpion
Das Profil besteht aus vielen kleinen Klötzchen.

testbericht_pirelli_scorpion
Es ist rutschig, aber der Scorpion XC M hält die Spur.

testbericht_pirelli_scorpion
Im harten Gelände bietet der Reifen eine gute Eigendämpfung.



Fazit


Ein neuer Geheimtipp? Pirelli hat die Hausaufgaben gemacht. Sie haben nicht einfach MTB-Reifen auf den Markt gebracht, um das Sortiment abzurunden, sondern sich ernsthaft mit dem Thema auseinander gesetzt. Vor dem Kauf muss man sich einige Gedanken über den Einsatzzweck machen, damit man sicher den passenden Reifen wählt. Dann erhält man aber Gummis, die bei jeder Biketour für viel Traktion und Sicherheit sorgen. Vor allem der Scorpion S überzeugt mit hervorragendem Grip an Vorder- und Hinterrad und hat klar eine Kaufempfehlung verdient.


Preis


ab CHF 67.90


Informationen



testbericht_pirelli_scorpion
Vollgas durchs Unterholz! Die Pirelli Reifen sorgen für Sicherheit und Vertrauen. (Foto: spitznagel.ch)

20 Juli 2020

6 Tipps gegen Geräusche am Mountainbike

Mit einem Mountainbike sollte man lautlos über die Trails gleiten können, nur das Surren des Freilaufs darf die Ruhe stören. Leider ist das aber nicht immer so, an einem MTB befinden sich jede Menge Teile, die nervtötende Geräusche verursachen können.

Je wilder und länger man über Stock und Stein jagt, desto grösser ist die Chance, dass es irgendwo und irgendwann knarzt, knackst, klappert, schlägt und klingelt. Teilweise ist es schwierig, die Lärmquelle zu finden, wenn diese aber lokalisiert ist, dann gibt es auch immer eine Lösung dafür. Hier findest du alle Tipps, wie du die Lärmverursacher erfolgreich beseitigen kannst.


1. Die Kette schlägt an den Rahmen


Der Klassiker ist die Kette, welche an den Rahmen schlägt. Das geht akustisch auf die Nerven und hinterlässt hässliche Lackschäden.

Da das ein bekanntes Problem ist, haben moderne Mountainbikes meistens schon vorgeformte Plastikschützer an der Kettenstrebe oder sogar Kettenführungen montiert. Bei einigen Herstellern sind sie fix verschraubt und halten bombenfest, bei anderen sind sie lediglich geklebt. Die geklebten Produkte sind oft nicht allwetter- und putzmitteltauglich und lösen sich früher oder später vom Rahmen. Auch bei meinem Rocky Mountain und Mondraker war dies leider der Fall und ich habe deshalb selber etwas gebastelt.

Damit du deine Kette ruhig stellen kannst, gibt es verschiedene Möglichkeiten und Produkte:

Neopren


Der gute, alte Neoprenüberzieher mit Klettverschluss ist auch heute noch eine günstige, leichte und langlebige Lösung. Er kann gut gereinigt werden und lässt sich immer wieder verwenden. Vor dem Kauf unbedingt die Kettenstrebe messen, es gibt verschiedene Durchmesser und Längen.

Bei meinem Rocky Mountain Thunderbolt läuft die Kette sehr knapp über die Kettenstrebe und selbst der verbaute Plastikschutz konnte ein Klappern nicht verhindern. Ich habe darum einen Neopren von Race Face montiert und seither ist Ruhe.

geraeusche am mountainbike
Der Neoprenüberzug schützt die Kettenstrebe und sorgt für Ruhe.


Slapper Tape


Slapper Tape ist der Name für ein Klebeband von MarshGuard. Das Band lässt sich einfach zuschneiden, ist sehr flexibel und klebt auch zuverlässig auf Kanten und Rundungen. Das MarshGuard ist allerdings ziemlich teuer (ca. CHF 20.00 für 1 Meter) und darum empfehle ich als Alternative das günstigere 3M Scotch 2228 Ruber Mastic Tape (kostet ca. CHF 20.00 für 3 Meter und ist meines Wissens genau das gleiche Produkt). Erhältlich ist es in vielen Online-Shops.

Gute Erfahrungen machte ich auch mit dem Kettenstrebenschutz von BBB, Artikel BBP-21. Es ist ebenfalls ein dickes und breites Klebeband von 3M, welches bereits im richtigen Mass für die Kettenstrebe daherkommt.

geraeusche am mountainbike
Das Scotch 2228 Ruber Mastic Tape oder Slapper Tape. Zuverlässig, stark und flexibel.

geraeusche am mountainbike
Das BBB BBP-21 ist ein fixfertiger Kettenstrebenschutz.


