7. Dezember 2015

Termine und Neuigkeiten für 2016



Alle Termine für die Saison 2016 sind online! Es erwartet dich wieder ein abwechslungsreiches Angebot mit interessanten Fahrtechnikkursen, aufregenden Bikeweekends und schönen Bikeferien in der Toscana.

Aufgrund der ständig zunehmenden Nachfrage, wurden einige Neuerungen eingeführt:

  • Die Fahrtechnikkurse finden nun an drei verschiedenen Kursorten (Schwerzenbach ZH, Saland ZH, Rupperswil AG) statt, so findest du sicher einen passenden Termin für dich. Um das neueste Segment im Bikesport zu bedienen, werden jetzt auch Kurse für E-Mountainbiker angeboten.
  • Nebst den klassischen Touren-Weekends werden im neuen Jahr auch zwei Enduro-Weekends in Davos und Sierre durchgeführt, um auch die abfahrtsorientierten Biker zu beglücken.
  • Das Fit for Trails Team wird aufgestockt, zwei meiner besten Kollegen werden bei den Fahrtechnikkursen und bei der Tourenleitung aushelfen. Markus Baumann und Sven Kilchenmann sind beides hervorragende Biker und schon seit über 20 Jahren in der Szene dabei. Zusammen bringen wir es auf über 75 Jahre Bikeerfahrung, mehr Kompetenz wirst du bei keinem anderen Anbieter finden!

Alle Termine und Informationen findest du auf der Fit for Trails Website. Ich würde mich freuen, dich an einem Anlass im 2016 begrüssen zu dürfen!

30. Juni 2015

Fahrbericht: Rocky Mountain Thunderbolt BC Edition 2015

Wer kennt das nicht? Jedes Mal, wenn du dir ein neues Bike zulegst denkst du: Wow, das ist das beste Bike, das ich je hatte!

So erging es mir nach den ersten Ausfahrten mit meinem neuesten Arbeitsgerät, dem Rocky Mountain Thunderbolt BC Edition. Nachdem ich die letzten zwei Jahre auf dem Rocky Mountain Altitude (übrigens bis anhin das beste Bike, das ich je hatte und ich hatte schon sehr viele in meinen 25 Bikejahren! ;-)) unterwegs war, habe ich mich für diese Saison für ein bisschen weniger Federweg entschieden. Das Thunderbolt BC Edition bietet vorne 130 mm und hinten 120 mm Federweg und gehört somit in die Kategorie der Trail Bikes. Obwohl der allgemeine Trend in Richtung mehr Federweg geht, habe ich mich bewusst dafür entschieden, wieder ein Bike mit wenig Hub zu fahren. Ich liebe direkte Bikes und mit meiner guten und sauberen Fahrtechnik kann ich gerne auf ein paar Zentimeter Federweg verzichten.

Das ist es, das wundervolle Rocky Mountain Thunderbolt BC Edition.

So ein unauffälliges und zeitloses Design braucht Farbe...


Ausstattung:


Das Thunderbolt 790 MSL BC Edition ist eine Sonderedition der Thunderbolt Reihe (es sind insgesamt 7 verschiedene Modelle in allen Preisklassen erhältlich) und dementsprechend speziell designed und ausgestattet. Das Bike ist grundsolide konfiguriert und gemacht für den harten Einsatz auf dem Trail. Es werden nur tausendfach bewährte Komponenten verbaut und auf so überflüssige Dinge wie Remotehebel für die Federelemente wird zum Glück verzichtet.

Der Vollcarbon-Rahmen kommt in einer schlichten dunkelblau-schwarzen Lackierung und macht eher auf Understatement. Man muss zweimal hinschauen, damit man den Rocky Mountain Schriftzug lesen kann. Der Rahmen ist sehr hochwertig verarbeitet und für die Zukunft gerüstet. Im Unterrohr befindet sich eine Abdeckung, unter der sich die Batterie für die elektronische Schaltung Shimano XTR Di2 verstauen lässt. Die Gleitlager verfügen über Schmiernippel, diese können mit Fett versorgt werden und man kann das berühmt berüchtigte "Rocky knarzen" erfolgreich verhindern (funktioniert übrigens tadellos). Weiter ist der Rahmen mit dem bewährten Ride-9 System ausgestattet, mit welchem man den Steuerwinkel, die Tretlagerhöhe und die Dämpferprogression auf einfache Weise verstellen kann.

