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7. Mai 2020

Erfahrungsbericht: Kärcher KHB 6 Battery Mitteldruckreiniger

Ich habe von der Firma Kärcher den neuen KHB 6 Battery Handheld Cleaner zum Test erhalten. Dieser wird in der Produktkategorie Mobile Reinigung geführt. Im Gegensatz zum tragbaren OC 3 Niederdruckreiniger für unterwegs (Bericht hier), ist der KHB 6 für den Einsatz zu Hause gedacht. Ein Betrieb ist auch möglich, wenn ein Strom- oder Wasseranschluss für ein Reinigungsgerät fehlen.

Der Kärcher KHB 6 Battery ist bereit für grosse Aufgaben.


Der KHB 6 sieht aus wie ein überdimensionierter Akkuschrauber. Das Betriebsgewicht beträgt nur 2100 Gramm und er liegt somit bequem in der Hand. Im Lieferumfang sind eine Flachstrahldüse für die schonende Reinigung und eine Rotordüse für starke Verschmutzungen enthalten. Wie bei Kärcher üblich, sind noch weitere Aufsätze optional erhältlich, damit man sein Gerät auf die eigenen Bedürfnisse konfigurieren kann.

Der KHB 6 wird mit Lanze und zwei verschiedenen Düsen geliefert.

Akku und Ladegerät sind optional erhältlich und mit anderen Geräten aus dem Kärcher Battery Universe kompatibel.


Betrieben wird der Reiniger mit einem 18 V/2,5 oder 5,0 Ah Lithium-Ionen-Wechselakku, welcher mit einem Schnellladegerät geladen wird. Akku und Ladegerät müssen zusätzlich gekauft werden. Wer aber schon andere Kärcher Geräte mit einem 18 V Akku besitzt, kann den gleichen Akku für den KHB 6 verwenden. Hinten am Akku ist ein LCD-Display integriert, welches den Batteriestand in Prozent angibt. Und beim Ladevorgang wird die verbleibende Ladezeit in Minuten angezeigt, so weiss man genau, wann der Reiniger wieder bereit für die Arbeit ist.

Der Akku zeigt bei Betrieb die Kapazität an. Im Ladegerät sieht man die verbleibende Ladezeit.


Die Inbetriebnahme ist kinderleicht. Den geladenen Akku in den Handgriff stecken, externe Wasserquelle anschliessen und abfeuern. Der KHB 6 hat ordentlich Power, das Wasser schiesst mit maximal 24 bar aus der Lanze und damit darf er sich Mitteldruckreiniger nennen.

Das Wasser kann über einen herkömmlichen Gartenschlauch mit Schnellverschluss bezogen werden. Wer keinen Wasseranschluss besitzt, kann den Reiniger mit einem optional erhältlichen Saugschlauch betreiben. Dieser wird einfach in einen Eimer, Brunnen oder Bach gelegt und schon hat man seine mobile Waschstation überall dabei. Ich benutze den KHB 6 hauptsächlich für das Waschen meiner Mountainbikes. Aber natürlich kann der Reiniger für alle möglichen Gegenstände im und ums Haus verwendet werden. Praktisch vor allem, wenn man nicht einen fixen Strom- oder Wasseranschluss in der Nähe hat.

Der KHB 6 im Einsatz. Ein leichtes und handliches Gerät mit viel Power.


Das handliche Reinigungsgerät verrichtet seine Aufgaben mit einem typischen Elektromotorsummen. Der Sprühstrahl lässt sich mit dem Zeigefingerabzug gut dosieren. Wenn man halb nach hinten zieht kommt nur wenig Wasser, und wenn man ganz durchdrückt steht die volle Kraft zur Verfügung. Der Abzug lässt sich zudem fix einrasten. Je nach Aufsatz ist der Strahl stark genug, um auch die hartnäckigsten Verschmutzungen zu lösen. Gleichzeitig ist der Wasserstrahl sanft zum Material, gerade bei einem Mountainbike werden so die empfindlichen Dichtungen und Lager nicht zerstört. Der Akku hält eine halbe Ewigkeit. Ich habe mittlerweile schon mehrere Bikes gründlich geputzt und bin immer noch an der ersten Ladung dran.

Mit der Düse kann punktgenau der Schmutz bekämpft werden.

Die optionale Bürste hilft bei grösseren Flächen.


Fazit:

Der Kärcher KHB 6 Battery ist das Tuning für den Gartenschlauch. Das leichte Gewicht, die präzise Strahlführung, die lange Batteriedauer und das optional erhältliche Zubehör machen ihn zum zuverlässigen Begleiter für sämtliche Reinigungseinsätze.

Preis:

CHF 170.00 (ohne Akku/Ladegerät (plus CHF 115.00))

Informationen:

Kärcher Home & Garden


Biker, James Biker. Mit der Lizenz zum Kärchern.

30. April 2020

Der Winkel der MTB-Bremshebel

Kürzlich habe ich ein interessantes Video von Fox Suspension entdeckt, in welchem Race-Supporter Jordi Cortes über den Winkel der Bremshebelposition philosophiert. Das Video gibt es weiter unten zu sehen.

Dieser Punkt führt auch zwischen meinen Kunden, Kollegen und mir immer wieder mal zu Diskussionen, denn hier gehen die Meinungen weit auseinander. Ob man die Bremshebel flach oder steil fahren soll ist wortwörtlich Einstellungssache, es gibt kein generelles richtig oder falsch. Da die Bremshebeleinstellung aber massgeblich die Position auf dem Bike beeinflusst, ist es durchaus interessant, sich mit diesem Thema genauer zu befassen.

Ich persönlich fahre meine Bremshebel sehr flach, dies kommt noch aus meiner Zeit als Downhiller Ende der 90er Jahre. Damals waren die Bikes noch nicht so potent wie heute, und um im steilen Gelände Überschläge zu vermeiden, nahm man eine sehr hecklastige Position ein. Damit ich mit gestreckten Armen die Bremshebel noch gut erreichen konnte bzw. die Handgelenke nicht zu fest abknicken musste, stellte ich die Hebel flach ein (Arme, Hände und Bremshebel waren so in einer geraden Linie).

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Ich fahre meine Bremshebel sehr flach. Flacher als die übliche Empfehlung...


Mittlerweile haben sich die Zeiten geändert. Bei aktuellen Mountainbikes mit ihren langen Geometrien, kurzen Vorbauten und breiten Lenkern steht man zentral im Rahmen drin. Dadurch muss man selbst in sehr steilen Passagen das Gesäss nicht weit hinter den Sattel schieben und die Arme sind nur noch selten voll durchgestreckt. Ich habe mich diesem neuen Fahrstil angepasst, nur eine Einstellung von früher ist geblieben: Ich fahre meine Bremshebel weiterhin sehr flach. Und es passt für mich so, ich fühle mich wohl dabei und habe vor allem keinerlei körperliche Beschwerden.

