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17 August 2020

Sei kein schlechter Mountainbiker

In letzter Zeit ist das Mountainbike wieder regelmässig in den verschiedensten Medien zu Gast. Vielleicht ist es der Corona-Blues oder das Sommerloch, darum muss wieder ein Thema auf den Tisch, welches die Leute bewegt. Leider wird hauptsächlich negativ über uns berichtet und die Kommentare der Leser sind noch negativer. Die Mountainbiker sind Störenfriede, sie schaden der Natur, es passieren immer mehr Unfälle auf den Trails und das E-MTB sorgt sowieso bei allen für rote Köpfe.

Fälschlicherweise werden wir alle in den gleichen Topf geworfen, obwohl sich die grosse Mehrheit der Mountainbiker korrekt auf und neben den Trails verhält. Wir haben es grundsätzlich selbst in der Hand, wie unser Sport von anderen Leuten beurteilt wird. Vor allem bei Unfällen und generellem Verhalten können wir unseren Teil dazu beitragen, damit sich unser Ruf verbessert. Nachfolgend ein Leitfaden.

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Mountainbiker sind unbeliebt... Die Schweizer Medien berichten hauptsächlich negativ über uns.



Verbessere deine Fahrtechnik


Zuerst ein bisschen Werbung in eigener Sache: Besuche einen Fahrtechnikkurs und lerne alle nötigen Manöver, damit du dein Mountainbike perfekt beherrscht. Ich sehe immer wieder Biker, die wirklich schlecht fahren und ihr Sportgerät überhaupt nicht unter Kontrolle haben (und nein, es sind keine E-Biker). So muss man sich nicht wundern, dass es immer wieder zu schweren Stürzen und Unfällen kommt.

Ich höre jetzt schon die eingefleischten Mountainbiker, die sagen: "Ich fahre schon seit über 20 Jahren, ich brauche keinen Bikekurs." Bist du sicher? Ich fahre schon seit über 30 Jahren und habe dennoch den Anspruch an mich selbst, immer noch besser zu werden. Ich will noch schwierigere Trails meistern, ich will den Manual noch länger schaffen und ich will noch höhere Bunny Hops springen. Ganz nach dem Motto: Man hat nie ausgelernt. Mit dieser stetigen Arbeit an meinem Können kann ich ein sehr hohes Level halten und gleichzeitig Stürze vermeiden.

Und wusstest du, dass du deine Fahrtechnik und Körperposition laufend an den neuen Mountainbikes anpassen musst? Die heutigen Bikes mit ihren grossen Laufrädern, langen und flachen Geometrien und breiten Lenkern muss man anders fahren, als die Modelle von früher. Wenn du also bei deinem neuen Bike in der Abfahrt einfach weit hinter den Sattel hängst, dann machst du alles falsch. An einem Bikekurs werden dir hierfür alle nötigen Tipps und Tricks verraten.

Besuche einen Bikekurs und werde ein besserer Mountainbiker. Je weniger Unfälle passieren, desto weniger können die Medien negativ über uns berichten.

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Verbessere dein Können und stärke dein Selbstvertrauen mit einem professionellen Bikekurs.



Kenne deine eigene Grenzen


In Zusammenhang mit der Fahrtechnik geht es auch immer darum, seine eigenen Grenzen zu kennen. Selbstüberschätzung ist oft die häufigste Ursache von Stürzen. Es gehört dazu, dass man beim Biken etwas probiert und riskiert, nur so wird man besser. Allerdings sollte man auch genau wissen und abschätzen können, ob etwas gelingen kann oder nicht. Einfach mal in den Steilhang reinstechen oder über den grossen Jump springen, ohne das vorher jemals gemacht zu haben, wird sicher im Desaster enden.

Die Grenze zwischen nicht stürzen und stürzen ist sehr schmal. Erfahrung, Linienwahl, Geschwindigkeit und Körperposition sind entscheidend, ob ein Manöver erfolgreich ist. Wie schnell es in die Hose gehen kann, kann man in den vielen Crashvideos sehen, die täglich im Internet hochgeladen werden. Auch an meinen Kursen beobachte ich Teilnehmer, bei denen ich schon beim Heranfahren sagen kann, ob das gut kommt oder nicht. Dort kann ich teilweise noch eingreifen und so das Schlimmste verhindern.

Gefordert sind hier auch die Vermietstationen in den Tourismusregionen. Mountainbiken ist gefährlich, wenn man keine Fahrtechnikkenntnisse mitbringt. Die Bikeshops müssen ihre Kunden informieren und bestmöglich instruieren, damit diese nicht einfach auf den nächsten Berg hochfahren und unkontrolliert wieder heruntereiern.