Das Bike ist mit einem Rock Shox Monarch RT3 Dämpfer einer Rock Shox Pike RCT3 Federgabel bestückt. Der Entscheid, das Bike mit Rock Shox Elementen zu spezifizieren ist sehr erfreulich, denn leider hat Mitbewerber Fox in den letzten zwei Jahren qualitativ schwache Produkte auf den Markt gebracht, die oft für Ärger sorgten. Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es leider beim Rahmen mit Rock Shox Dämpfer. Der Dämpfer hat ein sehr kurzes Ventil und je nach Einstellung des Ride-9 Systems, steht die Dämpferpumpe am Rahmen an und man kommt nicht ans Ventil ran. Das heisst also jeweils die obere Schraube zu entfernen, um dem Dämpfer pumpen zu können...

Die Komponenten bestehen aus einer Sram X01 Schaltung mit 1x11 Antrieb und das 32er Kettenblatt ist an einer Race Face Turbine Kurbel montiert. Gestoppt wird mit Shimano Deore XT Bremsen, welche an einem Race Face Next Carbonlenker hängen. Der Vorbau kommt ebenfalls von Race Face, ein 60 mm langer Turbine mit der neuen 35 mm Klemmung. Die Sattelstütze ist eine Rock Shox Reverb Stealth mit innenverlegtem Kabel. Die 27.5" Laufräder kommen von Stan's mit Stan's Naben, Stan's ZTR Flow Felgen und Sapim Speichen. Zwei Änderungen habe ich gleich zu Beginn vorgenommen, die Maxxis Reifen habe ich gegen Onza Reifen ersetzt und der WTB Sattel musste meinem Lieblingssattel fi'zi:k Tundra2 weichen.

Wie erwähnt, die Konfiguration ist gemacht für die Ewigkeit und funktioniert absolut zuverlässig. Allerdings wäre bei einem Verkaufpreis von CHF 7'990.00 ein bisschen eine hochwertigere Ausstattung wünschenswert gewesen. Zum Beispiel XX1 Komponenten, oder Shimano XTR Bremsen, oder eine Race Face Next Kurbel, oder einfach ein Sattel mit Carbongestell. Aber Rocky Mountain war schon immer eine exklusive Marke und man ist es sich daher gewohnt, ein bisschen mehr für sein Lieblingssportgerät auszugeben. Spätestens, wenn man auf dem Bike sitzt, ist das alles vergessen!

Das Gesamtgewicht ist komplett fahrfertig in Grösse Medium 12,4 kg.

Ein aufgeräumtes Cockpit ohne überflüssige Hebel und Kabel, perfekt!


Fahrbericht:


Das Bike liess lange auf sich warten und wurde erst Anfang März geliefert. Genau eine Woche vorher, bevor ich die Schweiz in Richtung Colle Cavalieri della Toscana verliess, um dort 3 Monate als Bikguide zu arbeiten. So konnte ich das Bike nur kurz auf Schweizer Boden fahren, aber das genügte, um schon einen sehr positiven Eindruck davon zu bekommen. Wie erhofft fährt sich das Teil extrem knackig und agil. Jede Lenkbewegung und jede Kurbelumdrehung wird direkt umgesetzt und das Bike hat einen ständigen Vorwärtsdrang. Dank dem kurzen Oberrohr und den kurzen Kettenstreben hat das Bike extrem viel Pop, das heisst wenn man am Lenker zieht und zum Sprung oder zum Manual ansetzt, dann geht es richtig ab. Wow, das beste Bike, das ich je hatte!

Das Thunderbolt verleitet zum Vollgas geben...


