2. Dezember 2013

Testbericht: Race Face Indy Short & Jersey

Die kanadische Kultmarke Race Face kennt man vor allem für seine Bikekomponenten. Die Firma produziert aber auch hochwertige Bikebekleidung, welche den gesamten Bereich von Socke bis Jacke abdeckt.

Als Bikeguide sitze ich fast täglich auf dem Mountainbike und verbringe tausende von Kilometern im Sattel. Da bin ich auf zuverlässige und haltbare Bekleidung angewiesen. Seit dieser Saison fahre ich unter anderem mit der Race Face Indy Short und dem Race Face Indy Jersey über die Trails dieser Welt.

Race Face Indy Short und Jersey unterwegs in Livigno.

 

Indy Short

 

Die Indy Short ist aus strapzierfähigem und leichtem Stoff produziert und eignet sich optimal für den mehrstündigen Toureneinsatz. Sie ist in den Farben schwarz und rot und in den Grössen S-XXL lieferbar.

Die Shorts hat keine Innenhose, was ich persönlich eine gute Sache finde. Erfahrungsgemäss sind diese Chamois sowieso nichts wert. Ich trage eine normale Trägerhose darunter, für mich die bequemste Lösung, da so alles sitzt wie es soll. Auf der Vorderseite befinden sich zwei Taschen und eine kleine Reisverschlusstasche gibt es hinten im Hosenbund. Für Wertgegenstände oder grössere Objekte wären abschliessbare Seitentaschen an den Beinen wünschenswert. Die Beinabschlüsse verfügen auf der Innenseite über eine zusätzliche Schicht feinen Stoff, welche erfolgreich ein Scheuern auf den Oberschenkeln verhindert. Ein mit Klett verstellbarer Hosenbund und zwei Druckknöpfe sorgen für guten Sitz. Zusätzlich gibt es noch Gurtschlaufen. Wenn man die benutzt, lässt sich leider die Tasche auf der Rückseite nicht mehr gebrauchen.

Auf dem Trail überzeugt die Hose vollkommen. Sie sitzt gut, man spürt sie fast nicht am Körper und es flattert nichts. Die Hosebeine reichen bis zum Knieanfang, für mich könnten sie noch etwa 3 cm kürzer sein. Die Durchlüftung ist gut, dank einem Stretcheinsatz auf der Seite kommt immer genügend Frischluft ins Hoseninnere.

Die Shorts ist hochwertig verarbeitet und das Material ist sehr strapazierfähig. Nach über 7 Monaten im Einsatz sind noch keine Abnutzungserscheinungen zu sehen und alle Nähte sind intakt. 

Positiv:
+ bequem zu tragen
+ sehr strapazierfähig
+ hochwertig verarbeitet
+ leichte Materialien
+ gute Beinabschlüsse, welche nicht auf der Haut scheuern

Negativ:
- keine Seitentaschen an den Beinen

Preis:
CHF 89.00

Infos:
Race Face
Chris Sports

Die Farbe rot eignet sich immer gut für kontrastreiche Fotos.

 

Indy Jersey

 

Das Indy Jersey ist aus leichtem und angenehm zu tragendem CoolDry Stoff gefertig. Es ist in den Farben rot/schwarz, blau und grau und in den Grössen S-XXL erhältlich.

Der Schnitt ist locker und dennoch körperbetont. Auf der Seite gibt es eine kleine Reissverschlusstasche für Wertsachen. Die Ärmel reichen bis etwa Ende Bizeps und lassen so viel Bewegungsfreiheit zu. Über das RF-Logo lässt sich streiten, als Schweizer wird man automatisch mit Roger Federer in Verbindung gebracht und muss sich dämliche Kommentare anhören...

Auf dem Bike macht man mit dem Jersey immer eine gute Figur. Es trägt sich sehr geschmeidig, der leichte Stoff ist bequem und die Durchlüftung ist erstaunlich gut. Am Anfang hatte ich ein bisschen Bedenken, in der heissen Toscana mit einem geschlossenen Oberteil rumzufahren. Das erübrigte sich aber, dank der CoolDry Technologie ist der Feuchtigkeitstransport nach aussen sehr gut. Das Jersey fühlt sich immer trocken an und die gute Durchlüftung hilft einen Hitzestau zu vermeiden.

Auch das Jersey ist sehr gut verarbeitet und sieht nach 7 Monaten Dauereinsatz immer noch aus wie am ersten Tag. 

Positiv:
+ bequemer Schnitt
+ guter Feuchtigkeitstransport
+ gute Durchlüftung
+ leichter Stoff
+ hochwertig verarbeitet

Negativ:
- es gibt absolut nix zu meckern

Preis:
CHF 79.00

Infos:
Race Face
Chris Sports

Auch für Downhill geeignet!

20. November 2013

Testbericht: ESI Grips Lenkergriffe

Ich habe sie in meinen 25 Bikejahren schon fast alle ausprobiert: Lenkergriffe.

Die Auswahl an Lenkergriffen auf dem Markt ist riesig und jede Bike- und Zubehörmarke versucht auch in diesem Segment noch ein Stückchen vom Kuchen abzuschneiden. Dabei gibt es sehr gute und auch sehr schlechte Produkte. Da der Lenkergriff einer der drei Kontaktpunkte von Biker zu Bike ist, ist seine Wichtigkeit nicht zu unterschätzen. Die original montierten Griffe mal gegen ein anderes Modell auszutauschen ist also durchaus ein Versuch wert.

Seit über 10 Jahren bin ich nun schon mit dem ODI Ruffian unterwegs. Ein Schraubgriff, der genau die richtige Grösse für meine Hände hat, sehr guten Halt bietet und hochwertige Schellen/Schrauben besitzt. Aber als Biker hat man ja die Angewohnheit, immer alles optimieren zu wollen und so habe ich in all diesen Jahren auch regelmässig andere Lenkergriffe ausprobiert. Keines von den getesteten Produkten konnte aber meinen geliebten ODI Ruffian ersetzen.

Als ich diesen Sommer in Whistler war, bot sich in einem Bikeshop die Gelegenheit, einen ESI Grips mit 20% Rabatt zu kaufen. Viel Gutes hatte ich schon von den ESI Grips gehört und so war es wieder mal Zeit für einen weiteren persönlichen Grifftest. Ich wählte das Modell "Racer's Edge", der dünnste und mit knapp 50 Gramm leichteste Griff aus der Palette.

Viel leichter geht nicht!

ESI Grips werden aus 100% Silikon hergestellt und sind gemäss Hersteller unverwüstbar, gelenkschonend und halten so fest wie ein Schraubgriff. Die Griffe sind in drei verschiedenen Durchmessern und in vielen Farben lieferbar.

Die Montage ist ein kleines Gewürge, da die Griffe extrem eng geschnitten sind. Am besten geht es mit Druckluft oder mit Glasreiniger. Runter bringt man sie definitiv nur mit Druckluft, dies ist sicher nicht optimal, da nicht jeder Biker einen Kompressor im Keller stehen hat. Die Griffform ist leicht konisch und es muss darauf geachtet werden, dass die dickere Seite in Richtung Handflächen zeigt.

Der erste Fahrtest fiel gleich sehr positiv aus. Die Griffe bieten guten Halt und liegen perfekt in der Hand. Mittlerweile bin ich schon seit über 3 Monaten damit unterwegs und bin immer noch begeistert. Egal ob mit oder ohne Handschuhe und trocken oder nass, die Griffe bieten in allen Konditionen sicheren Halt und ein sehr direktes Gefühl am Lenker. Top!

Die ESI Grips verdienen ganz klar eine Kaufempfehlung! Und bis auf weiteres lösen sie auch erfolgreich meinen ODI Ruffian ab. Ein Langzeittest wird zeigen, wie die Haltbarkeit auf Dauer aussieht.

Positiv:
+ sehr leicht
+ drehen nicht
+ robustes Material
+ guter Halt in allen Konditionen

Negativ:
- Montage/Demontage aufwendig

Gewicht:
je nach Modell 50-80 Gramm

Preis:
ca. CHF 25.00

Infos:
Bikefrog
ESI Grips

In Action auf den Toscana Trails!

12. November 2013

Jahresprogramm 2014

Das Programm der Fit for Trails Mountainbike School für das Jahr 2014 ist online!

Es erwarten dich wieder interessante Fahrtechnikkurse und schöne Biketouren im In- und Ausland. Profitiere vom Fachwissen des Bikeguides und bringe deine Technik auf ein höheres Level oder lasse dich auf die aufregendsten Singletrails entführen!