Klebefolie


Die Klebefolie ist wahrscheinlich zu dünn, um wirksam Geräusche zu dämmen. Aber immerhin schützt sie den Rahmen vor Lackschäden durch die schlagende Kette. Die Folie kann man auch an Stellen anbringen, wo die Kabel am Rahmen scheuern.

geraeusche am mountainbike
Die einfache Klebefolie schützt vor allem vor Lackschäden.


Kette kürzen


Es kann auch einfach sein, dass die Kette zu lang ist und darum an den Rahmen schlägt. Falls das der Fall ist, können 1-2 Glieder entfernt werden und das Problem ist vielleicht schon gelöst.

geraeusche am mountainbike
Die Kette muss einiges mitmachen, wenn es auf dem Trail richtig abgeht...



2. Die Scheibenbremsen quietschen


Scheibenbremsen sollten normalerweise leise und kräftig zubeissen. Nur bei Regen und Kälte kann es vorkommen, dass die Bremse quietscht, damit muss man einfach leben können.

Wenn die Bremsen auch bei Sonne und Wärme lärmen, ist oft eine Verschmutzung an Scheibe oder Belag der Auslöser. Gleichzeitig geht auch meistens die Bremskraft verloren. Es kann vorkommen, dass Rückstände von Putzmittel, Öl und Fett auf die Bremsen gelangen. In diesem Fall Bremsscheibe und Bremsbeläge mit einem speziellen Brake Cleaner reinigen. Ein Anschleifen der Beläge mit einem feinen Schleifpapier kann ebenfalls helfen.

Grundsätzlich neigen die metallischen Sinterbeläge eher zum Quietschen, als die weicheren organischen Beläge. Es gibt auch Belags- und Scheibenkombinationen, die einfach nicht zusammenarbeiten wollen. Es ist daher ratsam, Bremsbelag und Bremsscheibe vom gleichen Hersteller zu verwenden.

geraeusche am mountainbike
Es quietscht, wenn Bremsscheiben und Bremsbeläge nicht sauber sind.



3. Der Akku im E-Bike wackelt


Bei E-Mountainbikes kann der Akku wackeln und Klappergeräusche verursachen. Vor allem bei älteren Modellen, wo der Akku noch auf dem Unterrohr aufgesetzt ist, ist das ein weitverbreitetes Problem. Bei den neuen E-Bikes mit integriertem Akku kommt es eher selten vor.

Abhilfe kann auch hier das Slapper Tape schaffen, in dem man einen kleinen Streifen auf den Rahmen oder direkt auf den Akku klebt. Auch die Filzgleiter für Möbel sind dafür gut geeignet.

geraeusche am mountainbike
Slapper Tape hilft auch gegen Akkuklappern im Rahmen.



4. Die Ventile klappern in der Felge


Ventile, die in den Felgen klappern können ebenfalls ziemlich nerven. Dies hat man oft bei Rennrädern mit hohen Carbonfelgen. Aber auch beim Mountainbike kann es vorkommen, dass die Ventile zu lose in den Löchern stecken.

Die Ventilmutter, welche bei den meisten Ventilen dabei ist, möglichst fest anziehen. Oder allenfalls komplett weglassen. Es gibt auch spezielle Aufkleber, welche man über die Ventile stülpen kann, dann braucht es die Mutter nicht. Bei Tubeless muss die Mutter immer montiert werden.

geraeusche am mountainbike
Auch ein kleines Ventil kann für Lärm sorgen. Die Mutter muss richtig fest angezogen sein.



5. Die Kabel scheuern aneinander


Auch Schalt- und Bremskabel können aneinander scheuern oder an den Rahmen schlagen und so Geräusche verursachen. 

Da helfen 1-2 Kabelbinder, sobald die Kabel miteinander verbunden sind geben sie Ruhe. Man kann sich auch die Mühe machen und die Kabel komplett mit einem Bündelschlauch einwickeln.

geraeusche am mountainbike
Kabelbinder oder Bündelschlauch stellen die Kabel ruhig.



6. Es knackst und knarzt irgendwo


Knacksen, knarzen und klappern wird früher oder später jedes Mountainbike. Schuld daran sind immer Schraubverbindungen, Drehpunkte und Lager. Sobald diese verdreckt sind, oder durch das häufige Putzen trocken laufen, melden sie sich. Die Schwierigkeit ist, dass man die Ursache dafür findet. Carbonrahmen wirken oft wie ein Resonanzkörper, da hört man ein Knacken vorne, das Problem ist aber hinten oder umgekehrt.

