22. Oktober 2019

Die häufigsten Fehleinstellungen am Mountainbike

An den Fit for Trails Bikekursen gingen in den letzten Jahren schon über 3'000 Mountainbikes durch meine Hände. Egal, ob beim Fachhändler oder im Internet gekauft, bei allen Bikes werden die wichtigsten Funktionen und Einstellungen jeweils gecheckt und allenfalls angepasst. Und obwohl die Teilnehmer schon vor dem Kurs aufgefordert werden, mit einwandfreiem Bike zu erscheinen, gibt es für mich immer viel Arbeit.

Ich erlaube mir hier auch ein wenig Kritik am Fachhandel. Viele meiner Kunden schrauben nicht selber an ihrem Bike, stattdessen geben sie ihr Sportgerät vorbildlich in die Obhut von Fachkräften. Und da sollte man davon ausgehen, dass die Arbeiten professionell und gewissenhaft ausgeführt werden. Leider ist das aber oft nicht so.

Nachfolgend findest du eine Auflistung mit den häufigsten Fehlern, die an einem Mountainbike so vorkommen. Für das bessere Verständnis mit einem Foto mit der falschen und der richtigen Einstellung. Am besten wirfst du mal einen Blick auf dein eigenes Bike und kontrollierst, ob alles korrekt aussieht. Vieles davon kannst du mit ein bisschen handwerklichem Geschick und dem richtigen Werkzeug selber in Ordnung bringen.



Die Bremsleitung ist aussen an der Gabel verlegt


Ein Klassiker, den ich an fast jedem Bikekurs entdecke: Die Bremsleitung ist aussen am Tauchrohr verlegt. Hier steigt die Gefahr, dass du einen ungewollten Abgang über den Lenker machst, falls du an einem Hindernis hängen bleibst. Oder die Bremsleitung kann einen Defekt erleiden, wenn das Bike an einen Felsen schlägt. Darum gehört die Bremsleitung immer innen am Tauchrohr geführt.

Um das zu korrigieren, musst du die Bremszange abschrauben und zusammen mit der Bremsleitung innen an der Gabel durchführen. Dann die Bremszange wieder anschrauben und mittig zentrieren, damit die Beläge nicht schleifen.

Falls dein Händler dir dein Bike so ausgeliefert hat, dann solltest du ihn auf diesen Fehler hinweisen. Denn hier geht es um deine Gesundheit.

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Die Bremsleitung muss immer innen am Tauchrohr geführt werden.



Der Schnellspanner an der Gabel zeigt nach vorne


Wenn der Schnellspanner an der Gabel nach vorne zeigt, dann steigt das Risiko, dass sich der Spanner öffnet, wenn du irgendwo im Unterholz hängen bleibst. Deshalb muss der Schnellspanner immer nach oben oder nach hinten stehen. Das gilt vor allem für das Vorderrad, am Hinterrad ist das nicht so relevant.

Bei den aktuellen durchgehenden Steckachsen hast du, je nach Modell, eine Rasterung an der Gabel und am Rahmen, die du verdrehen kannst und so den Spanner korrekt ausrichten kannst. Die Rock Shox Schnellspanner verfügen über einen Bajonett-Verschluss, den du intern verdrehen kannst.

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Der Schnellspanner an der Gabel darf nie nach vorne zeigen. Er sollte immer nach oben oder nach hinten stehen.



Die Federelemente sind zu hart oder zu weich


Die Federelemente müssen korrekt auf das Fahrergewicht und den Einsatzzweck eingestellt sein. Die meisten Federungen funktionieren mit Luft und können so sehr exakt abgestimmt werden. Bei den aktuellen Fox und Rock Shox Modellen entspricht der Druck in der Federgabel ungefähr dem Systemgewicht des Fahrers. Wenn du z.B. mit Ausrüstung 80 kg schwer bist, dann solltest du auch ca. 80 PSI Luftdruck fahren. Beim Hinterbaudämpfer muss der Luftdruck mit Testfahrten ermittelt werden oder man kann sich beim Hersteller informieren.

Zur schnellen Selbstkontrolle befindet sich meistens ein Gummiring an der Gabel und am Dämpfer. Wenn du diesen vor der Biketour mal ganz nach unten bzw. nach oben schiebst, dann kannst du nachher sehen, ob du den Federweg optimal ausnutzt. Ist der Gummiring in der Mitte geblieben, dann sind die Federelemente zu hart. Ist der Gummi schon beim kleinsten Schlag an den Endanschlag gerutscht, dann ist die Federung zu weich. Es empfiehlt sich, den Luftdruck in 10 PSI Schritten zu erhöhen oder zu verringern.

Und wenn du dich mit deinen Dämpferelementen befasst, dann kannst du auch noch gleich den Rebound und die Compression prüfen und einstellen.

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Angenommen die Person wiegt 80 kg, dann ist ein Luftdruck von 140 PSI viel zu hoch. Um die 80 PSI sind korrekt.



Der Reifendruck ist zu hoch oder zu tief


Der Reifendruck gehört zu den wichtigsten Einstellungen am Bike. Wenn der Reifendruck stimmt, dann fährt sich dein Bike gleich besser. Oft ist der Druck zu hoch und dadurch gehen Traktion und Komfort verloren. Oder der Druck ist zu tief und das Risiko von einem Plattfuss steigt.

Bei herkömmlichen Reifen mit einer Breite von 2.1" bis 2.5" sollte der Druck zwischen 1,5 und 2,0 bar liegen. Bei Plus-Reifen mit einer Breite von 2.6" bis 3.0" ist ein Druck von 1,0 bis 1,5 bar empfehlenswert.

Den Reifendruck sollte man immer persönlich prüfen, denn es gibt leider Bikemechaniker, die extra zu viel Luft in die Reifen pumpen. Ganz nach dem Motto: Je mehr Luft, desto weniger schnell steht der Kunde wieder im Laden. Wenn ein Händler dich als Kunde nicht sehen will, dann solltest du dich baldmöglichst nach einem anderen Bikeshop umschauen.

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Mit einem zu hohen Reifendruck verlierst du Traktion und Komfort. Pumpe deine Reifen auf maximal 2.0 bar.