Jahresprogramm 2014

28. Oktober 2013

Rennradtour Monte Amiata/Toscana

Die letzten 3 Wochen verbrachte ich wieder in der Toscana als Bikeguide bei der Colle Cavalieri Bikestation. Wie immer hatte ich auch mein Moots Rennrad im Gepäck, um an einem freien Tag die schönen Strassen der Maremma zu erkunden.

Was ich schon länger auf meiner Wunschliste hatte, war die Erklimmung des Monte Amiata, der höchste Berg in der Südtoscana mit 1734 m. Wie es der Zufall so will, war mit André ein Gast vor Ort, der genau die gleiche Idee hatte. Die Route war schnell geplant und schon bald machten wir uns auf den Weg in Richtung Osten.

Am frühen Morgen und bei bestem Wetter verliessen wir Ravi und fuhren zuerst an der Autobahn entlang nach Braccagni. Schon bald war klar, wer heute unser grösster Gegner sein würde, der Wind... Wie so oft, kam er von der Seite und natürlich auch leicht von vorne, um uns die Fahrt noch zusätzlich zu erschweren. Aber zum Glück waren wir zu Zweit unterwegs und konnten so kraftsparende Ablösungen fahren.

Mit dem "Schweizermeister" unterwegs.

Nach Braccagni ging es dann weg von den grossen Strassen in Richtung Hinterland. Wie schon in meinem Maremma Blog im Frühling beschrieben, waren hier wieder diese leeren und schönen Strassen zu finden. Kein Auto weit und breit, man konnte problemlos nebeneinander fahren und ohne Stress die malerische Gegend geniessen. Trotz Wind kamen wir schnell voran und fuhren immer mit gut 40 km/h über die Fläche. Der Schnitt fiel allerdings mit der Dauer der Tour, denn langsam begann das Gelände hügeliger zu werden. Kurz vor Cinigiano sahen wir dann das erste Mal unser Tagesziel. Der Monte Amiata war am Ende des Horizonts sichtbar, der Berg schien in fast unendlicher Entfernung zu liegen.

Der Weg ist das Ziel... Ganz hinten im Dunst, der Monte Amiata.

Der Weg führte uns weiter auf leeren Strassen durch kleine Bergdörfer und wir machten stetig Höhenmeter. Die Anstiege sind nie steil und wir konnten einen angenehmen Rythmus fahren. Als wir dann in Arcidosso ankamen, wurden wir fast über den Haufen gefahren. Mit der idyllischen Ruhe und Einsamkeit war es auf einen Schlag vorbei. Dieser unscheinbare Ort ist ein Verkehrsknotenpunkt, wo aus allen Himmelsrichtungen Autos und Lastwagen daherrollen. Schnell raus aus dem Kaff!

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits 90 Kilometer und 1200 Höhenmeter in den Beinen. Und das war ja eigentlich erst das Warmfahren, denn mit dem Anstieg auf den Amiata hatten wir nochmals 900 Höhenmeter am Stück zu bewältigen. Kurz nach Arcidosso kam eine kurze, steile Rampe, welche uns auf den bevorstehenden Berg aufmerksam machen wollte.

Endlich geht es los! 11 km Anstieg bis zum Ziel.

Die Strasse ging links weg und die Schilder am Strassenrand zeigten, dass wir auf dem richtigen Weg sein müssen. Schneeketten- und Skiliftsymbole wiesen uns darauf hin, dass wir nun das mediterrane Gebiet verlassen und es in die Berge geht. Der Weg führt komplett im Wald hinauf zum "Gipfel". So eignet sich der Amiata auch für eine Tour im Hochsommer, denn die Bäume spenden ununterbrochen Schatten. Am Anfang ist es ein paar hundert Meter ziemlich steil, und ich hatte schon Zweifel, ob meine 36/25 Übersetzung wirklich die richtige Wahl war. Später wird die Strasse zum Glück flacher und es lässt sich einen guten Rhythmus fahren. Wie erwähnt, sieht man auf der ganzen Strecke nur Bäume, es ist also nichts mit schöner Aussicht geniessen. Dafür war jetzt der Reiz, dass sich die Strasse zwischen all diesen herbstlichen Farben nach oben schlängelt.

Vor lauter Bäumen sieht man den Wald nicht...

Nach gut 50 Minuten hatten wir unser Ziel erreicht! Wir waren auf dem Top des Monte Amiata! Oder zumindest dort, wo der Weg endet. Von hier aus hat es verschiedene kleine Skilifte, die einen noch ein bisschen weiter nach oben bringen würden. Man steht aber immer noch im Wald, daneben einige Restaurants und der obligate grosse Parkplatz. Ein schönes Panorama sieht anders aus... Aber egal, wir waren stolz auf unsere Leistung und es ist ein cooles Gefühl, wenn man von 0 Meter auf über 1700 Meter hoch fährt!

Ziel erreicht!

Danach folgte die Freude auf die lange Abfahrt. 14 Kilometer und 1000 Höhenmeter mussten vernichtet werden! Als ich die Strasse hoch fuhr, da dachte ich noch, dass sich der Belag in erstaunlich gutem Zustand befindet. Da täuschte ich mich allerdings, mit hoher Geschwindigkeit folgten die Schlaglöcher in sehr kurzem Abstand und es war nicht ganz einfach, eine geeignete Linie zu finden. Dazu kam noch, dass am Boden liegendes Laub die Sicht verdeckte und es einige Male richtig heftig rumpelte und knallte. Im unteren Teil war die Situation besser, die Strasse hatte einen feinen Belag und führte schnell und kurvig nach Castel del Piano hinunter.

1000 Höhenmeter müssen vernichtet werden!

Dort gab es dann einen verdienten Teller Pasta und das obligate Doping in Form von Coca Cola. Von Castel del Piano aus ging es mit leichtem Umweg Richtung Ravi zurück. Zuerst folgte nochmals eine schnelle und lange Abfahrt auf einer breiten Strasse hinunter in die Talebene. Da begrüsste uns dann der Gegenwind wieder... Wie befürchtet hatte der Wind keine Gnade mit uns und blies auch auf dem Heimweg von vorne. So war wie schon am Morgen wieder Windschattenfahren angesagt. Nach über 5 Stunden Fahrzeit und 150 km in den Beinen kam jetzt für mich der Moment, wo es langsam genügte. Ich wollte nur noch nach Hause und drückte deshalb richtig aufs Tempo. Nach Pagánico bogen wir dann wieder auf eine Nebenstrasse ab und fuhren Richtung Roccastrada. Wiederum ein super schöner Streckenabschnitt, welcher durch Wald und Pinienalleen führte. Fantastisch!

Wir kamen abermals nach Braccagni und fuhren dann auf direktem Weg zu unserem Haus. Mission erfüllt! In 6 Stunden und 32 Minuten legten wir die 180 km und über 2500 hm zurück!

Die Fakten.

3. September 2013

MTB Laufradgrössen - Aller guten Dinge sind drei?

Über das Thema Laufradgrössen bei Mountainbikes wird spätestens seit diesem Jahr rege diskutiert. Da aber vor allem die Industrie und Medien ihre Meinungen kundtun, ist die Berichterstattung sehr einseitig. Die Hersteller wollen ihre neuen Produkte verkaufen und die Magazine schreiben (positive) Testberichte darüber. Als Mountainbikeguide diskutiere ich fast täglich mit meinen Kunden über Laufradgrössen und bin daher sehr nahe am Brennpunkt dran. Nachfolgend die Erfahrungen aus Sicht des Bikeguides.

Die Entwicklung der Laufradgrössen

 

Als vor über 30 Jahren die ersten Mountainbikes auf den Markt kamen, hatten diese 26" Räder. Irgendwer hatte sich für diese Grösse entschieden und sie galt für die kommenden Jahre als ideal. Zwischendurch wurde bei Downhill- und Dirtbikes noch mit 24" experimentiert, was sich aber nie durchsetzen konnte. Kleine unbekannte Bikeschmieden zeigten auch schon in den Neunzigerjahren Bikes mit 28" und 650B Laufrädern, aber der Markt war noch nicht bereit dafür.