Ein guter Kollege von mir, welcher auch schon seit Ewigkeiten am Biken ist, der fährt seine Bremshebel hingegen steil. Er argumentiert damit, dass er beim Manual die Bremse besser kontrollieren kann. Für mich ist diese Aussage nicht logisch, denn beim Manual nimmt man ja bewusst die hecklastige Position ein und die Arme sind durchgestreckt. Da er aber zu den besten Manual-Fahrern gehört, die ich kenne, muss es für ihn also so stimmen. Wie erwähnt, die Meinungen gehen auseinander...

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Attacke! Die Bremshebeleinstellung beeinflusst massgeblich die Position auf dem Bike. (Foto: spitznagel.ch)


Hier nun das Video von Fox-Mann Jordi Cortes. Ein Kernaussage ist, dass eine flache Bremshebeleinstellung den sogenannten Arm Pump verhindern kann. Jeder, der schon mal sehr viele Höhenmeter am Stück vernichtet hat, dem werden wahrscheinlich irgendwann die Arme, Finger oder auch Schultern gebrannt haben. Das ist einerseits auf fehlende Kraft und Fitness zurückzuführen, es kann aber tatsächlich auch mit dem Cockpit-Setup zu tun haben.




Es geht vor allem um den Knick im Handgelenk, welcher die Blutbahnen und Nerven quetscht und dann Ermüdung, Krämpfe oder sogar Taubheitsgefühle auslösen kann. Wenn die Hebel steil sind, müssen die Finger weiter um den Lenkergriff greifen und das Handgelenk knickt nach unten ab. Wenn die Hebel flacher sind, liegt die Hand gleichmässiger auf dem Lenkergriff auf und die Druckverteilung ist besser.

Dies merkt man natürlich hauptsächlich in den Abfahrten, von einer flacheren Bremshebeleinstellung können daher vor allem Downhiller und Enduropiloten profitieren. Aber auch Tourenfahrer, die allenfalls Probleme mit eingeschlafenen Fingern haben, sollten sich mal ihre Bremshebel anschauen. Oft werden zuerst die Lenkergriffe gewechselt, vielleicht ist aber eine andere Hebelposition die Lösung für ein beschwerdefreies Biken.

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Flach oder steil? Probiere verschiedene Positionen aus und erlebe die Unterschiede.


Verstelle deine Bremshebel und probiere verschiedene Positionen aus. Es braucht lediglich einen Inbus- oder Torxschlüssel und schon kann man die Bremshebel nach unten oder oben verstellen. Suche dir danach eine passende Tour aus, wo du eine lange oder ruppige Abfahrt drin hast. Du wirst schnell merken, wie eine andere Hebelposition deine Fahrweise und dein Wohlbefinden beeinflussen können.

Als Faustregel gilt, wenn man den Zeigefinger auf den Bremshebel legt, dann sollte sich eine gerade Linie über das Handgelenk und den Unterarm bilden. Das ist die Ausgangslage für eine gute Grundeinstellung. Und damit es wieder einmal gesagt ist: Beim Bremsen gehört nur der Zeigefinger an den Hebel!

Wie fährst du deine Bremshebel, flach oder steil?

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Downhiller Loris Vergier vom Team Santa Cruz fährt die Hebel waagrecht! (Foto: vitalmtb.com/maddogboris)

25. März 2020

MTB-Fahrtechnik für zu Hause

Als im März 2020 das Coronavirus die Macht übernahm, musste ich meine Arbeit als MTB-Fahrtechnik-Trainer per sofort einstellen. Diese ungewöhnliche Situation hat mich dazu bewegt, mein Können und meine Erfahrung online weiterzugeben, damit du zu Hause deine Fahrtechnik verbessern kannst.

Ich habe in regelmässigen Abständen Videos veröffentlicht, wo alle Manöver und Techniken gezeigt werden, die man als Mountainbiker beherrschen sollte. Es ist auch Motivation und Inspiration, um zu zeigen, was mit ein bisschen Übung alles möglich ist. Auch ich konnte mich weiter verbessern, obwohl ich schon seit über 30 Jahren bike. Man hat nie ausgelernt!

Die Videos werden auf Schweizerdeutsch präsentiert, so kann ich authentisch bleiben. Sorry für meine deutschsprachigen Freunde, aber ich denke, ihr werdet es trotzdem verstehen bzw. die Übungen sprechen für sich selbst.

Da uns der Staat zwang, zu Hause zu bleiben, wurden die Trainings bei mir in der Tiefgarage und auf hartem Boden durchgeführt. Eine hohe Traktion gibt leider ein falsches Gefühl von Sicherheit, daher wäre es natürlich sinnvoller, auf einem rutschigen Untergrund zu fahren. Nur dann spürt man das Verhalten vom Bike. Daher ist es ratsam, diese Übungen draussen auf Schotter und Dreck zu probieren.

Sämtliche dieser Manöver sind selbstverständlich auch mit einem E-MTB machbar. Es braucht allenfalls ein wenig mehr Kraftaufwand, aber Technik und Bewegungsablauf sind identisch.

Ganz alle Tipps und Tricks habe ich natürlich nicht verraten, darum freue ich mich, wenn ich dich hoffentlich bald an einem Fit for Trails Bikekurs begrüssen darf!

Viel Spass beim Üben!


Hinterrad hüpfen


Die erste Übung war ein Wunsch von einem Kunden und ist ein anspruchsvolles Manöver: Auf dem Hinterrad hüpfen. Zugegeben, ich bin kein Trial-Spezialist, aber gewisse Grundkenntnisse sind vorhanden.




Gleichgewicht verbessern


Das Gleichgewicht ist das wichtigste Grundelement. Erst mit einem guten Gleichgewicht kannst du knifflige Trails fahren, gewisse Techniken umsetzen und vor allem Stürze vermeiden.




Richtig Bremsen


Das Dosieren der Vorder- und Hinterradbremse ist entscheidend, ob du anspruchsvolle und rutschige Trails kontrolliert meistern kannst. Und die wichtigste Regel, Mountainbiker bremsen nur mit dem Zeigefinger am Hebel!




Enge Kurven


Beim Befahren von engen Kurven sind vor allem das Gleichgewicht und die Blicktechnik wichtig. Wenn du diese zwei Punkte beherrscht, dann bist du bereit für die verwinkelsten Trails.




Weite Kurven


Auf rutschigem Untergrund und in weiten, schnellen Kurven hilft dir die Drucktechnik, damit du die nötige Traktion aufbauen kannst. Mit dieser Technik ziehst du souverän um die Ecken.




Hinterrad versetzen


Spitzkehren fahren und das dazugehörige Hinterrad versetzen gehören zur Königsdisziplin beim Biken. Lerne hier die nötige Technik, damit du dein Mountainbike elegant um die engsten Kurven schwingen kannst.




