22. Oktober 2019

Die häufigsten Fehleinstellungen am Mountainbike

An den Fit for Trails Bikekursen gingen in den letzten Jahren schon über 3'000 Mountainbikes durch meine Hände. Egal, ob beim Fachhändler oder im Internet gekauft, bei allen Bikes werden die wichtigsten Funktionen und Einstellungen jeweils gecheckt und allenfalls angepasst. Und obwohl die Teilnehmer schon vor dem Kurs aufgefordert werden, mit einwandfreiem Bike zu erscheinen, gibt es für mich immer viel Arbeit.

Ich erlaube mir hier auch ein wenig Kritik am Fachhandel. Viele meiner Kunden schrauben nicht selber an ihrem Bike, stattdessen geben sie ihr Sportgerät vorbildlich in die Obhut von Fachkräften. Und da sollte man davon ausgehen, dass die Arbeiten professionell und gewissenhaft ausgeführt werden. Leider ist das aber oft nicht so.

Nachfolgend findest du eine Auflistung mit den häufigsten Fehlern, die an einem Mountainbike so vorkommen. Für das bessere Verständnis mit einem Foto mit der falschen und der richtigen Einstellung. Am besten wirfst du mal einen Blick auf dein eigenes Bike und kontrollierst, ob alles korrekt aussieht. Vieles davon kannst du mit ein bisschen handwerklichem Geschick und dem richtigen Werkzeug selber in Ordnung bringen.



Die Bremsleitung ist aussen an der Gabel verlegt


Ein Klassiker, den ich an fast jedem Bikekurs entdecke: Die Bremsleitung ist aussen am Tauchrohr verlegt. Hier steigt die Gefahr, dass du einen ungewollten Abgang über den Lenker machst, falls du an einem Hindernis hängen bleibst. Oder die Bremsleitung kann einen Defekt erleiden, wenn das Bike an einen Felsen schlägt. Darum gehört die Bremsleitung immer innen am Tauchrohr geführt.

Um das zu korrigieren, musst du die Bremszange abschrauben und zusammen mit der Bremsleitung innen an der Gabel durchführen. Dann die Bremszange wieder anschrauben und mittig zentrieren, damit die Beläge nicht schleifen.

Falls dein Händler dir dein Bike so ausgeliefert hat, dann solltest du ihn auf diesen Fehler hinweisen. Denn hier geht es um deine Gesundheit.

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Die Bremsleitung muss immer innen am Tauchrohr geführt werden.



Der Schnellspanner an der Gabel zeigt nach vorne


Wenn der Schnellspanner an der Gabel nach vorne zeigt, dann steigt das Risiko, dass sich der Spanner öffnet, wenn du irgendwo im Unterholz hängen bleibst. Deshalb muss der Schnellspanner immer nach oben oder nach hinten stehen. Das gilt vor allem für das Vorderrad, am Hinterrad ist das nicht so relevant.

Bei den aktuellen durchgehenden Steckachsen hast du, je nach Modell, eine Rasterung an der Gabel und am Rahmen, die du verdrehen kannst und so den Spanner korrekt ausrichten kannst. Die Rock Shox Schnellspanner verfügen über einen Bajonett-Verschluss, den du intern verdrehen kannst.

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Der Schnellspanner an der Gabel darf nie nach vorne zeigen. Er sollte immer nach oben oder nach hinten stehen.



Die Federelemente sind zu hart oder zu weich


Die Federelemente müssen korrekt auf das Fahrergewicht und den Einsatzzweck eingestellt sein. Die meisten Federungen funktionieren mit Luft und können so sehr exakt abgestimmt werden. Bei den aktuellen Fox und Rock Shox Modellen entspricht der Druck in der Federgabel ungefähr dem Systemgewicht des Fahrers. Wenn du z.B. mit Ausrüstung 80 kg schwer bist, dann solltest du auch ca. 80 PSI Luftdruck fahren. Beim Hinterbaudämpfer muss der Luftdruck mit Testfahrten ermittelt werden oder man kann sich beim Hersteller informieren.

Zur schnellen Selbstkontrolle befindet sich meistens ein Gummiring an der Gabel und am Dämpfer. Wenn du diesen vor der Biketour mal ganz nach unten bzw. nach oben schiebst, dann kannst du nachher sehen, ob du den Federweg optimal ausnutzt. Ist der Gummiring in der Mitte geblieben, dann sind die Federelemente zu hart. Ist der Gummi schon beim kleinsten Schlag an den Endanschlag gerutscht, dann ist die Federung zu weich. Es empfiehlt sich, den Luftdruck in 10 PSI Schritten zu erhöhen oder zu verringern.

Und wenn du dich mit deinen Dämpferelementen befasst, dann kannst du auch noch gleich den Rebound und die Compression prüfen und einstellen.

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Angenommen die Person wiegt 80 kg, dann ist ein Luftdruck von 140 PSI viel zu hoch. Um die 80 PSI sind korrekt.



Der Reifendruck ist zu hoch oder zu tief


Der Reifendruck gehört zu den wichtigsten Einstellungen am Bike. Wenn der Reifendruck stimmt, dann fährt sich dein Bike gleich besser. Oft ist der Druck zu hoch und dadurch gehen Traktion und Komfort verloren. Oder der Druck ist zu tief und das Risiko von einem Plattfuss steigt.

Bei herkömmlichen Reifen mit einer Breite von 2.1" bis 2.5" sollte der Druck zwischen 1,5 und 2,0 bar liegen. Bei Plus-Reifen mit einer Breite von 2.6" bis 3.0" ist ein Druck von 1,0 bis 1,5 bar empfehlenswert.