Als Laufradgrössen noch kein Thema waren... (Foto: oldschoolmtb.com)

Und dann kam Gary Fisher und produzierte Mitte 2000 als erster grosser Bikehersteller Bikes mit 28" Radgrösse (oder eben 29er, um sich vom Rennrad zu distanzieren). Ursprünglich waren die grossen Räder vor allem für Biker mit mehr als 1.90 m Köperlänge gedacht, da diese keine wirklich passenden Bikes auf dem Markt fanden. Zusätzliche Vorteile der grossen Räder sind, dass sie besser über Hindernisse rollen, mehr Grip bieten und man einfach schneller damit fahren kann. Am Anfang waren die 29er vor allem bei den Amerikanern populär, die Europäer wollten von diesem neuen Trend noch nichts wissen.

Als dann immer mehr Hersteller mit 29" Bikes auf den Markt kamen, wurden auch die hiesigen Medien darauf aufmerksam und begannen mit der Bericherstattung. Endlich gab es wieder ein Thema, um die Heftseiten zu füllen! Seither jagd ein Vergleichstest den nächsten, die Hersteller werfen laufend neue Teile auf den Markt, es werden Rennen gewonnen und das 29er Bike gilt als die grosse Sensation.

Aber es gibt auch eine Kehrseite, denn 29er Bikes sind nicht für jeden Einsatzbereich oder jede Person geeignet. Wegen der grossen Räder müssen die Rahmengeometrien angepasst werden (um wieder die 26" Sitzposition zu erhalten...) und es können keine Bikes mit viel Federweg gebaut werden. Zudem sind die Laufräder schwer, träger und weniger steif. Personen, die kleiner als 1.70 m sind, sind eigentlich nicht für 29er Bikes bestimmt, da die Proportionen bei den kleinen Rahmengrössen falsch verteilt sind (Sattel ist tiefer als der Lenker).

Diese negativen Punkte haben dann die findigen Bikehersteller genutzt, um einer weiteren Laufradgrösse neues Leben einzuhauchen. 650B, ein altes französisches Mass, schien die optimale Lösung, um die Lücke zwischen 26" und 28" zu füllen. Vor allem der Grosshersteller Scott setzte ab 2012 konsequent auf die neue Grösse (dies auch wegen Teamfahrer Nino Schurter, der sich mit 29er Bikes nicht anfreunden kann). Die anderen grossen Hersteller zögerten noch und so nutzten vor allem kleinere innovative Bikemarken die Chance und brachten für das Modelljahr 2013 die ersten 27.5" Bikes.

Mein Rocky Mountain Altitude 770 MSL mit 27.5" Laufrädern.

Wieviele Laufradgrössen braucht der Mountainbiker?

 

Was am Anfang als Trend galt wird nun für das Jahr 2014 einschlagen wie eine Bombe. Ausser Specialized (setzen voll auf 29er) haben sämtliche Bikehersteller mehrere Modelle mit 27.5" Laufräden im Angebot. Das neue Mass wird wohl früher oder später die 26" Bikes ablösen. Grosser Vorteil der Zwischengrösse ist, dass man bei der Rahmengeometrie nicht so eingeschränkt ist und sogar Downhillbikes mit 27.5" Laufrädern bauen kann. Da 27.5" sehr nahe bei 26" liegt, behalten die Bikes das spritzige Fahrverhalten und rollen sogleich ein bisschen besser über Hindernisse. Zudem sind sie steifer und leichter, als vergleichbare 29" Bikes.

Nun stellt sich wohl jeder Mountainbiker die Frage, was für ihn die richtige Laufradgrösse ist. 26", 27.5" oder 29"? Eines vorweg, für das Modelljahr 2014 wird es nicht mehr viele 26" Bikes geben. Die Entscheidung fällt also auf 27.5" oder 29".

Meine persönliche Prognose ist, dass 27.5" das neue Standardmass wird und 26" bei den Tourenbikes per sofort ablöst. Vor allem für kleinere Personen und für Bikes mit viel Federweg ist 27.5" sicher die richtige Grösse. Bei den Downhill- und Dirtbikes wird es wohl noch eine Weile bei 26" bleiben, dort sind steife und stabile Laufräder sehr wichtig, um die entstehenden Kräfte bei Kurven und Sprüngen aufzunehmen. 29" hingegen wird das Laufradmass für Rennfahrer und Tourenfahrer sein. Mit den grossen Rädern lässt es sich schnell und komfortabel fahren, sicher ein Vorteil bei Cross Country Rennen und bei ausgedehnten Touren.

Ich habe mit allen drei Radgrössen meine Erfahrungen schon gemacht. Als bisher überzeugter 26" Fahrer habe ich dennoch diesen Frühling die Entscheidung getroffen, in Zukunft mit grösseren Laufrädern zu fahren. Ich habe mich für ein Rocky Mountain Altitude 770 MSL mit 27.5" Rädern entschieden. Das Bike fährt sich in jedem Terrain super, aber ich glaube das liegt vor allem an der perfekten Geometrie und weniger an den grösseren Reifen. Als sehr guter Biker ist für mich die Laufradgrösse sekundär, in erster Linie muss das Setup stimmen, nur so kann ich das ganze Potenzial eines Bikes abrufen. 29" Bikes konnten mich bis jetzt noch nicht restlos überzeugen. Das gute Rollverhalten ist ganz klar spürbar, aber für mich sind noch andere Kriterien wichtig. Ich will mit dem Bike spielen können, will es in die Kurve werfen, will Manuals machen und will möglichst viel mit beiden Rädern in der Luft sein. Dafür sind die kleineren Räder einfach besser geeignet.

Für den Endkunden, den Bikeshop und den Vertrieb wäre es sicher von Vorteil, wenn eine Laufradgrösse ganz wegfällt. Der Kunde könnte sich einfacher entscheiden und der Händler müsste irgendwann nicht mehr Material für alle drei Standards an Lager haben. Dieser Prozess könnte allerdings noch lange dauern.

Was man bei Gesprächen und Foreneinträgen ebenfalls sieht ist, dass sich die Biker immer mehr über alle diesen Entwicklungen ärgern. Viele haben das Gefühl, sie seien Opfer der Industrie geworden und müssen die Teile fahren, die ihnen die Hersteller und Magazine diktieren. Irgendwie verständlich, es gibt wohl kaum eine andere Branche, ausser der Modewelt, die ihre Produkte und Standards jede Saison fast komplett über den Haufen wirft. Es ist daher zu hoffen, dass nun wieder ein bisschen Ruhe einkehrt!

Welche Grösse darf es sein? (Foto: bike-magazin.de)

Grosse Laufräder helfen nicht, eine schlechte Fahrtechnik zu kompensieren!

 

Wo immer die Entwicklung auch hinführt, eines wird immer gleich bleiben: Die Fahrtechnik macht einen guten Biker aus und nicht die Laufradgrösse des Bikes! Dies hat man an der aktuellen Weltmeisterschaft in Südafrika gerade wieder gesehen. Die Titel wurden mit den verschiedensten Radgrössen gewonnen, aber nicht das Material, sondern die technisch und konditionell stärksten Fahrer haben dominiert (XC Elite: Schurter und Bresset mit 27.5", DH Elite: Minnaar und Atherton mit 26".)

Was mich als Bikeguide und Fahrtechnikexperte stört ist, wenn der Fachhändler einem Kunden ein Bike mit grösseren Rädern verkauft mit der Begründung, er könne dann besser über Hindernisse fahren (wird vor allem bei Frauen als Argument verwendet). Das ist Quatsch!

Das Bike kann noch so gut sein und noch so grosse Räder haben, wenn die grundlegenden Elemente für eine gute Fahrtechnik fehlen, dann wird der Biker auch weiterhin seine Mühe auf den Trails haben. Investiert also vor allem viel Zeit ins Training, fährt so oft mit dem Bike wie ihr könnt und schaut, dass ihr eure Fahrtechnik auf ein höheres Level bringt. Hilfe bietet hier sicher auch ein Kurs, den ihr zum Beispiel bei der Fit for Trails Mountainbike School besuchen könnt.

Und lasst euch nicht verrückt machen von all den verschiedenen Meinungen zum Thema Laufräder. Die Grösse ist nicht entscheidend! Habt Spass, geniesst die Natur und verbringt eine gute Zeit mit den Kollegen auf dem Bike, das ist viel wichtiger! Keep the spirit alive!

Das ist was zählt! Laufradgrössen werden hier nebensächlich...

4. August 2013

Welches Pedalsystem soll ich fahren?

