13. Juni 2018

Klickpedal oder Flat Pedal?

Die Wahl des MTB-Pedals sorgt bei immer mehr Bikerinnen und Bikern für Verunsicherung. Ich hatte bereits 2013 einen Blog über Pedalen verfasst und nun ist das Thema aktueller denn je. An fast jedem Fahrtechnikkurs erhalte ich im Vorfeld Anfragen, ob man besser mit Klickpedalen oder mit Flat Pedals am Bikekurs teilnehmen soll. Auch während und nach den Kursen wird immer häufig darüber diskutiert, was denn jetzt wohl besser oder sinnvoller ist.

Eines vorweg: Es gibt bei den Pedalen kein richtig oder falsch und gut oder schlecht. Beide Pedalsysteme haben ihre Vor- und Nachteile, darüber mehr auf den nachfolgenden Zeilen.

Als ich 1989 mit dem Bikesport angefangen habe, da bin ich gezwungenermassen "Bärentatzenpedalen" (so nannte man Flat Pedals früher) gefahren, da es noch gar keine Klickpedalen gab. Ich habe mir so meine Fahrtechnik beigebracht und konnte schon bald Bunny Hops springen, auf Stufen rumhüpfen und über Schanzen fliegen. Als dann zu Beginn der 90er Jahre die ersten Klickpedale auf den Markt kamen, da habe ich gleich gewechselt. Einerseits hat einem die Werbung versprochen, dass man so noch besser biken kann und andererseits haben auch alle Kollegen diese Pedalen gefahren. Von da an blieb ich den Klickpedalen treu, auch bei den Downhillrennen hat mir die fixe Verbindung viel Vertrauen im schwierigen Gelände und bei Sprüngen gegeben. Nur bei meinem Bike für die BMX-Bahn und für die Dualslalom-Rennen hatte ich weiterhin auf Flat Pedals gesetzt.

Heute hat sich die Situation geändert. Downhillerlegende Sam Hill hat schon früh gezeigt, dass man mit Flat Pedals Weltmeistertitel gewinnen kann. Und der immer populärer werdende Enduro-Bikesport lässt immer mehr Biker mit normalen Pedalen die Trails runterflitzen. Dies färbt auch auf die Tourenbiker ab, welche nun ohne Klickpedalen lange und anspruchsvolle Ausflüge unternehmen. An meinem Bikekursen ist der Wechsel ebenfalls gut zu sehen, an gewissen Kursen sind die Flat Pedal Fahrer nun in der Mehrheit.

klickpedal_flatpedal
Klickpedal oder Flat Pedal? Das ist hier die Frage...


Vorteile und Nachteile Klickpedal


+ fixe Verbindung hält den Fuss fest
+ perfekte Kraftübertragung
+ gute Beinführung

- spontaner Ausstieg zum Teil schwierig
- verleitet zu passiver und unsauberer Fahrtechnik
- Bike schieben und tragen mit harten Bikeschuhen unangenehm

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Wenn es steil wird, dann bietet das Klickpedal die optimale Kraftübertragung.


Vorteile und Nachteile Flat Pedal


+ Ausstieg jederzeit möglich
+ gibt Sicherheit in anspruchsvollem Gelände
+ bequeme Schuhe, falls man mal laufen muss
+ hilfreich für die saubere Umsetzung von Bunny Hop, Hinterrad versetzen, usw.

- Fuss hält nur richtig auf dem Pedal bei korrekter Fussstellung
- mässige Kraftübertragung
- Abrutschen vom Pedal hinterlässt hässliche Spuren an Schienbein und Wade

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Einer der Vorteile von Flat Pedals sind bequeme Schuhe, mit denen man auch gut laufen kann.


Hochwertige Schuhe und Pedale sorgen für Freude


Egal für welches Pedalsystem man sich entscheidet, es sollte auf eine hohe Qualität von Schuhen und Pedalen geachtet werden. Der Markt dafür ist riesig, ich möchte hier deshalb nicht weiter darauf eingehen.

Wer Flat Pedals fährt, der muss unbedingt einen Schuh mit einer griffigen und flachen Sohle wählen. Jogging-, Outdoor-, oder Wanderschuhe sind nicht geeignet, da diese keinen direkten Kontakt zum Pedal bieten.

