1. Juni 2013

Fahrbericht: Rocky Mountain Altitude 770 MSL 2013

Seit einigen Wochen bin ich stolzer Besitzer von einem Rocky Mountain Altitude 770 MSL. Ich werde neuerdings vom Schweizer Rocky Mountain Vertrieb unterstützt und da habe ich mich für ein Bike mit der Radgrösse 27.5" bzw. 650B entschieden.

Die kanadische Marke gefällt mir schon seit über 20 Jahren und doch habe ich es bis jetzt nie geschafft, eines ihrer Bikes zu fahren. Die Räder sind eher im Hochpreissegment angesiedelt und haben einen exklusiven Touch. Früher waren die Bikes richtig teuer, mittlerweile wird aber auch in Taiwan produziert und die Preise sind nun konkurrenzfähig mit anderen grossen Herstellern.

Ausstattung:

 

Die Altitude Reihe besteht aus 5 verschieden Modellen mit Carbon- oder Aluminiumrahmen. Die Bikes sind mit der neuen Laufradgrösse 27.5" ausgestattet und verfügen über 150 mm Federweg. Somit ist der Einsatz im All Mountain Bereich (oder wie man diese Kategorien auch immer nennt...) anzusiedeln. Für mich ist es einfach mein neues Cross Country Bike!

Ich habe mich für das Modell 770 MSL entschieden, welches für CHF 6'290.00 im Bikeshop zu haben ist. Das Bike hat einen Hauptrahmen aus Carbon und einen Hinterbau aus Aluminium. Es handelt sich um ein Mehrgelenksystem, das mit wartungsarmen und leichten Gleitlagern ausgerüstet ist. Die rot/schwarze Lackierung mit den weissen Ahornblättern gefällt gleich auf Anhieb. Die Anbauteile sind farblich auch darauf abgestimmt und sogar kleine Details wie die Kabelendhülsen kommen in rot daher. Die Ausstattung ist solide und es wird eigentlich nur bewährtes Material verbaut, welches harten Belastungen sicher standhält. Die Federelemente stammen von Fox, am Vorderrad arbeitet eine 34 Float CTD Gabel und am Hinterbau ein Float CTD Remote Dämpfer. Die Schaltkomponenten sind Shimano Deore XT und die Bremsen kommen von Avid, Modell Elixir 90 XM. Die Anbauteile liefert Race Face, die Turbine Linie ist an Lenker, Vorbau und an der 2-fach Kurbel zu finden. Die höhenverstellbare Sattelstütze ist eine Rock Shox Reverb Stealth und das Remotekabel ist im Rahmen verlegt. Die Laufräder bestehen aus Wheeltech Naben, Sun Ringlé Felgen und (angeblich) DT Swiss Competition Speichen. Zu den Laufrädern später mehr.

Speziell am Rahmen ist die Ride-9 Technologie. Das sind zwei ineinander gesteckte Plättchen, mit welchen man den Dämpfer in verschiedene Positionen bringen kann. So können der Lenkwinkel und die Tretlagerhöhe variert werden und gleichzeitig kann auch die Federkennlinie verändert werden. Auf der Website gibt es ausführliche Informationen darüber und es wird alles leicht verständlich erklärt. Für einen alten Downhiller und Technikfreak wie mich, sind solche Einstellungen natürlich das Sahnehäuptchen, um das Beste aus dem Fahrwerk herauszuholen. Ob der durchschnittliche Biker diese Möglichkeit nutzt, ist allerdings fraglich...

Ich habe das Bike noch ein bisschen auf meine persönlichen Vorlieben angepasst. Anstelle der Avid Bremsen fahre ich Shimano Deore XT, da ich an meinen anderen Bikes auch Shimano Bremsen habe. Den billigen "no name" Sattel habe ich gegen einen bewährten fi'zi:k Tundra 2 ausgetauscht und gleich noch 50 g eingespart. Den hässlichen und klobigen Fox Remotehebel (was hat sich hier der Ingenieur wohl gedacht?!) habe ich kurzerhand abmontiert und das Kabel vom Dämpfer getrennt. Ich fahre das Fahrwerk nun immer in der offenen Stellung und es funktioniert hervorragend. Das hat auch nochmals 100 g Gewichtsreduktion gebracht. Das Bike wiegt nun in fahrfertigem Zustand 13,4 kg.

Ein Tipp noch an die Bikemechaniker und Hobbyschrauber: Die Leitung der Rock Shox Stealth Sattelstütze wird aus unerklärlichen Gründen zwischen Unterrohr und Sitzrohr aussen am Tretlagergehäuse geführt. Wenn man die Kurbel und das Tretlager ausbaut, dann kann man die Leitung aber auch komplett innen verlegen. Dies sieht schöner aus und schützt zusätzlich vor Beschädigungen!  

Rocky Mountain Altitude 770 MSL (customized).

 

Fahrbericht:

 

Ich nehme es gleich vorne weg, das ist das beste Bike, welches ich in meinen 24 Jahren je gefahren bin!! Bis vor kurzem war noch ein Intense 5.5 mein Favorit, aber das Rocky Mountain stellt sogar dieses in den Schatten. Überzeugen mögen vor allem der Rahmen, der mit seiner kurzen Geometrie perfekt auf meinen Fahrstil zugeschnitten ist und das Fahrwerk, welches tadellos funktioniert.