Häufig werde ich von meinen Kunden gefragt, ob sie Klickpedale oder Plattformpedale (Flatpedals, Bärentatzen) fahren sollen. Eine generelle Antwort zu geben ist nicht ganz einfach, spielen doch Erfahrung, persönliche Vorlieben und Einsatzgebiet eine wichtige Rolle.

Ich fahre auf dem Cross Country- und Downhillbike Klickpedale. Ich mag die fixe Verbindung, so muss ich mich nicht auf die Fussstellung konzentrieren, sondern kann meine ganze Aufmerksamkeit dem Trail widmen. Auf dem Dirtbike hingegen habe ich Flatpedals montiert, damit ich auf dem Pumptrack oder der BMX-Bahn schnell reagieren kann, falls mal ein Sprung oder ein Manual misslingt.

Der Umgang mit Klickpedalen benötigt am Anfang ein bisschen Zeit, bis man sich an den Ausstieg gewöhnt hat. Ein paar leichte Stürze und Schürfwunden bei den ersten Versuchen gehören leider dazu. Diese Erfahrung hat wohl jeder Biker gemacht... Wenn man dann aber mit dem System vertraut ist, bietet es eine optimale Kraftübertragung, eine gelenkschonende Beinführung und Sicherheit bei den Downhills, da die Füsse fest verankert sind.

Für das Techniktraining sind Flatpedals durchaus sinnvoll, da man sich so eine saubere Fussstellung angewöhnen muss und nicht einfach an den (Klick-) Pedalen ziehen kann. Wenn du also den Bunny Hop üben willst, dann schraube normale Pedalen ans Bike und arbeite so lange an dir, bist du das Manöver perfekt beherrscht.

Die Auswahl an Klickpedalen und Schuhen ist riesig. Auch hier spielen persönliche Vorlieben und Einsatzgebiet wieder die entscheidende Rolle. Der Schuh sollte in erster Linien bequem sein und über eine genügend Steife Sohle verfügen, damit beim Treten keine Kraft verloren geht. Ich fahre zur Zeit Schuhe von Giro und bin sehr zufrieden damit. Bei den Pedalen schwöre ich auf Shimano, es sind zwar nicht die leichtesten, aber in Sachen Qualität und Zuverlässigkeit sind sie unschlagbar.

Giro Schuhe und Shimano Klickpedal auf dem Tourenbike

Bei den Flatpedals ist auf die richtige Kombination von Pedal und Schuh zu achten. Bewährt haben sich Schuhe mit einem weichen, flachen Wabenprofil, da sich diese richtig in den Pins festkrallen. Bekannte Hersteller sind Vans und Fiveten, oder weitere Marken aus dem Skateboardsektor. Normale Turn- oder Sportschuhe sind nicht geeignet, da diese keine griffige Sohle haben.

Vans Schuhe und Shimano Flatpedal auf dem Dirtbike

Ganz wichtig: Fahre die Pedalen, mit denen du dich wohl fühlst! Es gibt Biker, die haben panische Angst, um mit eingeklickten Füssen technische Passagen zu fahren. Die Folge ist, dass sie dann jeweils ein Fuss ausklicken und das Bein rausstrecken und so völlig unkontrolliert den Trail runtereiern. Es bringt nichts, wenn man sich total verkrampft und sich unwohl fühlt, denn so geht die erforderliche Lockerheit verloren. Das ist gefährlich und nicht der Sinn der Sache... Ein Vorteil der Klickpedale ist, dass gerade in anspruchsvollem Gelände die Füsse fest fixiert sind und man so sicheren Halt auf den Pedalen und die volle Kontrolle über das Bike hat.

Kommt jemand auch nach längerer Zeit und mehreren Versuchen mit Klickpedalen nicht klar, oder kann seine Ängste nicht ablegen, dann sind Flatpedals ganz klar die bessere Wahl. Die heutigen Plattformpedalen und speziellen Schuhe sind so gut, dass man fast keinen Unterschied mehr zu Klicksystemen bemerkt. Man muss sich auch nicht dafür schämen, wenn man keine Klickpedalen fährt. Es gibt mittlerweile sehr viele gute Biker, die konsequent auf Flatpedals setzen und ihren eingeklickten Kollegen berghoch und bergrunter spielend davonfahren.

Nachfolgend nochmals eine Auflistung der Vor- und Nachteile der beiden Pedalsysteme.

Klickpedale:
+ optimale Kraftübertragung
+ feste Verbindung
+ gelenkschonend (sofern richtig eingestellt)
- sofortiger Ausstieg nicht immer möglich
- verleitet zu schlechter und passiver Fahrtechnik (falscher Bunny Hop)

Flatpedals:
+ schnelles Abstellen der Füsse gewährleistet
+ bietet mehr Sicherheit in sehr schwierigen Passagen
+ hilft für eine saubere Fahrtechnik (Sprünge, Bunny Hop)
- schlechte Fussstellung (Kniebeschwerden möglich)

21. Juli 2013

Rennbericht: Megavalanche Alpe d'Huez 2013

Zum vierten Mal startete ich am grössten Freeriderennen der Welt, dem legendären Megavalanche in Alpe d'Huez. Nachdem ich mich bei meinen letzten drei Teilnahmen kontinuierlich verbesserte und 2010 mit einem 94. Rang die angestrebten Top 100 schaffte, war danach ein bisschen die Luft draussen. Dieses Jahr hat mich aber das Rennfieber wieder gepackt und zusammen mit drei Kollegen ging es abermals in die schönen französischen Alpen.

Wir reisten am Mittwoch Abend an, damit wir genug Zeit hatten, um die Qualifikations- und Rennstrecke mehrmals zu befahren. Dazwischen waren wir aber auch auf den vielen anderen Trails unterwegs, welche die grosse Region zu bieten hat. Wir erwischten perfektes Wetter, jeden Tag schien die Sonne und es war angenehm warm. Vom Dreck wurden wir allerdings nicht ganz verschont, da ab 2500 M.ü.M immer noch viel Schnee lag, waren die Trails zum Teil sehr nass.


Es waren dieses Jahr ca. 1600 Teilnehmer aus der ganzen Welt am Start. Leider kämpft auch dieser Anlass mit der Konkurrenz der boomenden Enduro- und Freeriderennen. Vor einigen Jahren waren noch über 2000 Fahrer auf dem Berg. Der Stellenwert ist aber immer noch hoch und so waren alle bekannten Namen der Enduroszene vor Ort und zeigten spannenden Bikesport. Für mich hiess es wie üblich, die Qualifikation für das Hauptrennen am Sonntag zu schaffen. Der Spass und eine unfallfreie Fahrt hatten oberste Priorität. Dennoch setzte ich mir die Top 100 wieder als Ziel, als Wettkampftyp brauche ich einen gewissen Druck, um schneller fahren zu können.


Die Qualifikation


Am Freitag war die Qualifikation, bei der sich jeweils die ersten 23 Fahrer von jedem Block für das Hauptrennen am Sonntag qualifizierten. Die Streckenführung wurde letztes Jahr geändert und ein Teil des Rennens führte nun direkt durch das Dorfzentrum. So wurden viele Zuschauer angelockt und es herrschte gute Stimmung. Meine beiden Kollegen Markus Baumann und Sylvain Flouck waren im gleichen Startblock wie ich eingeteilt. Das war nicht optimal, da wir uns so gegenseitig die Startplätze streitig machten.

Wir konnten aus der zweiten Reihe losfahren, eine gute Ausgangslange, um nicht am Anfang schon in einen Massensturz zu geraten. Ich wählte die gleiche Taktik wie letztes Mal, das hiess rechts einstehen, die erste Linkskurve aussen fahren und bei der nächsten Rechtskurve dann ganz innen sein. Was 2010 wunderbar klappte, ging dieses Mal in die Hose... Ich wurde gleich zu Beginn weit nach aussen gedrängt, bis mir der Platz ausging und ich den ganzen Schwung verlor. Auf den ersten Metern ging es sehr hektisch zu und her, die geplanten Linien konnten alle nicht gefahren werden und auf dem losen Schotter musste man höllisch aufpassen, um nicht wegzurutschen. Gleich mehrere Fahrer gingen vor mir zu Boden und ich konnte mit viel Glück allen ausweichen und so einige Plätze gutmachen. Dann folgten noch kurze Schneefelder und Steinabsätze, die ich laufend durchqueren musste, da zu viel Chaos herrschte, um auf dem Bike zu bleiben. Hier halfen mir meine Giro Bikeschuhe mit der griffigen Vibramsohle, die auf den den Felsen guten Halt boten. Danach beruhigte sich das Rennen und die Positionen waren langsam bezogen. Schön aufgereiht heizten wir durch die Trails und immer wieder mal hatte ein Fahrer einen Sturz oder einen platten Reifen, sodass ich weiter nach vorne rücken konnte. Dennoch wäre es möglich gewesen noch schneller zu fahren, aber irgendwie herrschte einfach zu viel Verkehr um einen herum. In den Tretpassagen nutzte ich meine gute Kondition und starken Beine und überholte viele Gegner. Da ich keine Ahnung hatte, wo ich ungefähr positioniert war, drückte ich auf das Tempo und konnte sogar auf der Zielgeraden noch einen Konkurrenten abfangen. Ich qualifizierte mich auf dem 13. Rang!