Bei Klickpedal-Schuhen kommt es auf den Einsatzbereich an. Rennfahrer nehmen einen möglichst harten Schuh für eine direkte Kraftübertragung. Tourenfahrer sollten einen Schuh mit einer gut profilierten Sohle fahren, falls man mal das Bike über Felsen schieben oder tragen muss.

Bei den Pedalen sollte man nicht geizig sein, je höher der Preis, desto besser ist die Qualität. Gute Lager und Dichtungen sorgen für Langlebigkeit und hochwertige Pedalen sind auch immer leichter als billige Modelle.

Von sogenannten Kombi-Pedalen (eine Seite Klick/eine Seite Flat) halte ich persönlich nicht viel. Das Problem ist, dass meistens der falsche Teil oben ist und man so während der Fahrt runterschauen oder sogar anhalten muss, damit man richtig auf das Pedal stehen kann. Das ist ziemlich mühsam und gefährlich.

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Ein richtiger Bikeschuh muss es sein, nur damit lässt es sich komfortabel biken.


Korrekte Fussstellung ist wichtig


Wer Flat Pedals fährt, der muss sich unbedingt eine korrekte Fussstellung aneignen. Das heisst, dass der Fuss immer leicht schräg auf dem Pedal steht, nur so hat man genügend Grip. Bei Abfahrten lässt man die Ferse leicht hängen und bei Manövern wie Bunny Hop und Sprüngen dreht man jeweils das Fussgelenk über die Pedalachse, damit die Zehen nach unten zeigen (gilt übrigens auch für Klickpedal-Fahrer!). Sobald der Fuss ganz gerade auf dem Pedal ist, wird man unweigerlich den Halt verlieren.

Wer beginnt mit Klickpedalen zu fahren, der wird ganz sicher ab und zu aus dem Stand stürzen, da man aus unerklärlichen Gründen einfach nicht aus dem Pedal kommt. Dieser Prozess hat jeder Klickpedal-Fahrer durchgemacht, aber die spontanen Hinfaller sollten sich im Laufe der Zeit legen. Irgendwann ist der Bewegungsablauf zum Ausklicken im Kopf abgespeichert und man kommt auch bei schwierigen Situationen immer aus dem Pedal. Wichtig: Man muss mit beiden Füssen ausklicken können und sich die Bewegung mit dem rechten und linken Fuss antrainieren.

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Fersen runter! Egal mit welchem Pedal man fährt, der Fuss sollte immer leicht schräg stehen.


Die Wahl des Pedals entscheidet man selbst


Man muss selber entscheiden, welches Pedal für einen am besten passt. Man darf sich gerne eine Meinung von anderen einholen, aber schlussendlich sollte man das Pedalsystem fahren, mit dem man sich am wohlsten fühlt. Etwas zu erzwingen bringt nichts. Ich höre oft von Frauen: "Mein Mann hat gesagt, ich muss Klickpedalen fahren." In diesem Fall hat die bessere Hälfte nicht zu melden. Auch alteingessene und rennradlastige Fachhändler vertreten die Meinung, dass man nur mit Klickpedalen richtig biken kann.

Man muss sich zu Beginn ein wenig Zeit nehmen, damit man sich an ein Pedal gewöhnt. Nach einigen Wochen sollte man aber sicher und kontrolliert unterwegs sein, damit man sich auf das Biken selbst konzentrieren kann und sich nicht mehr um die Füsse kümmern muss.

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Verschiedene Biker, verschiedene Pedalen. Die "richtige" Entscheidung muss man selber treffen.


Fahrtechnik trainieren mit Flat Pedals


Wenn es um saubere Fahrtechnik geht, dann kommt man nicht drum herum, auch mal Flat Pedals zu montieren. Auch ich wechsle hin und wieder das Pedal, damit ich mein eigenes Können immer auf einem sehr hohen Level halten kann. Den ganzen Monat April 2018 war ich deshalb mit Flat Pedals unterwegs und habe Tricks geübt. Im folgenden Video sieht man, was alles möglich ist. Alles nur eine Frage der Technik!