Kaum hatte ich das Bike erhalten, musste ich für 4 Wochen in die Toscana um als Bikeguide zu arbeiten. Die Trails dort eignen sich optimal, um ein Rad auf Herz und Nieren zu prüfen. Da ich einen eher harten, aggressiven und aktiven Fahrstil habe, verstellte ich das Ride-9 System auf Setting 5 (gemäss Website). Damit ergibt sich ein flacher 67° Steuerwinkel und das Tretlager senkt sich um 5 mm ab. Gleichzeitig wird die Federung progressiver und hilft Durchschläge zu vermeiden.

Jungfernfahrt in der Toscana.

Trotz der grösseren Räder haben es die Entwickler geschafft, die Kettenstreben und den Radstand kurz zu halten. So ist das Bike unglaublich wendig, agil und spurtreu zu fahren. Das Vorderrad anheben geht fast von selbst und Manuals machen wird zum Kinderspiel. Es ist ein richtiges Spielzeug, welches sich mühelos über das Gelände bewegen lässt. Von den leicht grösseren Rädern spüre ich allerdings nicht viel, es fährt sich eigentlich wie ein 26" Bike. Vielleicht rollt es ein bisschen besser über die Hindernisse, aber man muss schon sehr darauf achten, um einen Unterschied auszumachen. Die 150 mm Federweg arbeiten ausgezeichnet, in den Downhills hat man viele Reserven und in den Uphills spürt man fast kein Wippen. Egal ob steile Anstiege oder knifflige Abfahrten, das Bike fühlt sich auf jedem Untergrund wohl. Absolut top!

Schönes Bike in einer schönen Landschaft!

Nach mittlerweile gut 1'500 Kilometern funktioniert das Bike immer noch einwandfrei und ich hoffe, es bereitet mir noch ganz viel Spass in der weiteren Saison!

Allerdings gibt es auch einen Kritikpunkt... Nicht wirklich begeistert bin ich von den Laufrädern. Diese bringen stolze 2'030 g auf die Waage, ein viel zu hohes Gewicht für ein Bike dieser Preisklasse. Verwirrend ist auch die Angabe auf der Website, dort ist von DT Swiss Competition Speichen die Rede, bei meinem Laufradsatz sind aber DT Swiss Champion verbaut. Entweder ist das ein Schreibfehler oder bei mir wurden die falschen Räder in die Kiste gepackt. Hinzu kommt noch, dass die Radlager nicht von hoher Qualität sind. Diese pfeifen und quitschen mittlerweile wie ein Nest voller Jungvögel. Auf jeden Fall bietet sich bei den Laufrädern riesiges Tuningpotenzial. Alle grossen Hersteller haben schon entsprechende Modelle im Angebot und mit ein bisschen Kleingeld lassen sich hier locker 400-500 g einsparen!

Gemacht für Flowgefühle!

Fazit:

 

Das Rocky Mountain Altitude ist ein Trailkiller! Das Teil macht unglaublich viel Spass, vor allem die kurze Geometrie und das ausgezeichnete Fahrwerk machen es zu einem der besten Bikes, die momentan auf dem Markt erhältlich sind! Hier sieht man, dass es nicht nur am Reissbrett gezeichnet, sondern von leidenschaftlichen Bikern entwickelt und getestet wurde. In diesem Sinne: Love the ride!!

Ein riesiges Dankschön geht an Chris Sports und Tröhler Sport für die grosszügige Unterstützung!

Manuals werden zum Kinderspiel!


Positiv:
+ sensationelles Fahrwerk
+ kurze Geometrie
+ Verstellmöglichkeiten
+ Ausstattung
+ schöner Look

Negativ:
- Laufräder sind zu schwer
- Billiger, schwerer "no name" Sattel

Preis:
CHF 6'290.00

Infos:
Rocky Mountain
Ride-9 Technologie


Nachtrag 25.07.2013:

Hunderte Kilometer später bin ich immer noch begeistert vom Altitude! Die Streckenrekorde auf Strava purzeln fast wöchentlich und die Manuals werden immer länger. Ich bleibe dabei, das ist zur Zeit das beste Bike, dass man sich in dieser Preisklasse/Kategorie kaufen kann!

Allerdings hatte ich vor einigen Tagen einen unnötigen Defekt, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Ein kleines Teil sorgte für grossen Ärger...

Beim Tretlager gibt es einen Kabelanschlag für die Schaltzüge, der im Unterrohr versenkt ist. Dieser Kabelanschlag ist aus Plastik und hält leider den harten Belastungen nicht Stand. Bei mir ist dieses Plastikteil gebrochen und das hintere Schaltkabel hatte deshalb keinen Anschlag mehr und rutschte ins Unterrohr. Das führte dazu, dass die Schaltung nicht mehr richtig funktionierte und die Gänge nur mit grossem Kraftaufwand und sehr unpräzise eingelegt werden konnten. Sehr ärgerlich, wenn das genau auf einer langen Tour passiert...

Immerhin hat Rocky Mountain das Problem erkannt, denn es ist mittlerweile ein Kabelanschlag aus stabilem Aluminium erhältlich. Ob es eine offizielle Austauschaktion gibt weiss ich nicht, aber ich empfehle euch, das Plastikteil baldmöglichst gegen das Aluteil auszutauschen! Wartet nicht, bis es auch bei euch bricht...

Der Austausch des Kabelanschlags wird dringend empfohlen!