 

Kurz nach mir kam dann schon Markus und holte sich den 16. Rang! Sylvain hatte leider Pech, er hatte einen platten Reifen und musste das Rennen aufgeben... Der dritte Kollege, Georg Gautschi, startete drei Blöcke vor uns und schaffte als 18. ebenfalls die Qualifikation. Somit waren drei von uns vier am Hauptrennen vom Sonntag dabei!

Rangliste Qualifikation

Den restlichen Freitag und den ganzen Samstag nutzten wir zum Freeriden, wir machten einige coole Fotos und schauten uns nochmals die wichtigsten Passagen der Rennstrecke an. Das macht den Megavalanche so einzigartig, es geht nicht nur um das Rennen, sondern es ist Biken mit guten Freunden in einer schönen Gegend!





Das Hauptrennen

 

Am Sonntag war dann der grosse Tag! Um 5.30 Uhr mussten wir aus den Federn, um pünktlich auf den Berg zu kommen. Zusammen mit 350 anderen Fahrern ging es auf den 3330 m hohen Pic Blanc. Der Start war wie immer auf dem Gletscher und wegen des strengen Winters war das Schneefeld dieses Jahr besonders lang. Im Gegensatz zum letzten Mal war der Schnee aber hart und sehr gut fahrbar. So hart, dass man schon fast Angst bekam wegen der hohen Geschwindigkeiten... Leider war mein Quali-Lauf nicht so schnell und darum war ich nur im Block G, das hiess 7. Startreihe.


Der Startschuss war um 9.00 Uhr und die wilde Horde stürzte sich den Gletscher hinab. Lange dauerte es natürlich nicht, bis sich wieder die Ersten gegenseitig abschossen und auf dem Rücken den Schnee runterrutschten. Ich versuchte eine freie Linie zu finden und irgendwie auf dem Bike zu bleiben. Obwohl der Untergrund hart war, fehlte doch der Grip in den Kurven und beim Bremsen. So war ich immer mit einem Fuss ausgeklickt und driftete mehr oder weniger kontrolliert den Hang runter. Einzige Lösung ist wohl Eier zu zeigen und ungebremst zu fahren. Einige machten das erfolgreich, andere hatten spektakuläre Stürze und eliminierten sich gleich selber...

Wie immer war ich froh, als ich endlich in den ersten Singletrail einbiegen konnte und steinigen Boden unter den Rädern hatte. Der Traileingang ist zugleich ein Nadelöhr, bis sich alle Biker eingereiht hatten dauert es eine kleine Ewigkeit und man war mehr zu Fuss als auf dem Bike unterwegs. Wenn man hier nicht vorne dabei ist und freie Fahrt hat, dann verliert man sehr viel Zeit und kann eine gute Platzierung gleich vergessen. Ich war mitten im Chaos gefangen und wusste, dass das heute wohl nichts mit einem erfolgreichen Resultat wird. Irgendwann rollte das ganze Feld dann flüssig durchs Gelände und es fing an richtig Spass zu machen. Rad an Rad über die Trails heizen ist einfach geil! Im längsten Anstieg auf der Höhe des Dorfes kam dann wieder meine Rennradpower zum Zug und ich konnte viele Fahrer überholen. Die Zuschauer standen auf beiden Seiten des Weges und machten viel Lärm und sorgten für gute Stimmung. Für eine kurze Zeit fühlte man sich wie ein Tour de France Profi!



Nun kam der beste Teil der gesamten Strecke, eine highspeed Wiesenpassage mit sehr flüssigen Kurven. Das ist Freeriden pur! Nach der Wiese führte die Strecke in den Wald, wo der Trail mit vielen Wurzeln und Schlaglöchern versehen ist. Auch dieser Teil ist super geil zu fahren, vorausgesetzt man hat noch genügend Kraft, um den Lenker zu halten. In diesem Stück fuhr ich auf einen langsamen Fahrer auf, der mir leider keinen Platz machen wollte. Ich versuchte ihn mit einer direkten Linienwahl immer wieder zu überholen, aber es fehlte jeweils eine halbe Bikelänge, um an ihm vorbeizukommen. Ich fuhr so nahe an seinem Hinterrad, dass ich dafür büssen musste... In einer schwierigen Passage konnte der Typ seine Linie nicht halten und verlor an Geschwindigkeit. Ich konnte nicht mehr ausweichen, berührte sein Hinterrad und machte einen Abflug kopfüber in die Bäume. Dabei verdrehte sich mein Lenker um 90 Grad und ich musste ihn zuerst richten. Als ich das Vorderrad zwischen die Beine klemmte, holte ich mir zuerst ein schönes Branding an der Wade von der heissen Bremsscheibe...  Ein paar Meter später musste ich nochmals anhalten, der Lenker zeigte immer noch in die falsche Richtung. Die ganze Aktion kostete mich ungefähr 2 Minuten und einige Positionen. Ich habe ein paar Mal richtig geflucht und sofort wieder die Verfolgung aufgenommen!


Das Ziel kam langsam näher. Der unterste Streckenteil war sehr abwechslungsreich, steile Waldstücke wechselten sich mit flachen Tretpassagen ab. Die Gegner, die mich bei meinem Sturz überholten, konnte ich alle wieder abfangen und hinter mir lassen. Noch einmal Tempo machen und über die Ziellinie rollen. Überlebt! Die Uhr blieb bei 54:20 stehen, das hiess der 145. Schlussrang! Ein bisschen hinter den Erwartungen, mit einem besseren Start und ohne Sturz wären die Top 100 vielleicht doch möglich gewesen. Aber es zeigt einmal mehr, dass man ungefähr in der gleichen Region platziert ist, in der man gestartet war. Die ersten Rennminuten entscheiden bereits über den weiteren Rennverlauf, ein Aufholen von vielen Rängen ist fast unmöglich.

Wenige Minuten nach mir kam Markus angebraust, Rang 169 für ihn! Fehlte nur noch Georg. Auf ihn warteten wir allerdings vergeblich, er hatte sich bei einem Sturz den Mittelhandknochen gebrochen... Gute Besserung auf diesem Weg!

Auch wenn wir nicht die Schnellsten waren... Wir hatten Flow, wir hatten Style, wir hatten Spass und wir hatten eine super Zeit zusammen! Vielen Dank liebe Freunde!

Ein grosses Dankeschön geht an meine Materialsponsoren Giro, Race Face und Evoc! Super Produkte für den erfolgreichen und sicheren Freerideeinsatz!