Die Bremshebel sind nicht symmetrisch montiert


Was auch immer für Hebel und Zubehör an deinem Lenker hängen, die Bremshebel müssen auf beiden Seiten den gleichen Abstand zu den Lenkergriffen haben. Wir dürfen davon ausgehen, dass deine Hände und Finger links und rechts gleich lang sind. Darum müssen auch beide Bremshebel exakt montiert sein, damit du die Hebel problemlos mit den Zeigefingern bedienen kannst.

Für die korrekte Ausrichtung musst du vielleicht ein wenig tüfteln, damit du alles in Reih und Glied am Lenker anbringen kannst. Wie erwähnt, am wichtigsten sind die Bremshebel und dass du Schalthebel und Sattelstützenhebel bequem bedienen kannst.

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Egal, was alles an deinem Lenker befestigt ist. Die Bremshebel müssen symmetrisch montiert sein.



Die Sattelnase zeigt zu steil nach oben oder unten


Der Sattel sollte im Normalfall waagrecht stehen. Biker mit Problemen im Genital-/Dammbereich können die Sattelnase leicht nach unten senken, damit weniger Druck entsteht.

Wenn der Sattel zu steil nach unten zeigt, dann rutscht dein Gewicht nach vorne und du hast die ganze Last auf den Armen und Händen. Ist der Sattel zu steil nach oben eingestellt, dann nimmt der Druck im Schritt zu. Beides kann zu unangenehmen Taubheitsgefühlen führen.

Zur Kontrolle benutzt du am besten eine Wasserwaage, die du auf den Sattel legst, während du die Neigung einstellst.

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Die Sattelnase neigt zu tief und verursacht Druck auf Hände und Arme. Den Sattel möglichst waagrecht einstellen.



Das Steuerlager ist lose


Das Steuerlager muss spielfrei eingestellt sein, damit deine Lenkbefehle direkt umgesetzt werden. Wenn der Steuersatz lose ist, dann ist das meist, weil am Vorbau herumgeschraubt und die Schraube in der Mitte vom Vorbaudeckel nicht angezogen wurde.

Wenn du deinen Vorbau löst und verstellst, dann musst du danach immer zuerst das Spiel einstellen und erst am Schluss die Schrauben auf der Seite anziehen. Das Steuerlager darf nicht zu fest angezogen sein, sonst klemmt die Lenkung. Am besten überprüfst du das, in dem du zwei Finger an den Steuersatz legst, die Vorderradbremse ziehst und das Bike vor und zurück bewegst. Wenn du kein Spiel spürst, dann ist das Steuerlager korrekt eingestellt.

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Richtige Reihenfolge: 1. das Lagerspiel einstellen. 2. den Vorbau festziehen.



Mach dein Mountainbike zu einem schönen Unikat


Wenn dein Mountainbike keine der oben genannten Fehleinstellungen aufweist, dann ist alles gut. Es gibt aber auch im optischen Bereich Details, auf welche du Wert legen solltest:
  • Der Markenname des Reifens muss über dem Ventil stehen. Das sieht schöner aus und bei einem Plattfuss ist es einfacher, den Defekt am Schlauch oder Reifen zu entdecken.
  • Ventildeckel und Rändelschraube für den Schlauch mit Presta-Ventil sind unnötig, diese paar Gramm kannst du dir sparen. Nur wenn du Tubeless fährst, dann braucht es die Rändelschraube, um das Ventil zu fixieren. Warum jeder Schlauch damit ausgerüstet ist, bleibt wohl das bestgehütete Geheimnis der Fahrradindustrie... Oder hast du eine Antwort darauf?
  • Entferne die kleinen orangen Warnkleber an der Shimano Bremsscheibe.
  • Schau, dass dein Cockpit nicht wie ein Christbaum aussieht. Die Hebel, Kabel, GPS-Halterung, Klingel, usw. sollten so angeordnet werden, dass alles sauber platziert und geführt ist.
Fahre dein Mountainbike nicht so, wie du es vom Shop erhalten hast. Das beginnt bei gewissen Einstellungen, die du sicherlich noch anpassen musst. Zum Beispiel einen zu breiten Lenker kürzen, den Vorbau höher oder tiefer stellen, einen anderen Sattel oder andere Lenkergriffe montieren, usw. Und du kannst deinem Bike natürlich auch den einen oder anderen Farbtupfer spendieren oder es mit leichten Teilen ein wenig aufmotzen.

Je mehr dir dein eigenes Bike gefällt, desto mehr wirst du damit fahren und es mit stolz über die Trails jagen!

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Der Markenname muss über dem Ventil stehen. Und den Ventildeckel kannst du in den Müll schmeissen.

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Der orange Warnkleber an der Bremsscheibe ist hässlich und für nichts. Entferne ihn sofort.

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Titanschrauben und Titanflaschenhalter. Sieht geil aus und ist super leicht.

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Setze farbige Akzente, z.B. Lenkergriffe, die zu Rahmen und Gabel passen.

19. September 2019

Muss ich die Schoner anziehen?

Es ist eine der häufigsten Fragen, die mir als Bikeguide in der modernen Zeit des Bikesports gestellt wird: "Muss ich die Schoner anziehen?"

Es ist grundsätzlich gut und vorbildlich, dass immer mehr Mountainbiker ihre wichtigsten Körperstellen schützen. Viele Biker machen es sich aber ein bisschen zu einfach, wenn sie die Entscheidung und Verantwortung bezüglich dem Schonertragen dem Bikeguide überlassen.

Wenn diese Frage kommt, dann stelle ich jeweils eine Gegenfrage: "Weiss ich, ob und wann du stürzt?"

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Schoner oder nicht Schoner, das ist hier die Frage.


Erfahrungsgemäss schützt sich die neue Generation Biker, die vor allem das abwärtsorientierte Enduro-Biken ausübt, fast immer mit Schonern. Die ältere Garde, welche noch vom klassischen Cross-Country Sport herkommt, sieht man hingegen selten mit Schützern. Ob das mit Disziplin oder Alter zusammenhängt sei dahingestellt, jeder wird schon mal unsanft den Boden geküsst haben und wird dies auch in Zukunft tun.