Den Reifendruck sollte man immer persönlich prüfen, denn es gibt leider Bikemechaniker, die extra zu viel Luft in die Reifen pumpen. Ganz nach dem Motto: Je mehr Luft, desto weniger schnell steht der Kunde wieder im Laden. Wenn ein Händler dich als Kunde nicht sehen will, dann solltest du dich baldmöglichst nach einem anderen Bikeshop umschauen.

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Mit einem zu hohen Reifendruck verlierst du Traktion und Komfort. Pumpe deine Reifen auf maximal 2.0 bar.



Die Bremshebel sind nicht symmetrisch montiert


Was auch immer für Hebel und Zubehör an deinem Lenker hängen, die Bremshebel müssen auf beiden Seiten den gleichen Abstand zu den Lenkergriffen haben. Wir dürfen davon ausgehen, dass deine Hände und Finger links und rechts gleich lang sind. Darum müssen auch beide Bremshebel exakt montiert sein, damit du die Hebel problemlos mit den Zeigefingern bedienen kannst.

Für die korrekte Ausrichtung musst du vielleicht ein wenig tüfteln, damit du alles in Reih und Glied am Lenker anbringen kannst. Wie erwähnt, am wichtigsten sind die Bremshebel und dass du Schalthebel und Sattelstützenhebel bequem bedienen kannst.

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Egal, was alles an deinem Lenker befestigt ist. Die Bremshebel müssen symmetrisch montiert sein.



Die Sattelnase zeigt zu steil nach oben oder unten


Der Sattel sollte im Normalfall waagrecht stehen. Biker mit Problemen im Genital-/Dammbereich können die Sattelnase leicht nach unten senken, damit weniger Druck entsteht.

Wenn der Sattel zu steil nach unten zeigt, dann rutscht dein Gewicht nach vorne und du hast die ganze Last auf den Armen und Händen. Ist der Sattel zu steil nach oben eingestellt, dann nimmt der Druck im Schritt zu. Beides kann zu unangenehmen Taubheitsgefühlen führen.

Zur Kontrolle benutzt du am besten eine Wasserwaage, die du auf den Sattel legst, während du die Neigung einstellst.

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Die Sattelnase neigt zu tief und verursacht Druck auf Hände und Arme. Den Sattel möglichst waagrecht einstellen.



Das Steuerlager ist lose


Das Steuerlager muss spielfrei eingestellt sein, damit deine Lenkbefehle direkt umgesetzt werden. Wenn der Steuersatz lose ist, dann ist das meist, weil am Vorbau herumgeschraubt und die Schraube in der Mitte vom Vorbaudeckel nicht angezogen wurde.

Wenn du deinen Vorbau löst und verstellst, dann musst du danach immer zuerst das Spiel einstellen und erst am Schluss die Schrauben auf der Seite anziehen. Das Steuerlager darf nicht zu fest angezogen sein, sonst klemmt die Lenkung. Am besten überprüfst du das, in dem du zwei Finger an den Steuersatz legst, die Vorderradbremse ziehst und das Bike vor und zurück bewegst. Wenn du kein Spiel spürst, dann ist das Steuerlager korrekt eingestellt.

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Richtige Reihenfolge: 1. das Lagerspiel einstellen. 2. den Vorbau festziehen.



Mach dein Mountainbike zu einem schönen Unikat


Wenn dein Mountainbike keine der oben genannten Fehleinstellungen aufweist, dann ist alles gut. Es gibt aber auch im optischen Bereich Details, auf welche du Wert legen solltest:
  • Der Markenname des Reifens muss über dem Ventil stehen. Das sieht schöner aus und bei einem Plattfuss ist es einfacher, den Defekt am Schlauch oder Reifen zu entdecken.
  • Ventildeckel und Rändelschraube für den Schlauch mit Presta-Ventil sind unnötig, diese paar Gramm kannst du dir sparen. Nur wenn du Tubeless fährst, dann braucht es die Rändelschraube, um das Ventil zu fixieren. Warum jeder Schlauch damit ausgerüstet ist, bleibt wohl das bestgehütete Geheimnis der Fahrradindustrie... Oder hast du eine Antwort darauf?
  • Entferne die kleinen orangen Warnkleber an der Shimano Bremsscheibe.
  • Schau, dass dein Cockpit nicht wie ein Christbaum aussieht. Die Hebel, Kabel, GPS-Halterung, Klingel, usw. sollten so angeordnet werden, dass alles sauber platziert und geführt ist.
Fahre dein Mountainbike nicht so, wie du es vom Shop erhalten hast. Das beginnt bei gewissen Einstellungen, die du sicherlich noch anpassen musst. Zum Beispiel einen zu breiten Lenker kürzen, den Vorbau höher oder tiefer stellen, einen anderen Sattel oder andere Lenkergriffe montieren, usw. Und du kannst deinem Bike natürlich auch den einen oder anderen Farbtupfer spendieren oder es mit leichten Teilen ein wenig aufmotzen.

Je mehr dir dein eigenes Bike gefällt, desto mehr wirst du damit fahren und es mit stolz über die Trails jagen!

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Der Markenname muss über dem Ventil stehen. Und den Ventildeckel kannst du in den Müll schmeissen.

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Der orange Warnkleber an der Bremsscheibe ist hässlich und für nichts. Entferne ihn sofort.

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Titanschrauben und Titanflaschenhalter. Sieht geil aus und ist super leicht.

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Setze farbige Akzente, z.B. Lenkergriffe, die zu Rahmen und Gabel passen.