Rangliste Megavalanche


Tipps und Tricks für eine erfolgreiche Teilnahme


Für Neulinge, die das Abenteuer Megavalanche auch mal erleben wollen, hier noch ein paar Tipps:

  • Reist früh genug an (Mittwoch oder früher) und fährt beide Rennstrecken mehrmals. Je besser man die Streckenführung kennt, desto schneller und kontrollierter ist man unterwegs. Nutzt auch den Bikepark zum Fahren, dieser macht viel Spass und ist eine willkommene Abwechslung zum Rennstress. Lasst euch Zeit, teilt die Kräfte ein und geniesst die schöne Bergwelt. Wir nahmen sogar schon die Rennräder mit und haben am Samstag Morgen den legendären Alpe d'Huez Aufstieg gemeistert!
  • Ein Bike mit 150mm oder mehr Federweg ist optimal. Es gibt zwar auch schnelle Hardtailfahrer, aber um die ruppigen Passagen sicher zu meistern, ist ein vollgefedertes Bike von Vorteil. Wichtig ist eine Teleskop-Sattelstütze, damit man in den Tretstücken den Sattel höher stellen kann. Ein Kettenblatt mit Kettenführung reicht, die Anstiege sind nicht sehr steil, da kann man auch mal einen schweren Gang durchdrücken. Das Bikegewicht wird, meiner Meinung nach, überbewertet. Meines wog über 17 kg, ich fuhr in den Anstiegen aber trotzdem allen meinen Gegnern davon!
  • Fährt Downhillreifen und dicke Schläuche! Ich fahre schon seit Jahren Maxxis Minion Front 2-ply 2.5 Reifen und Maxxis Freeride Schläuche und hatte noch nie einen Plattfuss. Leichte Reifen oder auch Tubelesskits halten den harten Belastungen nicht Stand. Die Gewichtsersparnis lohnt sich nicht, ist der Reifen platt, verliert ihr viel mehr Zeit, als wenn ihr mit schweren Reifen rumfährt.
  • Montiert Klickpedale! Flatpedals sind cool und gut für sehr steiles, technisches Gelände. Beim Megavalanche ist man aber immer am Treten und Tempo machen, daher sind Klickpedale zwingend für eine optimale Kraftübertragung.
  • Wenn ihr um den Sieg mitfahren wollt, dann trainiert viel auf dem Schnee! Die Erfahrung zeigt, dass das Rennen bereits auf dem Schneefeld entschieden wird. Seid ihr dort vorne dabei, dann ist eine Top 50 Platzierung möglich. Seid ihr, wie ich dieses Jahr, im Schnee weit hinten, dann holt ihr den Rückstand nie mehr auf. Allerdings muss das Fahren auf Schnee speziell trainiert werden, bei Geschwindigkeiten von über 100 km/h darf man sich keinen Fehler erlauben.
  • Ein Rucksack ist am Rennen nicht erforderlich. Ich fahre immer ohne Gepäck, da spare ich Gewicht am Körper und bin in der Bewegung weniger eingeschränkt. Trinken ist nicht nötig, eine knappe Rennstunde hält man auch ohne Flüssigkeit durch. Werkzeug, Pumpe und Ersatzschlauch muss man nicht mitnehmen, hat man einen Defekt, ist das Rennen sowieso verloren.
  • Trainiert viel Kondition und Technik! Die Strecke erfordert Kraft und Ausdauer und die technischen Passagen werden von Jahr zu Jahr anspruchsvoller. Nur als kompletter Rennfahrer hat man eine Chance auf eine gute Platzierung.

Mehr Fotos gibt es auf der Fit for Trails Website und Facebook Page!

Ein guter Report und schöne Fotos sind auch auf der Pinkbike Website zu sehen.


1. Juni 2013

Fahrbericht: Rocky Mountain Altitude 770 MSL 2013

Seit einigen Wochen bin ich stolzer Besitzer von einem Rocky Mountain Altitude 770 MSL. Ich werde neuerdings vom Schweizer Rocky Mountain Vertrieb unterstützt und da habe ich mich für ein Bike mit der Radgrösse 27.5" bzw. 650B entschieden.

Die kanadische Marke gefällt mir schon seit über 20 Jahren und doch habe ich es bis jetzt nie geschafft, eines ihrer Bikes zu fahren. Die Räder sind eher im Hochpreissegment angesiedelt und haben einen exklusiven Touch. Früher waren die Bikes richtig teuer, mittlerweile wird aber auch in Taiwan produziert und die Preise sind nun konkurrenzfähig mit anderen grossen Herstellern.

Ausstattung:

 

Die Altitude Reihe besteht aus 5 verschieden Modellen mit Carbon- oder Aluminiumrahmen. Die Bikes sind mit der neuen Laufradgrösse 27.5" ausgestattet und verfügen über 150 mm Federweg. Somit ist der Einsatz im All Mountain Bereich (oder wie man diese Kategorien auch immer nennt...) anzusiedeln. Für mich ist es einfach mein neues Cross Country Bike!

Ich habe mich für das Modell 770 MSL entschieden, welches für CHF 6'290.00 im Bikeshop zu haben ist. Das Bike hat einen Hauptrahmen aus Carbon und einen Hinterbau aus Aluminium. Es handelt sich um ein Mehrgelenksystem, das mit wartungsarmen und leichten Gleitlagern ausgerüstet ist. Die rot/schwarze Lackierung mit den weissen Ahornblättern gefällt gleich auf Anhieb. Die Anbauteile sind farblich auch darauf abgestimmt und sogar kleine Details wie die Kabelendhülsen kommen in rot daher. Die Ausstattung ist solide und es wird eigentlich nur bewährtes Material verbaut, welches harten Belastungen sicher standhält. Die Federelemente stammen von Fox, am Vorderrad arbeitet eine 34 Float CTD Gabel und am Hinterbau ein Float CTD Remote Dämpfer. Die Schaltkomponenten sind Shimano Deore XT und die Bremsen kommen von Avid, Modell Elixir 90 XM. Die Anbauteile liefert Race Face, die Turbine Linie ist an Lenker, Vorbau und an der 2-fach Kurbel zu finden. Die höhenverstellbare Sattelstütze ist eine Rock Shox Reverb Stealth und das Remotekabel ist im Rahmen verlegt. Die Laufräder bestehen aus Wheeltech Naben, Sun Ringlé Felgen und (angeblich) DT Swiss Competition Speichen. Zu den Laufrädern später mehr.

Speziell am Rahmen ist die Ride-9 Technologie. Das sind zwei ineinander gesteckte Plättchen, mit welchen man den Dämpfer in verschiedene Positionen bringen kann. So können der Lenkwinkel und die Tretlagerhöhe variert werden und gleichzeitig kann auch die Federkennlinie verändert werden. Auf der Website gibt es ausführliche Informationen darüber und es wird alles leicht verständlich erklärt. Für einen alten Downhiller und Technikfreak wie mich, sind solche Einstellungen natürlich das Sahnehäuptchen, um das Beste aus dem Fahrwerk herauszuholen. Ob der durchschnittliche Biker diese Möglichkeit nutzt, ist allerdings fraglich...

Ich habe das Bike noch ein bisschen auf meine persönlichen Vorlieben angepasst. Anstelle der Avid Bremsen fahre ich Shimano Deore XT, da ich an meinen anderen Bikes auch Shimano Bremsen habe. Den billigen "no name" Sattel habe ich gegen einen bewährten fi'zi:k Tundra 2 ausgetauscht und gleich noch 50 g eingespart. Den hässlichen und klobigen Fox Remotehebel (was hat sich hier der Ingenieur wohl gedacht?!) habe ich kurzerhand abmontiert und das Kabel vom Dämpfer getrennt. Ich fahre das Fahrwerk nun immer in der offenen Stellung und es funktioniert hervorragend. Das hat auch nochmals 100 g Gewichtsreduktion gebracht. Das Bike wiegt nun in fahrfertigem Zustand 13,4 kg.

Ein Tipp noch an die Bikemechaniker und Hobbyschrauber: Die Leitung der Rock Shox Stealth Sattelstütze wird aus unerklärlichen Gründen zwischen Unterrohr und Sitzrohr aussen am Tretlagergehäuse geführt. Wenn man die Kurbel und das Tretlager ausbaut, dann kann man die Leitung aber auch komplett innen verlegen. Dies sieht schöner aus und schützt zusätzlich vor Beschädigungen!  

Rocky Mountain Altitude 770 MSL (customized).

 

Fahrbericht:

 

Ich nehme es gleich vorne weg, das ist das beste Bike, welches ich in meinen 24 Jahren je gefahren bin!! Bis vor kurzem war noch ein Intense 5.5 mein Favorit, aber das Rocky Mountain stellt sogar dieses in den Schatten. Überzeugen mögen vor allem der Rahmen, der mit seiner kurzen Geometrie perfekt auf meinen Fahrstil zugeschnitten ist und das Fahrwerk, welches tadellos funktioniert.

Kaum hatte ich das Bike erhalten, musste ich für 4 Wochen in die Toscana um als Bikeguide zu arbeiten. Die Trails dort eignen sich optimal, um ein Rad auf Herz und Nieren zu prüfen. Da ich einen eher harten, aggressiven und aktiven Fahrstil habe, verstellte ich das Ride-9 System auf Setting 5 (gemäss Website). Damit ergibt sich ein flacher 67° Steuerwinkel und das Tretlager senkt sich um 5 mm ab. Gleichzeitig wird die Federung progressiver und hilft Durchschläge zu vermeiden.

Jungfernfahrt in der Toscana.