Lärm machen können: Tretlager, Schwingendrehpunkte, Dämpferaufnahmen, Steuersatz, Gabelschaft, Kettenblätter, Pedalen, Kassette, Freilauf, Radlager, Vorbauklemmung, Sattelklemmung, Wechselauge, Flaschenhalter, usw. Also so ziemlich jedes Teil am Mountainbike...

Das Bike sollte man Stück für Stück durchchecken, bis man die fehlerhafte Stelle gefunden hat. Vorderrad zwischen die Beine klemmen und den Lenker hin und her bewegen. Bremsen ziehen und Bike nach vorne und zurück bewegen. Am Hinterrad rütteln. Mit dem Fuss seitlich auf das Pedal stehen und das Bike nach unten drücken.

Wenn man das lärmende Teil gefunden hat, muss man es ausbauen und reinigen. Normalerweise hilft eine grosse Portion Fett, damit es wieder ruhig und geschmeidig läuft. Oft ist auch eine Schraubverbindung lose, diese mit den nötigen Nm wieder anziehen kann und gut ist.

Wenn Steuerlager, Radlager und Tretlager ein Spiel aufweisen, dann können sie vorsichtig nachjustiert werden, damit sie wieder ruckelfrei funktionieren. Defekte Kugellager oder Buchsen müssen gegen Neuteile ersetzt werden.

geraeusche am mountainbike
Drehpunkte sorgen oft für Knackgeräusche. Fetten und richtig anziehen hilft.

geraeusche am mountainbike
Die Sattelklemmung wird oft vergessen, sie ist aber ständiger Belastung ausgesetzt.

geraeusche am mountainbike
Das Steuerlager muss spielfrei und gut gefettet sein.

29 Juni 2020

Testbericht: Onza Porcupine MTB-Reifen

Bei Mountainbike-Komponenten darf man durchaus ein bisschen patriotisch sein, und darum fahre ich die Schweizer Onza Reifen, seit es sie gibt. Daher ist es höchste Zeit, den Freunden aus dem Baselbiet endlich einen Testbericht zu widmen.

In all den Jahren habe ich fast das gesamte Onza Sortiment an meinen Bikes montiert gehabt. Mein Favorit war bis jetzt der Ibex, welcher ein guter Mix aus Traktion, Pannenschutz und Haltbarkeit bietet. Allerdings ist er mittlerweile ein bisschen in die Jahre geraten und darum setzte ich in den letzten Monaten auf das Modell Aquila. Dieser wurde von Downhill-Superstar Aaron Gwin mitentwickelt und ist ein wahres Gripmonster.

In diesem Blogbeitrag geht es um den Porcupine, den neuesten Reifen in der Onza Familie. Dieser Name dürfte Mountainbikern, die schon seit Beginn der 90er Jahre den Sport betreiben, in den Ohren vertraut klingen. Der Kultreifen von früher wurde wieder zum Leben erweckt!

test_onza_porcupine
Der Onza Porcupine. Der Kultreifen wurde wieder zum Leben erweckt!


Ein kurzer Blick zurück: Die amerikanische Firma Onza war in der Blütezeit des Mountainbikens ein bekannter Rahmen- und Komponentenhersteller. Berühmt wurden sie vor allem mit ihren Barends in allen möglichen Formen und Farben. Und sie produzierten auch Reifen mit dem Namen Porcupine. Für Aufsehen sorgte das eine Modell mit der weissen Lauffläche, in der Welt von schwarzen Reifen war das eine Sensation. Wie viele andere Kultfirmen von damals verschwand auch Onza im Laufe der Zeit... Ich hatte es leider verpasst, damals einen Porcupine zu fahren. Ich war ein Panaracer Fan und hatte Timbuk II, Smoke und Dart an meinen Felgen.

Seit mehr als 10 Jahren ist der Reifenname Onza nun wieder zurück und in Schweizer Hand. Der aktuellste Coup ist jetzt die Neuentwicklung des Modells Porcupine. Stilgerecht kommt der Reifen in drei Designs, komplett schwarz, schwarz mit Skinwall und weiss mit Skinwall. Coole Sache!

test_onza_porcupine
Neuer Onza Porcupine trifft alter Onza Porcupine. (Foto: onzatires.com)


Der Porcupine wurde für die Anforderungen von modernen Mountainbikes entwickelt. Der Reifen kommt in den Grössen 27.5" und 29" und in den Breiten 2.40" und 2.60". Es gibt verschiedene Gummimischungen und Seitenwände, damit jeder Einsatzbereich abgedeckt werden kann. Der Porcupine ist somit für Tourenbiker, E-Biker und Enduroracer geeignet.