Vorderrad anheben


Das Vorderrad anheben ist ebenfalls ein wichtiges Grundelement, um flüssig über die Trails zu fahren und um Defekte oder sogar Stürze vermeiden zu können. Der Manual wird auch noch kurz erklärt.




Hinterrad anheben


Das Hinterrad anheben gehört ebenfalls zu den wichtigen Grundelementen beim Hindernisse überwinden. Damit es erfolgreich funktioniert, ist vor allem die richtige Fussstellung entscheidend.




Bunny Hop


Jetzt kommt mein persönlicher Lieblingstrick an die Reihe, der Bunny Hop. Der Bunny Hop ist das wichtigste Manöver, wenn man auf einem neuen Level biken will. Muss man können!



Wheelie


Auf dem Hinterrad fahren, das sogenannte Wheelie, ist in erster Linie ein Showelement. Es kann aber auf dem Trail hilfreich sein, wenn man vor einer Stufe das Vorderrad mit einem Pedalkick in die Höhe bringen kann. Ganz wichtig, immer Bremsbereitschaft an der Hinterbremse erstellen!




Tricks gegen Langeweile


Wenn du dich bis jetzt gelangweilt hast, weil du alles schon kannst, dann kommt hier noch das Bonusprogramm. Diese Tricks sind wahre Knacknüsse und brauchen einiges an Zeit und Geduld, bis man sie beherrscht. Achtung, hier besteht Verletzungsgefahr... Und, hast du alles im Griff?

7. März 2020

Laufschuhe sind keine Bikeschuhe

Flat Pedals werden immer populärer und beliebter. Viele Bikerinnen und Biker nutzen diese Plattformpedalen aber mit den falschen Schuhen und so geht der Grip verloren und die Verletzungsgefahr steigt.

Laufschuhe, Turnschuhe, Trekkingschuhe - Wie die Bezeichnungen schon sagen, sind diese Schuhe nicht zum Biken gedacht. Sie haben keine griffige Sohle, zu viel Dämpfungsmaterial und sind zu weich.

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Ein Laufschuh ist kein Bikeschuh!



Investiere in gute Bikeschuhe


Flat Pedal Schuhe gibt es mittlerweile von zahlreichen Anbietern in allen möglichen Preisklassen und Farben. Zum Beispiel von Giro (hier auf dem Bild), Five Ten, Ride Concepts, Vaude, ION, Specialized, Scott, Northwave, usw. Wie immer gilt, unbedingt anprobieren und ausprobieren.

Ein guter Bikeschuh muss folgende Kriterien erfüllen:
  • griffige und feine Sohle für Grip
  • steife Mittelsohle für Kraftübertragung
  • schützender Zehenbereich
  • wetterbeständiges Obermaterial
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Es ist wohl offensichtlich, welche Sohle mehr Grip auf dem Pedal bietet.

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So oder ähnlich sollte ein Flat Pedal Schuh aussehen.



Fahre hochwertige Pedalen


Wenn du in neue Bikeschuhe investierst, dann solltest auch gleich noch einen Blick auf deine Pedalen werfen. Erstausrüster verbauen oft billige Plastikpedalen, die nichts wert sind. Hochwertige Flat Pedals sind aus Metall und haben einen grossen Pedalkörper, austauschbare Pins und gute Lager. Hier gibt es ebenfalls eine riesige Auswahl an verschiedenen Herstellern und Modellen.

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Ein hochwertiges Flat Pedal bietet grosse Standflache, austauschbare Pins und gute Lager.



Die richtige Kombination sorgt für Grip


Mit der richtigen Schuh-Pedal Kombination hast du einen bombenfesten Halt und der kommt dem Klickpedal schon sehr nahe. Ein unabsichtliches Abrutschen wird verhindert und du hast den vollen Grip für alle deine Manöver. Und doch kannst du in brenzligen Situationen jederzeit den Fuss vom Pedal nehmen und profitierst von zusätzlicher Sicherheit.

Wenn du neu mit Flat Pedals fährst, empfiehlt es sich, dass du allenfalls Schienbeinschoner trägst. Trotz guten Schuhen und Pedalen braucht es eine gewisse Übung, bis du den maximalen Grip aufbauen kannst. Und dabei kann es passieren, dass du dir die Pins ins Schienbein rammst, was hässliche Narben hinterlässt... Aber keine Angst, du wirst schnell die nötige Routine entwickeln und kannst die Vorteile von Flats geniessen!

Mit Flat Pedals sind alle Techniken problemlos umsetzbar, wie ich in diesem Video demonstriere:

20. Februar 2020

Radsportler sind Jäger und Sammler

Ich bezeichne mich selbst als sehr ordentlichen Menschen. Ich führe einen aufgeräumten Haushalt, entsorge regelmässig altes Zeugs, das ich nicht mehr brauche und überlege mir genau, welche Dinge ich mir anschaffe und auch wirklich brauche. Ich tendiere sogar zum Minimalismus.

Was in meinem normalen Leben ganz gut funktioniert und mich frei und glücklich macht, das geht in meinem Dasein als Radsportler leider nicht wirklich. Ich und die meisten anderen Radsportler gehören zur Gattung Jäger und Sammler. Wir jagen nach coolen Teilen, um unsere Bikes schöner, leichter und schneller zu machen. Und gleichzeitig werden wir zu Sammlern, weil wir das ganze nicht benötigte Material zu Hause horten und zusehen, wie es alt und unbrauchbar wird.

Warum tue ich mich so schwer, um mich von diesem alten Zeugs zu trennen und sammle Teile, die ich gar nicht mehr verwenden kann?

Diese Frage habe ich mir in letzter Zeit immer häufiger gestellt und deshalb den Entschluss gefasst, dass auch beim schönsten Sport der Welt Ordnung und Vernunft herrschen muss. Darum entsorge und verkaufe ich jetzt laufend meine Sammlerstücke und Staubfänger. Bis jetzt bereue ich es nicht!

Ich bin mir sicher, fast jeder ambitionierte Mountainbiker oder Rennradfahrer leidet an diesem Syndrom. Dein Keller oder deine Garage sind garantiert voll mit Kisten und Regalen, welche mit Bikematerial gefüllt sind, oder? Getreu nach dem Messi-Motto "das kann ich irgendwann mal noch brauchen" behält man alte Lenker, Pedalen, Reifen, Kettenblätter, usw. Aber seit wann liegen diese Teile bei dir rum? 1, 2, 5 Jahre? Hast du in der schnelllebigen Bikeindustrie wirklich das Gefühl, dass du dieses Zeugs jemals wieder an ein Bike schrauben wirst? Nein, wahrscheinlich nicht.

