14. Januar 2019

Testbericht: Look X-Track Race Carbon MTB-Pedal

Die französische Firma Look gilt als Erfinder des Klickpedals. Schon 1984 präsentierten sie eine fixe Pedal-/Schuhverbindung für Rennräder. Ab Mitte 2000 folgten dann auch die ersten MTB-Pedale, diese allerdings noch mit einem "Schwingbesen-System" à la Crank Brothers. Ich probierte die Dinger damals aus, konnte mich aber mit dem schwammigen Mechanismus nicht anfreunden.

Mit dem Auslauf des Patents von Shimano SPD vor einiger Zeit, stehen die Türen jetzt für alle offen, das wohl zuverlässigste System zu übernehmen. Look brachte letztes Jahr mit der X-Track Serie eine ganze Reihe an Modellen auf den Markt. Verschiedene Materialien und mit oder ohne Käfig, so ist für jeden Einsatzzweck und jedes Budget ein passendes Pedal dabei.

testbericht_lookxtrackracecarbon
Das Look X-Track Race Carbon an meinem Rocky Mountain Slayer.


Spezifikation


Ich habe das Modell X-Track Race Carbon gewählt, ein klassisches Cross-Country Pedal. Der Pedalkörper besteht aus Carbon und die Achse aus Chromoly. Das Gewicht liegt bei sensationellen 170 Gramm! Nein, Spass beiseite... Look hat es sich zur Angewohnheit gemacht, nur immer das Gewicht von einem Pedal anzugeben. Es heisst also immer mal zwei zu rechnen. Nachgewogen ist das Paar 325 Gramm. Gewichtsmässig sind sie im Bereich von einen Shimano XTR Pedal, das Look bietet allerdings eine grössere Standfläche mit 515 mm². Damit wird auch aktiv geworben, je grösser die Auflagefläche, desto mehr Kraft kann effektiv übertragen werden.

testbericht_lookxtrackracecarbon
Die komplette Look X-Track Familie. (Foto: lookcycle.com)


Auf dem Trail


Ich fahre das X-Track Race Carbon nun seit 6 Monaten fast täglich. Ich habe beim Wechsel bewusst meine alten Shimano Cleats am Schuh dran gelassen, um zu schauen, ob das Look wirklich zu 100% kompatibel ist. Das ist tatsächlich so, der Ein- und Ausstieg funktioniert einwandfrei. Der Auslösewinkel beträgt übrigens 6 Grad.

Auf dem Trail verrichtet das X-Track ziemlich unauffällig seinen Dienst. Der Einstieg erfolgt blind, sobald der Schuh auf dem Pedal steht, schnappt der Mechanismus mit einem lauten "Klick" ein. Auch der Ausstieg ist definiert und geschmeidig. Die Auslösehärte lässt sich sehr effektiv einstellen, von locker bis Schraubstock ist die ganze Bandbreite vorhanden. Somit ist das Pedal auch interessant für Zielsprinter oder BMXer, die einen möglichst harten Ausstieg suchen.

Auch bei schlammigen Bedingungen arbeitet das Pedal zuverlässig. Der Dreck bleibt zwar im Pedalkörper stecken, aber dies beeinträchtigt den Mechanismus nicht. Auch mit verdreckter Schuhsohle findet man den Einstieg wie gewohnt. Somit ist es auch für Cyclocross-Piloten eine gute Wahl.

testbericht_lookxtrackracecarbon
Wo ist das Pedal? Auch im grössten Dreck funktioniert das Look X-Track zuverlässig. 

testbericht_lookxtrackracecarbon
Links Look, rechts Shimano. Die Cleats sind nicht identisch, beim Fahren ist es aber nicht spürbar.


Fazit


Nach 6 Monaten im Dauergebrauch zeigt das Pedal nur kleine Gebrauchsspuren am Pedalkörper. Die Lager drehen leichtgängig wie am ersten Tag und es ist kein Spiel spürbar.

Das Look X-Track ist eine willkommene Alternative für alle, die mal ein anderes Pedal als Shimano fahren wollen. Es funktioniert bei sämtlichen Bedingungen einwandfrei und bietet ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Dafür gibt es eine Kaufempfehlung vom Fit for Trails Guide!

Gewicht


325 Gramm/Paar

Preis


CHF 139.90

Informationen


Look Cycle
CHRIS sports

7. Januar 2019

Stoppt die Zweifingerbremsung!

Es ist ein Relikt aus den Ursprungszeiten des Bikesports, welches sich bis heute hartnäckig hält: Die Zweifingerbremsung (oder sogar Dreifingerbremsung).

Was bei alten Mountainbikes mit schwachen und harzigen Felgenbremsen noch nötig war, gehört seit der Einführung von starken und leichtgängigen Scheibenbremsen der Vergangenheit an. Es gibt keinen einzigen Grund, um mit mehr als dem Zeigefinger zu bremsen!