In der Toscana konnte ich dann das Thunderbolt auf den schönsten und besten Singletrails jeden Tag quälen und bis ins kleinste Detail prüfen. In den letzten 15 Jahren war ich schon mit allerlei Bikes im schönen Süden unterwegs und ich kenne die Region wie meine Hosentasche. Darum konnte ich gleich auf allen Strecken Vollgas und dem Thunderbolt die Sporen geben. Ich war erneut begeistert, wie leicht und locker mich das Bike über die Trails fliegen lässt. Die 130/120 mm Federweg fühlen sich nach mehr an, auch bei weiten Sprüngen und grösseren Absätzen kam das Bike nicht ans Limit. Das ist sicher auch den Rock Shox Federelementen zu verdanken, diese sprechen sehr feinfühlig an und lassen sich perfekt abstimmen.

... und quer durch die Kurven zu fliegen!


Die kompakte und kurze Geometrie verhilft zu einer neutralen und bequemen Sitzposition, mit der man auch problemlos steile Anstiege meistern kann. Das Bike klettert sehr gut, das relativ geringe Gewicht und die 27.5" Laufräder helfen dabei, dass man auch technische Passagen mit viel Zug durchfahren kann.

Mittlerweile habe ich fast 3000 Kilometer absolviert und ich liebe das Bike wie am ersten Tag. Alles funktioniert noch einwandfrei, nur die Gleitlager musste ich ab und zu fetten und die Stan's Hinterradnabe musste gewartet werden. Top!


Fazit:


Love the ride! Das Rocky Moutain Thunderbolt ist das perfekte Bike für anspruchsvolle Tourenbiker, die es gerne mal krachen lassen. Es ist sehr vielseitig einsetzbar und es fühlt sich in jedem Gelände zu Hause. Das vielleicht beste Trailbike, das zur Zeit erhältlich ist!


Positiv:
- kurze, kompakte Geometrie
- Ride-9 System
- sehr solide Ausstattung
- schöner Look

Negativ:
- hoher Preis

Preis:
- CHF 7'990.00

Infos:
- Rocky Mountain Bicycles



30. März 2015

Der perfekte Start in die neue Mountainbike Saison

Bist du schon bereit für die neue Mountainbike Saison?! Damit du sicher, pannenfrei und gut informiert unterwegs bist, habe ich nachfolgend einige wertvolle Tipps zur richtigen Pflege und zum perfekten Setup deines Mountainbikes zusammengetragen.


Grundkontrolle


Wenn dein Bike über den ganzen Winter im Keller gestanden hat, dann ist es jetzt an der Zeit, es zu entstauben und fahrbereit zu machen. Dazu gehört zuerst, dass es richtig gut geputzt wird. Nur ein sauberes Bike funktioniert zuverlässig und nur im blitzblanken Zustand lassen sich Mängel finden. Für die Kontrolle empfiehlt sich gutes Licht, am besten das Bike bei Tageslicht unter die Lupe nehmen. Wenn du technisch und handwerklich nicht so versiert bist, dann solltest du den Fachhändler deines Vertrauens aufsuchen, damit er diese Arbeit übernimmt und nachher alles garantiert richtig eingestellt ist. Wenn du selber an deinem Bike schraubst, dann solltest du die wichtigsten Werkzeuge und Messinstrumente zu Hause haben.

Wenn du zu den Glücklichen gehörst, die sich ein neues Bike kaufen, dann umso schöner! Es gibt kein besseres Gefühl, als mit einem nagelneuen Bike die ersten Ausfahrten zu unternehmen. Das Bike wird nie mehr so sauber sein, alles läuft wie geschmiert, nichts knackt und knirscht und man hat das Gefühl über die Trails zu fliegen! Aber Achtung: Wenn dir ein Händler noch ein Bike mit 26 Zoll Laufrädern zu einem Hammerpreis verkaufen will, dann lass die Finger davon! Du kaufst garantiert einen Ladenhüter, für welchen du in absehbarer Zeit kein Ersatzmaterial mehr erhalten wirst... (Und das schreibt ein überzeugter 26 Zoll Fan!)