Nutze jetzt die Winterzeit, um dich von diesem Müll zu befreien. Schon bald hast du mehr Platz in deinem Bikeraum und suchst nicht mehr stundenlang nach einer Schraube. Du hast beim Wiederverkauf ein paar Franken verdient und vor allem bist du zum Frühlingsanfang bereit, um ohne Ballast in die neue Bikesaison zu starten!

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So sieht es wohl bei vielen Radsportlern im Keller oder in der Garage aus...



Behalte nur Dinge, die an dein aktuelles Bike passen


Wenn du jetzt mit dem Aufräumen beginnst, dann schaue vor allem, welche Teile an dein aktuelles Bike passen und welche nicht. Es ist sinnlos, wenn du eine 12-fach Schaltung fährst und einen 10-fach Schalthebel behältst. Wenn dein aktuelles Bike mit 29 Zoll Laufrädern ausgestattet ist, dann kannst du die 26 Zoll Reifen und Schläuche entsorgen. Die sündhaft teuren Carbon-Laufräder für dein altes Rennrad mit Felgenbremsen wirst du für deinen neuen Renner mit Scheibenbremsen nie mehr gebrauchen. Kennst du diese Situationen?

Ich selbst schaue nun ganz bewusst, dass ich nur Teile auf Vorrat habe, die ich sicher jederzeit verbauen kann. Das Mountainbike ist mein tägliches Arbeitsgerät, auf welches ich unmöglich verzichten kann, und darum habe ich die wichtigsten Komponenten auf Lager, falls mal ein unverhoffter Defekt auftritt. So war ich schon froh um Ersatzgabel oder Ersatzräder, weil diese in die Reparatur mussten und erst nach zwei Wochen wieder zurückkamen. Auch Bremsbeläge sind immer im falschen Moment komplett abgefahren und dann ist es schön, wenn die Neuen schon bereit liegen. Zusätzlich auf Reserve habe ich Ketten, Schaltkabel, Schläuche (obwohl ich Tubeless fahre), Reifen, Pedalen und Kleinmaterial für die schnelle Reparatur.

Wenn mir aber wieder ein neues Mountainbike ins Haus kommt, dann schaue ich, dass ich mich möglichst rasch von allem Material trenne, das dafür nicht mehr passt. Mit den vielen verschiedenen Standards und immer häufigeren Modellwechseln, ist das Verkaufen und Loswerden mittlerweile ein richtiges Wettrennen geworden…

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Mein Keller heute. Wenig Bikes und alles schön aufgeräumt und versorgt. Für mich stimmt es so!



Lass dich nicht zu fest von Emotionen leiten


Sich von Gütern zu trennen ist oft ein sehr emotionaler Prozess. Als Mountainbiker der ersten Stunde habe auch ich lange die Teile von meinen allerersten Bikes behalten (Shimano XT Daumenschalthebel, Rock Ring Kettenblattschutz, DCD Kettenführung, Marzocchi XC 600 Federgabel, Panaracer Smoke Reifen, Selle Italia Flite Sattel, usw.) Wie viele Ex-Rennfahrer hatte ich auch noch eine riesige Sammlung von Startnummern, welche die Wände tapezierten. Irgendwann fragte ich mich aber, was mir das eigentlich alles bringt. Die Emotionen und Erlebnisse von damals habe ich weiterhin im Kopf, im Herzen und auf Fotos. Also verkaufte und entsorgte ich eines Tages diese Oldschool Teile und es hat mir überhaupt nicht weh gemacht. Besser noch, das Material war weg und ich musste es nicht mehr abstauben und Platz dafür hergeben.

Zugegeben, Emotionen sind etwas Schönes, vor allem wenn es den Mountainbikesport betrifft. Auch heute habe ich noch glänzende Augen, wenn ich vor einem alten Yeti, Klein, Ritchey, Breezer, usw. stehe. So war dann auch der Besuch der Mountain Bike Hall of Fame in Kalifornien im August 2016 einer der schönsten Momente in meinem Bikerleben (siehe Blogeintrag).

Aber eben, ich überlasse dieses Sammeln von altem Material den Profis, welche damit dann Bikes für das Museum zusammenbauen. So wird die Geschichte des Fahrrads weiter getragen und findet in der Öffentlichkeit statt. Und nicht in einem Keller in vergammelten Kisten.

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Mountain Bike Hall of Fame in Kalifornien. Die Pilgerstätte für Oldschool Fans!



Bekleidung und Trinkflaschen nicht vergessen


Nicht nur beim Material für die Bikes kann man die Kontrolle verlieren, sondern auch bei Bekleidung und Trinkflaschen. Radsport ist ein Ganzjahressport und um für alle Jahreszeiten gewappnet zu sein, braucht es einiges an Kleidern. Wer Wettkämpfe bestreitet, wird auch dort noch mit Erinnerungsshirts oder Trinkflaschen zugemüllt. Ich warte immer noch auf den Event, wo ich ein Shirt erhalte, dass mich nicht wie eine lebende Werbesäule aussehen lässt...

Bei der Bekleidung gilt ebenfalls, was nicht mehr brauchbar oder passend ist, gehört weggeschafft. Aus dem Baumwoll-Shirt vom Bikerennen von 2001 kannst du immerhin noch Putzlappen schneiden. Radhosen, deren Sitzpolster mittlerweile dünn wie Papier ist, wandern in den Müll. Ausgeleierte und verblichene Trikots wirst du auch nicht mehr anziehen, also weg damit. Falls du noch coole Retro- oder Kultshirts besitzt, diese können in einen Bilderrahmen gelegt und aufgehängt werden. An der Wand sehen sie besser aus, als in der Kiste im Keller.

Trinkflaschen ist ein weiteres Relikt, das sich laufend anstaut. Du solltest nur die Flaschen behalten, welche sicher in deinen Flaschenhalter passen und dir gefallen. Hässliche, alte und verschimmelte Bidons kannst du fachgerecht entsorgen.

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Auch bei der Bekleidung kann man die Kontrolle verlieren...



Verkaufen/Kaufen, Verschenken, Entsorgen


Dein nicht mehr benötigtes Bikematerial oder auch ganze Fahrräder kannst du auf verschiedenen Wegen loswerden.

Für den persönlichen Kontakt empfiehlt sich eine Teilebörse, dort herrscht Basarstimmung und nebst um Preise feilschen kannst du auch noch mit Gleichgesinnten fachsimpeln. Legendär ist zum Beispiel der Teilchenbeschleuniger in Zürich, wo sich jeweils das Who-is-Who der Schweizer Veloszene trifft. Mittlerweile gibt es auch Ableger in anderen Kantonen.