Ich fahre den Porcupine in 27.5"x2.40" und komplett schwarz. Die Gummimischung ist 60a/45a und die Seitenwände sind mit 60 TPI gewebt. Das Gewicht beträgt 850 Gramm (nachgewogen). Wie bei Onza üblich kommt das Design sehr dezent daher und doch sind alle Informationen auf dem Reifen aufgedruckt. Sogar die empfohlene Felgenbreite wird vermerkt. Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es allerdings, der Markenname ist links und rechts nicht auf der gleichen Höhe zu finden. Wenn ich mein Bike von der linken Seite anschaue, dann steht der Name nicht auf der Höhe des Ventils, mir als Ästhet tun da die Augen weh...

Ich montierte die Porcupines tubeless auf einer Felge mit 28 mm Innenbreite an meinem Rocky Mountain Thunderbolt. Das Aufziehen war problemlos, die Reifen konnten mit einer normalen Standpumpe aufgepumpt werden und hielten sogar ohne Milch dicht. Beim Reifendruck fuhr ich meistens mit 1,6 bar vorne und 1,8 bar hinten. Ich weiss, über den Reifendruck könnte man stundenlang diskutieren. Für mich als Tourenbiker mit 70 kg Betriebsgewicht ist ein Druck um die 1,6 bar ein guter Kompromiss zwischen Traktion, Durchschlagsschutz und Rollverhalten. Ich hatte es auch mit tiefen 1,2-1,5 bar versucht, der Grip wurde natürlich besser, gleichzeitig gab es aber mehr Durchschläge direkt auf die Felge.

test_onza_porcupine
Die Stachelschweine sind bereit für die Trails,


Das Profil besteht aus kleinen Klötzchen, so wie man es auch von anderen Marken oder von Motocross-Reifen kennt. In der Mitte befinden sich härtere Stollen in 60a für ein gutes Rollverhalten und lange Haltbarkeit, die Seitenstollen sind in der weichen 45a Mischung für hohen Kurvengrip. Die gemessene Breite ist 61 mm, das entspricht exakt 2.40".

test_onza_porcupine
Das Porcupine Profil mit Klötzchen in verschiedenen Grössen.


Ich konnte die Reifen in den letzten drei Monaten intensiv testen bei allen möglichen Bedingungen. Von staubtrocken bis vollschlammig und von Waldboden bis Felsbrocken war alles dabei. Die Gummis verrichteten zuverlässig ihre Arbeit und sorgten für genügend Grip in den Up- und Downhills auf den verschiedenen Böden. Lediglich bei sehr rutschigen Verhältnissen bei Nässe und Trockenheit und bei hoher Geschwindigkeit kam der Reifen an seine Grenzen. Da bietet der Aquila mit den grösseren Stollen mehr Traktion und Sicherheit. Das Rollverhalten ist gut, der Reifen gleitet fast widerstandslos über die Hindernisse und bietet eine angenehme Eigendämpfung. Mittlerweile habe ich über 1000 km zurückgelegt, Pannen gab es keine und der Verschleiss am Profil ist klein. Die lange Haltbarkeit war schon immer eine Stärke der Onza Reifen.

test_onza_porcupine
Uphill bei Trockenheit...

test_onza_porcupine
... und Uphill bei Nässe. Der Reifen bietet viel Grip auf allen Untergründen.

test_onza_porcupine
Wenn der Boden am Reifen klebt... Die Profilreinigung ist erstaunlich gut.

test_onza_porcupine
Auf griffigen Trails beissen sich die Stollen zuverlässig fest.

test_onza_porcupine
Vorderrad hoch und das Hinterrad rollt flüssig über die Wurzeln.


Fazit


Der Onza Porcupine ist ein treuer Begleiter auf allen Trails und bei allen Bedingungen. Der Grip ist zuverlässig bei Trockenheit und Nässe, das Rollverhalten ist gut und Pannenschutz und Haltbarkeit sind ausgezeichnet. Tourenbiker und Trailshredder sollten den Porcupine unbedingt beim nächsten Reifenkauf ins Auge fassen!


Preis


ab CHF 65.90

Informationen


Website Onza Tires
Website CHRIS sports

test_onza_porcupine
Fliegt man über den Schlamm, rutscht man weniger!