Trotz der grösseren Räder haben es die Entwickler geschafft, die Kettenstreben und den Radstand kurz zu halten. So ist das Bike unglaublich wendig, agil und spurtreu zu fahren. Das Vorderrad anheben geht fast von selbst und Manuals machen wird zum Kinderspiel. Es ist ein richtiges Spielzeug, welches sich mühelos über das Gelände bewegen lässt. Von den leicht grösseren Rädern spüre ich allerdings nicht viel, es fährt sich eigentlich wie ein 26" Bike. Vielleicht rollt es ein bisschen besser über die Hindernisse, aber man muss schon sehr darauf achten, um einen Unterschied auszumachen. Die 150 mm Federweg arbeiten ausgezeichnet, in den Downhills hat man viele Reserven und in den Uphills spürt man fast kein Wippen. Egal ob steile Anstiege oder knifflige Abfahrten, das Bike fühlt sich auf jedem Untergrund wohl. Absolut top!

Schönes Bike in einer schönen Landschaft!

Nach mittlerweile gut 1'500 Kilometern funktioniert das Bike immer noch einwandfrei und ich hoffe, es bereitet mir noch ganz viel Spass in der weiteren Saison!

Allerdings gibt es auch einen Kritikpunkt... Nicht wirklich begeistert bin ich von den Laufrädern. Diese bringen stolze 2'030 g auf die Waage, ein viel zu hohes Gewicht für ein Bike dieser Preisklasse. Verwirrend ist auch die Angabe auf der Website, dort ist von DT Swiss Competition Speichen die Rede, bei meinem Laufradsatz sind aber DT Swiss Champion verbaut. Entweder ist das ein Schreibfehler oder bei mir wurden die falschen Räder in die Kiste gepackt. Hinzu kommt noch, dass die Radlager nicht von hoher Qualität sind. Diese pfeifen und quitschen mittlerweile wie ein Nest voller Jungvögel. Auf jeden Fall bietet sich bei den Laufrädern riesiges Tuningpotenzial. Alle grossen Hersteller haben schon entsprechende Modelle im Angebot und mit ein bisschen Kleingeld lassen sich hier locker 400-500 g einsparen!

Gemacht für Flowgefühle!

Fazit:

 

Das Rocky Mountain Altitude ist ein Trailkiller! Das Teil macht unglaublich viel Spass, vor allem die kurze Geometrie und das ausgezeichnete Fahrwerk machen es zu einem der besten Bikes, die momentan auf dem Markt erhältlich sind! Hier sieht man, dass es nicht nur am Reissbrett gezeichnet, sondern von leidenschaftlichen Bikern entwickelt und getestet wurde. In diesem Sinne: Love the ride!!

Ein riesiges Dankschön geht an Chris Sports und Tröhler Sport für die grosszügige Unterstützung!

Manuals werden zum Kinderspiel!


Positiv:
+ sensationelles Fahrwerk
+ kurze Geometrie
+ Verstellmöglichkeiten
+ Ausstattung
+ schöner Look

Negativ:
- Laufräder sind zu schwer
- Billiger, schwerer "no name" Sattel

Preis:
CHF 6'290.00

Infos:
Rocky Mountain
Ride-9 Technologie


Nachtrag 25.07.2013:

Hunderte Kilometer später bin ich immer noch begeistert vom Altitude! Die Streckenrekorde auf Strava purzeln fast wöchentlich und die Manuals werden immer länger. Ich bleibe dabei, das ist zur Zeit das beste Bike, dass man sich in dieser Preisklasse/Kategorie kaufen kann!

Allerdings hatte ich vor einigen Tagen einen unnötigen Defekt, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Ein kleines Teil sorgte für grossen Ärger...

Beim Tretlager gibt es einen Kabelanschlag für die Schaltzüge, der im Unterrohr versenkt ist. Dieser Kabelanschlag ist aus Plastik und hält leider den harten Belastungen nicht Stand. Bei mir ist dieses Plastikteil gebrochen und das hintere Schaltkabel hatte deshalb keinen Anschlag mehr und rutschte ins Unterrohr. Das führte dazu, dass die Schaltung nicht mehr richtig funktionierte und die Gänge nur mit grossem Kraftaufwand und sehr unpräzise eingelegt werden konnten. Sehr ärgerlich, wenn das genau auf einer langen Tour passiert...

Immerhin hat Rocky Mountain das Problem erkannt, denn es ist mittlerweile ein Kabelanschlag aus stabilem Aluminium erhältlich. Ob es eine offizielle Austauschaktion gibt weiss ich nicht, aber ich empfehle euch, das Plastikteil baldmöglichst gegen das Aluteil auszutauschen! Wartet nicht, bis es auch bei euch bricht...

Der Austausch des Kabelanschlags wird dringend empfohlen!

30. Mai 2013

Rennbericht: Granfondo Nove Colli Cesenatico 2013

Zum dritten Mal in Folge startete ich am Granfondo Nove Colli in Cesenatico, dem grössten Volksradrennen in Italien!

Die letztjährige Teilnahme verlief nicht nach meinen Wünschen, es regnete die Hälfte der Zeit, ich hatte starke Rückenschmerzen und schlussendlich funktionierte mein Zeitmesschip nicht... Obwohl ich mit 6 h 50 min eine dennoch gute Zeit fuhr, wollte ich dieses Jahr eine persönliche Wiedergutmachung!

So stand ich also um 6.00 Uhr mit 12'000 anderen Teilnehmern an der Startlinine und war bereit für grosse Taten. Ich erhielt Nummer 482 und konnte erneut im ersten Block losfahren, dies hat vor allem den Vorteil, dass man freie Bahn hat und nur wenige langsame Fahrer überholen muss.

Seht ihr mich?

Die ersten 50 km gehen jeweils zügig vorbei und wurden dieses Mal mit einem 43er Schnitt zurückgelegt. Schön zu sehen war wieder, wie fair und kollegial es bei den Italienern zu und her geht! Man nimmt aufeinander Rücksicht, gibt Handzeichen und Signale weiter, macht den schnelleren Fahrern Platz und auch ein Smalltalk liegt mal drin! Kein Vergleich zu den Rennen in der Schweiz, bei denen viele Fahrer extrem verbissen sind, viel fluchen und auch mal die Ellbogen ausfahren (darum fahre ich keine Rennen mehr bei uns)...

Nach den ersten zwei Hügeln hatte sich das Feld in die Länge gezogen und die ersten Gruppen bildeten sich. Ich war relativ weit vorne dabei und merkte langsam, dass sich meine Form erstaunlich gut anfühlte. Bis zum Rennstart hatte ich einige Bedenken, da ich die vier Wochen zuvor wieder als Bikeguide in der Toscana arbeitete und mir fast keinen Ruhetag gönnte. Aber das Training schien sich auszuzahlen, meine Beine waren stark und ich konnte mit viel Zug die Aufstiege hinter mich bringen. Dieses Mal profitierte ich auch von der Erfahrung, denn ich wusste genau, wie die Strecke verlief und wann ich Trinken und Essen musste.

100% fokussiert!

Und weil sich alles so gut anfühlte, begann ich Tempo zu machen. Ich löste mich aus der einen Gruppe, weil es mir einfach zu wenig schnell vorwärts ging. Alleine musste ich einige Löcher zufahren und kam dann in eine nächste grössere Gruppe, in welcher es mir schon eher passte. Mit diesen Fahrern war ich schlussendlich bis ins Ziel unterwegs, aber später mehr dazu.

Beim vierten Hügel, dem berühmt berüchtigten Barbotto, wusste ich dann definitiv, dass heute mein Tag ist. Ich fuhr wie ein Moped die Steigung hoch und selbst die 18% steile Schlussrampe meisterte ich im Sitzen. Ich flog förmlich an den anderen Fahrern vorbei, welche sich zum Teil im zick-zack fahrend und röchelnd nach oben kämpften. Dies gab mir Zeit, um mich am Verpflegungsstand mit Speis und Trank einzudecken. Genau als ich fertig war, kam die Gruppe an mir vorbei und ich konnte mich wieder anschliessen. Optimales Timing!

Mit einem Lächeln im Gesicht den 18% steilen Barbotto hoch!