Mit einem neuen Bike in die neue Saison - das höchste der Gefühle!


Rahmen


Beim Rahmen geht es in erster Linie darum, den Allgemeinzustand zu prüfen. Sollten Dellen oder tiefe Kratzer zu sehen sein, dann lohnt sich ein genauerer Blick auf die jeweilige Stelle. Bei Aluminiumrahmen unbedingt die Schweissnähte kontrollieren, dort kann man schon mal einen Riss finden.

Bei vollgefederten Bikes die Schwingendrehpunkte auf Spiel kontrollieren. Nach einer (schlammigen) Saison sind auch meistens die Kugel- oder Gleitlager hinüber. Dies merkt man, wenn man den Dämpfer ausbaut und den Hinterbau einfach so bewegt. Ausgeschlagene Schwingenlager möglichst bald austauschen lassen, sonst werden auch noch die Lagersitze in Mitleidenschaft gezogen,


Federelemente


Bei den Federelementen die Funktion prüfen, in dem man die Gabel oder den Dämpfer einige Male fest zusammendrückt. Dabei auch alle Drehknöpfe testen, ob diese richtig reagieren und eine Veränderung feststellbar ist. Solltest du einen schwarzen Schmierfilm oder sogar Oel- oder Luftverlust bemerken, dann ab in den Service mit dem Teil.

Die Federungshersteller raten übrigens mittlerweile von der Benutzung von Schmiermitteln auf den Standrohren ab, da diese die Dichtungen angreifen können. Damit die Schmutzabsteifer gut geschmiert sind reicht es, das Bike ab und zu mal auf den Kopf zu stellen.

Wenn sich alles gut anfühlt, dann den Luftdruck auf dein Körpergewicht und deinen Fahrstil einstellen. Wichtig ist hier vor allem, dass die Federelemente nicht zu hart und zu schnell gefahren werden. Beides sind Fehler, die dich nicht das ganze Potenzial deines Bikes ausschöpfen lassen. Das Bike muss federn können und daher ist ein weicheres Setup empfehlenswert (ausser du fährst extrem radikal, dann brauchst du ein hartes Fahrwerk für gewisse Reserven). Beim Ausfedern (Zugstufe oder Rebound) darauf achten, dass die Gabel oder der Dämpfer nicht zu schnell zurückkommt und das Rad nicht vom Boden springt.


Bremsen


Die Bremsen sind deine Lebensversicherung und auf die Bremsen musst du dich 100% verlassen können. Die heutigen Bikes haben Scheibenbremsen, die im Normalfall sehr wartungsarm sind. Hier reicht es, ab und zu die Bremsbeläge und die Bremsscheibe zu kontrollieren. Wenn der Belag bis auf die Grundplatte abgenutzt ist, dann ist ein Austausch dringend nötig. Eine Bremsscheibe hält verhältnismässig lange und muss nur selten gewechselt werden.

Das wichtigste bei den Scheibenbremsen ist, dass diese niemals mit Öl oder Fett in Kontakt kommen! Sollte das der Fall sein, dann muss die Bremsscheibe mit einem speziellen Bremsreiniger geputzt werden und die Beläge müssen abgeschliffen oder ersetzt werden.


Schaltung


Die Schaltung muss einwandfreie Gangwechsel gewährleisten, dann ist eigentlich alles in Ordnung. Sobald die Kette rattert oder die Schaltvorgänge nicht richtig flutschen, muss justiert werden. Die Schaltung einstellen ist eine Übungssache, wenn du nicht sicher bist, dann lieber zum Fachmann damit.

Im Normalfall reicht es, wenn die Kabelspannung erhöht oder gelockert wird. Dafür gibt es am Schalthebel eine Rändelschraube, die nach links oder rechts gedreht werden muss. Du wirst relativ schnell merken, auf welche Seite man drehen muss, bis die Schaltung wieder sauber funktioniert. Sollte die Kette hinter die Ritzel oder Kettenblätter fallen, dann sind die Endanschläge nicht richtig eingestellt. Dafür gibt es zwei kleine Schrauben an Schaltwerk und Umwerfer, die für die obere oder untere Führung verantwortlich sind. Wenn die Endanschläge richtig eingestellt sind, muss dort nie etwas geändert werden.