Ein Trugschluss ist, dass Mountainbiker denken, dass sie nur in der Abfahrt stürzen. Mag sein, dass das Risiko grösser ist, wenn der Trail runter geht. Interessanterweise ist es aber so, dass viele Biker dort stürzen, wo sie nicht damit rechnen. Und genau dann sind natürlich auch die Schoner nicht angezogen.

Hier einige Beispiele, wo man, ausser in der Abfahrt, auch noch stürzen kann:

  • Auf der Strasse zum Trail oder nach dem Trail. Ich sah schon Leute, die sich Schürfwunden und sogar Knochenbrüche holten, weil sie in der Gruppe fahrend mit dem Lenker aneinander eingehängt haben und hart auf dem Asphalt aufschlugen. Oder gegen Ende der Tour gedanklich schon beim Feierabendbier sassen, unkonzentriert und übermüdet waren und noch kurz den Randstein touchierten.
  • Beim Tragen oder Schieben. Wer schon mal sein Bike durch Steinfelder schultern oder es über einen Bach heben musste, wird es wahrscheinlich schon erlebt haben. Eine rutschige Stelle und schon fliegt man mit samt dem Bike in der Hand zu Boden. Oft kann man sich in dem Moment nicht mehr abstützen und schlägt sich Knie und Ellbogen auf.
  • Beim Berghoch fahren. Auch ich persönlich habe dieses Kunststück schon geschafft und habe mir das Knie zertrümmert, als ich in einem technisch steilen Anstieg das Gleichgewicht verlor und mit dem Knie voran in einen Graben fiel.

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Bei Enduro-Bikern gehören die Schoner zur Selbstverständlichkeit.


Wenn du dich effektiv schützen möchtest, dann ist es empfehlenswert, dass du deine Schoner am besten immer trägst. Ich weiss, das ist nicht sehr angenehm, vor allem beim Hochfahren sind die Dinger oft unbequem und geben heiss. Aber es gibt mittlerweile gute Modelle, die sich wie eine zweite Haut anfühlen und beim Treten kaum noch stören.

Hier noch einige Punkte, die für oder gegen das Fahren mit Schonern sprechen:

  • Denk an deine Kollegen oder Teilnehmer in der Gruppe, wenn du deine Schoner immer wieder an- und abziehst. Es kann ziemlich nervenaufreibend und zeitverzögernd sein, wenn du vor und nach der Abfahrt deine Schuhe ab- und anziehst, die Schoner im Rucksack aus- und einpackst und sie dir über die Knie und Ellbogen streifst. Früher oder später werden böse Blicke auf dich gerichtet sein.
  • Lagere deine Schoner nicht im Rucksack oder lässig an den Knöcheln, du wirst sie genau dann brauchen, wenn du sie nicht trägst. Andernfalls kannst du die Schoner auch gleich zu Hause lassen und dir den Ballast sparen.
  • Verbessere deine Fahrtechnik und du wirst sicher weniger stürzen. Je mehr Erfahrung und Können du hast, desto besser kannst du den Trail und dich selber einschätzen. Und im Zweifelsfall lohnt es sich, auch mal vom Bike zu steigen und zu laufen.

Die Entscheidung liegt jetzt bei dir. Frage nicht den Bikeguide nach Schonern oder nicht. Mach, was du für richtig hältst und fahre vorsichtig und überlegt.

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Die Knieschoner an den Knöcheln unten ist nur bedingt sinnvoll...

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Als Bikeguide bin ich ein schlechtes Vorbild. Ich fahre meistens ohne Schoner.

21. August 2019

Reisebericht Enduro-Alpencross 2019

Im Rahmen meines Jubiläums 30 Jahre Mountainbiker startete ich zum nächsten Abenteuer, welches schon lange auf meiner Wunschliste steht: Eine Alpenüberquerung vom Engadin an den Gardasee.

Mit dabei war mein guter Kollege Markus, mit welchem ich schon einige Reisen unternahm. Wir machten diese Tour im Enduro-Style, in 5 Etappen führte uns die Route bekannten Skigebieten entlang, wo wir uns auch den Bergbahnen bedienten, um noch mehr Tiefenmeter zu sammeln. Wir wählten bewusst technisch anspruchsvolle Trails, zum Teil mit S4 Bewertung, welche uns rauf und runter alles abverlangten.

Die Planung der Route und die Buchung der Hotels machten wir bereits im Februar und die Reise sollte vom 22.07.- 27.07.2019 stattfinden. Wir hatten einen guten Riecher, genau in dieser Woche gab es eine Hitzewelle über Europa und wir konnten die Tour bei perfekten Bedingungen durchführen. Aber dazu später mehr.

Die Strecke stellten wir mit Hilfe von Komoot zusammen. Die Software ist gut bedienbar und viele Trails sind mit der Singletrail-Skala versehen, damit der ungefähre Schwierigkeitsgrad erkennbar ist. Bis nach Bormio kannten wir den grössten Teil der Route von früheren Biketouren. Nach Bormio herrschte dann die grosse Ungewissheit und wir verliessen uns voll auf die Linie auf dem Navigationsgerät. Wir navigierten mit Garmin GPS und dem Smartphone, wo wir mit der Trailforks App noch weitere Trailtipps erhielten. Einige Mal mussten wir unterwegs improvisieren, aber wir fanden immer den Weg ins Ziel. Nur die Kilometer- und Höhenmeterangaben stimmten nie mit den tatsächlichen Werten überein, es gab jeden Tag massive Abweichungen.

Das Gepäck hatten wir während der ganzen Zeit auf dem Rücken und die Nächte verbrachten wir in Hotels. Wie erwähnt, Petrus meinte es gut mit uns und für die ganze Woche zeigte die Wettervorhersage viel Sonnenschein und sehr warmes Wetter an. Das kam uns beim Packen entgegen und so reisten wir nur mit leichtem Gepäck. Lange Hosen, dicke Handschuhe und was man sonst noch für schlechtes Wetter braucht, nahmen wir gar nicht erst mit. Nur Regenjacke, Knielinge und Hals-/Kopftuch hatten wir für den Wintereinbruch eingepackt. Wir hatten zwei Satz kurze Bikekleider dabei, wobei die Hosen, Shirts und Socken auch als Ausgangskleidung herhalten mussten. Turnschuhe, Unterhosen, Toilettenartikel, Sportnahrung und Kleinkram fanden auch noch Platz im Rucksack. Ich hatte einen 30-Liter Rucksack auf dem Buckel, welcher aber nur zu 2/3 gefüllt war und mit vollem Trinkbeutel knapp 7 kg wog. Kollege Markus stopfte sein gesamtes Hab und Gut sogar in einen 18-Liter Rucksack. Werkzeug und Ersatzteile führten wir in einer Rahmentasche direkt am Bike mit.