Lerne deine Grenzen zu kennen und versuche sie zu verschieben, fahre aber immer vernünftig und überlegt.

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Es ist schnell passiert... Fahre nur Trails, die mit deinen Fähigkeiten machbar sind.



Sei freundlich zu deinen Mitmenschen


Als Mountainbiker ist man unbeliebt. Wirklich Verständnis für uns haben nur Gleichgesinnte oder Leute, die in irgendeiner Verbindung zum Sport stehen. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Wir können die Situation aber positiv beeinflussen, wenn wir die wichtigsten Verhaltensregeln befolgen: Freundlichkeit, Dankbarkeit, Respekt, Toleranz und Rücksichtnahme.

Je mehr Leute biken, desto mehr gibt es auch schwarze Schafe, die sich eben nicht an die Regeln halten. Einige Idioten verhalten sich rücksichtslos und haben das Gefühl, ihnen gehört die Welt. Wir müssen uns nach wie vor bewusst sein, dass wir als Mountainbiker vielerorts nur geduldet sind. Streng nach Gesetz ist das Biken auf Wanderwegen in den meisten Kantonen immer noch verboten (Artikel 43 des SVG). Wir bewegen uns in einer Grauzone, welche aber fast überall toleriert wird.

Mountainbiker seid nett zu E-Mountainbikern. Das sind Biker wie du und ich. Sie haben keine Schuld an den aktuellen Umständen, unsere Probleme gibt es schon seit über 30 Jahren. Ich fahre auch regelmässig mit Motor, deswegen bin ich aber keine Person, die man verachten und dumm anmachen muss. Ich bin die gleiche Person, die auch ohne Motor unterwegs ist, behalte also deine Vorurteile für dich. Nur wenn wir alle zusammenhalten, haben wir die nötige Power und das Gehör, damit wir auch in der breiten Öffentlichkeit und in der Politik ernst genommen werden.

Übrigens erwarte ich auch von Fussgängern, Wanderern und Reitern, dass sie mir mit Anstand und Respekt begegnen. Ich erlebe immer wieder Situationen, wo ich als Mountainbiker wie der letzte Dreck behandelt werde, egal wie nett und zuvorkommend ich mich verhalte. Diesen Leuten sei gesagt, wir sind nicht böse und es gibt keinen Grund, uns generell zu hassen. Und wer weiss, vielleicht versteckt sich unter dem Helm dein Zahnarzt, Metzger, Versicherungsberater, Coiffeur, Garagist. Diesen Menschen trittst du ja im normalen Leben auch mit Freundlichkeit entgegen.

Das Miteinander funktioniert nur, wenn sich alle an die Regeln halten. Es braucht gegenseitige Toleranz, Offenheit und Freundlichkeit zwischen Fussgängern und Mountainbikern (auch zwischen uns selbst).

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Die Trail-Toleranz funktioniert in Graubünden vorbildlich. (Foto: Martin Bissig/herbert.bike)



Baue keine illegalen Trails


Ein heikles Thema ist das Bauen und Befahren von illegalen Trails. Warum gibt es illegale Trails? Weil es keine legalen Trails gibt.

Während unsere Bergkantone hohe Summen in den Bau von Biketrails und Bikeparks investieren, passiert im Mittelland sehr wenig. Ausgerechnet dort, wo die meisten Mountainbiker Zuhause sind, hinkt die Infrastruktur weit hinterher. Und die wenigen Wanderwege, die es gibt, werden immer häufiger mit Fahrverboten belegt.

Dies hat zur Folge, dass viele Mountainbiker selber zur Schaufel greifen und sich ihre eigenen Trails bauen. Das ist aber nicht Sinn der Sache, man darf nicht einfach einen fremden Wald umgraben und quer durch die Natur heizen.

Gefragt sind hier die Kantone und Gemeinden, damit wir unseren Sport überall legal ausüben dürfen. Verbote und Bussen bringen nichts, der Sport ist zu populär und zu gross geworden, um ihn einzudämmen. Und er wird in den kommenden Jahren regelrecht explodieren, wir stehen hier immer noch am Anfang. Es braucht also unbedingt Lösungen in Form von offiziellen Biketrails. Und zwar nicht nur in den Bergen, sondern im ganzen Land. Erst dann wird sich die Situation beruhigen und man kann Konflikte erfolgreich verhindern.

Fahre auf nur auf zugelassenen Wegen und meide die illegalen Trampelpfade. Und baue keine Trails und Jumps selber in den Wald.

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Selbstgebaute Jumps mitten im Wald. Ein heikles Thema...