Sollte die Schaltung trotz aller Bemühungen nicht sauber schalten, dann kann es auch an verdreckten Schaltzügen- und Hüllen liegen. Oder ein verbogenes Schaltauge sorgt für unpräzise Schaltvorgänge. Das Schaltwerk muss absolut gerade montiert sein und parallel laufen, ansonsten das Schaltauge austauschen.


Antrieb


Der Antrieb muss immer sauber und geschmiert sein. Nach jeder schlammigen Ausfahrt die Zahnkränze gut putzen und die Kette neu ölen, Wenn das regelmässig gemacht wird, dann hält der Antriebsstrang sehr lange und läuft schön geschmeidig.

Die Kette muss je nach Kilometerleistung und Einsatzgebiet mehrmals im Jahr gewechselt werden. Wenn sie trotz putzen nicht mehr sauber wird oder total trocken läuft, dann weg damit. Mit einem Kettenmessgerät kann kontrolliert werden, ob die Kette noch in Ordnung ist oder ob sie schon zu sehr in die Länge gezogen wurde. Es empfiehlt sich, die Kette regelmässig zu wechseln, diese kostet nicht viel Geld, dafür hält dann der ganze Antrieb länger. Sobald der komplette Antrieb ersetzt werden muss, wird es richtig teuer...

Die Zahnkränze und Kettenblätter halten einiges länger als eine Kette und müssen ja nach Beanspruchung erst nach 2-3 Jahren gewechselt werden. Ab und zu die Kettenblätter auf "Zahnausfall" kontrollieren, es kann beim Biken schon mal vorkommen, dass diese in einen Felsen gerammt werden.

Sauber und gepflegt muss der Antrieb sein.



Schraubenkontrolle


Wichtig ist auch, dass jede Schraube richtig angezogen und in gutem Zustand ist. Dabei unbedingt die Drehmomente von jedem einzelnen Teil beachten und nicht einfach mit voller Kraft zudrehen! Wenn du rundgedrehte oder verostete Schrauben entdeckst, diese sofort wechseln, bevor du sie überhaupt nicht mehr lösen kannst. Und ein bisschen Fett auf die Gewinde schadet nie.

Wenn du regelmässig selber an deinem Bike schraubst, dann lohnt sich die Anschaffung von hochwertigem Werkzeug. Billiges Werkzeug ist ein Ärgernis...


Laufräder


Die Laufräder dürfen nicht eiern und müssen widerstandslos laufen. Zuerst prüft man, ob das Rad rund läuft und keine grossen Schläge an der Seite oder in der Höhe hat. Dann die Speichenspannung kontrollieren, am besten zwei Speichenpaare zusammendrücken und den Widerstand spüren. Sollte eine Speiche locker sein, dann diese anziehen und das Rad zentrieren. Eine lose Speiche deutet immer auf einen Schlag hin, das heisst das Laufrad hat keine gleichmässige Spannung mehr. Zentrieren ist eine Sache für den Fachmann, das sollte man nur selber machen, wenn man das Handwerk versteht!

Als nächstes die Felge auf Verschleiss kontrollieren. Bei Dellen und Rissen die Felge genau anschauen und allenfalls ersetzen lassen. Bei Felgenbremsen die Wandstärke der Bremsfläche prüfen. Einige Felgen bieten dafür sogenannte Verschleissindikatoren (kleine Löcher auf der Bremsfläche), wenn diese nicht mehr zu sehen sind, dann ist die Felge durchgebremst.

Zum Schluss die Lager und den Freilauf kontrollieren, ob diese noch schön sauber laufen und nicht knirschen und knacken. Ansonsten austauschen lassen vom Fachmann.