Bei den Mountainbikes vertrauten wir auf unser bewährtes Material, welches die geplanten Strapazen problemlos mitmachen sollte. Ich fuhr mit meinem aufgemotzten Rocky Mountain Thunderbolt mit 150/140 mm Federweg und 27.5" Räder mit 2.4" Bereifung. Markus vertraute auf sein Santa Cruz Nomad mit 160 mm Federweg und ebenfalls 27.5" Räder mit 2.5" Bereifung. Wir hatten beide eine Sram 11-fach Kassette mit 10-42 montiert, ich mit 28er Kettenblatt und Markus sogar mit 30er Kettenblatt. Die Übersetzung reichte in den meisten Fällen aus. Vorweg, wir kamen ohne einen Defekt durch!

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Die Berge und der Mountainbiker. Bei einer Alpenüberquerung ist das Naturerlebnis besonders intensiv.



1. Etappe: Scuol - Sta. Maria


Am Montag reisten wir mit dem Zug nach Scuol, wo pünktlich um 13.00 Uhr unser Abenteuer startete. Die erste Etappe nach Sta. Maria im Münstertal bewältigten wir ohne Hilfsmittel und es kamen an diesem Tag 48 km, 2200 hm und 2100 tm zusammen.

Nach kurzer Einfahrzeit stieg der Weg an und es ging in Richtung Val d'Uina Schlucht. Dieser Abschnitt ist ein absoluter Klassiker bei Mountainbikern und Wanderern und dementsprechend herrschte in beide Richtungen viel Verkehr. Der erste Teil der Strecke ging über einen breiten Schotterweg und später über einen schönen Trail, bis uns eine Warntafel zum Absteigen zwang. Im Val d'Uina herrscht Schiebepflicht, zu ausgesetzt und steil führt der Weg durch die Felswand. Der Pfad ist spektakulär und man denkt voller Erfurcht an unsere Vorfahren, welche Anfang 1900 einen Durchgang in den Fels schlugen.

Nach der Schlucht kamen wir auf die Alp Sursass, eine riesige Hochebene, wo der Trail relativ flach über grüne Wiesen und durch Kuhherden führte. Auf einem Schotterweg ging es rasant runter und wir überquerten die Grenze ins Südtirol. Hier verliessen wir die klassische Transalp-Route, ab jetzt waren wir für den Rest der Woche mehr oder weniger alleine auf den Trails unterwegs.

Es wartete der nächste Anstieg, welcher uns auf die Schleiser Alm führte. Dort trafen wir auf eine flüssige Abfahrt, wo wir die Beine lockern konnten, bis es wieder nach oben ging. Via Laatscher Alm fuhren und schoben wir auf die Malga Tella, der letzte Berg für heute war geschafft. Wir freuten uns auf eine 1000 Tiefenmeter Abfahrt, oben in offenem Gelände und weiter unten durch enge Nadelwälder bis kurz vor das Dorf Müstair. Dieser Downhill war auch gleich das Highlight vom Tag! Wir kurbelten noch locker auf der Strasse entlang bis zum Hotel in Sta. Maria.

Da wir erst um die Mittagszeit gestartet waren, kamen wir auch erst gegen 20.00 Uhr im Hotel an. Wir wunderten uns ein bisschen, warum wir für eine relativ kurze Distanz so lange brauchten, obwohl wir ohne grössere Pausen durchfuhren. Die nächsten Tage würden uns aber zeigen, in den Alpen herrschen andere Gesetze, man kommt einfach nicht schneller voran.

Anmerkung: Im Val d'Uina sah ich seit langem wieder einmal unzählige Biker, die mit uns auf der gleichen Strecke unterwegs waren. Als professioneller Bikeguide und Fahrtechniktrainer erschrak ich allerdings, wer sich hier alles in den Bergen rumtummelte. Sehr viele hatten alte Hardtails mit 26 Zoll Rädern, verwaschene Lycra-Bekleidung und der Helm baumelte am Lenker (auch bergrunter!). Ich fühlte mich ins Jahr 2005 zurückversetzt... Auch konditionell und fahrtechnisch war nicht viel los, wir sahen gleich mehrere Fahrer, die ihr Bike den Berg rauf und die Abfahrt runterschoben.
Warum um himmelswillen macht man mit diesem Material und mit diesem Formzustand eine Biketour bzw. sogar eine Alpenüberquerung? Ohne eine gewissenhafte Vorbereitung sollte man gar nicht erst starten, man bringt sich nur selbst in Gefahr oder leidet den ganzen Tag.
Hier muss ich auch die Bike Magazine und Fachbücher kritisieren. Ich hatte für die Planung einige Artikel gelesen und dabei stiess ich unter anderem auf Aussagen, dass man die Alpenüberquerung mit einem Hardtail machen sollte, welches maximal 13 kg wiegt. Das ist gefährlicher Blödsinn! Hier geht es um Sicherheit und Fahrspass und den hat man nur, wenn man ein modernes Mountainbike fährt. Und auch wenn dieses über 13 kg wiegt, egal. Unsere Bikes waren auch schwerer und es störte uns keineswegs. Meine Empfehlung und meine Meinung!

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Startort war Scuol im Unterengadin. Los gehts!

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Meine Ausrüstung für das Enduro-Alpencross.

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Der erste Aufstieg zur Val d'Uina Schlucht.

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Nach der Schotterstrasse ging es auf dem Trail weiter.

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Fertig gefahren! Ab hier gilt Bike schieben.

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Es ist schmal und steil, fahren wäre sowieso schwierig gewesen. 

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Der Val d'Uina Pfad steckt voller Überraschungen.

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Eine Meisterleistung, wie unsere Vorfahren hier den Weg in den Fels geschlagen haben!

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Die Val d'Uina Schlucht haben wir hinter uns, jetzt dürfen wir wieder offiziell fahren.

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Auf dem Weg zur Alp Sursass.