Diese Taktik wendete ich auch bei den weiteren Hügeln an. Ich fuhr in den Steigungen jeweils kurz vor der Höhe aus der Gruppe heraus und nahm die Abfahrten alleine in Angriff. So konnte ich meine Tempo und meine Linien fahren und gleichzeitig hatte ich Zeit, um ab und zu einen Gel oder Riegel reinzudrücken. Unten angekommen konnte ich mich dann wieder in den Leuten verstecken.

Der Gorolo, der neunte und letzte Aufstieg, war jeweils mein persönlicher Killer. Wenn man meint, man hat es langsam geschafft, dann kommt nochmals eine 17% Rampe... Aber dieses Jahr war auch das kein Problem! Mit immer noch frischen Beinen fuhr ich den Hügel hoch, als sei ich erst gerade gestartet.

Auch nach 175 km noch locker unterwegs!

Dann machte ich allerdings den einzigen Fehler im Rennen... Statt auf die grosse Gruppe zu warten, fuhr ich mit zwei anderen Fahrern alleine dem Ziel entgegen. Auf den letzten 40 Kilometern hat es nur noch ein paar kleine Wellen, sonst ist es mehrheitlich flach. Allerdings kam ein starker Wind auf, welcher uns von allen Seiten entgegen blies. Wir lösten uns immer schön ab und hielten die Geschwindigkeit hoch. Alles schien super zu laufen, bis ich 10 km vor Schluss merkte, wie mich die Kräfte ziemlich schnell verlassen. Der Hammermann stand vor der Türe! Ich versuchte mit Müh und Not meine Ablösungen zu fahren, aber 3 km vor dem Ziel hatte ich keine Kraft mehr. Ich bekam Schwindelanfälle und merkte, dass es jetzt Zeit ist, ein paar Gänge rauszunehmen. Die Führungsarbeit im Gegenwind kostete mich zu viele Körner. Ich hätte mich in der grossen Gruppe verstecken müssen und hätte so viel Energie gespart. So musste ich zusehen, wie mich noch einige Fahrer überholten, während ich im Schritttempo der Ziellinie entgegen schlich...

Aber ich war dennoch stolz auf meine Leistung! Ich holte mir den guten 146. Gesamtrang! Mein Moots und auch der Rest vom Material funktionierten hervorragend, ich hatte keine Schmerzen und war sehr konzentriert unterwegs! Ich konnte das Rennen so richtig geniessen und fuhr immer mit einem Lächeln im Gesicht!

Und was mache ich 2014? Die Vernunft sagt mir, dass es jetzt genügt, da ich das Rennen dreimal gut überstanden habe und wahrscheinlich nicht mehr schneller fahren kann als dieses Jahr. Der Rennfahrerinstinkt hingegen zwingt mich zu einer weiteren Teilnahme, vielleicht liegt ja auch eine Zeit unter 6,5 Stunden drin und vielleicht lassen sich die Top 100 knacken. Wir werden sehen...

Ein grosses Dankeschön geht an Radsport Chirivi in Bonstetten für die gute Organisation! Silvia und Filippo haben sich erneut um alles gekümmert, so dass ich mich voll und ganz auf das Rennen konzentrieren konnte.

Infos: Nove Colli

Die offizielle Rangliste ist leider nur mit einem Passwort einsehbar.

Den roten Teppich verdient!

Ein bisschen mehr als eine normale Radtour...

Rang 146 von 3746 und drittbester Schweizer!



4. Mai 2013

Reisebericht: Rennrad Paradies Maremma/Toscana

Seit einigen Tagen bin ich wieder in der Toscana unterwegs und arbeite als Mountainbikeguide bei der Bikestation Colle Cavalieri. Zur Akklimatisierung und zum Bräunen der weissen Beine, habe ich die ersten Kilometer auf italienischem Boden auf dem Rennrad absolviert. Ich kenne die Strassen der Region Maremma mittlerweile sehr gut und musste nach dem zweiten Tag erneut feststellen: Die Toscana ist ein Rennrad Paradies!

Die Toscana in ihrer vollen Blüte.


Sobald man abseits der Hauptverkehrsachsen unterwegs ist, gehören einem die schmalen Strassen alleine. Von der Topographie her findet man hier alles, von stundenlangen Ausfahrten in der Fläche bis zu knackigen Anstiegen mit 20% und mehr, es hat sicher für jeden Fahrertyp etwas dabei. Die Strassen sind meistens in gepflegtem und sauberem Zustand, das eine oder andere Schlagloch lässt sich nicht vermeiden, aber wir sind ja schliesslich im Süden.

Der ultimative Härtetest!


Die weite und zugleich abwechslungsreiche Landschaft eignet sich optimal für lange Ausfahrten. Man kann ohne lästige Unterbrüche weite Strecken zurücklegen und ehe man sich versieht, stehen schon über 100 km auf dem Zähler. Suchtpotenzial ist garantiert!

Endlose Geraden...
... und enge Kurven!


Schön zu sehen ist, dass in Italien der Radrennsport gelebt und geliebt wird! Man trifft immer wieder auf einheimnische Fahrer und ganze Gruppen, mit denen man dann mitrollen und ein bisschen plaudern kann. Auch die Autofahrer sind sehr tolerant und lassen einem immer grosszügig Platz bzw. machen mit einem kurzen Hupton auf sich aufmerksam.

Auch im Vergleich zum Rennrad Mekka Mallorca braucht sich die Toscana nicht zu verstecken, denn die Vorteile liegen auf der Hand: Unkomplizierte Anreise mit dem eigenen Auto, kein Massentourismus und überfüllte Hotelanlagen, sehr gutes Essen, radsportbegeisterte Bevölkerung, gute Bikeshops in jedem grösseren Ort. Nur das Wetter ist in Mallorca im Frühjahr eventuell milder und stabiler, in der Toscana ist es im Februar/März oft noch kühl und regnerisch.

Mein Moots fühlt sich wohl in dieser fantastischen Gegend!


Fazit: Zu Unrecht ist die Toscana nur für die fantastischen Mountainbike Trails bekannt, auch das riesige Strassennetz bietet unzählige Möglichkeiten für ein spannendes Training.

Weitere Fotos sind auf der Fit for Trails Website zu finden!

13. April 2013

Testbericht: King Cage Titanium Flaschenhalter

Es gibt gewisse Bikeparts, die sind so gut, dass man sie fast vergisst, weil sie einfach immer zuverlässig ihren Dienst verrichten.

Ein solches Teil ist der King Cage Flaschenhalter. Gefertigt aus edlem Titanium, superleicht und gemacht für die Ewigkeit!

Meiner ist mittlerweile 7-jährig, war schon an drei Bikes montiert und sieht immer noch aus wie am ersten Tag. Noch nie habe ich eine Flasche verloren, die Röhrchen umklammern das Getränk bombenfest. Gepaart mit Alu- oder Titanschrauben erhält man eine Kombo, die nur gut 30 Gramm auf die Waage bringt.

Positiv:
+ sehr leichtes Gewicht
+ hält die Flasche bombenfest
+ gemacht für die Ewigkeit

Negativ:
- Die Website sollte mal überarbeitet werden... ;-)

Gewicht:
28 Gramm

Preis:
USD 60.00

Infos:
King Cage


2. April 2013

Testbericht: Hestra Tracker Bikehandschuhe

Solange die Temperaturen im einstelligen Bereich sind, kann man mit gutem Gewissen auch im April noch Winterhandschuhe vorstellen...

Als ich im Sommer 2011 meine Ferien in Schweden verbrachte, habe ich in einem Sportshop in Are die Hestra Bikehandschuhe entdeckt. Die schwedische Marke kannte ich noch nicht und da ich sowieso schon mein halbes Leben lang nach einem guten Winterhandschuh suche, habe ich mir spontan ein Paar gekauft.

Mittlerweile sind zwei Winter vorüber und ich fahre die Handschuhe immer noch. Sie sind wirklich gut! Sie haben eine sehr komfortable Passform, sind eng geschnitten und die Handflächen sind dünn und faltenfrei. Die Gore Windstopper Membrane hilft, dass man bei Temperaturen zwischen 0 und 5 Grad problemlos mehrere Stunden auf dem Bike sitzen kann (die Füsse sind dann schon längstens abgefroren...). Zuletzt sehen sich auch noch hübsch aus mit der weissen Oberseite und der schwarzen Innenseite.


Positiv:
+ Gore Windstopper Oberseite
+ komfortable Passform
+ hohe Verarbeitungsqualität
+ stylisher Look

Negativ:
- in der Schweiz kaum erhältlich

Preis:
ca. CHF 70.00

Infos:
Hestra