Reifen


Bei den Reifen zuerst das Profil anschauen und die Seitenwände und Laufflächen auf Risse und Löcher prüfen. Ist der Reifen schon stark abgefahren oder sonst defekt, dann lohnt es sich hier, gleich einen Neuen zu kaufen und nicht noch länger zuzuwarten.

Wenn du dir einen neuen Reifen kaufst, dann ist das gleich eine gute Gelegenheit, vielleicht eine neue Marke und eine andere Breite auszuprobieren. Die Reifen werden immer breiter und bieten dank der grösseren Auflagefläche mehr Grip und Sicherheit. So 2.2-2.4 Zoll sind mittlerweile eine gängige und angenehme Breite. Achtung, je breiter der Reifen, desto breiter sollte auch die Felge sein!

Solltest du mit Tubeless Reifen (schlauchlos) unterwegs sein, musst du deine Latexmilch erneuern. Diese hält nur ca. 3-4 Monate und dann ist sie eingetrocknet.

2.25 Zoll, eine gute Breite für den Toureneinsatz.



Cockpit Einstellungen


Das Cockpit ist deine Steuerzentrale am Bike und da sollte besonders viel Wert auf eine gute Einstellung gelegt werden. Nur wenn du dich auf dem Bike pudelwohl fühlst, kannst du stundenlang im Sattel sitzen und sicher über die Trails der Welt heizen. Zum Cockpit gehören Lenker, Lenkergriffe, Vorbau, Bremshebel, Sattel und Sattelstütze.

Die Lenker von aktuellen Bikes werden jedes Jahr ein bisschen breiter. Mehr Breite bedeutet mehr Kontrolle! Allerdings sind gewisse Lenker mittlerweile so breit, dass sie wieder gekürzt werden müssen, um zum eigenen Körperbau zu passen. Die Regel mit der Schulterbreite gleich Lenkerbreite ist übrigens total veraltet und sollte nicht mehr angewendet werden... Egal ob Frau oder Mann, ein Lenker darf sicher 70-76 cm breit sein. Ob der Lenker gekröpft oder gerade ist, kommt auf deinen Fahrstil darauf an. Rennfahrer bevorzugen eine flache Sitzposition und der Tourenbiker sitzt lieber ein bisschen aufrechter.

Die Lenkergriffe müssen in erster Linie bequem sein. Sie sollten zu deinen Händen passen und nicht zu dünn oder zu dick sein. Eine gewisse Dämpfung sollten sie auch bieten, das hilft gegen das Einschlafen der Hände. Praktisch sind Schraubgriffe, die halten bombenfest und können einfach montiert und entfernt werden.

Der Vorbau sollte möglichst kurz sein! Die Zeiten, wo man am Bike einen Vorbau von über 100 mm Länge gefahren hat, sind definitiv vorbei. In den letzten Jahren wurden die Rahmengeometrien angepasst, die Oberrohre wurden länger und gleichzeitig wurden die Vorbauten kürzer. Auch hier kommt es auf deinen bevorzugten Fahrstil und das Einsatzgebiet an. Rennfahrer fahren längere und flachere Vorbauten und der Tourenbiker oder Freerider fährt möglichst kurz, damit er in den Downhills immer die perfekte Kontrolle hat. Wichtig ist, dass du trotzdem genügend Druck auf dem Vorderrad hast bei steilen Aufstiegen und in den schnellen Kurven. Die Vorbaulänge sollte man ausgiebig testen, eine Länge irgendwo zwischen 50 und 90 mm ist optimal.

Wichtig ist die richtige Positionierung der Bremshebel. Nur wenn diese auf die eigene Handgrösse eingestellt sind, hat man immer die Kontrolle über das Bike und kann unverkrampft fahren. Der Winkel der Hebel sollte eine Verlängerung der Arme sein und die Handgelenke sollten nicht zu stark gegen oben oder unten abgeknickt sein. Der Abstand zum Lenkergriff muss so gewählt werden, dass man mit dem Handballen am Ende des Lenkergriffs und mit dem Zeigefinger in der Mulde des Bremshebels liegt. Ein guter Biker bremst nur einem Finger! Die Befestigungschrauben der Bremshebel übrigens nicht zu fest anziehen, so kann sich der Hebel bei einem Sturz wegdrehen.