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Die Kühe waren oft die einzigen Wegbegleiter, die wir unterwegs antrafen.

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Es geht steil nach oben zur Schleiser Alm.

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Das erste Mal können wir unseren Federweg gebrauchen.

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Markus zieht die Scheisse jeweils an (Insider-Witz... ;-)).

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Ein schöne Abfahrt hinunter Richtung Laatscher Alm.

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Die Schlussdownhill von Malga Tella ins Münstertal.

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Der Trail durch den Nadelwald war das Highlight des Tages.

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Das verdiente Nachtessen in Sta. Maria. Die Speicher müssen wieder gefüllt werden!

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1. Etappe von Scuol nach Sta. Maria. 48 km, 2200 hm, 2100 tm.



2. Etappe: Sta. Maria – Santa Caterina


Am Dienstag mussten wir früh aus den Federn, um 07.20 Uhr wartete bereits das Postauto, welches uns auf den legendären Stelvio brachte. Hier oben stand ich schon einige Male, abwechselnd mit dem Mountainbike oder dem Rennrad. Wir würgten noch schnell die supersteile Rampe auf die Dreisprachenspitze rauf und genossen dann zuerst mal das Rundumpanorama. Stahlblauer Himmel, frische Bergluft und Vorfreude auf die bevorstehende Abfahrt machten das Aufwachen perfekt.

Den Streckenteil vom Stelvio über den Umbrail, Bocchetta di Forcola bis zum Valle di Fraele kannten wir schon gut von früheren Biketouren. Und doch ist es jedes Mal wieder spannend zu sehen, wie der Zustand der Trails ändert und wie tief das Schneefeld zwischen der Bocchetta di Forcola und Bochetta di Pedenolo wohl sein wird. Wir kamen gut durch und im Valle di Fraele war es Zeit für einen richtigen italienischen Kaffee und ein Stück Crostata.

Nach dieser Stärkung fuhren wir auf den Wanderweg Nr. 198, der uns Richtung Bormio brachte. Nach einem knackigen Anstieg erwartete uns ein Bilderbuchtrail, der sich an der Bergflanke entlang schlängelte. Zwischendurch war es überhängend steil und wir mussten die Bikes runterschieben. Der untere Teil war dann wieder sehr flüssig zu fahren, selbst die Spitzkehren waren so angelegt, dass man schwungvoll durchziehen konnte. Eines der Highlights vom Tag war schon gefunden.

In Bormio angekommen gönnten wir uns ein Mittagessen, da wir auf die Gondelbahn warten mussten. Die Bahn liftete und uns wieder auf 3000 M.ü.M, wo bereits der nächste Trail abwärts auf dem Plan stand. Eine steinige Traverse zog sich dem Bergmassiv entlang, bis vor uns der tiefblaue Bei Laghetti funkelte. Was für ein wunderschöner Ort. Wir legten spontan eine Pause ein und Markus kühlte seine angespannten Muskeln im kalten Wasser.

Der Trail und wir zogen weiter, es ging noch eine ganze Weile den Berg runter, bis ein kurzer Gegenanstieg kam, der uns nochmals auf die Höhe brachte. Wir standen jetzt über Santa Caterina und hatten nochmals 600 Tiefenmeter vor uns. Nun folgte das nächste Highlight, der Trail entsprach ziemlich genau dem, wenn wir Biker von einem natürlichen Trail sprechen. Ein Weg mitten im Lärchenwald, gespickt mit Wurzeln und Steinen, nie zu steil und nie zu flach und doch musste man mit dem Bike arbeiten, um das Momentum zu halten. Fotos davon gibt es leider keine, wir rasten mehr oder weniger in einem Zug durch. Wow!

Wir schossen zum Wald raus und praktischerweise standen wir gleich vor unserem Hotel. Es war auch jetzt wieder gegen Abend, als wir eintrafen. Einchecken, Duschen, Kleider waschen, Nachtessen und Schlafen…

Rückblickend war das der schönste Tag der ganzen Tour. Die Landschaft war atemberaubend, die Trails von erster Klasse und der grösste Teil der Strecke durchgehend fahrbar. Heute gab es 45 km, 900 hm und 2700 tm.

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Der offizielle Shuttle der Schweizer Post. Das Postauto brachte uns auf den Stelvio.

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Den Stelvio hatte ich schon öfters aus eigener Muskelkraft bezwungen. Heute gönnte ich mir den Bus.

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Start der 2. Etappe war auf der Dreisprachenspitze auf 2843 M.ü.M.

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Es ging gleich los mit einer Abfahrt durch Spitzkehren zum Umbrail Pass runter.

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Der schöne Trail hoch zur Bocchetta di Forcola.

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Kleine technische Auflockerung während des Aufstiegs.

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Die letzten Meter bis zum Top waren zäh und steil.

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Ein Stück Geschichte. Die Festungen vom 1. Weltkrieg sind auch heute noch gut sichtbar.

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Gigantisches Panorama in der Umbrail Region.

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Trotz strengem Winter war das Schneefeld dieses Jahr erstaunlich klein.

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So klein sind wir Biker in der mächtigen Bergwelt.

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In der Abfahrt ins Valle di Fraele.

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Der Weg in der steilen Bergflanke des Monte di Pedenolo ist spektakulär.

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Wenn es knapp wird, dann muss man zum Drift greifen...

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Zickzack bedeutet Spass!

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Dem Lago di Cancano entlang ging es zur ersten Kaffeepause.

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Cola, Kaffee und Crostata hauten unseren Zuckerspiegel wieder in die Höhe.

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Auf dem Wanderweg 198 ging es in Richtung Bormio.

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Der Trail war lang und wurde im mittleren Teil immer anspruchsvoller.

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Ab und zu mussten auch wir die Bikes runterschieben. Vernunft ging vor.

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Das Zwischenziel Bormio war in Sichtweite.

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Von Bormio ging es wieder nach oben auf 3000 M.ü.M.

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Ein Traumtrail startete gleich unterhalb der Bergstation.

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Kleine Abkühlung für die Füsse.

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Der türkisblaue Bei Laghetti lag direkt am Weg.

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Markus gönnte sich ein kaltes Bad für die strapazierten Beine.

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Weiter ging nach Santa Caterina. Ab hier wurde es richtig geil! Leider gibt es keine Bilder davon...