Wenn du dein Zeugs online loswerden willst, dann sind folgende Websites eine gute Möglichkeit: eBayFacebook Marketplace und spezifische Facebook Seiten, um an internationale Kundschaft zu gelangen. Und TraildevilsVelomarktRicardoTuttiVeloclickVelocorner für Schweizer Käufer. Aber mach dir keine Hoffnungen, dass du damit reich wirst. Der Markt ist toter als tot… Es herrscht ein totales Überangebot an Bikes und Komponenten und dementsprechend sind die Preise am Boden. Ich musste schon ein paar Mal fast weinen, wenn ich für nagelneues Material nur noch einen Schweinepreis erhalten habe.

Dafür kann man als Käufer natürlich von dieser Situation profitieren. Mit ein wenig Geduld findet man auf dem Gebrauchtmarkt neues Material zu Preisen, bei denen auch der günstigste Online-Shop nicht mithalten kann. Und gleichzeitig tut man Gutes, wenn man bereits vorhandene Ware kauft und so die Konsum- und Wegwerfmentalität ein bisschen bremst.

Um deine soziale Seite zu zeigen und jemandem eine Freude zu bereiten, kannst du dein überzähliges Material auch einfach verschenken. Viele Bikeclubs oder Familien sind froh, wenn sie für ihren Nachwuchs gratis zu Bikes, Biketeilen oder Bekleidung kommen. Was für dich selbst nicht mehr gut genug ist, das reicht für andere noch lange. Die Dankbarkeit, die du für diese nette Geste erhältst ist unbezahlbar!

Hortest du abgefahrene Reifen, ausgetauschte Kettenblätter, verbogene Schaltwerke und gekürzte Lenker? Ab in den Müll damit! Es gibt Teile, für die du weder Geld bekommst, noch jemanden eine Freude machen kannst. Es bringt nichts, wenn du stark gebrauchtes oder sogar defektes Material aufbewahrst. Du wirst diese Dinge nie mehr verwenden, verschwende keinen Platz dafür.

Wenn du die Entsorgung unbedingt vermeiden willst, dann hat vielleicht ein Künstler Interesse an deinem Altmetall. Es gibt einige kreative Köpfe, die aus alten Teilen Schmuckstücke, Kleiderbügel, Bilder, Taschen, usw. herstellen.

In diesem Sinne, viel Spass beim Aufräumen, Verkaufen und Entsorgen! Du wirst sehen, es macht dich glücklich!

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Der Teilchenbeschleuniger in Zürich. Die Kultveranstaltung für Velofans! (Foto: Facebook/Teilchenbeschleuniger)

11. Februar 2020

Mountainbiken vor der Haustüre

"Ich habe keine Zeit." "Das Wetter ist mir zu schlecht." "Ich muss die Kinder hüten." "Ich bin verschnupft." Es gibt leider viele Ausreden, um sich vor dem schönsten Sport zu drücken...

Biken bedeutet aber nicht nur, stundenlang in Wäldern und auf Bergen herumzukurven. Du musst auch nicht immer deine Kondition trainieren, eine gute Fahrtechnik ist fast noch wichtiger. Und diese kannst du mit wenig Aufwand und in kurzer Zeit verbessern.

Hier kommt die ultimative Anleitung für das Biken direkt vor der Haustüre (oder in einer Tiefgarage). Alles was du dazu brauchst sind Mountainbike, Helm, Schuhe, ein paar Bidons und 15-20 Minuten Zeit.

Alle hier gezeigten Techniken werden dir auch an einem Fit for Trails Bikekurs gezeigt und gelehrt.

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Aus der Haustüre raus und schon beginnt die Action!


Gleichgewicht schulen


Das Gleichgewicht ist die wichtigste Grundkomponente für gutes und sicheres Biken. Und gewisse Techniken lassen sich nur mit einer soliden Balance umsetzen. Hier solltest du also immer dran bleiben.

Trackstand


Der Klassiker ist das Stehenbleiben an Ort und Stelle. Stehend anfahren, Bremsen ziehen, Lenker nach rechts oder links einschlagen für mehr Stabilität und Blick nach vorne richten. Es braucht am Anfang eine gewisse Zeit, bis du den Punkt findest, wo du stabil stehst. Nicht verzweifeln, wenn es nicht gleich klappt, balancieren ist reine Übungssache.

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Der Trackstand ist die wichtigste Basisübung, um das Gleichgewicht zu verbessern.


Bidon aufheben


Stelle einen Bidon oder einen anderen Gegenstand auf den Boden und versuche beim Vorbeifahren mit der Hand danach zu greifen. Mit tiefem Sattel geht es einfacher, mit hohem Sattel ist die Herausforderung grösser. Trainiere beiden Seiten, damit du mit links und rechts den Gegenstand auflesen kannst.

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Streck dich! Gegenstände vom Boden aufheben hilft dem Gleichgewicht und der Beweglichkeit.


Spurgasse fahren


Suche eine längere Markierung oder ein Gitter am Boden, wo du entlang fahren kannst. Der Blick gehört nach vorne gerichtet und nicht auf das Vorderrad. Je geringer die Geschwindigkeit, desto schwieriger wird es, die Balance und Spur zu halten.

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Fahre möglichst langsam auf einer Linie und versuche die Spur zu halten.


Bremsen dosieren


Wer schon einmal in einem Fit for Trails Bikekurs war oder diesen Blog liest, der weiss: Gute Mountainbiker bremsen nur mit dem Zeigefinger! Es braucht niemals zwei oder sogar drei Finger am Bremshebel.

Bremsen ohne Blockierung


Beim Bremsen ist vor allem die richtige Dosierung entscheidend und das Zusammenspiel von Vorder- und Hinterbremse. Mit blockiertem Hinterrad durch die Kurve zu driften ist lustig, aber nicht ganz Sinn der Sache. Stelle mit zwei Bidons eine Bremsstrecke von ca. 2 Metern auf. Fahre mit hoher Geschwindigkeit an und versuche nun zwischen den Bidons auf Null runterzubremsen, ohne dass die Räder blockieren. Die Gewichtsverteilung ist zentral, für mehr Bremskraft kann auch das Gesäss nach hinten verschoben werden.

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Vollbremsung auf kurzer Distanz, ohne dass die Räder blockieren.


Endo/Stoppie


Der Endo oder Stoppie bedeuten, dass du so kontrolliert bremst, dass sich das Hinterrad vom Boden hebt und du kurz auf dem Vorderrad stehen bleibst. Dieses Manöver braucht Mut und Selbstvertrauen, ist aber gleichzeitig eine gute Übung für das Gefühl der Bremsdosierung. Fange mit einer tiefen Geschwindigkeit an und zieh vorsichtig an der Vorderbremse. Mit einer kleinen Bewegung aus den Füssen und Beinen kannst du dem Hinterrad einen Kick verleihen, damit es besser steigt. Der Körperschwerpunkt bleibt zentral, hänge nicht zu weit über den Lenker. Versuche stetig die Geschwindigkeit und Bremskraft zu steigern. Wenn das Überschlagsgefühl kommt, löse sofort die Vorderbremse und das Hinterrad sollte wieder zu Boden fallen.