An meinen Fahrtechnikkursen lautet immer eine der ersten Fragen an die Teilnehmer, mit wie vielen Fingern sie die Bremshebel bedienen. Meistens kommt die Antwort zwei oder drei. Wenn ich dann die Leute frage, warum sie das tun, dann kommt nur ein Schulterzucken. Es ist also einfach eine Fehlhaltung, die man sich irgendwann angeeignet hat. Die gute Sache daran ist, dass sich das problemlos abgewöhnen lässt. Die Einfingerbremsung musst du nicht lernen, du musst sie einfach konsequent anwenden und schon funktioniert es.

mtb_einfingerbremsung
Nur die Zeigefinger gehören an die Bremshebel!

mtb_einfingerbremsung
Zwei Finger am Bremshebel und der Lenker zu breit... Viel Verbesserungspotenzial bei diesem Biker.


Die Vorteile der Einfingerbremsung


Warum sollst du nur mit dem Zeigefinger bremsen? Um Stürze zu vermeiden, um die Bremsen gefühlvoller zu bedienen und um mehr Lockerheit zu erreichen.

Wer mit zwei oder drei Fingern bremst, der ist ein Grobmotoriker. Du hast überhaupt kein Gefühl an der Bremse, es gibt nur ein ganz offen oder ganz zu. Gewisse Scheibenbremsen sind heute so bissig, dass man geradeaus über den Lenker fliegt, wenn man mit zwei Fingern voll am Bremshebel zieht. Im steilen und rutschigen Gelände ist ein dosiertes Bremsen besonders wichtig, sonst führt es zu blockierten Rädern, unkontrollierbarem Bike und schlussendlich zu Ausrutschern und Stürzen. Als Bikeguide musste ich leider schon einige Unfälle von meinen Kunden miterleben, die Ursache ist meistens das falsche Bremsen...

mtb_einfingerbremsung
Falsch gebremst und schon geht es ab in die Büsche...


Ein gefühlvolles und dosiertes Bremsen ist erst möglich, wenn nur der Zeigefinger am Hebel ist. Mit einem Finger an der Bremse hast du zudem einen viel besseren Halt am Lenkergriff. Die anderen vier Finger umfassen den Griff und der Lenker kann locker gehalten werden. Bei langen und anspruchsvollen Abfahrten ein wesentlicher Punkt, um weniger schnell harte Arme zu bekommen und zu ermüden.

mtb_einfingerbremsung
Wenn es richtig zur Sache geht, dann braucht man die Finger am Lenkergriff.


Die Bremshebel richtig einstellen


Bevor du mit der Einfingerbremsung loslegst, solltest du die Bremshebelposition richtig einstellen. Im Normalfall lässt du einen Abstand zwischen Hebel und Lenkergriff, damit du mit dem Zeigefinger den Bremshebel am äussersten Ende fassen kannst. Gleichzeitig ist der Handballen bündig mit dem Lenkerende. Weitere Tipps zur Cockpit-Einstellung gibt es in diesem Blog.

Hier eine Bitte an die Bikeshops: Nehmt euch doch nach dem Bikeverkauf noch einige Minuten Zeit und stellt euren Kunden die Bremshebel und das Cockpit gleich richtig ein.

Und auch die Bikehersteller könnten aufhören, auf gewissen Modellen noch extralange Bremshebel zu spezifizieren. Niemand braucht das. Wenn alle Leute richtig bremsen würden, dann müsste z.B. die Firma Bosch nicht so sinnlose Dinge wie eine ABS-Bremse entwickeln...

mtb_einfingerbremsung
Die Bremshebel so montieren, damit sie bequem gefasst und bedient werden können.


Starte heute mit der Einfingerbremsung


Warte nicht länger zu, sondern starte noch heute mit der Einfingerbremsung. Heute! Zu Beginn gehört der gelegentliche Blick auf den Lenker dazu, um zu kontrollieren, ob du nicht versehentlich wieder mehrere Finger am Bremshebel hast. Und wie jedes Körperteil, kannst du auch die Kraft in den Fingern und Unterarmen trainieren, damit du auch in langen Abfahrten nicht ermüdest. Es ist alles reine Übungssache.

Schon nach kurzer Zeit wirst du deine alten Gewohnheiten ablegen und das Biken auf einem neuen Level geniessen! Viel Spass!

Zum Schluss noch eine Frage: Wenn die Zweifingerbremsung richtig und sinnvoll wäre, warum machen das dann Nino Schurter, Steve Peat, Jolanda Neff, Sam Hill, usw. nicht? Die Antwort kennst du ja jetzt.

mtb_einfingerbremsung
Unser Champion Nino Schurter zeigt, wie es richtig geht! (Foto: lavocedeltrentino.it)