07 Mai 2020

Erfahrungsbericht: Kärcher KHB 6 Battery Mitteldruckreiniger

Ich habe von der Firma Kärcher den neuen KHB 6 Battery Handheld Cleaner zum Test erhalten. Dieser wird in der Produktkategorie Mobile Reinigung geführt. Im Gegensatz zum tragbaren OC 3 Niederdruckreiniger für unterwegs (Bericht hier), ist der KHB 6 für den Einsatz zu Hause gedacht. Ein Betrieb ist auch möglich, wenn ein Strom- oder Wasseranschluss für ein Reinigungsgerät fehlen.

Der Kärcher KHB 6 Battery ist bereit für grosse Aufgaben.


Der KHB 6 sieht aus wie ein überdimensionierter Akkuschrauber. Das Betriebsgewicht beträgt nur 2100 Gramm und er liegt somit bequem in der Hand. Im Lieferumfang sind eine Flachstrahldüse für die schonende Reinigung und eine Rotordüse für starke Verschmutzungen enthalten. Wie bei Kärcher üblich, sind noch weitere Aufsätze optional erhältlich, damit man sein Gerät auf die eigenen Bedürfnisse konfigurieren kann.

Der KHB 6 wird mit Lanze und zwei verschiedenen Düsen geliefert.

Akku und Ladegerät sind optional erhältlich und mit anderen Geräten aus dem Kärcher Battery Universe kompatibel.


Betrieben wird der Reiniger mit einem 18 V/2,5 oder 5,0 Ah Lithium-Ionen-Wechselakku, welcher mit einem Schnellladegerät geladen wird. Akku und Ladegerät müssen zusätzlich gekauft werden. Wer aber schon andere Kärcher Geräte mit einem 18 V Akku besitzt, kann den gleichen Akku für den KHB 6 verwenden. Hinten am Akku ist ein LCD-Display integriert, welches den Batteriestand in Prozent angibt. Und beim Ladevorgang wird die verbleibende Ladezeit in Minuten angezeigt, so weiss man genau, wann der Reiniger wieder bereit für die Arbeit ist.

Der Akku zeigt bei Betrieb die Kapazität an. Im Ladegerät sieht man die verbleibende Ladezeit.


Die Inbetriebnahme ist kinderleicht. Den geladenen Akku in den Handgriff stecken, externe Wasserquelle anschliessen und abfeuern. Der KHB 6 hat ordentlich Power, das Wasser schiesst mit maximal 24 bar aus der Lanze und damit darf er sich Mitteldruckreiniger nennen.

Das Wasser kann über einen herkömmlichen Gartenschlauch mit Schnellverschluss bezogen werden. Wer keinen Wasseranschluss besitzt, kann den Reiniger mit einem optional erhältlichen Saugschlauch betreiben. Dieser wird einfach in einen Eimer, Brunnen oder Bach gelegt und schon hat man seine mobile Waschstation überall dabei. Ich benutze den KHB 6 hauptsächlich für das Waschen meiner Mountainbikes. Aber natürlich kann der Reiniger für alle möglichen Gegenstände im und ums Haus verwendet werden. Praktisch vor allem, wenn man nicht einen fixen Strom- oder Wasseranschluss in der Nähe hat.

Der KHB 6 im Einsatz. Ein leichtes und handliches Gerät mit viel Power.


Das handliche Reinigungsgerät verrichtet seine Aufgaben mit einem typischen Elektromotorsummen. Der Sprühstrahl lässt sich mit dem Zeigefingerabzug gut dosieren. Wenn man halb nach hinten zieht kommt nur wenig Wasser, und wenn man ganz durchdrückt steht die volle Kraft zur Verfügung. Der Abzug lässt sich zudem fix einrasten. Je nach Aufsatz ist der Strahl stark genug, um auch die hartnäckigsten Verschmutzungen zu lösen. Gleichzeitig ist der Wasserstrahl sanft zum Material, gerade bei einem Mountainbike werden so die empfindlichen Dichtungen und Lager nicht zerstört. Der Akku hält eine halbe Ewigkeit. Ich habe mittlerweile schon mehrere Bikes gründlich geputzt und bin immer noch an der ersten Ladung dran.

Mit der Düse kann punktgenau der Schmutz bekämpft werden.

Die optionale Bürste hilft bei grösseren Flächen.


Fazit:

Der Kärcher KHB 6 Battery ist das Tuning für den Gartenschlauch. Das leichte Gewicht, die präzise Strahlführung, die lange Batteriedauer und das optional erhältliche Zubehör machen ihn zum zuverlässigen Begleiter für sämtliche Reinigungseinsätze.

Preis:

CHF 170.00 (ohne Akku/Ladegerät (plus CHF 115.00))

Informationen:

Kärcher Home & Garden


Biker, James Biker. Mit der Lizenz zum Kärchern.