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Pizzzzaaaaaaaaaaa!!

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2. Etappe von Sta. Maria nach Santa Caterina. 45 km, 900 hm, 2700 tm.



3. Etappe : Santa Caterina – Madonna di Campiglio


Am nächsten Morgen durften wir ausschlafen, die Bergbahn in Santa Caterina nahm erst um 09.30 Uhr ihren Betrieb auf. Frühaufsteher Markus konnte sich herrlich darüber aufregen, ich nahm es gelassen und gönnte mir nochmals ein Stück Kuchen vom Frühstücksbuffet.

Die Gondelbahn brachte uns zum Startpunkt auf 3000 M.ü.M und wir konnten den neuen Tag schon wieder mit einem Downhill beginnen. Endurobiken ist super! Der Trail ging über die Skipisten und zwischen Liftanlagen durch und endete direkt an der Strasse, welche zum Gavia Pass führt. Wir kurbelten 300 Höhenmeter auf der Strasse nach oben, bis wir auf der Passhöhe standen. Ein weiterer legendärer Ort, wo auch regelmässig der Giro d’Italia gastiert.

Oben lotste uns eine Wanderwegtafel in die nächste Abfahrt. Nach wenigen Metern mussten wir allerdings das erste Mal schieben. Die Definition Wanderweg ist in Italien anders zu verstehen als in der Schweiz. Die Wege sind zwar mit Farbklecksen und Tafeln markiert, führen aber oft durch so unwegsames Gelände, dass man selbst mit der besten Fahrtechnik nicht weiterkommt. Und dies ist auch einer der Gründe, warum wir für unsere Tagesetappen so viel Zeit benötigten. Oft sank der Schnitt unter 10 km/h, normalerweise rechnet man mit 12-15 km/h.

Nach einer kurzen Flucherei wegen Laufen und Schieben zauberte der mittlere Abschnitt wieder ein Grinsen in unser Gesicht. Der Trail schlängelte sich zuerst über weite Wiesen und wurde dann immer steiniger und steiler. Nun war höchste Fahrtechnik gefragt, um zwischen Felsspalten, engen Spitzkehren und hohen Absätzen nicht die Kontrolle zu verlieren. Trotz dem hohen Schwierigkeitsgrad entstand ein gutes Flowgefühl. Rückblickend einer der besten Trails, den wir in der ganzen Woche gefahren sind und klar das Highlight vom Tag.

Das nächste Zwischenziel hiess Ponte di Legno, wo uns die Bergbahn bis nach Tornale brachte. Dort gönnten wir uns einen feinen Teller Spaghetti und füllten die Kohlenhydratspeicher wieder auf. Die Verdauung fand auf einer einfachen Abfahrt über Schotterwege und Singletrails statt, bis wir beim Lago di Caprioli vor dem nächsten Anstieg standen.

Heute setzte uns auch die Hitze noch zu. Auch auf über 1500 Metern kratzte die Temperatur an der 30 Grad Marke und es drückte uns den Schweiss aus allen Poren. Wir tranken wie die Kühe und nutzten jede Gelegenheit, um die Flaschen und Trinkbeutel wieder aufzufüllen. Aber Schwitzen ist ja gesund!

Die letzten 25 km und 1300 hm nach Madonna di Campiglio hörten sich einfacher an, als sie waren. Die Trails waren so steil und ausgesetzt, dass wir die Bikes immer wieder schieben und tragen mussten. Es war extrem kräfte- und zeitraubend, nun galt es die Motivation zu behalten und auf die Zähne zu beissen. Man merkt, dass man am Anschlag läuft, wenn man beginnt die Kilometer und Höhenmeter rückwärts zu zählen...

Nach einer gefühlten Ewigkeit und die Sonne schon hinter den Bergen versinkend, konnten wir endlich in die letzte Abfahrt reinstechen. Wir waren froh, dass es nur noch breite Schotterstrassen waren, die uns nicht mehr zu viel abverlangten. In Madonna di Campiglio angekommen, hatten wir 65 km, 1700 hm und 2800 tm auf dem Zähler.

Wie immer duschen, Kleider waschen, Nachtessen und ins bequeme Bett fallen lassen.

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Man muss Italien einfach lieben! Es fängt schon beim Frühstücksbuffet an.

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Für den ersten Aufstieg bedienten wir uns wieder der Bergbahn.

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Das Aufwachen begann direkt mit einer Abfahrt.

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So könnte man immer in einen neuen Tag starten!

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Markus konnte öfters von seinen Cyclocross Fähigkeiten Gebrauch machen.

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Ein Manual musste einfach ab und zu sein!

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Die Strasse hoch zum Passo Gavia.

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Der Passo Gavia auf 2652 M.ü.M,, vor allem bekannt für Giro d'Italia Etappen.

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So sieht ein offizieller italienischer Wanderweg aus...

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Es ging zum nächsten Trail.

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Der Weg unterhalb vom Gavia war ein richtiger Leckerbissen.

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Flüssige Kurven wechselten sich mit technischen Passagen ab.

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Alles fahrbar, wenn man die nötige Fahrtechnik mitbringt!

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Steilheit und lose Steine machten die Sache zusätzlich spannend.

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Ein einfacher Schotterweg half, um wieder zu Kraft und Konzentration zu kommen.

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Von Ponte di Legno brachte uns die Bahn nach Tornale.

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Bahnfahren macht hungrig. In Tornale gönnten wir uns einen Teller Spaghetti.

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Heiss, heiss heiss... Wir schwitzten an diesem Tag literweise.

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Die Brunnen retteten uns immer wieder vor dem Austrocknen.

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Im Zweifelsfall direkt über den Stein. So müssen Wanderwege sein!

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Die Steilheit ist leider nicht zu sehen. Aber es war steil!

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Wenn es rauf geht, dann geht es zum Glück auch irgendwann wieder runter.

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Auch an diesem Tag kamen wir erst bei Sonnenuntergang ins Ziel...

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Kleider waschen in der Dusche, unser all abendliches Ritual.

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3. Etappe von Santa Caterina nach Madonna di Campiglio. 65 km, 1700 hm, 2800 tm.