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Hoch das Hinterrad! Der Stoppie hilft dir mehr Gefühl für die Bremse zu entwickeln.


Kurven fahren


Slalom fahren


Stelle 4-5 Bidons auf den Boden in einem Abstand von ca. 1-2 Metern. Versuche nun um die Bidons zu fahren, ohne diese mit den Rädern zu berühren. Diese Übung machst du ausnahmsweise im Sattel sitzen, da du ein wenig mittreten musst. Wähle einen leichten Gang bzw. eine hohe Trittfrequenz, das sorgt für weniger Weg und gibt mehr Stabilität. Der Blick geht auch hier nach vorne, schaue nicht den Gegenstand direkt vor deinem Vorderrad an. Mache eine möglichst starke Lenkbewegung, fahre die Kurve rund und investiere Platz. Immer dran denken, das Hinterrad macht den kürzeren Weg als das Vorderrad. Die Beinführung ist parallel zum Oberrohr, stelle nicht das Knie zu fest nach aussen (wir sind keine Motorradrennfahrer...). Benutze die Bremsen, um die Geschwindigkeit zu kontrollieren.

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Slalom fahren schult Balance, Blicktechnik und Koordination.


8er fahren


Stelle zwei Bidons auf den Boden und fahre in einer 8 im Kreis rum. So kannst du beide Kurvenseiten trainieren. Gleiche Technik wie beim Slalom fahren, aber hier kommt noch ein Schulterblick dazu, wenn du in die Kurve reinfährst. Wenn du den Kopf drehst und die nächste Kurve anpeilst, dann folgen dein Körper und Bike automatisch mit.

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Bei engen Kurven hilft der Schulterblick, damit sich Körper und Bike in die richtige Richtung drehen.


Drucktechnik anwenden


Die sogenannte Drucktechnik wird immer dann angewendet, wenn die Kurve wenig Traktion bietet. Schotterkurven, offene Kurven und generell rutschiger Untergrund. Fahre die Kurve von aussen an, ziehe in die Kurvenmitte und lass dich wieder nach aussen treiben. Der Körperschwerpunkt ist zentral und der Blick geht mir der Kurve mit. Die Pedalstellung ist hier hoch/tief, das heisst, der kurvenäussere Fuss ist unten und der kurveninnere Fuss ist oben. Drücke das Bike nach unten und von dir weg und bewege deine Hüfte nach aussen. Dein Gewicht liegt nun auf dem kurvenäusseren Bein bzw. auf den Reifen. Je mehr Druck du ausübst, desto mehr Traktion kannst du aufbauen.

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Hüfte raus und Bike von dir weg drücken. So erhöhst du die Traktion auf rutschigem Untergrund.


Hinterrad versetzen


Das Hinterrad versetzen wird für das Befahren von Spitzkehren benötigt und gehört zur Königsdisziplin beim Biken. Es ist eine schwierige Technik, die viel Übung braucht, um sie sicher im anspruchsvollen Gelände anwenden zu können. Die Kurve eher eng anfahren (ausnahmsweise nicht weit ausholen, da das Hinterrad auch noch Platz benötigt). Vorderrad zum Blockieren bringen und Hinterrad ab Boden heben. Mit der Oberschenkelinnenseite an den Sattel und zusammen mit der Hüfte das Bike nach aussen schwingen. Mit den Schultern und dem Blick den Kurvenausgang fixieren, um die Bewegung noch zusätzlich zu verstärken. Die Körperspannung muss während der ganzen Bewegung hoch sein und der Körperschwerpunkt ist zentral. Merke dir folgende Reihenfolge: Einlenken-Bremsen-Hüfte.

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Hinterrad versetzen. Sieht einfacher aus, als es ist...


Hindernisse überwinden


Hindernisse gezielt zu überwinden sorgt für einen sicheren und flowigen Fahrstil. Versuche immer dein Vorderrad oder auch beide Räder anzuheben, wenn Wurzeln, Steine oder Absätze im Weg stehen.

Vorderrad anheben


Das Vorderrad anheben muss jeder Mountainbiker beherrschen. So kannst du Stürze über den Lenker oder Defekte am Bike gezielt vermeiden. Der Bewegungsablauf ist ziemlich simpel, nur die jeweilige Höhe muss bewusst trainiert werden. Hindernis mit Schwung anfahren, Arme und Beine leicht anwinkeln, um Spannung aufzubauen. Am Lenker ziehen, den Körper aufrichten und Gesäss nach hinten verlagern. Zur Sicherheit ein Finger an die Hinterbremse, so kannst du das Manöver abbrechen, falls du zu weit nach hinten kippst.

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Das Vorderrad anheben gehört zu den Basics. Je höher, desto besser!


Hinterrad anheben


Beim Hinterrad anheben ist die Fuss- und Beinstellung entscheidend, vor allem für Flat Pedal Fahrer. Zentral im Bike stehen, in die Knie gehen und Spannung aufbauen. Die Füsse zeigen zuerst mit der Ferse nach unten, damit sich die Sohle mit dem Pedal verkeilen kann. Dann den Körper aufrichten und die Füsse mit den Zehenspitzen nach unten richten. Wichtig ist, dass du die ganze Zeit den Kontakt zu den Pedalen nicht verlierst. Nicht die Vorderbremse ziehen und weit über den Lenker liegen sonst haut es dich über den Lenker.

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Beine und Füsse brauchen, um das Hinterrad ab Boden zu heben.


Bunny Hop


Mit dem Bunny Hop kannst du Hindernisse locker überspringen und es ist der Schlüssel, um erfolgreich Jumps zu meistern. Das Erlernen des Bunny Hops braucht Geduld, aber dieser Aufwand lohnt sich auf jeden Fall. Wichtig ist hier, dass du den Bunny Hop am besten mit Flat Pedals (keine Klickpedalen) übst, nur so lernst du den sauberen Bewegungsablauf. Ein wichtiges Detail ist die richtige Pedalstellung und Fussposition. Um das Bike führen zu können und das Hinterrad in die Höhe zu bringen, muss aus den Fussgelenken gearbeitet werden. In leicht gebückter Haltung anfahren, um Druck aufzubauen. Dann das Vorderrad explosiv nach oben ziehen und den Körper nach oben strecken. Einen Moment nur auf dem Hinterrad gleiten und dann das Hinterrad mitziehen. Wichtig ist, dass die Priorität auf dem Vorderrad liegt und dieses immer höher als das Hinterrad ist. Über das Vorderrad steuerst du auch die Höhe des Bunny Hops. Die Landung erfolgt mit beiden Rädern gleichzeitig oder mit dem Vorderrad zuerst.

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Vorderrad zuerst nach oben! Die wichtigste Regel für einen sauberen und hohen Bunny Hop.