30 April 2020

Der Winkel der MTB-Bremshebel

Kürzlich habe ich ein interessantes Video von Fox Suspension entdeckt, in welchem Race-Supporter Jordi Cortes über den Winkel der Bremshebelposition philosophiert. Das Video gibt es weiter unten zu sehen.

Dieser Punkt führt auch zwischen meinen Kunden, Kollegen und mir immer wieder mal zu Diskussionen, denn hier gehen die Meinungen weit auseinander. Ob man die Bremshebel flach oder steil fahren soll ist wortwörtlich Einstellungssache, es gibt kein generelles richtig oder falsch. Da die Bremshebeleinstellung aber massgeblich die Position auf dem Bike beeinflusst, ist es durchaus interessant, sich mit diesem Thema genauer zu befassen.

Ich persönlich fahre meine Bremshebel sehr flach, dies kommt noch aus meiner Zeit als Downhiller Ende der 90er Jahre. Damals waren die Bikes noch nicht so potent wie heute, und um im steilen Gelände Überschläge zu vermeiden, nahm man eine sehr hecklastige Position ein. Damit ich mit gestreckten Armen die Bremshebel noch gut erreichen konnte bzw. die Handgelenke nicht zu fest abknicken musste, stellte ich die Hebel flach ein (Arme, Hände und Bremshebel waren so in einer geraden Linie).

bremshebeleinstellung
Ich fahre meine Bremshebel sehr flach. Flacher als die übliche Empfehlung...


Mittlerweile haben sich die Zeiten geändert. Bei aktuellen Mountainbikes mit ihren langen Geometrien, kurzen Vorbauten und breiten Lenkern steht man zentral im Rahmen drin. Dadurch muss man selbst in sehr steilen Passagen das Gesäss nicht weit hinter den Sattel schieben und die Arme sind nur noch selten voll durchgestreckt. Ich habe mich diesem neuen Fahrstil angepasst, nur eine Einstellung von früher ist geblieben: Ich fahre meine Bremshebel weiterhin sehr flach. Und es passt für mich so, ich fühle mich wohl dabei und habe vor allem keinerlei körperliche Beschwerden.

Ein guter Kollege von mir, welcher auch schon seit Ewigkeiten am Biken ist, der fährt seine Bremshebel hingegen steil. Er argumentiert damit, dass er beim Manual die Bremse besser kontrollieren kann. Für mich ist diese Aussage nicht logisch, denn beim Manual nimmt man ja bewusst die hecklastige Position ein und die Arme sind durchgestreckt. Da er aber zu den besten Manual-Fahrern gehört, die ich kenne, muss es für ihn also so stimmen. Wie erwähnt, die Meinungen gehen auseinander...

bremshebeleinstellung
Attacke! Die Bremshebeleinstellung beeinflusst massgeblich die Position auf dem Bike. (Foto: spitznagel.ch)


Hier nun das Video von Fox-Mann Jordi Cortes. Ein Kernaussage ist, dass eine flache Bremshebeleinstellung den sogenannten Arm Pump verhindern kann. Jeder, der schon mal sehr viele Höhenmeter am Stück vernichtet hat, dem werden wahrscheinlich irgendwann die Arme, Finger oder auch Schultern gebrannt haben. Das ist einerseits auf fehlende Kraft und Fitness zurückzuführen, es kann aber tatsächlich auch mit dem Cockpit-Setup zu tun haben.




Es geht vor allem um den Knick im Handgelenk, welcher die Blutbahnen und Nerven quetscht und dann Ermüdung, Krämpfe oder sogar Taubheitsgefühle auslösen kann. Wenn die Hebel steil sind, müssen die Finger weiter um den Lenkergriff greifen und das Handgelenk knickt nach unten ab. Wenn die Hebel flacher sind, liegt die Hand gleichmässiger auf dem Lenkergriff auf und die Druckverteilung ist besser.

Dies merkt man natürlich hauptsächlich in den Abfahrten, von einer flacheren Bremshebeleinstellung können daher vor allem Downhiller und Enduropiloten profitieren. Aber auch Tourenfahrer, die allenfalls Probleme mit eingeschlafenen Fingern haben, sollten sich mal ihre Bremshebel anschauen. Oft werden zuerst die Lenkergriffe gewechselt, vielleicht ist aber eine andere Hebelposition die Lösung für ein beschwerdefreies Biken.

bremshebeleinstellung
Flach oder steil? Probiere verschiedene Positionen aus und erlebe die Unterschiede.