4. Etappe Madonna di Campiglio - Ampola


Die 4. Etappe war die grosse Unbekannte. Schon bei der Planung am Computer sahen wir, dass wir an diesem Tag nur selten in der Zivilisation unterwegs sein würden. Auch das Wegnetz war schwer einschätzbar, wir machten uns auf jeden Fall auf eine lange und harte Strecke gefasst.

Zuerst bedienten wir uns wieder der Gondelbahn und fuhren auf den Hausberg von Madonna di Campiglio. Mit den Dolomiten rund um uns herum hatten wir ein erstklassiges Panorama entlang dem ersten Trail. Ganz oben fuhren wir über blanken Fels und grosse Steine, dank trockenem Boden rollte es ganz gut. Der mittlere Teil war richtig schön, der Weg schlängelte sich durch saftig grüne Wiesen, optisch eine Augenweide. Im unteren Teil rauschten wir durch dichte Wälder und grosse Wurzeln verlangten nach Bunny Hops und einer aktiven Fahrweise. Erwähnenswert ist noch, als uns auf diesem Trail eine 100-köpfige (!) Wandergruppe begegnete. Das Kreuzen funktionierte aber erstaunlich problemlos und speditiv.

Bei den Wasserfällen vom Valle Sinella gab es einen kurzen Fotostop, dann führte der Trail noch ein Stück runter, bis die Abfahrt im nirgendwo aufhörte. Jetzt kam also langsam dieser Teil, wo es keine Häuser und keine Leute mehr hatte. Der nächste Aufstieg wartete auch schon auf uns, eine lange, aber gleichmässige Steigung die Schotterstrasse hoch bis zum Lago di Val d'Agola. Ab da wurde es richtig steil, zuerst eine Wiesenrampe hoch und dann auf dem Trail weiter. Ein Stück war noch fahrbar, bis die Steilheit einen Winkel erreichte, wo wir kapitulieren mussten. Das tägliche Schieben war wieder angesagt.

Die nachfolgende Abfahrt versprach 1400 Tiefenmeter, aber leider war nur die Hälfte auf Trails, der Rest erfolgte auch einer asphaltierten Strasse. Halb so schlimm, dafür kamen wir so schneller vorwärts, der Tag sollte auch heute wieder lang werden. In Bondo, dem vorläufig letzten Dorf, machten wir Mittagspause. Es gab unser Standardmenü, Pasta, Cola und Wasser. Wir füllten nochmals unsere Wasservorräte auf, jetzt verliessen wir die Zivilisation für längere Zeit.

Verdauen konnten wir beim Hochfahren, es lagen 800 Höhenmeter vor uns. Und wie so üblich zu Beginn gut machbar, bis der Boden immer rauher wurde und wir wieder schieben und tragen mussten. Mittlerweile hatten wir uns aber daran gewöhnt, dass bei einer Alpenüberquerung ein Viertel aller Steigungen zu Fuss zurückgelegt werden muss. Auch das ist ein Teil vom Abenteuer...

Nun waren wir in einer Gegend unterwegs, wo die Natur die Überhand hatte. Die Wege waren zum Teil stark zugewachsen, es schien, als ob wir seit längerer Zeit die Einzigen waren, die hier mit dem Bike entlang fuhren. Kaum den Gedanken ausgesprochen, da überholte uns ein einheimnischer Cross-Country Pilot mit 29 Zoll Hardtail und Lycra-Bekleidung. Okay, wir waren also doch nicht ganz alleine, da war noch einer heimlich beim Training.

Die Hitze drückte auch heute wieder und langsam waren unsere Flüssigkeitsreserven aufgebraucht. Jetzt hatten wir doch erst noch über 2 Liter aufgefüllt und schon war wieder alles weggesoffen. Wir mussten mit trockener Kehle weiter, bis wir an einer kleinen Alp vorbeikamen, wo ein Brunnen stand. Glück gehabt!

Die Strecke war in diesem Bereich sehr coupiert, obwohl es ab und zu wieder runterging, fuhren wir mehrheitlich nach oben. Ein nicht enden wollender Aufstieg. Und es muss eigentlich nicht erwähnt werden, dass auch hier die letzten 200 Höhenmeter schiebend zu bewältigen waren. Danach ging es für einen Moment in die Abfahrt, bis uns die nächste Weggabelung schon wieder nach oben lotsen wollte. Nun kam der Moment, wo es uns genügte. Es war bereits wieder fortgeschrittener Abend und darum entschieden wir, die Route abzukürzen und eine Forststrasse runterzubrettern. Schade um die 800 Tiefenmeter, die wir unspektakulär vernichten mussten. Aber der Tag war auch so lang und abwechslungsreich, heute gab es 75 km, 1900 hm und 3000 tm

Wir kamen nudelfertig in Ampola an. Hier gibt es genau ein Albergo mit Ristorante und wir wurden von der Gastgeberin Luisa bereits erwartet. Sie empfing uns mit offenen Armen, zeigte uns das Zimmer und drückte uns gleich die Speisekarte in die Hände. Wir mussten aber noch kurz den Pflichten nachkommen, die Dusche und Kleiderwäsche mussten noch sein. Danach schlugen wir uns die Bäuche voll und genossen einen lauen Sommerabend auf der Rückseite vom Tremalzo. Es stand jetzt nur noch eine Gebirgskette zwischen uns und dem Gardasee!

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An dieser Stelle ein Dankeschön an Isostar für die Sportnahrung. Wir waren froh drum!

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Erst 9.00 Uhr Morgens, aber schon reger Betrieb zuoberst auf dem Berg.

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Steinplatten und Felsen gab es zum Start.

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Dolomiten rechts...

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... und Dolomiten links.

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Das Panorama und der Trail waren erstklassig!

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Wurzelmassaker weiter unten im Wald.

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Kurze Verschnaufpause bei den Wasserfällen im Valle Sinella.

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Kleine, hübsche Bergseen entdeckten wir jeden Tag. Hier der Lago di Val d'Agola.

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Je steiler, desto schneller ist man oben...

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Vierbeiner waren erfreulicherweise öfters anzutreffen als Zweibeiner.

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Bunny Hop!

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Und immer wieder der rettende Teller Pasta und die Cola.

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Wers glaubt, aber wird sind immer noch auf dem offiziellen Wanderweg...