Manual


Der Manual ist ein Manöver, bei dem man mit dem Vorderrad in der Luft durch die Gegend surft. Es ist in erster Linie ein Showelement, aber es ist ein cooles Gefühl, wenn du einfach mit Balance und Gewichtsverlagerung am gleiten bist. Der Manual funktioniert am besten, wenn du ihn auf einer leicht abfallenden Strasse übst. Mit mehr Geschwindigkeit wird es stabiler, aber auch gefährlicher. Darum ganz wichtig, immer den Finger an der Hinterbremse haben, um den Vorgang abzubrechen, falls du nach hinten fällst. Der Bewegungsablauf ist gleich wie beim normalen Vorderrad anheben. Nur mit dem Gesäss wanderst du viel weiter weit nach hinten, der Schwerpunkt liegt hinter der Hinterradnabe. Die Beine sind abwechslungsweise angewinkelt oder gestreckt, damit kontrollierst du die Balance. Die Arme sind durchgestreckt.

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Beim Manual gilt Gesäss weit nach hinten schieben und mit Armen und Beinen die Balance finden.


Wheelie


Das Wheelie gehört ebenfalls in die Kategorie Showelement. Es kann auf dem Trail aber durchaus mal nützlich sein, wenn du das Vorderrad schnell mit einem Kick nach oben ziehen kannst. Auch hier, unbedingt den Finger an die Hinterbremse und Bremsbereitschaft erstellen. Ich habe leider schon viele Biker unkontrolliert nach hinten absteigen sehen und Schläge auf den Hinterkopf tun immer weh... Beim Wheelie bleibst du auf dem Sattel sitzen, dieser sollte etwa auf halber Höhe sein. Wähle einen mittelschweren Gang, für die Kickbewegung brauchst du einen Widerstand auf dem Pedal. Pedal auf 2-Uhr Stellung bringen, Kickbewegung mit dem Fuss nach unten und gleichzeitig am Lenker ziehen. Nun sollte das Vorderrad steigen und du solltest möglich weit nach hinten sitzen und dich im sogenannten Sweet Spot bewegen. Das ist der Punkt zwischen nach vorne oder nach hinten zu kippen. Kontrollieren kannst du diesen mit der Bremse, mit der Tretbewegung und mit der Körperposition. Die Arme sind die ganze Zeit durchgestreckt und der Blick geht weit nach vorne.

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Finger an die Hinterbremse, Vorderrad nach oben ziehen und den Sweet Spot suchen. So geht Wheelie!


Treppen/Stufen fahren


Wenn du, wie ich, noch eine Treppe oder Stufe vor der Haustüre hast, dann umso besser. So kannst du auch dieses Element einbauen. Beim Treppen runterfahren gehört das Körpergewicht nach hinten, um Überschläge zu verhindern. Die Arme sind durchgestreckt und der Blick zeigt nach vorne. Die Bremsen dosiert einsetzen, vor allem die Vorderradbremse sehr vorsichtig bedienen. Bleib in dieser Haltung, bis auch das Hinterrad die letzte Stufe überwunden hat und richte dich dann wieder in die zentrale Körperposition. Starte mit einer kleinen Treppe und wage dich an immer grössere Exemplare. Fahre nicht zu zögerlich runter, das Bike braucht eine gewisse Grundgeschwindigkeit, damit du nicht bei jede Stufe hängen bleibst. Zu schnell ist allerdings auch nicht gut, auf einer Treppe kontrolliert zu bremsen ist nahezu unmöglich.

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Beim Treppen fahren wandert das Gewicht nach hinten, Arme durchstrecken und Blick nach vorne richten.


Falls du Stufen oder Treppen in die Gegenrichtung fahren möchtest, dann gelten wieder die Regeln von Vorder- und Hinterrad anheben. Ziehe vor allem das Vorderrad genügend nach oben, damit du nicht einschlägst. Und mit dem Hinterrad musst du im richtigen Moment den Lastwechsel durchführen, damit auch dieses in die Luft geht.

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Treppen überwinden in Gegenrichtung. Schau, dass du das Vorderrad genügend weit nach oben hebst.


Hier noch ein Video, welches alle beschriebenen Übungen und Techniken zeigt. Viel Spass beim Biken vor der Haustüre!

22. Januar 2020

100 Fit for Trails Bike Blogs

Am 6. März 2013 startete ich den Fit for Trails Bike Blog. Es war für mich irgendwie eine nötige und logische Ergänzung zu meiner Bikeschule, welche ich seit 2012 führe. Denn ich merkte schnell, meine Kunden waren wissensdurstig und stellten an jedem Fahrtechnikkurs interessante (und dieselben) Fragen. Warum also daraus nicht einen Fragen-Antworten-Katalog kreieren? Da ich gerne Texte schreibe, Fotos schiesse und Videos schneide war der Schritt zum eigenen Blog schnell getan.

Mittlerweile sind fast 7 Jahre vergangen und ich habe letzte Woche den 100. Blogbeitrag veröffentlicht! Vielen Dank, dass auch du zu den treuen Lesern gehörst!

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Nur ein Bruchteil der Beiträge, die in den letzten sieben Jahren veröffentlicht wurden.


Der Fit for Trails Bike Blog ist nicht nur ein wertvolles Nachschlagewerk, sondern bietet auch eine kleine Zeitreise über den Bikesport. 7 Jahre sind in diesem Sport eine halbe Ewigkeit. Vor allem bei den Technologien ist in den letzten Jahren extrem viel passiert. Obwohl ein Mountainbike immer noch in etwa gleich aussieht, ist im Detail einiges daran verändert worden. Darum ist es ganz amüsant, wenn man die älteren Beiträge und vor allem deren Kommentare liest. Ein Einfach-Antrieb oder die grossen Laufräder haben vor nicht allzu langer Zeit noch für hitzige Diskussionen gesorgt. Heute fahren wir fast alle mit modernen Bikes herum und können uns gar nicht mehr vorstellen, wie es früher einmal war mit 30 Gängen, 26 Zoll Laufrädern und ohne Vario-Sattelstütze...

Eine Rangliste der beliebtesten Blogs aus den letzten drei Jahren findest du hier:

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Die Top Ten Blogs seit Beginn. Dieser Einfach-Antrieb ist das grosse Thema...


Interessanterweise hat der Fit for Trails Blog mehr als doppelt so viele Leser aus Deutschland, wie aus der Schweiz. Obwohl von einem Schweizer geschrieben und auf die Schweizer Bikeszene bezogen. Meine Schweizer Kursteilnehmer liefern die Ideen für die Blogbeiträge, aber die deutschen Freunde sind scheinbar die fleissigeren Leser. An dritter Stelle folgen die USA (!) und erst an vierter Stelle Österreich.

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Deutschland führt den Schweizer Blog an. Aber was machen die Amis auf Rang 3?