Der Sattel muss bequem sein, er sollte nicht drücken und es sollte bei dir nichts einschlafen. Wenn das so ist, dann hast du den richtigen Sattel für dein Gesäss montiert! Hast du Sitzbeschwerden, dann solltest du nach einem anderen Modell Ausschau halten. Hier eine Empfehlung abzugeben ist fast unmöglich, ein Sattel muss "erfahren" werden. Viele Fachhändler bieten Testsättel an, diese Möglichkeit sollte unbedingt genutzt werden. Der wichtigste Punkt ist die richtige Satteleinstellung. Das heisst, dass die Höhe, die Neigung und die Position genau auf deinen Körperbau stimmen müssen. Hier entscheiden oft wenige Millimeter über Freude oder Schmerzen... Faustregel für die Sattelhöhe ist mit der Ferse auf dem Pedal und dann sollte das Knie noch ganz leicht gebeugt sein. Die Neigung des Sattels kann durchaus ein bisschen gegen unten sein, das entlastet den Druck auf die Weichteile. Und die Position kann mit einem Lot geprüft werden, das an die Kniescheibe gehalten wird und dann durch die Mitte der Pedalachse laufen sollte. Wenn du es ganz genau wissen willst, dann ist eine Sitzpositionsanalyse bei einem Spezialisten sicher empfehlenswert.

Zum Schluss noch ein Hinweis auf die beste Erfindung der letzten Jahre: die versenkbare Sattelstütze! Ein Teil, welches ich selbst als sehr guter Biker ("man kann alles mit hohem Sattel fahren") nie mehr hergeben würde!

Solltest du ein älteres Bike besitzen, dann sind Lenker und Vorbau sicher mal ein Tuning wert. Mit relativ wenig Geld kannst du dir einen breiteren Lenker und einen kürzeren Vorbau kaufen und du wirst sehen, dein Bike fährt sich komplett anders und vor allem viel besser! Und wenn du noch ein bisschen mehr investieren möchtest, dann empfehle ich noch zum Kauf von einer versenkbaren Sattelstütze.

Mein aktuelles Setup - Lenker 74 cm und Vorbau 70 mm.


Weitere Tipps und Tricks, speziell auch zur Sitzposition und Körperhaltung, findest du auf der Fit for Trails Website. Und wenn du dein Bike richtig gut beherrschen möchtest, dann empfiehlt sich der Besuch von einem Fahrtechnikkurs. Man hat nie ausgelernt!

Nun wünsche ich eine erfolgreiche und schöne Bikesaison 2015!

7. Februar 2015

Erste Erfahrungen mit einem Fatbike

Sie werden geliebt und sie werden gehasst - die Fatbikes.

Wieder einmal hat es ein US-Trend nach Europa geschafft, und seit gut einem Jahr sieht man in jedem Katalog und in jedem Bikeshop mindestens ein Modell mit den riesigen dicken Reifen.

Eines vorweg, Fatbikes machen Spass und haben ihre Daseinsberechtigung! Denn beim Fatbike handelt es sich um eine neue Kategorie von Mountainbikes und jeder kann selber entscheiden, ob er sich eines kaufen will oder nicht. Es ist also anders als bei den "normalen" Mountainbikes, wo uns die Industrie jedes Jahr neue Standards aufzwingt und wir als Konsumenten einfach mitmachen müssen, ob es uns jetzt passt oder nicht...

Als seriöser und neugieriger Bikeguide ist es meine Pflicht, dass ich mich mit allen Neuheiten auseinandersetze, diese teste und mir so eine eigene Meinung bilden kann. Denn meine Kundschaft fragt mich früher oder später sicher, was ich von Fatbikes halte. Ich selbst besitze keines, aber ich durfte schon mehrmals mit dem Rocky Mountain Blizzard meine Runden drehen.