Verstelle deine Bremshebel und probiere verschiedene Positionen aus. Es braucht lediglich einen Inbus- oder Torxschlüssel und schon kann man die Bremshebel nach unten oder oben verstellen. Suche dir danach eine passende Tour aus, wo du eine lange oder ruppige Abfahrt drin hast. Du wirst schnell merken, wie eine andere Hebelposition deine Fahrweise und dein Wohlbefinden beeinflussen können.

Als Faustregel gilt, wenn man den Zeigefinger auf den Bremshebel legt, dann sollte sich eine gerade Linie über das Handgelenk und den Unterarm bilden. Das ist die Ausgangslage für eine gute Grundeinstellung. Und damit es wieder einmal gesagt ist: Beim Bremsen gehört nur der Zeigefinger an den Hebel!

Wie fährst du deine Bremshebel, flach oder steil?

bremshebeleinstellung
Downhiller Loris Vergier vom Team Santa Cruz fährt die Hebel waagrecht! (Foto: vitalmtb.com/maddogboris)

25 März 2020

MTB-Fahrtechnik für zu Hause

Als im März 2020 das Coronavirus die Macht übernahm, musste ich meine Arbeit als MTB-Fahrtechnik-Trainer per sofort einstellen. Diese ungewöhnliche Situation hat mich dazu bewegt, mein Können und meine Erfahrung online weiterzugeben, damit du zu Hause deine Fahrtechnik verbessern kannst.

Ich habe in regelmässigen Abständen Videos veröffentlicht, wo alle Manöver und Techniken gezeigt werden, die man als Mountainbiker beherrschen sollte. Es ist auch Motivation und Inspiration, um zu zeigen, was mit ein bisschen Übung alles möglich ist. Auch ich konnte mich weiter verbessern, obwohl ich schon seit über 30 Jahren bike. Man hat nie ausgelernt!

Die Videos werden auf Schweizerdeutsch präsentiert, so kann ich authentisch bleiben. Sorry für meine deutschsprachigen Freunde, aber ich denke, ihr werdet es trotzdem verstehen bzw. die Übungen sprechen für sich selbst.

Da uns der Staat zwang, zu Hause zu bleiben, wurden die Trainings bei mir in der Tiefgarage und auf hartem Boden durchgeführt. Eine hohe Traktion gibt leider ein falsches Gefühl von Sicherheit, daher wäre es natürlich sinnvoller, auf einem rutschigen Untergrund zu fahren. Nur dann spürt man das Verhalten vom Bike. Daher ist es ratsam, diese Übungen draussen auf Schotter und Dreck zu probieren.

Sämtliche dieser Manöver sind selbstverständlich auch mit einem E-MTB machbar. Es braucht allenfalls ein wenig mehr Kraftaufwand, aber Technik und Bewegungsablauf sind identisch.

Ganz alle Tipps und Tricks habe ich natürlich nicht verraten, darum freue ich mich, wenn ich dich hoffentlich bald an einem Fit for Trails Bikekurs begrüssen darf!

Viel Spass beim Üben!


Hinterrad hüpfen


Die erste Übung war ein Wunsch von einem Kunden und ist ein anspruchsvolles Manöver: Auf dem Hinterrad hüpfen. Zugegeben, ich bin kein Trial-Spezialist, aber gewisse Grundkenntnisse sind vorhanden.




Gleichgewicht verbessern


Das Gleichgewicht ist das wichtigste Grundelement. Erst mit einem guten Gleichgewicht kannst du knifflige Trails fahren, gewisse Techniken umsetzen und vor allem Stürze vermeiden.




Richtig Bremsen


Das Dosieren der Vorder- und Hinterradbremse ist entscheidend, ob du anspruchsvolle und rutschige Trails kontrolliert meistern kannst. Und die wichtigste Regel, Mountainbiker bremsen nur mit dem Zeigefinger am Hebel!




Enge Kurven


Beim Befahren von engen Kurven sind vor allem das Gleichgewicht und die Blicktechnik wichtig. Wenn du diese zwei Punkte beherrscht, dann bist du bereit für die verwinkelsten Trails.




Weite Kurven


Auf rutschigem Untergrund und in weiten, schnellen Kurven hilft dir die Drucktechnik, damit du die nötige Traktion aufbauen kannst. Mit dieser Technik ziehst du souverän um die Ecken.




Hinterrad versetzen


Spitzkehren fahren und das dazugehörige Hinterrad versetzen gehören zur Königsdisziplin beim Biken. Lerne hier die nötige Technik, damit du dein Mountainbike elegant um die engsten Kurven schwingen kannst.