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Wenig Verkehr hier, darum liegt auch noch das Laub vom letzten Herbst am Boden.

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Schwierig fahrbarer Boden machte den Aufstieg noch härter...

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Jede Wasserquelle wurde genutzt, um unseren grossen Durst zu stillen.

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Der obligate Fussmarsch am Ende der Tour durfte auch heute nicht fehlen...

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Wir waren Mitten im Trentino angekommen.

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4. Etappe von Madonna di Campiglio nach Ampola. 75 km, 1900 hm, 3000 tm.



5. Etappe Ampola - Riva del Garda


Wow, die Zeit lief, der letzte Tag unserer Tour stand an. Wir buchten uns den Bike-Shuttle, um die 1000 Höhenmeter Strasse auf den Tremalzo abzukürzen. Abladen, Panorama geniessen und noch schnell zum Übergang hochpedalieren. Nach dem legendären Tunnel beginnt die Abfahrt über die endlos lange Schotterstrasse bis zum Gardasee runter.

Hier noch ein (sinnloser) Geheimtipp: Gleich nach dem Tunnel gibt es einen Wanderweg rechts hoch zum Corno della Marogna. Wir dachten, dass wir dort allenfalls einen fahrbaren Trail finden. Also schleppten wir die Bikes nach oben, am Anfang der Tour geht das einfacher, als am Ende der Tour... Oben angekommen bot sich ein wunderbarer Ausblick. Fahren konnten wir lediglich auf einem schmalen Grat nach vorne und wieder zurück, es reichte aber, um noch einige schöne Fotos zu schiessen. Dann ging es wieder zu Fuss runter.

Nach diesem kurzen Abstecher drifteten wir die Tremalzo Strasse runter. Nicht wirklich lustig, aber muss wohl einmal in seinem Bikerleben gemacht haben. Danach hätten wir eigentlich zum Gardasee fahren können und das wärs gewesen.

Wir wollten uns aber auch heute nochmals quälen und bogen beim Passo Nato links ab in Richtung Lago di Ledro. Ein lustiger und technischer Downhill brachte uns zum See. Es war bereits wieder Mittagszeit und darum gönnten wir uns einen Teller Spaghetti, um ein weiteres Mal die Speicher zu füllen.

Nach dem Lago di Ledro ging es 800 hm fahrend und schiebend auf den Bocca di Giumella. Erneut eine Knochenarbeit, die Steilheit der Wege sorgte auch am letzten Tag für Kopfschütteln. Wie immer bissen wir durch und verdienten uns die folgende Abfahrt.

Immer auf der Suche nach Herausforderung wählten wir den Freefall Trail (Double Diamond Bewertung auf Trailforks), auf welchem wir fast senkrecht 1300 tm runterstachen. Definitiv zu steil für Flowgefühle und wir mussten mehrmals das Bike tragen. Durch die tiefe Geschwindigkeit dauerte der Downhill eine halbe Ewigkeit und das technische Level blieb bis zum Schluss sehr hoch.

Wir schossen zum Wald raus, kurvten durch Touristengruppen und landeten direkt am Gardasee. Die Zivilisation hatte uns wieder. Wir klatschten ab und gönnten uns zuerst Wasser, Bier und Cola und verbrachten noch eine Weile am Seeufer. Die Anspannung war weg und das grosse Ziel war erreicht. Ein Gefühl von Erleichterung machte sich breit und wir waren wohl beide stolz, dass wir dieses Abenteuer ohne Zwischenfälle durchziehen konnten. Heute gab es übrigens nochmals 30 km, 1200 hm und 1900 tm.

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Auch am letzten Tag gönnten wir uns am Morgen eine Aufstiegshilfe.

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Die letzten Meter hinauf zum Tremalzo Tunnel.

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Der (sinnlose) Geheimtipp Corno della Marogna. Nicht wirklich fahrbar....

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... aber die Aussicht ist gewaltig!

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Die berühmte Tremalzo Schotterstrasse.

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Ab und zu ein Tunnel machte die Abfahrt ein bisschen spannender...

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Rechts hinten der Gardasee. Das Ziel war in Reichweite!

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Auf dem Downhill vom Passo Nato wurden die Steine wieder grösser!

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Spaghetti und Cola, what else?! Am Lago di Ledro liess es sich aushalten.

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Die Abfahrt vom Bocca di Giumella war zuerst flüssig.

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Im unteren Teil wurde der Weg immer steiler.

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In der Mitte der Abfahrt und es lagen immer noch ganz viele Tiefenmeter vor uns.

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Hinterrad versetzen konnten wir übrigens auch jeden Tag mehrmals üben.

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Auch auf den letzten Metern verlangte die Abfahrt alles von uns ab!

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Es ist geschafft! Benvenuti a Riva del Garda!

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5. Etappe von Ampola nach Riva del Garda. 30 km, 1200 hm, 1900 tm



Das war sie also, unsere erste Transalp. Wir lachten, litten, fluchten und schwitzten gemeinsam und wir holten aus jedem Tag das Maximum heraus. Die gewählte Route war sehr anspruchsvoll, vor allem die langen Lauf- und Schiebepassagen hatten wir unterschätzt. Und die Downhills waren schwierig, wir kamen selbst mit unserem Können ans Limit. Aber wo ein Wille, da ein Weg, ein trainierter Körper hält einiges aus. Und darum geht es wohl bei einer Alpenüberquerung, man geht an seine Grenzen und darüber hinaus und ist danach aber umso glücklicher.

Erfreulich war, dass wir ohne einen einzigen Sturz und Defekt durchkamen. Das spricht für die richtige Materialwahl und unsere gute Fahrtechnik. Und es war konflikt- und stressfreies Biken, jede Begegnung mit Wanderern auf den Trails verlief positiv. Wir wurden in Gespräche verwickelt, wir wurden angefeuert und wir wurden mit Tipps versorgt. So einfach könnte es sein.

Vielen Dank nochmals an Kollege Markus, dass er dieses Abenteuer mit mir mitmachte. Wir hatten jede Menge Spass zusammen und unsere lange Freundschaft wurde weiter vertieft. Es war ein unvergessliches Erlebnis, voll gespickt mit Emotionen und Action!

Es gibt noch einige Routen über die Alpen, bis zum nächsten Mal!

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