Das erste Mal konnte im September 2014, während der Veranstaltung TestRide in der Lenzerheide, ein Fatbike ausgiebig auf Singletrails ausprobieren. Zuvor sass ich schon auf verschiedenen Fatbikes, aber nur mit einer Runde auf dem Parkplatz kann man noch keine Aussage machen. In der Lenzerheide hatte ich dann anspruchsvolles, alpines Gelände und konnte das Blizzard so richtig rannehmen.

Unterwegs in der Lenzerheide.

Das Rocky Mountain Blizzard ist ein Hardtail mit Rock Shox Federgabel, welches mit 4.7" Reifen bestückt ist. Die Reifen werden mit einem Luftdruck knapp unter einem Bar gefahren und bieten so zusätzlichen Federweg. Allerdings walken die Reifen recht stark und so ergibt sich ein schwammiges Verhalten. Eine Federgabel hilft hier, dass man mehr Grip und ein definierteres Fahrgefühl erhält. Ich gehe sogar so weit und behaupte, dass auch ein Fatbike vollgefedert sein sollte, wenn man es auf steinigem Untergrund fährt. Beim Schnee spielt die Federung weniger eine Rolle, aber dazu später mehr. Trotz der breiten Walzen rollt das Bike erstaunlich gut und auch steile Anstiege lassen sich problemlos bewältigen. In den Abfahrten ist es sehr agil und ich konnte genau die gleichen Linien über Felsen und Wurzeln fahren wie mit einem herkömmlichen Bike. Nur in schnellen Kurven neigt es zum Untersteuern und man braucht den Mut, das Bike richtig runterzulegen. Geil!


Vollgas auf dem Trail!

Mitte Januar 2015 fand das Snow Epic in Engelberg statt, das erste Mehretappenrennen mit Fatbikes. Dort sah man, dass sich schon eine grosse Fangemeinde gebildet hat, über 120 Fahrer aus 20 Nationen standen an der Startlinie. Die ersten drei Tage hatte es fast ein bisschen wenig Schnee, am vierten Tag kam dann aber so viel Neuschnee vom Himmel, dass auch die Fatbikes an ihre Grenzen stiessen. Ich war als Helfer vor Ort für den Schweizer Rocky Mountain Vertrieb und kam dann am Samstag Morgen überraschend zu einem Einsatz für die Rennleitung. Wegen der starken Schneefälle wurde ich als Erster auf den Berg geschickt und musste testen, ob die schwierigen Bedingungen ein reguläres Rennen zulassen.


Hardcore Bedingungen am Snow Epic in Engelberg...

Es herrschte richtiges Hudelwetter und es lagen ca. 30 cm feinster Pulverschnee auf der Strecke. Nach den ersten Metern bemerkte ich gleich, dass bei so viel Schnee auch die breitesten Reifen nicht helfen. Das Bike versank tief im Boden und es liess sich nicht führen. Nur bergab und mit viel Schwung war es möglich, das Bike auf der Linie zu halten. Ich bekam sogar noch den Extraservice und konnte direkt hinter dem Pistenfahrzeug fahren. Aber selbst bei perfekter Präparierung war der Untergrund zu weich, um den Reifen genügend Auftrieb zu geben. Es war ein Kraftakt...  Jedoch bemerkte ich, wie wichtig, dass der richtige Reifendruck ist. Von den ursprünglichen 0,8 bar ging ich runter, bis ich fast auf der Felge fuhr und je weniger Luftdruck, desto besser war der Vortrieb. In diesem Fall ist eine Federung zweitrangig, hingegen wirkt wenig Luft wahre Wunder. Damit das Fatbike im Schnee richtig funktioniert braucht es also harten, festgepressten Untergrund und den optimalen Luftdruck.


Bei so viel Neuschnee helfen auch die dicksten Reifen nicht...

Fazit: Wie zu Beginn erwähnt, werden Fatbikes die Bikefreunde in zwei Lager spalten. Ich persönlich finde sie cool, man hat die neugierigen Blicke auf sicher und sie sind sehr vielseitig einsetzbar!