Dank des schnellen Wandels im Radsport wird mir der Stoff zum Schreiben sicherlich nicht ausgehen. Und meine Kunden werden weiterhin viele Fragen stellen, welche ich dann wieder zu Blogs verarbeiten darf. Ich freue mich auf die Zukunft und viele spannende Beiträge!

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Stetig steigende Leserzahlen hoffentlich auch in Zukunft!

19. Januar 2020

Winterreiseziel Maremma Toscana

Du suchst ein Winterreiseziel für dein Mountainbike- oder Rennradtraining? Du möchtest dem Schnee entfliehen und milde Temperaturen geniessen? Du willst Kultur und Kulinarik erleben abseits vom Touristenrummel?

Auf diese Fragen habe ich seit einigen Jahren die Antwort gefunden: La Maremma in der Südtoscana.

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Biketour in kurzen Hosen im Dezember. Die Maremma machts möglich!


Ich habe schon mehrmals einige Tage im Winter in der Maremma verbracht. Diesen Dezember/Januar sind es sogar ganze 6 Wochen am Stück, dies auch, weil wir neuerdings eine eigene Wohnung in Caldana besitzen.

Schon in der Vergangenheit war ich überrascht, wie mild und sonnig es jeweils war. Es kann also kein Zufall sein, dass das Wetter immer gut ist, wenn ich vor Ort bin. Dieses Mal hatten wir nach genau vier Wochen ein Tag Regen, das kann man durchaus verkraften. Deshalb kann ich die Toscana als Winterreiseziel allen wärmsten empfehlen, die gerne Sport treiben oder einfach in aller Ruhe die vielen Sehenswürdigkeiten besuchen möchten.

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Die leeren Häusergassen von Pitigliano. Ohne Touristenansturm ist es ganz angenehm.


Ich war es bisher nur von meinen Winterferien in Kalifornien und Südafrika (okay, dort ist jetzt Sommerzeit) gewohnt, dass ich jeden Morgen mit blauem Himmel und Sonnenschein begrüsst werde, wenn ich die Fensterläden öffne. Mit der heutigen Klimaproblematik muss man sich aber wohl oder übel fragen, ob es sinnvoll ist, im Winter in ein Flugzeug zu sitzen, nur um der Kälte und dem Schnee zu entfliehen. Daher ziehe ich die 7-stündige Autofahrt in die Toscana vor und muss mir nicht ein ganz so schlechtes Gewissen machen.

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Der Blick aus unserer Wohnung. Jeden Morgen werden wir mit blauem Himmel begrüsst!


Kurz vor Weihnachten machten wir uns auf den Weg mit Mountainbikes und Rennrädern im Gepäck, um uns eine kleine Auszeit zu gönnen. Wir haben jeden Tag Sport getrieben und Ausflüge gemacht und freuten uns an der Italianità. Es geht um diese Zeit noch ein bisschen lockerer und ruhiger zu und her, als sonst schon. Meraviglioso!

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Beste Bedingungen für Rennradtouren auf einsamen Strassen.

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Die klare Luft sorgt für eine beeindruckende Fernsicht!


Hier noch einige Tipps und Hinweise, falls du deine Winterferien auch mal in der Südtoscana verbringen möchtest:

  • Die Temperaturen bewegen sich tagsüber, je nach Sonne und Wind, um 10-18 Grad. In der Nacht kühlt es merklich ab und es kann schon mal frostig werden. Durch die eher tiefen Temperaturen wird man dafür mit einem klaren Himmel und von Sonnenuntergängen belohnt, wie man sie sonst nie sieht.
  • Bei den Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten steht nicht die ganze Auswahl zur Verfügung. Viele Betriebe schliessen nach Silvester und öffnen zum Teil erst an Ostern wieder. Vor allem die grossen Hotelkomplexe am Meer sind geschlossen, aber in einem kleinen Agriturismo ist es sowieso viel gemütlicher.
  • Die Biketrails sind zu dieser Jahreszeit nicht alle in perfektem Zustand. Wegen Wind, Jagd und Wildtieren liegen ab und zu Äste, Bäume und Steine im Weg. Eine angepasste Fahrweise ist deshalb empfehlenswert. Wir haben immer die Säge und Schaufel dabei und nehmen uns jeweils die Mühe, die grössten Hindernisse zu entfernen. Ganz nach dem Motto: No dig, no ride!
  • Zwischen 1. November und 31. Januar ist am Mittwoch, Samstag und Sonntag Jagd. Es empfiehlt sich, an diesen Tagen nicht mit dem Mountainbike in den tiefen Wäldern rumzukurven. Da sollte man sich entweder einen Ruhetag gönnen, mit dem Rennrad auf die Strasse gehen oder eine Tour entlang der Küste am Meer wählen.
  • Die Sonne geht um diese Jahreszeit schon um ca. 16.30 Uhr unter und es wird auch gleich merklich kühler. Bei der Tourenplanung gilt es darum zu berücksichtigen, dass man früh genug wieder zu Hause ist.
  • Weihnachten und Silvester werden nicht so intensiv gefeiert, wie zum Beispiel in der Schweiz. Nur am 25.12. und am 01.01. sind die Restaurants und Läden geschlossen. An den anderen "Feiertagen" ist alles wie gewohnt geöffnet.

Und jetzt lassen wir die Bilder sprechen!

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Der Sonnenuntergang und die blaue Stunde sind atemberaubend!

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Der Boden ist supertrocken und bietet perfekte Bedingungen für kleine Spielereien. 

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Saftiges grün und eine mystische Stimmung in den Hügeln der Maremma.

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Ausflug nach Castiglione della Pescaia bei schönstem Wetter.

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Die angeblich schönste Stadt der Toscana: Pitigliano.

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Die natürliche Therme von Saturnia. Ein Pflichtbesuch im Winter!

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Das 37 Grad warme Wasser lädt zum stundenlangen Baden ein.

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Biketour in den Hügeln rund um Caldana und Ravi.

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Ein bisschen Forstarbeit muss auch sein, damit alle Trails fahrbar bleiben.

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Italien wie man es liebt! Sonne, Pizza, Fiat Panda und Mülltonnen...

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Eine Laufrunde am Strand ist nie verkehrt.

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Auch die Locals gönnen sich keine Winterpause. Bikerennen in Scarlino.

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Castiglione delle Pescaia bei Vollmond.

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No dig, no ride! Als Mountainbiker gehört es sich, dass man die Trails selber pflegt.

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Rennradparadies Toscana!

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Blick über Caldana in die Weiten der Maremma.

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Send it! Die Biketrails bieten Action für jedes Fahrkönnen.

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Nach vier Wochen das erste Mal ein Tag Regen... Man kann es verkraften!

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Haben wir eigentlich schon die wunderschönen Sonnenuntergänge erwähnt?!