Vorderrad anheben


Das Vorderrad anheben ist ebenfalls ein wichtiges Grundelement, um flüssig über die Trails zu fahren und um Defekte oder sogar Stürze vermeiden zu können. Der Manual wird auch noch kurz erklärt.




Hinterrad anheben


Das Hinterrad anheben gehört ebenfalls zu den wichtigen Grundelementen beim Hindernisse überwinden. Damit es erfolgreich funktioniert, ist vor allem die richtige Fussstellung entscheidend.




Bunny Hop


Jetzt kommt mein persönlicher Lieblingstrick an die Reihe, der Bunny Hop. Der Bunny Hop ist das wichtigste Manöver, wenn man auf einem neuen Level biken will. Muss man können!



Wheelie


Auf dem Hinterrad fahren, das sogenannte Wheelie, ist in erster Linie ein Showelement. Es kann aber auf dem Trail hilfreich sein, wenn man vor einer Stufe das Vorderrad mit einem Pedalkick in die Höhe bringen kann. Ganz wichtig, immer Bremsbereitschaft an der Hinterbremse erstellen!




Tricks gegen Langeweile


Wenn du dich bis jetzt gelangweilt hast, weil du alles schon kannst, dann kommt hier noch das Bonusprogramm. Diese Tricks sind wahre Knacknüsse und brauchen einiges an Zeit und Geduld, bis man sie beherrscht. Achtung, hier besteht Verletzungsgefahr... Und, hast du alles im Griff?

07 März 2020

Laufschuhe sind keine Bikeschuhe

Flat Pedals werden immer populärer und beliebter. Viele Bikerinnen und Biker nutzen diese Plattformpedalen aber mit den falschen Schuhen und so geht der Grip verloren und die Verletzungsgefahr steigt.

Laufschuhe, Turnschuhe, Trekkingschuhe - Wie die Bezeichnungen schon sagen, sind diese Schuhe nicht zum Biken gedacht. Sie haben keine griffige Sohle, zu viel Dämpfungsmaterial und sind zu weich.

laufschuhesindkeinebikeschuhe
Ein Laufschuh ist kein Bikeschuh!



Investiere in gute Bikeschuhe


Flat Pedal Schuhe gibt es mittlerweile von zahlreichen Anbietern in allen möglichen Preisklassen und Farben. Zum Beispiel von Giro (hier auf dem Bild), Five Ten, Ride Concepts, Vaude, ION, Specialized, Scott, Northwave, usw. Wie immer gilt, unbedingt anprobieren und ausprobieren.

Ein guter Bikeschuh muss folgende Kriterien erfüllen:
  • griffige und feine Sohle für Grip
  • steife Mittelsohle für Kraftübertragung
  • schützender Zehenbereich
  • wetterbeständiges Obermaterial
laufschuhesindkeinebikeschuhe
Es ist wohl offensichtlich, welche Sohle mehr Grip auf dem Pedal bietet.

laufschuhesindkeinebikeschuhe
So oder ähnlich sollte ein Flat Pedal Schuh aussehen.



Fahre hochwertige Pedalen


Wenn du in neue Bikeschuhe investierst, dann solltest auch gleich noch einen Blick auf deine Pedalen werfen. Erstausrüster verbauen oft billige Plastikpedalen, die nichts wert sind. Hochwertige Flat Pedals sind aus Metall und haben einen grossen Pedalkörper, austauschbare Pins und gute Lager. Hier gibt es ebenfalls eine riesige Auswahl an verschiedenen Herstellern und Modellen.

laufschuhesindkeinebikeschuhe
Ein hochwertiges Flat Pedal bietet grosse Standflache, austauschbare Pins und gute Lager.



Die richtige Kombination sorgt für Grip


Mit der richtigen Schuh-Pedal Kombination hast du einen bombenfesten Halt und der kommt dem Klickpedal schon sehr nahe. Ein unabsichtliches Abrutschen wird verhindert und du hast den vollen Grip für alle deine Manöver. Und doch kannst du in brenzligen Situationen jederzeit den Fuss vom Pedal nehmen und profitierst von zusätzlicher Sicherheit.

Wenn du neu mit Flat Pedals fährst, empfiehlt es sich, dass du allenfalls Schienbeinschoner trägst. Trotz guten Schuhen und Pedalen braucht es eine gewisse Übung, bis du den maximalen Grip aufbauen kannst. Und dabei kann es passieren, dass du dir die Pins ins Schienbein rammst, was hässliche Narben hinterlässt... Aber keine Angst, du wirst schnell die nötige Routine entwickeln und kannst die Vorteile von Flats geniessen!

Mit Flat Pedals sind alle Techniken problemlos umsetzbar, wie ich in diesem Video demonstriere: